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Lager am Waldrand über einem stillen See, Person sitzt mit Bestimmungsbuch auf einem Baumstamm

Mein Essen ist aufgebraucht – Hilfe ist noch Tage entfernt

Die Vorräte sind leer, Hilfe ist Tage entfernt. Jetzt geht es darum, Energie zu sparen, sicher zu bleiben und nur zu essen, was wirklich sicher ist.

Zuerst

  1. Ruhig bleiben: Ein gesunder Mensch übersteht mehrere Tage ohne Essen, wenn er genug trinkt und warm bleibt. Wasser hat Vorrang.
  2. Energie sparen: wenig Anstrengung, viel Ruhe, warm und trocken bleiben – Frieren verbraucht viel Energie.
  3. Nichts essen, was du nicht sicher (zu 100 %) bestimmen kannst. Eine Vergiftung ist in der Wildnis weit gefährlicher als Hunger.
  4. Restliche Vorräte fair und offen einteilen; wenn möglich Hilfe über Notruf 112 informieren, dass die Nahrung zu Ende ist.

Notruf wählen bei

  • Kein Trinkwasser
  • Schwindel, Ohnmacht oder starke Schwäche
  • Kinder, Schwangere, Kranke (z. B. Diabetes) ohne Nahrung
  • Verdacht auf Vergiftung nach dem Essen von Pflanzen, Pilzen oder Muscheln (zusätzlich Vergiftungsinformationszentrale)
  • Anzeichen von Unterkühlung

Was gerade passiert

Eine Tour dauert länger als geplant, ein Wetterumschwung hält dich fest oder die Rettung verzögert sich: Irgendwann ist das letzte Brot gegessen. Der Magen meldet sich, die Stimmung sinkt, und der Gedanke an Essen wird übermächtig. Genau in diesem Moment passieren die gefährlichsten Fehler – zum Beispiel das Probieren unbekannter Beeren oder Pilze.

Medizinisch ist Hunger über einige Tage für einen gesunden Erwachsenen selten gefährlich, solange er trinkt und warm bleibt. Kraft, Konzentration und Kältetoleranz lassen allerdings nach einigen Tagen spürbar nach, und Entscheidungen fallen schwerer. Wichtig ist deshalb, Energie zu sparen und den Kopf klar zu halten.

Nahrungssuche kostet Energie. Sie lohnt sich nur, wenn der Ertrag sicher und gut erreichbar ist: bekannte Pflanzen in Menge, Nüsse im Herbst, Fische in einem Gewässer. Fallenstellen ist in Österreich und Deutschland ohne Jagdrecht verboten und nur in echter Lebensgefahr überhaupt zu erwägen; die Erfolgsaussichten sind gering, die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier hoch.

Bei Wassermangel gilt eine wichtige Regel: Wer wenig Wasser hat, sollte auch wenig essen – vor allem wenig Eiweiß, denn Verdauung braucht Wasser. Wasser kommt immer vor Essen.

Schritt für Schritt

Mein Essen ist aufgebraucht – Hilfe ist noch Tage entfernt – Phase 1 von 4Sofort. Restliche Vorräte zählen und offen einteilen – auch Kleinigkeiten wie Zucker, Tee, Brühwürfel. Hilfe über Notruf oder vereinbarte Kontakte informieren, dass die Nahrung zu Ende ist, besonders wenn Kinder, Schwangere oder Kranke dabei sind. Wasserversorgung sichern und Trinkplan festlegen – das ist jetzt wichtiger als Essen. Energieverbrauch senken: kein unnötiges Gehen, Pausen im Windschatten, warme Kleidung früh anziehen.
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Sofort

Restliche Vorräte zählen und offen einteilen – auch Kleinigkeiten wie Zucker, Tee, Brühwürfel. Hilfe über Notruf oder vereinbarte Kontakte informieren, dass die Nahrung zu Ende ist, besonders wenn Kinder, Schwangere oder Kranke dabei sind. Wasserversorgung sichern und Trinkplan festlegen – das ist jetzt wichtiger als Essen. Energieverbrauch senken: kein unnötiges Gehen, Pausen im Windschatten, warme Kleidung früh anziehen.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Sofort

    • Restliche Vorräte zählen und offen einteilen – auch Kleinigkeiten wie Zucker, Tee, Brühwürfel.
    • Hilfe über Notruf oder vereinbarte Kontakte informieren, dass die Nahrung zu Ende ist, besonders wenn Kinder, Schwangere oder Kranke dabei sind.
    • Wasserversorgung sichern und Trinkplan festlegen – das ist jetzt wichtiger als Essen.
    • Energieverbrauch senken: kein unnötiges Gehen, Pausen im Windschatten, warme Kleidung früh anziehen.
  2. Phase 2

