Zum Inhalt springen
Im NotfallÖsterreichNotrufnummern →
SurviveBetter
Segelboot in der Dämmerung, eine Person in Rettungsweste zeigt auf einen Rettungsring im Wasser

Jemand ist über Bord gegangen

Ein Schrei, ein Platschen – und jemand ist im Wasser. In den ersten Sekunden entscheiden drei Dinge: rufen, etwas Schwimmendes werfen, nicht aus den Augen lassen.

Zuerst

  1. Laut „Mensch über Bord!“ rufen, damit alle es hören.
  2. Sofort etwas Schwimmfähiges zuwerfen: Rettungsring, Rettungsweste, Kissen.
  3. Die Person nicht aus den Augen lassen und mit ausgestrecktem Arm auf sie zeigen.
  4. Crew oder Skipper alarmieren und Hilfe rufen: 112, auf See auch über Seefunk Kanal 16 (MAYDAY). Nicht hinterherspringen.

Notruf wählen bei

  • Immer, wenn jemand über Bord gegangen ist und nicht sofort wieder an Bord ist
  • Die Person ist außer Sicht
  • Nach der Rettung: Die Person hustet, atmet schwer, ist verwirrt oder friert stark

Was gerade passiert

Menschen gehen über Bord, wenn sie sich zu weit über die Reling lehnen, bei Seegang stolpern, auf nassem Deck ausrutschen oder beim Anlegen zwischen Boot und Steg geraten. Auf offenem Wasser verliert man einen Kopf zwischen den Wellen sehr schnell aus den Augen.

Darum gelten an Bord drei Regeln zugleich: laut „Mensch über Bord!“ rufen, sofort etwas Schwimmfähiges zuwerfen (Rettungsring, Weste, Kissen) und die Person ununterbrochen ansehen und mit ausgestrecktem Arm auf sie zeigen. Dann wird Hilfe alarmiert: auf großen Schiffen die Crew, auf kleinen Booten per Handy 112 oder per Seefunk auf Kanal 16, dem internationalen Not- und Anrufkanal, mit MAYDAY.

Kaltes Wasser ist besonders gefährlich: In der ersten Minute raubt der Kälteschock den Atem, später werden Arme und Beine kraftlos. Wer im Wasser ist, sollte sich erst auf den Rücken legen und treiben lassen, bis die Atmung ruhiger wird.

Niemand springt ohne Ausrüstung hinterher. Sonst sind zwei Menschen im Wasser. Wie ein Boot zurückmanövriert wird, ist Sache der Person, die es führt und das geübt hat; diese Seite beschreibt, was alle anderen tun.

Schritt für Schritt

Jemand ist über Bord gegangen – Phase 1 von 4Die ersten Sekunden: rufen, werfen, zeigen. Laut „Mensch über Bord!“ rufen. Rettungsring, Rettungsweste oder ein Kissen in die Nähe der Person werfen. Die Person nicht aus den Augen lassen und mit ausgestrecktem Arm auf sie zeigen – eine Person macht nur das. Der Person zurufen: „Leg dich auf den Rücken und lass dich treiben!“
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Die ersten Sekunden: rufen, werfen, zeigen

Laut „Mensch über Bord!“ rufen. Rettungsring, Rettungsweste oder ein Kissen in die Nähe der Person werfen. Die Person nicht aus den Augen lassen und mit ausgestrecktem Arm auf sie zeigen – eine Person macht nur das. Der Person zurufen: „Leg dich auf den Rücken und lass dich treiben!“

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Die ersten Sekunden: rufen, werfen, zeigen

    • Laut „Mensch über Bord!“ rufen.
    • Rettungsring, Rettungsweste oder ein Kissen in die Nähe der Person werfen.
    • Die Person nicht aus den Augen lassen und mit ausgestrecktem Arm auf sie zeigen – eine Person macht nur das.
    • Der Person zurufen: „Leg dich auf den Rücken und lass dich treiben!“
  2. Phase 2

