Tierschutz: Warum viele Fallen verboten sind
Aus Tierschutzsicht stellen Fallen drei Kernfragen: Trifft die Falle nur das Tier, für das sie gedacht ist? Tötet sie sofort oder hält sie das Tier unverletzt fest? Und wie lange muss ein gefangenes Tier warten? Viele traditionelle und improvisierte Fallen bestehen keine dieser Prüfungen. Deshalb sind sie in vielen Ländern verboten, und die verbliebenen Fallen dürfen nur geschulte Personen unter strengen Auflagen einsetzen.
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Einfach erklärt
Tierschutz heißt: Tiere sollen nicht unnötig Angst, Schmerzen oder Leid erleben. Bei Fallen stellt man dazu drei einfache Fragen. Erstens: Trifft die Falle nur das Tier, für das sie gedacht ist? Zweitens: Tötet sie sofort, oder hält sie das Tier ganz ohne Verletzung fest? Drittens: Wie lange muss ein gefangenes Tier warten, bis jemand kommt?
Viele alte und selbstgebaute Fallen bestehen keine dieser Prüfungen. Eine Falle kann nicht „sehen“, wer kommt – sie schnappt auch bei einer Katze, einem Igel oder einem Vogel zu. Und ein Tier, das stundenlang festsitzt, hat Angst, Durst und friert oder überhitzt. Deshalb sind viele Fallen in vielen Ländern verboten.
Am tierfreundlichsten ist es, wenn es gar nicht erst Ärger mit Tieren gibt: Mülltonnen schließen, Futter wegräumen, Löcher am Haus fachgerecht verschließen lassen. Und Klebefallen sind besonders grausam – benutze sie nicht.
Wie es funktioniert: die drei Prüffragen
Selektivität: Eine Falle wird vom Tier selbst ausgelöst. Sie hat keine Augen und kein Urteilsvermögen. Je weniger selektiv eine Methode ist, desto häufiger trifft sie Tiere, für die sie nie gedacht war – Haustiere, geschützte Arten, Jungtiere oder Vögel. Fachleute sprechen dann von Fehlfängen oder Nicht-Zieltieren.
Tötungswirkung bzw. Verletzungsfreiheit: Wenn eine Falle töten soll, muss sie das sehr schnell und zuverlässig tun. Schlingen und viele improvisierte Vorrichtungen tun genau das nicht: Sie verletzen, würgen oder halten das Tier über lange Zeit fest. Soll eine Falle lebend fangen, darf sie das Tier nicht verletzen. Internationale humane Fangstandards bewerten Fallen deshalb unter anderem danach, wie schnell sie zur Bewusstlosigkeit führen oder welche Verletzungen beim Lebendfang entstehen.
Wartezeit: Auch die beste Lebendfalle verursacht Stress. Ein gefangenes Tier kann sich nicht vor Regen, Sonne oder Kälte schützen, es hat Durst und Angst und kann sich beim Fluchtversuch verletzen. Darum schreiben viele Länder sehr häufige Kontrollen vor.
Worauf es ankommt: Klebefallen und Lebendfallen
Klebefallen sind aus Tierschutzsicht besonders problematisch. Ein Tier, das daran kleben bleibt, kann sich nicht befreien, gerät in Panik, verletzt sich und stirbt oft langsam. Sie fangen außerdem häufig Nicht-Zieltiere wie kleine Vögel oder Igel. In einigen Ländern sind sie deshalb verboten oder eingeschränkt. Wer Probleme mit Mäusen hat, wählt tierschutzgerechte Alternativen und prüft die lokalen Regeln.
Viele Menschen halten Lebendfallen automatisch für tierfreundlich. Das stimmt nur unter strengen Bedingungen: wenn die Falle sehr oft kontrolliert wird, das Tier sich darin nicht verletzen kann und klar ist, was danach mit ihm geschieht. Ein Wildtier einfach irgendwo anders auszusetzen, ist oft keine gute Lösung: Es kennt das neue Gebiet nicht, findet womöglich kein Versteck und keine Nahrung und kann mit anderen Tieren in Konflikt geraten. In vielen Ländern ist das Fangen und Umsiedeln von Wildtieren außerdem nur Berechtigten erlaubt.
Ein dritter Punkt ist das allgemeine Tierschutzrecht. In vielen Ländern verbietet es, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Das gilt auch für improvisierte Vorrichtungen, die jemand selbst gebastelt hat.
Besser: Konflikte vorbeugen
Die tierfreundlichste Lösung ist fast immer, dass gar kein Tier gefangen werden muss. Wildtiere kommen dorthin, wo sie Nahrung, Wasser oder Unterschlupf finden. Fallen diese Anreize weg, bleiben die Tiere meist von selbst fern. Mülltonnen schließen, Tierfutter nicht draußen stehen lassen, Kompost ohne Speisereste und Fallobst aufsammeln – das hilft oft schon viel.
Bei Gebäuden geht es darum, Zugänge fachgerecht zu verschließen. Wichtig ist dabei: niemals eine Öffnung zumachen, solange noch ein Tier oder Jungtiere drin sind. Eingeschlossene Tiere sterben qualvoll. Fachleute wissen, wie man sicherstellt, dass ein Raum leer ist, und welche Schutzzeiten gelten.
Ein wildtierfreundlich gestalteter Garten kann übrigens beides: Tieren Lebensraum bieten und trotzdem Konflikte vermeiden. Ein Igel-Durchgang im Zaun ist willkommen, eine offene Mülltonne nicht.
