Sicher auf Fähren und Booten: Einweisung, Rettungswesten, Sammelstelle
Auf Fähren, Ausflugsbooten und kleinen Booten entscheiden die ersten Minuten nach dem Ablegen: Sicherheitseinweisung anhören, Rettungswesten und Sammelstelle finden und bei kleinen Booten die Weste tragen. Überladene oder offensichtlich unsichere Boote besser nicht besteigen.
- 5–10 Minuten nach dem Einsteigen

Einfach erklärt
Wenn du auf ein Schiff oder Boot steigst, bist du von Wasser umgeben – und Wasser verzeiht wenig. Meistens geht alles gut. Aber falls doch etwas passiert, zählen die ersten Minuten. Deshalb ist es klug, gleich nach dem Einsteigen zwei Dinge zu suchen: Wo liegen die Rettungswesten, und wo ist die Sammelstelle, an der sich im Notfall alle treffen?
Eine Rettungsweste ist wie ein Luftkissen, das dich mit dem Kopf über Wasser hält, auch wenn du müde wirst oder nicht gut schwimmen kannst. Auf kleinen, offenen Booten trägst du sie am besten die ganze Zeit, Kinder immer. Und wenn die Crew eine Sicherheitseinweisung macht, hör zu – auch wenn es langweilig wirkt.
Das Wichtigste: Steig nicht in ein Boot, das offensichtlich überladen ist, keine Rettungswesten hat oder bei Sturm hinausfährt. Und wer in kaltes Wasser fällt, legt sich zuerst auf den Rücken, lässt sich treiben und beruhigt seinen Atem, bevor er um Hilfe ruft.
Wie es funktioniert
Auf See ist Hilfe weiter weg als an Land. Ein Rettungswagen kann nicht einfach vorfahren, und im Wasser verliert der Körper schnell Wärme und Kraft. Deshalb setzt die Sicherheit an Bord auf Vorbereitung: Jeder soll wissen, wo die Rettungsmittel sind und wohin er im Alarmfall geht, bevor etwas passiert.
Die Sammelstelle (auf Englisch „muster station“) ist der Ort, an dem die Crew im Notfall die Passagiere zählt, mit Westen versorgt und geordnet weiterführt. Wer den Weg dorthin schon einmal gegangen ist, findet ihn auch nachts, bei Schräglage oder wenn Gänge voller Menschen sind. Die Schilder dafür sind meist grün-weiß, wie Fluchtwegschilder in Gebäuden.
Eine korrekt getragene Rettungsweste hält einen Menschen an der Wasseroberfläche, auch wenn seine Kraft nachlässt. Eine Weste, die nur unter dem Sitz liegt, hilft dagegen nur, wenn man sie rechtzeitig erreicht und anlegt. Bei kleinen Booten, die schnell kentern oder sinken können, ist diese Zeit oft nicht vorhanden.
Worauf es ankommt
Schon vor dem Einsteigen lohnt ein kurzer Blick: Wirkt das Boot gepflegt? Sind deutlich mehr Menschen an Bord, als Sitzplätze vorhanden sind? Gibt es sichtbar Rettungswesten, auch in Kindergrößen? Bei kleinen Anbietern darfst du ruhig fragen. Für große Schiffe in internationaler Fahrt gibt es strenge Regeln, für kleine Boote und Fahrten innerhalb eines Landes gelten oft andere, teils geringere Standards.
Eine Weste nützt nur, wenn sie passt und geschlossen ist. Alle Schnallen und Gurte zumachen und festziehen; eine gut sitzende Weste rutscht nicht über das Kinn, wenn man sie an den Schultern nach oben zieht. Kinder brauchen Westen in ihrer Größe – eine Erwachsenenweste kann einem Kind über den Kopf rutschen.
Auf Nachtfähren legst du Kleidung und Schuhe griffbereit, merkst dir den Weg von der Kabine zur Sammelstelle und hast eine Stirnlampe am Bett. Bei Alarm nimmst du warme Kleidung, Weste und wichtige Medikamente mit – Gepäck bleibt zurück. Menschen gehen immer vor Koffern.
Sicherheit: kaltes Wasser
Plötzliches Eintauchen in kaltes Wasser kann einen Kälteschock auslösen: Man schnappt unwillkürlich nach Luft und atmet schnell und unkontrolliert. Wer in diesem Moment Wasser einatmet oder hektisch zu schwimmen versucht, gerät leicht in Not. Diese Reaktion lässt nach kurzer Zeit nach – wenn man sie übersteht.
Die Seenotrettungsorganisation RNLI empfiehlt deshalb für einen unerwarteten Sturz ins Wasser „Float to Live“: sich auf den Rücken legen, Arme und Beine leicht ausbreiten, treiben lassen und die Atmung beruhigen. Erst wenn der Atem wieder unter Kontrolle ist, um Hilfe rufen oder zu etwas Schwimmendem oder zum Ufer schwimmen. Eine Pfeife an der Weste hilft, gehört zu werden.
