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Zugefrorener See im verschneiten Wald, Rettungsring am Ufer, zwei Menschen stehen sicher am Ufer

Jemand ist durchs Eis eingebrochen

Das Eis bricht, eiskaltes Wasser schlägt über dir zusammen. Die ersten Minuten entscheiden – für dich und für Helfende am Ufer.

Zuerst

  1. Bist du selbst im Wasser: Den Kälteschock (etwa die erste Minute) abwarten, Atmung beruhigen, nicht strampeln. Den Kopf über Wasser halten.
  2. Dann zur Seite drehen, von der du gekommen bist – dort hat das Eis dich getragen. Arme flach aufs Eis, mit den Beinen waagrecht schwimmen und dich hinaufschieben.
  3. Auf dem Eis nicht aufstehen: wegrollen oder kriechen, entlang deiner eigenen Spur zum Ufer.
  4. Siehst du jemanden einbrechen: sofort 112 rufen, nicht selbst aufs Eis laufen. Vom Ufer aus Ast, Seil, Leiter oder Schal reichen oder zuwerfen.

Notruf wählen bei

  • Immer, wenn jemand eingebrochen ist und nicht sofort selbst herauskommt
  • Die Person war unter Wasser oder hat Wasser eingeatmet – auch wenn es ihr danach gut geht
  • Bewusstlosigkeit oder keine normale Atmung
  • Anzeichen von Unterkühlung: starkes Zittern, Verwirrtheit, Schläfrigkeit
  • Jemand wird vermisst

Was gerade passiert

Eisflächen auf Seen, Teichen und Flüssen locken im Winter zum Spazierengehen, Eislaufen oder Eisangeln. Die Tragfähigkeit lässt sich von oben kaum beurteilen: An Zuflüssen, Schilf, Stegen, unter Schnee und über Strömung ist das Eis oft deutlich dünner. Rettungsorganisationen wie die DLRG empfehlen, stehende Gewässer erst ab etwa 15 cm klarem Eis zu betreten, fließende ab etwa 20 cm – und nur, wenn sie freigegeben sind.

Wer einbricht, erlebt einen Kälteschock: Unwillkürliches Nach-Luft-Schnappen und schnelles Atmen in der ersten Minute. Wer in diesem Moment unter Wasser gerät, kann Wasser einatmen. Nach dem Schock bleiben grob zehn Minuten, in denen Arme und Beine noch gut funktionieren; danach werden sie zunehmend kraftlos. Bis zur Bewusstlosigkeit durch Unterkühlung dauert es meist deutlich länger. Diese Faustregel „1 – 10 – 1“ hilft, ruhig zu bleiben: erst atmen, dann zielstrebig hinaus.

Die zweite große Gefahr betrifft die Helfenden: Wer einem Eingebrochenen nachläuft, bricht oft selbst ein. Sicherer ist es, vom Ufer aus zu helfen, mit langen Gegenständen oder Seilen, und sofort den Notruf zu wählen.

Nach der Rettung ist die Gefahr nicht vorbei. Die Körpertemperatur kann weiter sinken, und wer Wasser eingeatmet hat, kann noch Stunden später Atemprobleme bekommen. Darum gehören alle Eingebrochenen ins Warme und ärztlich abgeklärt.

Schritt für Schritt

Jemand ist durchs Eis eingebrochen – Phase 1 von 4Im Wasser: erste Minute. Kopf über Wasser halten, Mund schließen, wenn Wellen kommen. Nicht strampeln. Bewusst langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird – das dauert etwa eine Minute. Am Eisrand festhalten, ohne dich hochzustemmen, solange du noch nach Luft schnappst. Laut um Hilfe rufen, wenn Menschen in der Nähe sind.
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Im Wasser: erste Minute

Kopf über Wasser halten, Mund schließen, wenn Wellen kommen. Nicht strampeln. Bewusst langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird – das dauert etwa eine Minute. Am Eisrand festhalten, ohne dich hochzustemmen, solange du noch nach Luft schnappst. Laut um Hilfe rufen, wenn Menschen in der Nähe sind.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Im Wasser: erste Minute

    • Kopf über Wasser halten, Mund schließen, wenn Wellen kommen. Nicht strampeln.
    • Bewusst langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird – das dauert etwa eine Minute.
    • Am Eisrand festhalten, ohne dich hochzustemmen, solange du noch nach Luft schnappst.
    • Laut um Hilfe rufen, wenn Menschen in der Nähe sind.
  2. Phase 2

