Internationale Notsignale auf See: Überblick
Die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (COLREGs, Anlage IV) listen Signale, die auf dem Wasser „Ich bin in Not und brauche Hilfe“ bedeuten – darunter MAYDAY über Funk, SOS, rote Leuchtsignale, orangefarbener Rauch, langsames Heben und Senken der ausgestreckten Arme und Notfunkbaken. Wer auf dem Wasser unterwegs ist, sollte sie erkennen und die mitgeführten Signalmittel bedienen können.
- Vorab lernen; Signalmittel vor der Fahrt prüfen

Einfach erklärt
Auf dem Meer fahren Schiffe aus vielen Ländern, und ihre Besatzungen sprechen viele Sprachen. Damit trotzdem jeder sofort versteht, dass jemand in Not ist, gibt es international vereinbarte Notsignale. Sie sind wie eine gemeinsame Sprache für den Notfall, die auf der ganzen Welt gleich ist.
Einige davon: das Wort „MAYDAY“ über Funk, das Zeichen SOS mit Licht oder Ton, rote Leuchtsignale, orangefarbener Rauch am Tag und ein einfaches Körperzeichen – beide Arme ausgestreckt langsam heben und senken, immer wieder. Mit einer Hand zu winken sieht dagegen aus wie ein freundliches „Hallo“.
Ganz wichtig: Notsignale sind nur für echte Not. Wer sie zum Spaß benutzt, schickt Retter los, die dann woanders fehlen. Und wenn du vom Ufer aus Notsignale siehst, schwimm nicht selbst hinaus, sondern ruf die Notrufnummer (112 in der EU) oder die Küstenwache an und behalte die Stelle im Blick.
Wie es funktioniert
Die Liste der Notsignale steht in Anlage IV der Internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See, kurz COLREGs. Weil sich Schiffe aller Nationen an diese Regeln halten, bedeutet ein rotes Leuchtsignal überall auf der Welt dasselbe: Hier ist jemand in Not und braucht Hilfe.
Die Signale decken verschiedene Lagen ab. Funk erreicht über große Entfernungen auch Schiffe, die man nicht sieht. Licht wirkt vor allem nachts, Rauch am Tag. Schall, etwa ein anhaltendes Nebelhornsignal, hilft bei schlechter Sicht. Körperzeichen funktionieren ohne jede Ausrüstung, und Notfunkbaken melden sich über Satellit bei Rettungsleitstellen.
Ein einziges dieser Signale genügt, um Not anzuzeigen. Mehrere zu kombinieren erhöht aber die Chance, dass überhaupt jemand es bemerkt – denn ein Sichtsignal wirkt nur, wenn gerade jemand hinsieht.
Die wichtigsten Signale erkennen
Über Funk ist „MAYDAY“ das Notrufwort, es wird dreimal gesprochen und bedeutet unmittelbare Gefahr für Menschenleben oder das Fahrzeug. Auf UKW-Seefunk ist Kanal 16 der internationale Not- und Anrufkanal. Viele Seefunkgeräte haben außerdem eine Taste für den digitalen Selektivruf, die einen Notalarm mit Position aussenden kann. Für Seefunk braucht man je nach Land ein Funkzeugnis – lokale Regeln prüfen.
Sichtbare Signale: rote Handfackeln oder Fallschirmraketen mit rotem Licht, orangefarbener Rauch bei Tag, SOS mit einer Lampe (drei kurz, drei lang, drei kurz) und das langsame, wiederholte Heben und Senken beider seitlich ausgestreckter Arme. Gerade das Armzeichen sollte jeder kennen, der auf dem Wasser unterwegs ist, auch im Kajak oder auf dem SUP.
Hörbare Signale: ein anhaltender Ton mit einem Nebelhorn oder SOS als Schallsignal. Auf kleinen Booten ist eine Pfeife am Körper ein einfaches Mittel. Elektronische Signale: eine ausgelöste Notfunkbake, zum Beispiel eine Seenotfunkbake oder ein persönlicher Notsender, alarmiert über Satellit.