    Die ersten Tage

    • Nur sammeln, was du ohne jeden Zweifel kennst und dessen giftige Doppelgänger du ausschließen kannst – z. B. Brennnessel, Löwenzahn, Brombeere, Himbeere, Haselnuss.
    • Pilze grundsätzlich nicht essen, wenn du kein ausgebildeter Kenner bist – tödliche Arten sehen essbaren sehr ähnlich.
    • Gesammeltes immer gründlich waschen und möglichst kochen; im Fuchsbandwurm-Gebiet bodennah Gesammeltes nur gekocht essen.
    • An Gewässern mit Angelschnur oder improvisiertem Haken angeln, wenn es eine echte Notlage ist; Fisch immer durchgaren.
    • Insekten und Würmer liefern Eiweiß; nur gekocht essen, keine bunten, behaarten oder stechenden Tiere.
  3. Phase 3

    Wenn es länger dauert

    • Feste Tagesstruktur: Ruhe in der Mittagszeit oder Kälte, kurze Sammelrunden in der Nähe des Lagers.
    • Fallen nur, wenn du sie korrekt bauen kannst, es eine echte Lebensgefahr ist und du sie regelmäßig kontrollierst; danach alle Fallen vollständig abbauen.
    • Mageres Fleisch allein deckt den Energiebedarf nicht – Fett und Kohlenhydrate (Nüsse, Wurzeln) sind ebenso wichtig.
    • Auf Warnzeichen achten: Schwindel beim Aufstehen, Verwirrtheit, extreme Schwäche – dann Notruf erneut absetzen.
    • Moral pflegen: kleine Ziele, Erfolge feiern, miteinander reden.
  4. Phase 4

    Nach der Rettung

    • Nach längerem Hungern langsam und in kleinen Portionen wieder essen; nach mehr als einigen Tagen ohne Nahrung ärztlichen Rat einholen.
    • Bei Beschwerden nach dem Verzehr von Wildpflanzen, Pilzen oder Muscheln Arzt oder Vergiftungsinformationszentrale verständigen und sagen, was gegessen wurde.
    • Fallen, Schnüre und Reste im Gelände vollständig entfernen.
    • Überlegen, was künftig in die Notration gehört.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Schnee schmelzen, nicht essen

    Schnee im Mund kühlt dich von innen aus und kostet den Körper Energie, um ihn zu erwärmen. Genau das kannst du dir ohne Essen nicht leisten. Schmelze Schnee im Topf oder in einer Flasche am Körper und trink das Wasser.

  2. Ein Bissen vor dem Schlafen wärmt

    Wenn du noch etwas hast: Iss einen kleinen, möglichst fetthaltigen Rest kurz vor der kalten Nacht, nicht am Morgen. Die Verdauung erzeugt Wärme, und Fett liefert lange Energie. Das gilt nur, solange genug Wasser da ist.

  3. Zuerst essen, was verdirbt

    Frisches wie Brot, Käse oder Obst wird zuerst gegessen. Haltbares wie Nüsse, Riegel und Zucker hebst du für später auf. Etwas Zucker als Reserve hilft, wenn ihr euch noch einmal anstrengen müsst – etwa beim Abstieg mit den Rettern.

  4. Warmes Wasser gegen den Hunger

    Heißes Wasser, Tee oder ein Brühwürfel füllen den Magen, wärmen und heben die Stimmung. Das ersetzt kein Essen, macht das Warten aber deutlich leichter. Teile solche kleinen Dinge über den Tag auf.

  5. Hunger macht schlechte Entscheidungen

    Mit leerem Magen wird man ungeduldig, gereizt und riskiert mehr. Triff wichtige Entscheidungen (Aufbruch, Bach queren, Essbares sammeln) in Ruhe und sprich sie in der Gruppe laut durch. Wer allein ist, stellt sich die Frage: „Würde ich das satt auch so machen?“

Worauf du achten musst

  • Giftige Doppelgänger

    Bärlauch und Maiglöckchen oder Herbstzeitlose, Wiesenkerbel und Schierling, Heidelbeere und Tollkirsche: Viele tödliche Pflanzen sehen essbaren ähnlich. Im Zweifel nie essen. Der oft zitierte „Universal-Essbarkeitstest“ schützt nicht vor tödlich giftigen Pflanzen.

  • Eibe

    Die Eibe sieht Fichte und Tanne entfernt ähnlich, ist aber in fast allen Teilen tödlich giftig. Für Nadeltee nur Fichte oder Kiefer verwenden, die du sicher erkennst.

  • Muscheln und Algenblüte

    Muscheln können Algengifte anreichern, die durch Kochen nicht zerstört werden. Nicht sammeln bei Algenblüte, verfärbtem Wasser oder in der Nähe von Abwassereinleitungen.

  • Rohes Fleisch und Wildtierkrankheiten

    Wildfleisch kann Trichinen oder Tularämie-Erreger übertragen. Mit Handschuhen oder Tuch arbeiten, Hände waschen, Fleisch und Fisch immer vollständig durchgaren. Keine verendet gefundenen Tiere essen.

  • Recht und Tierschutz

    Angeln ohne Fischerkarte und Fallenstellen ohne Jagdrecht sind in Österreich und Deutschland verboten. In echter Lebensgefahr kann Notstand eine Rolle spielen – das ersetzt aber keine Regel im Alltag und rechtfertigt keine Tierquälerei.

