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Klima und extreme Umgebungen

Was jede Umgebung anders macht

SurviveBetter · Stand 2026-10-12 · 26 Einträge

Gebirge, Wüste, Arktis, Tropen, Küste: dieselbe Aufgabe verlangt je nach Umgebung andere Lösungen.

01 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Im Gebirge: Wetterumschwung erkennen und rechtzeitig umkehren

Im Gebirge kann das Wetter innerhalb kurzer Zeit umschlagen: Gewitter, Nebel, Wind und Temperatursturz verwandeln eine leichte Tour in eine ernste Lage. Die wichtigste Fähigkeit ist nicht Ausdauer, sondern eine Umkehrzeit festzulegen und sie einzuhalten – auch kurz vor dem Gipfel.

Bei Gewitter sind Grate, Gipfel, Einzelbäume und Drahtseile besonders gefährlich. Schon bei ersten Anzeichen (hoch aufquellende Wolken, Donner) exponierte Stellen verlassen und absteigen.

Nässe, Wind und Kälte können auch im Sommer zu Unterkühlung führen. Bei Warnzeichen (starkes Zittern, Verwirrtheit, Stolpern) sofort Schutz suchen und die örtliche Notrufnummer wählen (in der EU 112).

Nebel kann Wege und Markierungen unsichtbar machen. Bei unsicherer Orientierung nicht weitergehen, sondern anhalten, Position bestimmen und gegebenenfalls Hilfe rufen.

Material

  • Regen- und Windjacke
  • Trockene Wechselkleidung – Warme Schicht, Mütze, Handschuhe – auch im Sommer
  • Topografische Karte
  • Stirnlampe / Taschenlampe
  • Mobiltelefon – Geladen, mit Powerbank

Schritte

  1. 1

    Bergwetter prüfen

    Am Vorabend und am Morgen einen Bergwetterbericht lesen: Gewitterneigung, Wind, Nullgradgrenze, Sicht. Unsichere Prognose heißt kürzere Tour.

  2. 2

    Umkehrzeit festlegen

    Vor dem Start eine feste Uhrzeit vereinbaren, zu der umgekehrt wird, egal wie nah das Ziel ist. Bei Gewitterneigung früh starten.

  3. 3

    Unterwegs beobachten

    Regelmäßig den Himmel beobachten: rasch wachsende Quellwolken, auffrischender Wind, Temperatursturz, aufziehender Nebel sind Warnzeichen.

  4. 4

    Entscheiden statt hoffen

    Bei Warnzeichen, Erschöpfung in der Gruppe oder Zeitverzug umkehren oder den geplanten Ausweichweg nehmen. Das schwächste Gruppenmitglied bestimmt das Tempo.

  5. 5

    Sicher absteigen

    Beim Abstieg nicht hetzen; die meisten Stürze passieren bei Müdigkeit. Wetterschutz anziehen, bevor man nass oder kalt ist.

  6. 6

    Hilfe rufen

    Bei Verletzung, Orientierungsverlust oder Unterkühlung die örtliche Notrufnummer wählen (in der EU 112) bzw. das alpine Notsignal nutzen, wenn kein Netz besteht.

Häufige Fehler

  • Keine Umkehrzeit festlegen
  • „Nur noch bis zum Gipfel“ trotz Gewitterwolken
  • Ohne warme Schicht im Sommer aufbrechen
  • Zu spät am Tag starten
  • In der Gruppe getrennt absteigen

Grenzen und Risiken

  • Keine Ausbildung für Hochtouren, Klettern oder Gletscher
  • Keine Behandlung von Höhenkrankheit oder Unterkühlung

Quellen

  1. [1]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

  2. [2]

    NOAA National Weather Service (USA): Lightning Safety

  3. [3]

    ICAR – International Commission for Alpine Rescue: International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website)

  4. [4]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-mountain-weather

02 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Im Schnee und Winter unterwegs

Im Winter wird alles langsamer und knapper: Die Tage sind kurz, Kälte kostet Kraft und Akkuladung, Spuren verwehen, und in steilem Gelände kann Lawinengefahr bestehen. Wer kürzere Ziele wählt, früh startet, trocken bleibt und den Lawinenlagebericht ernst nimmt, reduziert die typischen Winterrisiken.