    Hilfe alarmieren

    • Auf Fähre oder Schiff: sofort die Crew alarmieren oder jemanden schicken.
    • Auf dem Boot: 112 per Handy, oder MAYDAY auf Seefunk Kanal 16 durch jemanden, der das Funkgerät bedienen kann.
    • Sagen, wo ihr seid (Position aus Karten-App oder Navigationsgerät), dass jemand über Bord ist und wie viele Personen an Bord sind.
    • Ist die Person außer Sicht: Notruf sofort, Stelle des letzten Sichtkontakts nennen.
  3. Phase 3

    Zurück zur Person – ohne zweites Opfer

    • Nicht hinterherspringen.
    • Wer das Boot führt, wendet so, wie es geübt wurde; alle anderen zeigen weiter und halten Ausschau.
    • Selbst eine Rettungsweste tragen, bevor du dich über die Bordwand lehnst.
    • Die Person mit einer Leine, einem Rettungsring an der Leine oder einem Bootshaken erreichen – vom Boot aus.
    • Auf großen Schiffen übernimmt die Crew die Rettung; Passagiere halten den Weg frei.
  4. Phase 4

    Nach der Rettung

    • Die Person aus Wind und Wasser bringen, nasse Kleidung gegen trockene tauschen, warm einpacken.
    • Hustet sie, atmet schwer, ist verwirrt oder friert stark: Rettungsdienst rufen, auch wenn es ihr scheinbar gut geht.
    • Ruhig bei ihr bleiben, bis Hilfe da ist.
    • Den Notruf informieren, wenn die Person wieder an Bord ist, damit die Suche beendet wird.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Sofort die MOB-Taste drücken

    Viele Kartenplotter und GPS-Geräte haben eine MOB-Taste (Mann über Bord). Ein Druck speichert die Position des Unfalls. Damit findet ihr die Stelle wieder und könnt sie per Funk oder Telefon genau durchgeben.

  2. Mehr Schwimmendes hinterherwerfen

    Nach dem Rettungsring weitere Dinge werfen, die schwimmen: Kissen, Fender, Schwimmwesten. Sie markieren eine Spur zur Person und helfen beim Wiederfinden, auch wenn der Kopf zwischen den Wellen verschwindet.

  3. Möglichst waagrecht an Bord holen

    Wer länger in kaltem Wasser war, kann beim senkrechten Herausziehen einen Kreislaufkollaps erleiden. Holt die Person darum möglichst liegend an Bord, zum Beispiel mit zwei Leinen oder einem Bergenetz. Danach flach liegen lassen und warm einpacken.

  4. Das Zurück-an-Bord vorher planen

    Das Schwierigste ist oft nicht das Erreichen, sondern das Hochholen: Eine nasse, erschöpfte Person ist sehr schwer. Klärt vor der Fahrt, wie das auf eurem Boot geht – Badeleiter, Trittschlaufe, Hebel über eine Winsch – und übt es einmal in ruhigem Wasser.

  5. Nachts und bei Seegang einpicken

    Erfahrene Segler hängen sich nachts, allein an Deck und bei Seegang mit Lifebelt und Sorgleine am Boot ein. Dazu die alte Regel: „Eine Hand fürs Boot, eine für dich.“ Am besten fällt erst gar niemand über Bord.

Worauf du achten musst

  • Aus den Augen verloren

    Ein Kopf im Wasser ist klein und verschwindet zwischen Wellen. Eine Person tut nichts anderes als schauen und zeigen – das ist ihre wichtigste Aufgabe.

  • Kälteschock

    Kaltes Wasser lässt in der ersten Minute nach Luft schnappen. Wer jetzt wild schwimmt, schluckt Wasser. Auf dem Rücken treiben lassen, bis die Atmung ruhiger wird.

  • Hinterherspringen

    Ohne Weste, Leine und Ausbildung wird aus einer Person im Wasser schnell zwei. Erst werfen, reichen, zurückfahren – nie hineinspringen.