Siehst du jemanden ins Wasser fallen, alarmiere sofort die Crew, behalte die Person im Blick und wirf, wenn möglich, etwas Schwimmendes wie einen Rettungsring zu. Spring nicht hinterher – das bringt meist eine zweite Person in Gefahr. Wer unterkühlt aus dem Wasser kommt, braucht Schutz vor weiterem Wärmeverlust und medizinische Hilfe.
Im Notfall an Bord
Bei einem Alarm gilt: Ruhe bewahren, Durchsagen anhören und den Anweisungen der Besatzung folgen. Die Crew ist für solche Lagen ausgebildet und weiß, welche Bereiche sicher sind. Geh zügig, aber ohne zu rennen, zur Sammelstelle und nimm Kinder an die Hand.
Spring nicht auf eigene Faust ins Wasser, solange das Schiff nicht verlassen werden muss. Ein Schiff ist auch beschädigt oft noch lange ein besserer Ort als das offene Wasser. Wenn die Besatzung zum Verlassen auffordert, folgst du ihren Anweisungen zu Rettungsbooten oder -inseln.
Boote selbst zu steuern oder zu segeln ist ein eigenes Thema, das Ausbildung braucht, und nicht Teil dieses Eintrags. Hier geht es um das, was jeder Passagier tun kann: zuhören, Westen und Sammelstelle kennen, Weste auf kleinen Booten tragen und im Ernstfall der Crew folgen.
Schritt für Schritt
Vor dem Einsteigen
Zustand und Beladung des Bootes einschätzen; bei kleinen Anbietern nach Rettungswesten fragen.
- 1
Vor dem Einsteigen
Zustand und Beladung des Bootes einschätzen; bei kleinen Anbietern nach Rettungswesten fragen.
- 2
Einweisung
Sicherheitseinweisung oder Hinweisschilder aufmerksam verfolgen, auch wenn sie routiniert wirken.
- 3
Westen und Sammelstelle
Ort der Rettungswesten (auch Kinderwesten) und der Sammelstelle suchen; den Weg von Kabine oder Sitzplatz dorthin einmal gehen.
- 4
Auf kleinen Booten tragen
Auf kleinen offenen Booten die Weste anlegen und korrekt schließen; Kinder immer.
- 5
Bei Alarm
Warme Kleidung, Weste, Medikamente greifen und zur Sammelstelle gehen; Anweisungen der Besatzung folgen.
Häufige Fehler
- Einweisung ignorieren
- Kinder ohne passende Weste
- Weste offen tragen
- Gepäck vor Menschen retten wollen
Kurzüberblick
Material
Rettungsweste / Schwimmweste
Größe und Auftrieb müssen zum Körpergewicht passen; Kinder brauchen Kinderwesten. Herstellerangaben und Prüfintervalle beachten.
Signalpfeife
Griffbereit tragen, nicht tief im Rucksack.
Nicht direkt neben dem Ohr anderer Personen pfeifen.
Stirnlampe / Taschenlampe
Geeignet für
- Fähren, Ausflugsboote, Wassertaxis, kleine Boote
Ungeeignet für
- Segeln oder Bootsführung ohne Ausbildung
Voraussetzungen
- Aufmerksamkeit bei der Einweisung
Sicherheit
- Im Notfall den Anweisungen der Besatzung folgen; nicht eigenständig springen, solange das Schiff nicht verlassen werden muss.
So funktioniert es
Auf See ist Hilfe weiter entfernt und Wasser verzeiht wenig. Wer Rettungsmittel und Sammelstelle kennt, bevor etwas passiert, spart im Ernstfall entscheidende Minuten; eine getragene Rettungsweste hält über Wasser, auch wenn die Kraft nachlässt.
Vorteile
- Wenige Minuten Aufwand
- Erhöht Überlebenschancen im Ernstfall
Nachteile
- Standards kleiner Anbieter sind schwer einzuschätzen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) der IMO enthält Vorgaben zu Rettungsmitteln und Sicherheitsunterweisungen auf Schiffen in internationaler Fahrt. Für kleine Boote und nationale Fahrten gelten oft andere, teils geringere Regeln.
Die Kampagne „Respect the Water“ der RNLI beschreibt das Treiben auf dem Rücken („Float to Live“) bei einem unerwarteten Sturz ins kalte Wasser.
Varianten
- Nachtfähren
- Kleidung und Schuhe griffbereit legen, Weg von der Kabine zur Sammelstelle kennen, Stirnlampe am Bett.
Häufige Fehler
- Einweisung ignorieren
- Kinder ohne passende Weste
- Weste offen tragen
- Gepäck vor Menschen retten wollen
Grenzen und Risiken
- Keine Bootsführung oder Seemannschaft
- Keine Angaben zu nationalen Vorschriften
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
International Maritime Organization (IMO) (1974): International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS), 1974, as amended
Rettungsmittel und Sicherheitsunterweisung auf Schiffen in internationaler Fahrt
Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK: Respect the Water – Float to Live
Kaltwasserschock und „Float to Live“