    Im Wasser: hinaus

    • Zur Seite drehen, von der du gekommen bist – dort hat das Eis dein Gewicht getragen.
    • Arme weit flach auf das Eis legen, mit den Beinen kräftig schwimmen, bis der Körper waagrecht liegt.
    • Mit Beinschlägen und Armen nach vorn auf das Eis schieben; mit Eispickeln abwechselnd einschlagen und ziehen.
    • Auf dem Eis nicht aufstehen: wegrollen, dann kriechend entlang der eigenen Spur zum Ufer.
    • Gelingt es nicht: Arme auf dem Eis lassen, damit sie anfrieren oder Halt geben können, möglichst wenig bewegen und weiter um Hilfe rufen.
  3. Phase 3

    Als Helfer am Ufer

    • Sofort 112 rufen oder rufen lassen und genauen Ort angeben.
    • Der Person zurufen: ruhig atmen, festhalten, gleich kommt Hilfe.
    • Andere Menschen vom Eis fernhalten, auch wenn sie helfen wollen.
    • Vom Ufer aus etwas reichen: langer Ast, Stange, Leiter, Seil, Gurt, zusammengeknotete Schals.
    • Etwas Schwimmfähiges zuwerfen, wenn erreichbar (Rettungsring, Kanister, Ball).
    • Nur wenn es nicht anders geht und du gesichert bist: flach auf dem Bauch, Gewicht auf Leiter oder Brett verteilt, nie aufrecht gehen. Nie allein und nie ohne Seil.
  4. Phase 4

    Nach der Rettung

    • Sofort an einen warmen, windgeschützten Ort bringen; die Person behutsam bewegen, bei starker Unterkühlung möglichst liegend.
    • Nasse Kleidung vorsichtig entfernen oder darüber in Decken, Rettungsdecke und trockene Kleidung einpacken.
    • Wenn die Person wach ist und schlucken kann: warme, süße Getränke ohne Alkohol.
    • Nicht abrubbeln, nicht heiß duschen oder baden, keine Wärmflasche direkt auf die Haut.
    • Bewusstlos mit normaler Atmung: stabile Seitenlage und weiter warm halten. Keine normale Atmung: Wiederbelebung beginnen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
    • Auch wenn es der Person gut geht: ärztlich untersuchen lassen, besonders wenn sie untergetaucht war.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Stange quer vor dem Körper tragen

    Wer auf Natureis geht, trägt einen langen Stock oder eine Stange waagrecht vor dem Bauch. Bricht das Eis, liegt die Stange über dem Loch und gibt sofort Halt. Sie hilft auch beim Herausziehen.

  2. Rucksack-Hüftgurt auf dem Eis offen

    Öffne auf dem Eis Hüft- und Brustgurt des Rucksacks. Brichst du ein, kannst du ihn schnell abstreifen und dich leichter aufs Eis schieben. Ein schwerer, festgeschnallter Rucksack zieht dich nach hinten.

  3. Seil mit Schlaufe zuwerfen

    Im eiskalten Wasser werden die Hände schnell taub und können ein Seil kaum festhalten. Knote vorher eine große Schlaufe ins Ende, die sich die Person über Kopf und Arme unter die Achseln ziehen kann. Dann reicht es, wenn sie sich hineinlegt.

  4. Die Stelle mit zwei Punkten merken

    Geht jemand unter, merke dir die Stelle genau: Such dir zwei Punkte am Ufer, die von dir aus in einer Linie mit dem Loch liegen (zum Beispiel Baum und Hausecke). Damit können Feuerwehr und Taucher sofort an der richtigen Stelle suchen.

Worauf du achten musst

  • Kälteschock und Ertrinken

    Die meisten Todesfälle im kalten Wasser geschehen in den ersten Minuten durch Kälteschock und Ertrinken, nicht durch Unterkühlung. Atmung kontrollieren ist deshalb der erste Schritt.

  • Gefährliche Eisstellen

    Dunkle oder graue Stellen, Risse, Schnee auf dem Eis, Schilfgürtel, Zu- und Abflüsse, Brücken und Stege: Hier ist das Eis oft dünner oder morsch.

  • Helfer in Gefahr

    Wer aufrecht aufs Eis läuft, um zu helfen, bricht an derselben Stelle ein. Reichen und werfen statt hingehen.