  • Schraube und Bordwand

    Nahe an der Person ist ein drehender Propeller gefährlich, und Wellen können sie gegen die Bordwand drücken. Das Manöver gehört in geübte Hände.

Häufige Fehler

  • Alle schauen nach der Rettungsausrüstung, niemand behält die Person im Blick.
  • Hinterherspringen ohne Weste und Leine.
  • Den Notruf hinauszögern, weil man es erst selbst versuchen will.
  • Ohne Rettungsweste über die Bordwand lehnen.
  • Nach der Rettung annehmen, alles sei gut, obwohl die Person hustet oder verwirrt ist.

Vorher vorbereiten

  • An Bord Rettungswesten tragen, besonders bei Seegang, Kälte, nachts und auf kleinen Booten.
  • Bei Fähren und Schiffen die Sicherheitseinweisung anhören und wissen, wo Rettungsringe hängen.
  • Auf dem eigenen Boot vor der Abfahrt besprechen, wer bei „Mensch über Bord“ was macht.
  • Seefunk nur mit der nötigen Ausbildung und Berechtigung nutzen; das Handy wasserdicht verpacken.
  • Nicht über die Reling lehnen, nicht darauf sitzen, Kinder an Deck nie aus den Augen lassen.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder tragen an Deck immer eine passende Rettungsweste und bleiben in Reichweite eines Erwachsenen. Sie sollten wissen: Wer jemanden ins Wasser fallen sieht, ruft laut und zeigt – und springt nie hinterher.
Hunde
Fällt ein Hund ins Wasser, gelten dieselben Regeln: rufen, zeigen, zurückfahren – niemand springt hinterher.

Quellen

  • IAMSAR Manual (International Aeronautical and Maritime Search and Rescue Manual), Volume III – Mobile Facilities · International Maritime Organization (IMO) and International Civil Aviation Organization (ICAO)
  • Respect the Water – Float to Live · Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK
  • International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS), 1974, as amended · International Maritime Organization (IMO), 1974
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Treatment and Prevention of Drowning: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • Cold water immersion: kill or cure? · Experimental Physiology (M. J. Tipton, N. Collier, H. Massey, J. Corbett, M. Harper), 2017
  • 112 – the European emergency number · European Commission

Deine Lage

Wo bist du?
Siehst du die Person?
Das Wasser ist …

Passende Einträge

0 Regeln treffen zu

Hier entscheidet keine KI. Jede Empfehlung beruht auf einer sichtbaren Regel.

Wähle oben Angaben zu deiner Lage, um gezieltere Hinweise zu erhalten.

Grundlagen für diese Situation

Warum: Gilt immer für diese Situation – unabhängig von deinen Angaben.

Alle Regeln dieser Situation (4)
  1. [nicht aktiv] Wenn Wo bist du? = Fähre oder großes Schiff mit Crew

    Sofort die Crew alarmieren oder jemanden schicken, und selbst weiter zeigen. Die Crew kennt die Abläufe, kann das Schiff wenden oder ein Boot aussetzen.

  2. [nicht aktiv] Wenn Wo bist du? = Segel- oder Motorboot

    Eine Person zeigt nur, eine wirft und alarmiert, wer das Boot führt, wendet so, wie es geübt wurde. MAYDAY über Kanal 16 setzt ab, wer das Funkgerät bedienen kann; sonst 112 per Handy.

  3. [nicht aktiv] Wenn Siehst du die Person? = Nein, aus den Augen verloren

    Sofort Notruf absetzen und die Stelle nennen, an der die Person zuletzt gesehen wurde – Position aus der Karten-App oder dem Navigationsgerät. Alle Augen auf das Wasser.

  4. [nicht aktiv] Wenn Das Wasser ist … = Kalt (Frühling, Herbst, Winter, Nord- und Ostsee, Bergseen)

    Kaltes Wasser raubt in der ersten Minute den Atem. Der Person zurufen: „Leg dich auf den Rücken und lass dich treiben!“ Jede Minute zählt – Notruf nicht aufschieben.