Lawinen können an Hängen ab mittlerer Steilheit abgehen, auch bei Sonnenschein und auch durch die eigene Gruppe ausgelöst. Ohne Lawinenausbildung, Notfallausrüstung und Kenntnis des aktuellen Lawinenlageberichts kein Lawinengelände betreten – auf geräumten und gesicherten Wegen bleiben.

Starkes Zittern, Verwirrtheit, undeutliche Sprache und Schläfrigkeit sind Warnzeichen einer Unterkühlung; weiße, gefühllose Haut kann auf Erfrierungen hinweisen. Schutz suchen, warm und trocken einpacken und die örtliche Notrufnummer wählen (in der EU 112).

Zugefrorene Gewässer nur betreten, wenn die Eisfläche offiziell freigegeben ist. Eisdicke und -qualität sind von außen nicht sicher zu beurteilen.

Material

  • Trockene Wechselkleidung – Ersatzhandschuhe, Mütze, trockene Socken
  • Doppelwandige Isolierflasche – Warmes Getränk; Wasser friert sonst ein
  • Stirnlampe / Taschenlampe – Kurze Tage
  • Isomatte(optional) – Für Pausen und Notfälle als Sitzunterlage
  • Rettungsdecke(optional)

Schritte

  1. 1

    Kurz planen, früh starten

    Gehzeiten im Schnee großzügig ansetzen und die Tour so planen, dass sie deutlich vor Einbruch der Dunkelheit endet.

  2. 2

    Lawinenlagebericht lesen

    In Bergregionen den regionalen Lawinenlagebericht lesen. In Europa nutzen die Warndienste eine gemeinsame fünfstufige Gefahrenskala. Er ersetzt nicht die Beurteilung vor Ort, für die Ausbildung nötig ist.

  3. 3

    Schichten regulieren

    Vor dem Losgehen eher kühl starten, bei Anstiegen Schichten ablegen, um nicht zu schwitzen, bei Pausen sofort eine warme Schicht anziehen.

  4. 4

    Essen und trinken

    Regelmäßig essen und warm trinken; Kälte und Schneegehen verbrauchen viel Energie. Getränke in isolierten Flaschen vor dem Gefrieren schützen.

  5. 5

    Akkus warm halten

    Telefon, Stirnlampe und Ersatzakkus körpernah tragen; Kälte verringert die nutzbare Kapazität deutlich.

  6. 6

    Aufeinander achten

    Gegenseitig auf weiße Stellen im Gesicht, Zittern und Verhaltensänderungen achten. Frühzeitig umkehren, wenn jemand stark friert.

Häufige Fehler

  • Sommerliche Gehzeiten auf den Winter übertragen
  • In Baumwollkleidung schwitzen
  • Lawinenlagebericht ignorieren, weil die Sonne scheint
  • Telefon in der Außentasche auskühlen lassen
  • Über zugefrorene Seen abkürzen

Grenzen und Risiken

  • Keine Lawinenausbildung oder Schneedeckenbeurteilung
  • Keine Behandlung von Unterkühlung oder Erfrierungen

Quellen

  1. [1]

    European Avalanche Warning Services (EAWS): European Avalanche Danger Scale

  2. [2]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

  3. [3]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-snow-winter

03 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Lawinengelände: Grundwissen und Grenzen

Wer im Winter abseits gesicherter Pisten und geräumter Wege unterwegs ist, bewegt sich womöglich in Lawinengelände. Lawinenlagebericht lesen, Gelände meiden, das man nicht beurteilen kann, und eine Ausbildung machen, bevor man solches Gelände betritt. Notfallausrüstung hilft nur, wenn man sie beherrscht – und sie verhindert keine Lawine.

Gelände, in dem Lawinen möglich sind, nur mit Ausbildung, aktueller Lagebeurteilung und Notfallausrüstung betreten – oder mit einem geprüften Bergführer. Dieser Eintrag ersetzt keine Ausbildung.

Bei einem Lawinenabgang mit Verschütteten sofort die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) alarmieren und, wenn ausgebildet, mit der Kameradenrettung beginnen – die ersten Minuten sind entscheidend.

Auch flaches Gelände unter steilen Hängen kann von Lawinen erreicht werden.