  • Nachsinkende Körpertemperatur

    Auch nach dem Herauskommen kann die Körperkerntemperatur noch sinken. Unterkühlte behutsam behandeln, nicht herumlaufen lassen, warm einpacken.

  • Spätfolgen nach Wasser in der Lunge

    Husten, Atemnot oder zunehmende Müdigkeit in den Stunden danach sind Warnzeichen. Jede Person, die untergetaucht war, ärztlich abklären lassen.

Häufige Fehler

  • Eis betreten, das nicht freigegeben ist oder dessen Dicke unbekannt ist.
  • Allein aufs Eis gehen.
  • Im Wasser sofort wild strampeln und sich hochstemmen wollen.
  • Auf dem Eis aufstehen, sobald man draußen ist.
  • Als Helfer aufrecht zur Einbruchstelle laufen.
  • Nach der Rettung heiß duschen oder Alkohol trinken.

Vorher vorbereiten

  • Nur freigegebene Eisflächen betreten und örtliche Hinweise beachten.
  • Eispickel (Eisdorne) um den Hals tragen, wenn du auf Natureis gehst.
  • Nie allein, und mit Abstand zueinander gehen; ein Seil und eine Wurfleine mitnehmen.
  • Wechselkleidung in einem wasserdichten Beutel und ein warmes Getränk mitnehmen.
  • Kindern die Eisregeln erklären und sie nie unbeaufsichtigt aufs Eis lassen.
  • Die Selbstrettung gedanklich durchspielen: drehen, waagrecht, schieben, rollen.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder kühlen im Wasser besonders schnell aus und unterschätzen dünnes Eis. Für sie gilt: Eis nur mit Erwachsenen, nur freigegebene Flächen.
Hunde auf dem Eis
Viele Eisunfälle beginnen damit, dass Menschen einem eingebrochenen Hund nachlaufen. Hunde kommen oft selbst heraus; Menschen sollen nicht hinterhergehen, sondern 112 rufen.

Quellen

  • Eisregeln der DLRG · Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG)
  • Cold water immersion: kill or cure? · Experimental Physiology (M. J. Tipton, N. Collier, H. Massey, J. Corbett, M. Harper), 2017
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Treatment and Prevention of Drowning: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • 112 – the European emergency number · European Commission

Deine Lage

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Grundlagen für diese Situation

Warum: Gilt immer für diese Situation – unabhängig von deinen Angaben.

Alle Regeln dieser Situation (6)
  1. [nicht aktiv] Wenn Wer ist im Wasser? = Ich selbst

    Die erste Minute ist die gefährlichste: Wer Wasser einatmet, während er nach Luft schnappt, ertrinkt. Zuerst Atmung kontrollieren, dann in den nächsten Minuten zielstrebig hinaus.

  2. [nicht aktiv] Wenn Wer ist im Wasser? = Ich selbst und Hilfsmittel = Eispickel / Eisdorne

    Eispickel abwechselnd vor dir ins Eis schlagen und dich hinausziehen, dabei mit den Beinen kräftig schwimmen.

  3. [nicht aktiv] Wenn Wer ist im Wasser? = Eine andere Person

    Erst Notruf, dann vom sicheren Ufer helfen. Wer ohne Sicherung hinterherläuft, wird oft selbst zum zweiten Opfer.

  4. [nicht aktiv] Wenn Wer ist im Wasser? = Eine andere Person und Hilfsmittel = Seil, Ast, Leiter, Stange

    Reichen oder werfen, nicht hingehen. Eine Schlaufe am Seilende lässt sich leichter festhalten. Muss jemand aufs Eis, dann flach liegend, Gewicht verteilt (Leiter, Brett) und am Seil gesichert.

  5. [nicht aktiv] Wenn Nach der Rettung = Auto, Haus oder Hütte in der Nähe

    Sofort ins Warme, nasse Kleidung vorsichtig ausziehen, in Decken hüllen. Behutsam bewegen – keine heiße Dusche, kein Alkohol, nicht abrubbeln.

  6. [nicht aktiv] Wenn Nach der Rettung = Weit weg von jedem warmen Raum

    Nasse Kleidung gegen trockene tauschen, Windschutz, Rettungsdecke und Isolierung von unten. Ein Feuer hilft, wenn es schnell geht – Hilfe holen hat Vorrang.