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Wanderin wartet an einem großen Felsblock auf dem Waldweg

Ich bin draußen von meiner Gruppe getrennt worden

Einer bleibt kurz stehen, die anderen gehen weiter – und plötzlich ist niemand mehr in Ruf- und Sichtweite. Jetzt entscheidet sich, ob ihr euch schnell wiederfindet.

Zuerst

  1. Stehen bleiben und ruhig werden (STOP). Nicht kreuz und quer suchen.
  2. Rufen und mit der Pfeife drei Signale geben, dann lauschen.
  3. Versuchen, die anderen per Telefon oder Nachricht zu erreichen; Standort teilen.
  4. Bei Verletzung, Gefahr oder Dunkelheit ohne Ausrüstung: lokale Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Notruf wählen bei

  • Ein Kind oder eine verletzte, kranke oder schwache Person wird vermisst
  • Dunkelheit oder schlechtes Wetter setzt ein
  • Gefährliches Gelände oder Gewässer in der Nähe
  • Die Person ist nach kurzer Suche nicht auffindbar

Was gerade passiert

Einer bleibt zum Fotografieren stehen, ein anderer geht voraus, an einer Weggabelung nehmen zwei Teile der Gruppe unterschiedliche Richtungen – und plötzlich ist niemand mehr in Sicht- und Rufweite. Im Wald, im Nebel, bei Wind oder an einem rauschenden Bach kann das in wenigen Minuten passieren, oft ohne dass es jemand gleich bemerkt.

Die erste Reaktion ist meist hektisches Suchen. Beide Seiten laufen los, um die anderen zu finden – und entfernen sich dabei oft weiter voneinander. Wer allein ist, ist zudem versucht, querfeldein abzukürzen, um die Gruppe einzuholen, und verliert so auch noch den Weg.

Riskant wird es, wenn die getrennte Person ein Kind ist, verletzt, krank oder schlecht ausgerüstet, wenn es dunkel wird, das Wetter umschlägt oder Gewässer und Abbrüche in der Nähe sind. Dann zählt Zeit, und ein früher Notruf ist kein Überreagieren – Rettungskräfte suchen lieber früh nach jemandem, der sich bald selbst meldet, als zu spät.

Was am meisten hilft, wird vorher vereinbart: Wer die anderen verliert, bleibt stehen; an Gabelungen wird gewartet; jede Person hat eine Pfeife; es gibt Treffpunkte. Für die Gruppe gilt: zusammenbleiben, vom letzten Sichtungspunkt aus planvoll suchen und früh Hilfe holen.

Schritt für Schritt

  1. Phase 1

    Wenn du allein bist: sofort

    • Stehen bleiben und ruhig werden – nicht kreuz und quer suchen.
    • Laut rufen und drei Pfiffe geben, dann lauschen; in Abständen wiederholen.
    • Die anderen anrufen oder anschreiben und deinen Standort teilen.
    • Gibt es einen vereinbarten Treffpunkt, der sicher erreichbar ist, dorthin gehen – sonst bleiben, wo du bist.
  2. Phase 2

    Wenn jemand aus der Gruppe fehlt: sofort

    • Die Gruppe zusammenhalten und durchzählen.
    • Festhalten: Wo und wann wurde die Person zuletzt gesehen? Kleidung, Ausrüstung, Gesundheitszustand, Handy?
    • Die Person anrufen und anschreiben.
    • Eine Person bleibt am letzten Sichtungspunkt oder Treffpunkt.
    • Nur zu zweit suchen, mit festem Zeitlimit und vereinbartem Rückkehrpunkt; dabei rufen, pfeifen und lauschen.
  3. Phase 3

    Wenn es länger dauert

    • Die lokale Notrufnummer (in der EU 112) wählen, sobald ein Kind oder eine schwache Person fehlt, es dunkel wird, das Wetter umschlägt, Gefahren in der Nähe sind oder eine kurze Suche erfolglos war.
    • Der Leitstelle alle gesammelten Angaben geben und ihren Anweisungen folgen; die Gruppe sucht danach nicht mehr auf eigene Faust weit umher.
    • Allein: an einem gut sichtbaren, sicheren Ort bleiben, auffällige Kleidung zeigen, warm bleiben und den Akku schonen.
    • Bei Dunkelheit nicht im unbekannten Gelände weitersuchen; einen geschützten Platz einrichten und mit Licht auf dich aufmerksam machen.
  4. Phase 4

    Wenn ihr euch wiederfindet

    • Sofort die Leitstelle und alle Beteiligten informieren, damit keine Suche weiterläuft.
    • Erneut durchzählen und prüfen, ob es allen gut geht.
    • Gemeinsam besprechen, wie es passiert ist, und Regeln für den Rest der Tour festlegen.