Material

  • Schneeschaufel – Teil der Notfallausrüstung – nur mit Ausbildung sinnvoll

Schritte

  1. 1

    Ausbildung machen

    Einen Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder einer vergleichbaren Organisation besuchen und regelmäßig auffrischen.

  2. 2

    Lagebericht lesen

    Vor jeder Wintertour den aktuellen regionalen Lawinenlagebericht lesen: Gefahrenstufe, Lawinenprobleme, betroffene Höhen und Hangrichtungen.

  3. 3

    Unklares Gelände meiden

    Ohne Ausbildung auf geräumten Winterwanderwegen und gesicherten Pisten bleiben. Absperrungen und Warnschilder beachten.

  4. 4

    Notfallausrüstung üben

    Verschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel gehören zusammen und müssen regelmäßig geübt werden.

  5. 5

    Umkehren als Option

    Warnzeichen wie frische Lawinen, Wummgeräusche oder Risse im Schnee sind Gründe umzukehren.

Häufige Fehler

  • Ausrüstung kaufen statt Ausbildung machen
  • Spuren anderer als Sicherheitsbeweis sehen
  • Lagebericht nur nach der Stufe lesen
  • Unter steilen Hängen rasten

Grenzen und Risiken

  • Keine Routen- oder Hangbeurteilung
  • Keine Anleitung zur Verschüttetensuche

Quellen

  1. [1]

    European Avalanche Warning Services (EAWS): European Avalanche Danger Scale

  2. [2]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

  3. [3]

    ICAR – International Commission for Alpine Rescue: International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website)

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-avalanche-terrain

04 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Gletscher: warum Ausbildung oder Führung nötig ist

Gletscher sind keine Schneefelder: Spalten können unter Schneebrücken verborgen sein, Eisbrüche und Moränen sind instabil, Schmelzwasserbäche gefährlich. Gletscher nur in einer ausgebildeten Seilschaft mit Spaltenbergungskenntnis oder mit einem geprüften Bergführer betreten. Gletscherhöhlen und Gletschertore nie betreten.

Gletscher ohne Ausbildung und Seilschaft oder geprüften Bergführer nicht betreten. Auch harmlos wirkende, schneebedeckte Gletscherflächen können Spalten verbergen.

Gletschertore, Eishöhlen und überhängende Eiswände nicht betreten oder unterqueren – Einsturz- und Eisschlaggefahr.

Bei einem Spaltensturz oder Unfall sofort die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) alarmieren.

Material

  • Seil – Nur als Teil einer ausgebildeten Seilschaft

Schritte

  1. 1

    Ausbildung oder Führung

    Hochtourenkurs bei einem Alpenverein oder einer Bergschule absolvieren oder einen geprüften Bergführer engagieren.

  2. 2

    Verhältnisse erfragen

    Hüttenwirte, Bergführer und regionale Stellen kennen die aktuellen Verhältnisse; Gletscher verändern sich von Jahr zu Jahr.

  3. 3

    Gesicherte Angebote nutzen

    Wer Gletscher nur erleben möchte: geführte Wanderungen oder markierte, gesicherte Wege nutzen und Absperrungen respektieren.

  4. 4

    Tageszeit beachten

    Schneebrücken sind meist in der Kälte am frühen Morgen tragfähiger; Schmelzwasser und Steinschlag nehmen mit der Tageserwärmung zu.

Häufige Fehler

  • Gletscher wie ein Schneefeld behandeln
  • Seil ohne Bergetechnik mitnehmen
  • Im Gletschertor fotografieren
  • Spuren anderer blind folgen

Grenzen und Risiken

  • Keine Seil- oder Bergetechnik
  • Keine Routenangaben

Quellen

  1. [1]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

  2. [2]

    ICAR – International Commission for Alpine Rescue: International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website)

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-glacier-travel

05 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Große Höhe: Höhenkrankheit erkennen und absteigen

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck und damit das Sauerstoffangebot. Wer zu schnell aufsteigt, kann höhenkrank werden – von Kopfschmerzen bis zu lebensbedrohlichem Höhenlungen- oder Höhenhirnödem. Die wichtigsten Regeln: langsam aufsteigen, mit Symptomen nicht höher steigen, bei Verschlechterung absteigen und Hilfe holen.