Worauf es ankommt
Die Reihenfolge im Notfall: zuerst der Notruf über Funk oder Telefon, damit Rettungsleitstellen Bescheid wissen. Sichtsignale setzt du ein, wenn Schiffe oder Luftfahrzeuge in Sicht sind. Pyrotechnik wie Fackeln und Raketen hält nur kurz; verbrauche sie nicht „auf Verdacht“, sondern zünde sie, wenn jemand sie sehen kann.
Welche Ausrüstung an Bord sein muss oder sinnvoll ist, hängt von Bootsart, Fahrtgebiet und Land ab. Mindestens Pfeife, Lampe und ein wasserdicht verpacktes Telefon gehören auch auf kleine Boote. Je nach Revier kommen Seefunk, eine Bake und Pyrotechnik dazu. Wassersportverbände und Behörden geben Auskunft über die Pflichten in deinem Land.
Prüfe vor jeder Fahrt Ablaufdaten, Batterien und den Zugriff: Signalmittel müssen auch dann erreichbar sein, wenn das Boot kentert. Was tief in einer Backskiste liegt, nützt im Wasser nichts. Bei Kajak, Kanu und SUP sollte das Wichtigste am Körper oder an der Schwimmweste getragen werden.
Sicherheit: darauf musst du achten
Pyrotechnische Signale sind gefährlich: Sie werden sehr heiß, können Verbrennungen verursachen und Feuer auslösen. Verwende, lagere und entsorge sie nur nach Herstellerangaben und den lokalen Regeln. Abgelaufene Signalmittel nicht selbst abbrennen oder in den Müll werfen – frag nach offiziellen Rücknahmestellen. Je nach Land braucht man für bestimmte Pyrotechnik eine Ausbildung oder Erlaubnis.
Notsignale sind ausschließlich für echte Not. Ein Fehlalarm, etwa eine aus Versehen ausgelöste Bake oder eine zum Spaß gezündete Fackel, löst eine echte Suche aus. Ist ein Alarm versehentlich ausgelöst worden, melde das sofort der Küstenwache oder Rettungsleitstelle, damit niemand unnötig hinausfährt.
Siehst du vom Land aus Notsignale auf dem Wasser, schwimm oder fahr nicht selbst hinaus. Ruf die lokale Notrufnummer (112 in der EU) oder die Küstenwache an, beschreibe, was du gesehen hast und wo, und behalte die Stelle im Blick, bis Hilfe kommt. Du bist dann die wichtigste Augenzeugin oder der wichtigste Augenzeuge.
Gut zu wissen
Neben den COLREGs gibt es das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS). Es regelt unter anderem, welche Sicherheitsausrüstung große Schiffe an Bord haben müssen. Für Sportboote gelten dagegen je nach Land eigene Vorschriften.
Die vollständige Liste der Notsignale findest du nur in Anlage IV der COLREGs selbst; dieser Überblick nennt die wichtigsten. Wer regelmäßig auf dem Wasser ist, sollte einen Kurs besuchen, etwa für Seefunk oder Sicherheit an Bord. Dort lernt man auch, Pyrotechnik sicher zu handhaben.
Ein häufiges Missverständnis: Freundliches Winken mit einer Hand wird oft als Gruß verstanden und nicht als Hilferuf. Wer Hilfe braucht, nutzt deshalb das deutliche Zeichen mit beiden ausgestreckten Armen, die langsam gehoben und gesenkt werden.
Schritt für Schritt
Signale kennen
Wichtige Notsignale: MAYDAY über Funk, SOS (Licht oder Schall), rote Leuchtsignale, orangefarbener Rauch, langsames Heben und Senken beider ausgestreckter Arme, anhaltendes Nebelhornsignal, ausgelöste Notfunkbake.
- 1
Signale kennen
Wichtige Notsignale: MAYDAY über Funk, SOS (Licht oder Schall), rote Leuchtsignale, orangefarbener Rauch, langsames Heben und Senken beider ausgestreckter Arme, anhaltendes Nebelhornsignal, ausgelöste Notfunkbake.
- 2
Passende Mittel mitführen
Was an Bord sein muss oder sinnvoll ist, hängt von Bootsart, Fahrtgebiet und Land ab. Mindestens Pfeife, Lampe und ein wasserdicht verpacktes Telefon; je nach Revier Funk, Bake und Pyrotechnik.