Worauf du achten musst

  • Zwei Suchende entfernen sich

    Wenn beide Seiten gleichzeitig suchen, verfehlen sie sich leicht. Einer bleibt stehen – meist ist das die Person, die allein ist.

  • Geräusche werden verschluckt

    Wind, Bachrauschen und dichter Wald dämpfen Rufe stark. Eine Pfeife trägt meist weiter als die Stimme und kostet weniger Kraft.

  • Kinder antworten nicht immer

    Kinder fürchten manchmal Ärger oder haben Angst vor fremden Stimmen und melden sich nicht. Auch Verstecke in der Nähe absuchen.

  • Akku

    Wiederholtes Anrufen, Navigieren und Leuchten leert das Handy schnell. Absprechen, wann ihr euch meldet, und dazwischen Energie sparen.

  • Gewässer und Abbrüche

    Fehlt ein Kind in der Nähe von Wasser oder Abbrüchen, sofort Notruf wählen und diese Stellen zuerst absuchen lassen.

Häufige Fehler

  • Alle schwärmen einzeln aus, um zu suchen.
  • Den Notruf hinauszögern, weil man niemandem zur Last fallen will.
  • Der vermuteten Richtung der Gruppe querfeldein hinterherlaufen.
  • Vorher keine Regeln und keine Treffpunkte vereinbaren.
  • Nach dem Wiederfinden die Suche nicht abbestellen.

Vorher vorbereiten

  • Vor der Tour Regeln vereinbaren: Wer die anderen verliert, bleibt stehen; an jeder Gabelung wird gewartet; eine Person geht als Schluss.
  • Jeder Person eine Pfeife geben und die Signale erklären.
  • Handynummern austauschen und das Teilen des Standorts vorher einrichten.
  • Morgens ein Foto der Gruppe machen – es zeigt der Leitstelle im Ernstfall Kleidung und Aussehen.
  • Bei Funkgeräten einen Kanal und feste Meldezeiten vereinbaren.

Besondere Rücksicht

Kinder
Bring Kindern bei, bei Verlust stehen zu bleiben, zum Beispiel an einem Baum, auf Rufe zu antworten und zu pfeifen. Sag ihnen, dass niemand schimpft und Rettungskräfte Helfer sind. Auffällige Kleidung macht sie leichter sichtbar.
Menschen mit Demenz oder Orientierungsproblemen
Sie reagieren unter Umständen nicht auf Rufe und können weit gehen, ohne Hilfe zu suchen. Fehlen sie, sofort Notruf wählen.
Hunde
Ein weggelaufener Hund ist kein Grund, dass sich die Gruppe trennt. Menschen gehen vor.

Quellen

  • Lost Person Behavior: A Search and Rescue Guide on Where to Look – for Land, Air and Water · Robert J. Koester – dbS Productions, 2008
  • Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition · The Mountaineers Books, 2017
  • International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website) · ICAR – International Commission for Alpine Rescue
  • 112 – the European emergency number · European Commission

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Alle Regeln dieser Situation (6)
  1. [nicht aktiv] Wenn Wer fehlt? = Ich bin allein

    Wer ohne klaren Plan ist, bleibt meist besser an einem gut sichtbaren Ort, statt weiterzulaufen. Zum zuletzt vereinbarten Treffpunkt gehen, wenn er sicher erreichbar ist.

  2. [nicht aktiv] Wenn Wer fehlt? = Jemand aus unserer Gruppe fehlt

    Gruppe zusammenhalten, nicht alle einzeln suchen lassen. Zum letzten Punkt zurück, an dem die Person gesehen wurde. Wird sie nicht bald gefunden, früh den Notruf wählen.

  3. [nicht aktiv] Wenn Tageszeit = Dämmerung / Nacht

    Bei Dunkelheit nicht im unbekannten Gelände weitersuchen; geschützten Platz suchen und mit Licht auf sich aufmerksam machen.

  4. [nicht aktiv] Wenn Kommunikation = Telefon mit Empfang

    Koordinaten senden, Akku schonen und erreichbar bleiben.

  5. [nicht aktiv] Wenn Kommunikation = Kein Empfang

    Auf Hör- und Sichtsignale setzen. Ein Notruf kann manchmal trotzdem über ein anderes Netz durchgehen – versuchen.

  6. [nicht aktiv] Wenn Kommunikation = Funkgeräte in der Gruppe

    Vereinbarten Kanal nutzen und regelmäßig rufen.