Atemnot in Ruhe, Verwirrtheit, Gangunsicherheit oder zunehmende Benommenheit sind Notfälle: sofort absteigen bzw. abtransportieren lassen und Hilfe rufen – örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder Bergrettung.

Mit Symptomen der Höhenkrankheit nicht weiter aufsteigen. Bessern sie sich nicht oder werden sie schlimmer, absteigen.

Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung nur nach ärztlicher Beratung. Dieser Eintrag nennt bewusst keine Mittel oder Dosierungen.

Schritte

  1. 1

    Vorab beraten lassen

    Vor Reisen in große Höhe ärztlich beraten lassen, besonders bei Vorerkrankungen.

  2. 2

    Langsam aufsteigen

    Die Wilderness Medical Society empfiehlt, oberhalb von etwa 3.000 m die Schlafhöhe um nicht mehr als etwa 500 m pro Tag zu steigern und alle drei bis vier Tage einen Ruhetag einzulegen.

  3. 3

    Symptome erkennen

    Kopfschmerzen zusammen mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwindel oder schlechtem Schlaf nach einem Aufstieg als mögliche Höhenkrankheit werten – nicht als Erkältung abtun.

  4. 4

    Stoppen

    Mit Symptomen nicht höher steigen, ausruhen, Begleiter informieren.

  5. 5

    Absteigen

    Werden Symptome schlimmer oder treten Warnzeichen auf, absteigen – möglichst in Begleitung – und Hilfe holen.

Häufige Fehler

  • Mit Symptomen weitergehen, weil der Plan es vorsieht
  • Kranke Person allein absteigen lassen
  • Fitness mit Höhenverträglichkeit verwechseln
  • Anreise per Flug direkt in große Höhe ohne Ruhetage

Grenzen und Risiken

  • Keine Medikamente oder Dosierungen
  • Keine Diagnose

Quellen

  1. [1]

    Wilderness Medical Society – Wilderness & Environmental Medicine (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Acute Altitude Illness: 2019 Update

  2. [2]

    Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-high-altitude

06 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Polargebiete und Tundra: Überblick und Expeditionsvorbereitung

Arktis, Antarktis und Tundra verbinden extreme Kälte, starken Wind, große Abgeschiedenheit und ungewöhnliche Lichtverhältnisse. Im Sommer wird die Tundra zu einer nassen, mückenreichen Fläche über Permafrost. Wer dorthin will, sammelt zuerst Wintererfahrung in näheren Regionen, macht eine Ausbildung und reist mit erfahrener Führung oder organisierter Expedition.

In Polargebieten kann Hilfe Stunden bis Tage brauchen, und Mobilfunk fehlt meist. Satellitenbasierte Notfallkommunikation und ein hinterlegter Tourenplan sind Grundvoraussetzung.

Erfrierungen entstehen bei extremer Kälte und Wind sehr schnell, besonders an Fingern, Zehen, Nase und Wangen. Gegenseitig das Gesicht kontrollieren; bei Verdacht schützen und Hilfe holen.

In manchen Polarregionen leben Eisbären. Dort gelten besondere örtliche Vorschriften und Schutzmaßnahmen – bei den Behörden und Veranstaltern erfragen.

Material

  • Schlafsack – Für die erwarteten Tiefsttemperaturen ausgelegt
  • Isomatte
  • Kocher

Schritte

  1. 1

    Erfahrung aufbauen

    Schrittweise: Wintertouren mit Übernachtung, dann mehrtägige Touren in kalten Regionen, dann geführte Polarreise.

  2. 2

    Ausbildung machen

    Kurse in Wintercamping, Kälteschutz, Navigation bei schlechter Sicht und Notfallkommunikation besuchen.

  3. 3

    Ausrüstung als System testen

    Kleidung, Schlafsystem, Kocher und Handschuhe vorher unter echten Kältebedingungen testen – auch das Bedienen mit Handschuhen.

  4. 4

    Regeln und Genehmigungen klären

    Viele Polargebiete haben Genehmigungs-, Versicherungs- oder Ausrüstungsauflagen. Bei Behörden und Veranstaltern erfragen.