Wann es sinnvoll ist, diese Kriterien zu kennen
Die drei Prüffragen helfen nicht nur bei Fallen. Du kannst sie bei jeder Methode anwenden, mit der Menschen auf Tiere einwirken: Wen trifft es noch? Wie sehr leidet das Tier? Wie lange dauert es? Damit kannst du zum Beispiel Werbung für Schädlingsbekämpfungsmittel oder Survival-Videos kritisch einschätzen.
Für die Bewertung einzelner Produkte reichen diese Kriterien allerdings nicht. Ob eine bestimmte Falle zugelassen oder ein Mittel erlaubt ist, wissen Prüfstellen, Behörden und Fachbetriebe. Diese Wissensbasis gibt bewusst keine Produktempfehlungen und keine Rechtsberatung.
Gut zu wissen
Dass viele Fallen heute verboten sind, ist das Ergebnis einer langen gesellschaftlichen Debatte. In der EU wurde der Einsatz von Tellereisen schon Anfang der 1990er-Jahre verboten. Später einigten sich die EU, Kanada und Russland auf ein Abkommen über internationale humane Fangstandards – ein Beispiel dafür, wie Tierschutzkriterien in konkrete Regeln übersetzt werden.
Wildtiermanagement bleibt trotzdem ein Feld mit schwierigen Abwägungen: Schutz von Gebäuden, Gesundheit, Landwirtschaft und Artenschutz können sich widersprechen. Gerade deshalb liegt die Entscheidung über Eingriffe bei geschulten Fachleuten und Behörden, nicht bei Einzelnen mit improvisierten Mitteln.
Schritt für Schritt
Frage 1: Wen trifft es?
Eine Falle für eine Art kann ebenso Katze, Hund, Igel, Greifvogel oder ein geschütztes Tier treffen – und auch Menschen gefährden.
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Frage 1: Wen trifft es?
Eine Falle für eine Art kann ebenso Katze, Hund, Igel, Greifvogel oder ein geschütztes Tier treffen – und auch Menschen gefährden.
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Frage 2: Wie stark leidet es?
Verletzungen, Panik, langes Festhalten oder unvollständiges Töten bedeuten erhebliches Leid. Improvisierte Fallen sind hier besonders problematisch.
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Frage 3: Wie lange?
Je länger ein Tier in einer Falle bleibt, desto größer Stress und Verletzungsgefahr. Deshalb gibt es in vielen Ländern strenge Kontrollpflichten.
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Besser: vorbeugen
Die tierschutzfreundlichste Lösung ist meist, Konflikte gar nicht entstehen zu lassen: Müll und Futter sichern, Zugänge zu Gebäuden fachgerecht schließen, Gärten wildtierfreundlich gestalten.
Häufige Fehler
- Lebendfallen für automatisch tierfreundlich halten
- Klebefallen verwenden
- Annehmen, eine selbstgebaute Falle töte sofort
- Gefangene Wildtiere selbst irgendwo aussetzen
Kurzüberblick
Geeignet für
- Ethische Bildung und Unterricht
- Bewerten von Survival-Medien
- Haushalte, die Schädlinge tierschutzgerecht bekämpfen wollen
Ungeeignet für
- Bewertung einzelner Produkte – dafür Prüfstellen und Behörden fragen
Sicherheit
- Klebefallen verursachen bei gefangenen Tieren schweres Leiden und treffen oft Nicht-Zieltiere wie Vögel oder Igel. Sie sind in einigen Ländern verboten oder eingeschränkt – tierschutzgerechte Alternativen wählen und lokale Regeln prüfen.
So funktioniert es
Selektivität: Eine Falle wird vom Tier selbst ausgelöst und kann nicht „sehen“, wer sie auslöst. Je weniger selektiv, desto mehr Haustiere, geschützte Arten und Jungtiere sind betroffen. Tötungswirkung: Schlingen und viele improvisierte Vorrichtungen töten nicht verlässlich, sondern verletzen oder würgen über lange Zeit. Wartezeit: Auch eine Lebendfalle verursacht Stress, Durst, Unterkühlung oder Überhitzung, wenn sie nicht sehr häufig kontrolliert wird. Internationale humane Fangstandards bewerten Fallen deshalb unter anderem danach, wie schnell sie zur Bewusstlosigkeit führen bzw. welche Verletzungen sie bei Lebendfang verursachen.
Vorteile
- Klare Kriterien zur Bewertung von Methoden
- Fördert vorbeugende Lösungen
Nachteile
- Abwägungen im Wildtiermanagement bleiben schwierig
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das Abkommen über internationale humane Fangstandards zwischen der EU, Kanada und Russland ist ein Beispiel dafür, wie Tierschutzkriterien in Regeln für Fallen übersetzt wurden. In der EU war schon zuvor der Einsatz von Tellereisen verboten worden.
In vielen Ländern verbietet zudem das allgemeine Tierschutzrecht, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen – das betrifft auch improvisierte Fallen.
Häufige Fehler
- Lebendfallen für automatisch tierfreundlich halten
- Klebefallen verwenden
- Annehmen, eine selbstgebaute Falle töte sofort
- Gefangene Wildtiere selbst irgendwo aussetzen
Grenzen und Risiken
- Keine Produktempfehlungen
- Keine Rechtsberatung
Quellen
European Community, Canada, Russian Federation: Agreement on International Humane Trapping Standards between the European Community, Canada and the Russian Federation
Kriterien für humane Fangstandards
Council of the European Communities (1991): Council Regulation (EEC) No 3254/91 prohibiting the use of leghold traps in the Community
Verbot von Tellereisen in der EU