Häufige Fehler

  • Aus Hunger unbekannte Beeren, Pflanzen oder Pilze probieren.
  • Bei Wassermangel viel essen, besonders Eiweiß.
  • Stunden mit Sammeln verbringen, das mehr Energie kostet, als es bringt.
  • Fallen aufstellen und nicht kontrollieren oder nicht abbauen.
  • Fisch oder Fleisch nur halb gar essen.
  • Vorräte heimlich oder ungleich verteilen.

Vorher vorbereiten

  • Immer eine Notration mitnehmen, die auch einen zusätzlichen Tag abdeckt (Nüsse, Riegel, Trockenobst).
  • Wenige, sicher erkennbare Wildpflanzen der eigenen Region mit einem Kurs oder Bestimmungsbuch kennenlernen – und die gefährlichsten Giftpflanzen.
  • Ein Mini-Angelset und Schnur ins Notfallset legen und sich über Fischereirecht informieren.
  • Topf oder Becher zum Kochen einpacken – Kochen macht viel Gesammeltes erst sicher.
  • Die Nummer der Vergiftungsinformationszentrale speichern (Österreich: 01 406 43 43).
  • Touren so planen, dass ein Puffertag Essen und Wasser im Rucksack ist.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder haben weniger Reserven und stecken gern Beeren in den Mund. Vorräte zuerst ihnen geben und klar sagen: Nichts essen, ohne zu fragen.
Diabetes und andere Erkrankungen
Wer Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente nimmt, kann ohne Essen gefährlich unterzuckern. Traubenzucker für diese Person reservieren und beim Notruf darauf hinweisen.

Quellen

  • FM 3-05.70 Survival · Headquarters, Department of the Army (USA), 2002
  • Human energy requirements – Report of a Joint FAO/WHO/UNU Expert Consultation · Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), 2004
  • Risiko Pflanze – Einschätzung und Hinweise · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2017
  • Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) · Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
  • Five Keys to Safer Food Manual · World Health Organization (WHO), 2006
  • Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG), BGBl. I Nr. 118/2004 · Republik Österreich – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), 2004
  • Bundesjagdgesetz (BJagdG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976 · Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), 1976
  • Trichinellosis – Prevention · Centers for Disease Control and Prevention (CDC)

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Alle Regeln dieser Situation (12)
  1. [nicht aktiv] Wenn Jahreszeit = Frühling / Sommer

    Im Frühling und Sommer sind einige leicht erkennbare Pflanzen verfügbar. Nur Arten sammeln, die du ohne jeden Zweifel kennst, und giftige Doppelgänger ausschließen.

  2. [nicht aktiv] Wenn Jahreszeit = Herbst

    Im Herbst liefern Nüsse und Bucheckern viel Energie. Eicheln müssen vor dem Essen gründlich gewässert werden; Bucheckern nur in kleinen Mengen.

  3. [nicht aktiv] Wenn Jahreszeit = Winter

    Im Winter gibt es kaum essbare Pflanzen. Wärme erhalten spart mehr Energie, als Futtersuche bringt. Nadeltee wärmt – Eibe ist tödlich giftig.

  4. [nicht aktiv] Wenn Umgebung = An See oder Fluss

    Gewässer sind oft die beste Nahrungsquelle. Angeln braucht normalerweise eine Fischerkarte; ohne echte Notlage gilt das Fischereirecht uneingeschränkt.

  5. [nicht aktiv] Wenn Umgebung = An der Küste

    An der Küste: Gezeiten beachten, Muscheln nur aus sauberem Wasser und nie bei Algenblüte, Seetang nur in Maßen. Meerwasser nie trinken.

  6. [nicht aktiv] Wenn Umgebung = Gebirge

    Im Gebirge ist wenig Nahrung zu finden. Besser Kraft für Abstieg oder Warten sparen als auf steilem Gelände sammeln.

  7. [nicht aktiv] Wenn Ausrüstung = Angelschnur und Haken

    Mit Handleine an ruhigen Stellen, Uferkanten und Zuflüssen angeln; Fisch immer gut durchgaren.

  8. [nicht aktiv] Wenn Jahreszeit = Winter und Ausrüstung = Angelschnur und Haken

    Eisangeln nur auf sicher tragfähigem Eis – im Zweifel nicht aufs Eis gehen.

  9. [nicht aktiv] Wenn Ausrüstung = Messer und Schnur

    Fallen sind in Österreich und Deutschland ohne Jagdrecht verboten und nur in echter Lebensgefahr überhaupt zu erwägen. Sie fangen selten etwas; wenn, dann regelmäßig kontrollieren, Tiere sofort töten und alle Fallen abbauen.

  10. [nicht aktiv] Wenn Ausrüstung = Topf / Feuer möglich

    Alles Gesammelte durchgaren – auch Insekten und Würmer. Ohne Topf geht Kochen mit heißen Steinen.

  11. [nicht aktiv] Wenn Ausrüstung = Fast nichts

    Ohne Ausrüstung lohnt sich die Nahrungssuche selten. Ruhe, Wärme und Wasser sind wichtiger.

  12. [nicht aktiv] Wenn Wer ist dabei? = Gruppe

    Vorräte offen zählen und gleich verteilen; Kinder, Kranke und Ältere zuerst versorgen. Streit kostet Kraft.