  5. 5

    Notfallplan hinterlegen

    Route, Zeitplan, Kommunikationsmittel und Meldezeiten bei einer verlässlichen Kontaktperson hinterlegen.

Häufige Fehler

  • Polarreise als erste Wintererfahrung
  • Ausrüstung erst vor Ort testen
  • Gesichtskontrolle in der Gruppe vergessen
  • Sich auf Mobilfunk verlassen
  • Sommertundra für leicht begehbar halten

Grenzen und Risiken

  • Keine Expeditionsplanung
  • Keine Behandlung von Kälteschäden
  • Keine Rechtsauskunft zu Genehmigungen

Quellen

  1. [1]

    Wilderness Medical Society – Wilderness & Environmental Medicine (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Frostbite: 2019 Update

  2. [2]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

  3. [3]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-polar-tundra

07 · Kälte, Schnee, Gebirge · Fachliche Prüfung folgt

Skigebiete abseits der Piste

Wenige Meter neben der markierten Piste beginnt ungesichertes Gelände: keine Lawinensprengung, keine Kontrolle, Felsen, Mulden und Baumbrunnen. Wer dort fahren will, braucht Lawinenausbildung, Notfallausrüstung, den aktuellen Lawinenlagebericht und anfangs eine Bergführerin oder einen Bergführer. Gesperrte Pisten und Bereiche sind tabu.

Abseits der Piste gibt es keinen Lawinenschutz. Ohne Ausbildung, Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel, Sonde und Partner nicht fahren. Den Lawinenlagebericht vor jedem Tag lesen.

Gesperrte Pisten und Bereiche nie befahren – Sperrungen haben Gründe wie Lawinensprengungen, Pistenmaschinen mit Seilwinden oder akute Lawinengefahr.

In tiefem Schnee können Mulden um Bäume entstehen, in die man kopfüber stürzen und ersticken kann. Abstand zu Bäumen halten und in Sichtweite des Partners bleiben.

Bei einem Unfall sofort die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder die Pistenrettung alarmieren. Versicherungsschutz für Bergungen abseits der Piste vorher prüfen.

Material

  • Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS)
  • Schneeschaufel
  • Mobiltelefon

Schritte

  1. 1

    Ausbildung machen

    Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder Bergführern besuchen und die Verschüttetensuche jede Saison üben.

  2. 2

    Lagebericht lesen

    Gefahrenstufe, Lawinenprobleme und besonders gefährliche Hangrichtungen und Höhenlagen verstehen und den Plan daran anpassen.

  3. 3

    Ausrüstung prüfen

    Lawinenverschüttetensuchgerät eingeschaltet und geprüft, Schaufel und Sonde im Rucksack, Telefon geladen.

  4. 4

    Mit Führung beginnen

    Die ersten Tage abseits der Piste mit Bergführerin oder Bergführer fahren und dabei Geländebeurteilung lernen.

  5. 5

    Einzeln fahren, sammeln an sicheren Punkten

    In steilen Hängen einzeln fahren, an Stellen außerhalb möglicher Lawinenbahnen sammeln, Sichtkontakt halten.

Häufige Fehler

  • Spuren anderer als Zeichen von Sicherheit sehen
  • Nur kurz neben die Piste ohne Ausrüstung
  • Gesperrte Bereiche befahren
  • Alle gleichzeitig in einen Hang
  • Den Lagebericht nicht lesen

Grenzen und Risiken

  • Keine Lawinenbeurteilung
  • Kein Ersatz für Kurs und Führung

Quellen

  1. [1]

    European Avalanche Warning Services (EAWS): European Avalanche Danger Scale

  2. [2]

    ICAR – International Commission for Alpine Rescue: International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website)

  3. [3]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-off-piste

08 · Hitze und Trockenheit · Fachliche Prüfung folgt

In heißen und trockenen Gebieten

In Hitze und Trockenheit entscheiden Wasser, Schatten und Tageszeit. Wer in den kühleren Stunden unterwegs ist, ausreichend Wasser mitführt statt auf Quellen zu hoffen, sich vor Sonne schützt und trockene Flussbetten bei Gewittergefahr meidet, umgeht die größten Gefahren: Hitzeerkrankung, Wassermangel und Sturzfluten.

Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, sehr hohe Körpertemperatur oder Krampfanfälle können auf einen Hitzschlag hinweisen – ein lebensbedrohlicher Notfall. Örtliche Notrufnummer wählen (in der EU 112), Person in den Schatten bringen und kühlen.

Trockene Flussbetten und enge Schluchten können sich durch Gewitter weit entfernt in kurzer Zeit mit Wasser füllen. Dort nicht lagern und bei Gewittergefahr meiden.

Nicht auf ungewisse Wasserquellen verlassen. Immer genug Wasser für den Rückweg mitführen und umkehren, bevor die Hälfte verbraucht ist, wenn keine sichere Nachfüllmöglichkeit besteht.

Material

  • Sonnenhut mit Krempe
  • Lebensmittelechter Wasserkanister(optional) – Wasserreserve im Fahrzeug
  • PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) – Genug Behälter für die geplante Wassermenge
  • Tarp / Plane(optional) – Als Schattenspender

Schritte

  1. 1

    Wasser planen

    Wasserbedarf für Hitze und Anstrengung großzügig planen, Reserve einrechnen und nur bekannte, aktuell bestätigte Wasserstellen einplanen.

  2. 2

    Kühle Stunden nutzen

    Früh morgens und am späten Nachmittag gehen oder arbeiten, in der Mittagshitze im Schatten ruhen.

  3. 3

    Haut bedecken

    Locker sitzende, helle, langärmelige Kleidung, breitkrempiger Hut und Sonnenbrille schützen besser als nackte Haut.

  4. 4

    Regelmäßig trinken

    Regelmäßig trinken, nicht erst bei Durst, und bei starkem Schwitzen auch salzhaltig essen. Wasser trinken statt im Rucksack zu sparen.

  5. 5

    Lagerplatz sicher wählen

    Nicht in trockenen Flussbetten oder Senken lagern; erhöhte Plätze abseits von Abflussrinnen wählen.

  6. 6

    Beim Fahrzeug bleiben

    Bei einer Panne in abgelegenem Gelände in der Regel beim Fahrzeug bleiben: Es spendet Schatten und ist leichter zu finden. Route vorher hinterlegen.

Häufige Fehler

  • Wasser rationieren, bis man dehydriert ist
  • In der Mittagshitze wandern
  • Im trockenen Flussbett zelten
  • Auf eine Quelle aus einer alten Karte vertrauen
  • Fahrzeug verlassen und zu Fuß Hilfe suchen

Grenzen und Risiken

  • Keine festen Wassermengen
  • Keine Behandlung von Hitzeerkrankungen über Erste Hilfe hinaus

Quellen

  1. [1]

    World Health Organization: Heat and health (fact sheet)

  2. [2]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-hot-dry

09 · Hitze und Trockenheit · Fachliche Prüfung folgt

Die Wüste bei Nacht: Kälte und Dunkelheit

Wüsten sind nachts oft überraschend kalt: Trockene, klare Luft lässt die Tageswärme schnell in den Himmel abstrahlen. Wer nur für Hitze packt, friert. Nachts zu gehen vermeidet die Hitze, bringt aber eigene Risiken: Stolperfallen, Orientierung, aktive Tiere. Warme Schicht, Isolation vom Boden und Licht gehören in jedes Wüstengepäck.

Auch nach heißen Tagen kann Unterkühlung drohen, besonders wenn Kleidung verschwitzt ist. Warme, trockene Schicht für die Nacht mitnehmen.

Nicht in trockenen Flussbetten (Wadis) lagern: Gewitter in der Ferne können dort Sturzfluten auslösen.

Viele Wüstentiere sind nachts aktiv. Schuhe und Kleidung vor dem Anziehen ausschütteln, nicht blind unter Steine greifen.

Material

  • Stirnlampe / Taschenlampe
  • Isomatte
  • Rettungsdecke(optional)
  • Funktionsunterwäsche (Basisschicht)

Schritte

  1. 1

    Für beide Extreme packen

    Sonnenschutz für den Tag und eine warme Schicht, Mütze und Isomatte für die Nacht einplanen.

  2. 2

    Trocken in die Nacht

    Verschwitzte Kleidung abends wechseln oder trocknen lassen, bevor es kalt wird.