- 3
Vor der Fahrt prüfen
Ablaufdaten, Batterien und Zugriff prüfen: Signalmittel müssen erreichbar sein, auch wenn das Boot kentert.
- 4
Im Notfall
Zuerst Notruf über Funk oder Telefon, dann Sichtsignale, wenn Schiffe oder Luftfahrzeuge in Sicht sind. Pyrotechnik nur bei Sichtkontakt einsetzen, nicht „auf Verdacht“ verbrauchen.
Häufige Fehler
- Abgelaufene oder unzugängliche Signalmittel
- Alle Leuchtsignale auf einmal verbraucht
- Winken mit einer Hand als Gruß missverstanden
- Telefon nicht wasserdicht verpackt
- Fehlalarm nicht gemeldet
Kurzüberblick
Material
UKW-Seefunkgerät
Für den Betrieb sind in vielen Ländern Funkzeugnis und Lizenz nötig – lokale Regeln prüfen.
Persönliches Notfunkbake (PLB)
Registrierung nach den Regeln des Landes vornehmen und aktuell halten.
Nur in echter Not auslösen; Batterie- und Ablaufdatum beachten.
Signalpfeife
Griffbereit tragen, nicht tief im Rucksack.
Nicht direkt neben dem Ohr anderer Personen pfeifen.
Geeignet für
- Segeln, Motorboot, Kajak und Kanu
- Fähr- und Bootsreisen (Signale erkennen)
- Küstenwanderungen (Not auf dem Wasser bemerken)
Ungeeignet für
- Gebrauch zum Spaß oder als Test – Notsignale nur in echter Not
Voraussetzungen
- Für Funk und Pyrotechnik je nach Land Ausbildung bzw. Erlaubnis – lokale Regeln prüfen
Sicherheit
- Notsignale nur in echter Not verwenden. Fehlalarme binden Rettungskräfte und können Kosten oder Strafen nach sich ziehen. Versehentliche Alarme sofort melden.
So funktioniert es
Weil Schiffe aller Nationen einander verstehen müssen, sind Notsignale international vereinbart. Sie decken verschiedene Situationen ab: Funk (MAYDAY, digitaler Selektivruf), Licht (rote Signale, SOS), Rauch am Tag, Schall (anhaltendes Signal mit Nebelhorn), Körperzeichen und Satellitenbaken. Ein einzelnes Signal genügt; mehrere erhöhen die Chance, bemerkt zu werden.
Vorteile
- International verständlich
- Für viele Situationen ein passendes Signal
Nachteile
- Viele Mittel sind regulierungs- oder ausbildungspflichtig
- Sichtsignale wirken nur, wenn jemand hinsieht
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Liste der Notsignale ist in Anlage IV der Internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See (COLREGs) festgelegt; das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) regelt u. a. die Ausrüstung von Schiffen.
Für Sportboote gelten je nach Land unterschiedliche Ausrüstungspflichten; Wassersportverbände und Behörden geben dazu Auskunft.
Varianten
- Kajak, Kanu, SUP
- Auch auf kleinen Booten helfen Pfeife, Lampe, auffällige Farben und ein wasserdicht verpacktes Telefon oder eine Bake am Körper.
Häufige Fehler
- Abgelaufene oder unzugängliche Signalmittel
- Alle Leuchtsignale auf einmal verbraucht
- Winken mit einer Hand als Gruß missverstanden
- Telefon nicht wasserdicht verpackt
- Fehlalarm nicht gemeldet
Grenzen und Risiken
- Keine Bedienungsanleitung für Pyrotechnik
- Keine nationalen Ausrüstungspflichten
- Vollständige Liste nur in Anlage IV selbst
Quellen
International Maritime Organization (IMO) (1972): Convention on the International Regulations for Preventing Collisions at Sea, 1972 (COLREGs) – Annex IV: Distress signals
Liste der internationalen Notsignale auf See
International Maritime Organization (IMO) (1974): International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS), 1974, as amended
Internationale Regeln zur Sicherheitsausrüstung von Schiffen
International Maritime Organization (IMO) and International Civil Aviation Organization (ICAO): IAMSAR Manual (International Aeronautical and Maritime Search and Rescue Manual), Volume III – Mobile Facilities
Verhalten in Seenot und gegenüber Such- und Rettungseinheiten