  3. 3

    Lager wählen

    Leicht erhöht, außerhalb von Wadis und Senken, möglichst windgeschützt.

  4. 4

    Nachtmarsch nur geplant

    Wer nachts geht, um die Hitze zu meiden: bekannte Route, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Kompass, Gruppe zusammenhalten.

Häufige Fehler

  • Nur leichte Sommerkleidung mitnehmen
  • Im trockenen Flussbett schlafen
  • Schuhe morgens ungeprüft anziehen
  • Ohne Licht nachts gehen

Grenzen und Risiken

  • Keine Temperaturangaben für bestimmte Wüsten
  • Keine Tierbestimmung

Quellen

  1. [1]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  2. [2]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-desert-night

10 · Hitze und Trockenheit · Fachliche Prüfung folgt

Hitze in der Stadt: die städtische Wärmeinsel

Städte sind oft wärmer als ihr Umland, vor allem nachts: Beton, Asphalt und Mauern speichern Tageswärme und geben sie abends ab, Grün und Wind fehlen. Dachwohnungen und dicht bebaute Viertel heizen sich am stärksten auf. Wer nachts lüftet, tagsüber verschattet, kühle Orte kennt und auf Nachbarn achtet, kommt sicherer durch Hitzewellen.

Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder sehr hohe Körpertemperatur bei Hitze sind ein Notfall: örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Ältere Menschen, Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen, die allein leben, sind besonders gefährdet. Bei Hitze regelmäßig nach ihnen sehen.

Niemals Kinder oder Tiere im geparkten Auto lassen – auch nicht kurz.

Material

  • Sonnenhut mit Krempe
  • Kühlschrank- und Gefrierthermometer(optional) – Raumtemperatur im Blick behalten

Schritte

  1. 1

    Warnungen nutzen

    Hitzewarnungen des Wetterdienstes oder der Gesundheitsbehörden verfolgen und Tagesplanung danach richten.

  2. 2

    Tagsüber verschatten

    Fenster tagsüber geschlossen halten und von außen verschatten (Rollläden, Markisen); innen liegende Vorhänge helfen weniger.

  3. 3

    Nachts lüften

    In den kühlsten Stunden spät abends und früh morgens quer lüften.

  4. 4

    Kühle Orte kennen

    Kühlsten Raum der Wohnung nutzen; öffentliche kühle Orte wie Bibliotheken, Kirchen oder ausgewiesene Kühlräume kennen.

  5. 5

    Aufeinander achten

    Bei Angehörigen und Nachbarn, die allein leben, täglich nachfragen; ans Trinken erinnern.

Häufige Fehler

  • Tagsüber Fenster öffnen, wenn es draußen heißer ist
  • Anstrengende Arbeiten in die Mittagszeit legen
  • Allein lebende Nachbarn vergessen
  • Sich auf den Ventilator allein verlassen, wenn es sehr heiß ist

Grenzen und Risiken

  • Keine Temperaturdaten für bestimmte Städte
  • Keine medizinische Behandlung

Quellen

  1. [1]

    U.S. Environmental Protection Agency (EPA): Heat Island Effect

  2. [2]

    World Health Organization: Heat and health (fact sheet)

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-urban-heat-island

11 · Hitze und Trockenheit · Fachliche Prüfung folgt

Savanne, Steppe und trockenes Grasland: Brandgefahr

Trockenes Gras brennt schneller als fast jeder andere Brennstoff in der Landschaft. Bei Wind kann eine Feuerfront schneller laufen, als ein Mensch rennt. In Grasland heißt Sicherheit: Brandgefahr kennen, keine Zündquellen schaffen, Fluchtwege im Kopf haben und bei Rauch früh weggehen – nicht abwarten.

Grasfeuer können bei Wind schneller sein als ein rennender Mensch. Nie hangaufwärts oder in Windrichtung vor einem Feuer fliehen. Früh weggehen, sobald Rauch in der Nähe sichtbar ist, und die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Heiße Fahrzeugteile wie Auspuff und Katalysator können trockenes Gras entzünden. Nicht auf hohem, trockenem Gras parken oder darüber fahren.

Feuerverbote, Grillverbote und Rauchverbote gelten in vielen Regionen bei hoher Brandgefahr – örtliche Regeln prüfen und strikt einhalten.

Material

  • Topografische Karte
  • Mobiltelefon

Schritte

  1. 1

    Brandgefahr prüfen

    Vor der Tour Brandgefahrenstufe und Windvorhersage der Wetter- oder Forstbehörde ansehen. An Tagen mit sehr hoher Gefahr und starkem Wind Touren in hohes Gras verschieben.

  2. 2

    Keine Zündquellen

    Kein offenes Feuer, keine Zigaretten, Fahrzeuge nur auf befestigten oder kahlen Flächen abstellen. Glasflaschen und Abfall mitnehmen.

  3. 3

    Fluchtwege merken

    Unterwegs immer wissen, wo die nächste Straße, ein Gewässer oder eine kahle Fläche liegt und woher der Wind kommt.

  4. 4

    Bei Rauch früh handeln

    Rauch nicht beobachten, sondern weggehen: quer zur Windrichtung oder gegen den Wind in Richtung brennstoffarmer Flächen und Straßen. Notruf absetzen, Standort angeben.

    Nicht in Senken, Rinnen oder hangaufwärts flüchten – dort laufen Feuer besonders schnell.

  5. 5

    Anweisungen befolgen

    Evakuierungsaufforderungen sofort befolgen, Straßen für Einsatzfahrzeuge freihalten.

Häufige Fehler

  • Feuer aus der Nähe beobachten oder fotografieren
  • Grasfeuer für harmlos halten, weil die Flammen niedrig sind
  • Auf trockener Wiese parken
  • Hangaufwärts flüchten
  • Zu spät losgehen

Grenzen und Risiken

  • Keine Anleitung zur Brandbekämpfung
  • Keine Regeln zu Feuerverboten bestimmter Länder

Quellen

  1. [1]

    Deutscher Wetterdienst (DWD): Waldbrandgefahrenindex (WBI)

    https://www.dwd.de

  2. [2]

    USDA Forest Service / Ad Council / National Association of State Foresters: Campfire Safety (Smokey Bear wildfire prevention campaign)

    https://smokeybear.com

  3. [3]

    U.S. Environmental Protection Agency (EPA) with partner agencies: Wildfire Smoke: A Guide for Public Health Officials

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-grassland-fire

12 · Feucht und tropisch · Fachliche Prüfung folgt

Tropischer Regenwald und feuchte Hitze

In feuchter Hitze verdunstet Schweiß schlecht, der Körper kühlt sich kaum ab und verliert trotzdem viel Wasser. Dazu kommen Starkregen, schnell steigende Flüsse, dichte Vegetation, Insekten als Krankheitsüberträger und Haut, die nie trocknet. Vorbereitung beginnt mit reisemedizinischer Beratung und endet mit einem langsamen Tempo vor Ort.

Hitzeerkrankungen können in feuchter Hitze schon bei Temperaturen auftreten, die trocken noch erträglich wären. Verwirrtheit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörung sind ein Notfall: örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Nach Starkregen können Bäche und Flüsse sehr schnell steigen, auch wenn es am eigenen Standort nicht regnet. Nicht in Flussnähe oder in Rinnen lagern.

Mücken und andere Insekten übertragen in vielen tropischen Regionen Krankheiten. Schutzmaßnahmen und Impfungen mit einer reisemedizinischen Stelle klären.

Material

  • Hängematte(optional)
  • Tarp / Plane
  • Packsack (wasserdicht)
  • Trockene Wechselkleidung – Ein trockenes Set nur für die Nacht

Schritte

  1. 1

    Reisemedizin klären

    Rechtzeitig vor der Reise eine reisemedizinische Beratung aufsuchen: Impfungen, Mückenschutz, Trinkwasser.

  2. 2

    Tempo anpassen

    In den ersten Tagen langsamer gehen, Pausen im Schatten einplanen, anstrengende Abschnitte in die kühleren Morgenstunden legen.

  3. 3

    Trinken und Wasser aufbereiten

    Regelmäßig trinken; Wasser aus Bächen und Regen vor dem Trinken aufbereiten.

  4. 4

    Nachtset trocken halten

    Tagsüber in nassen Sachen gehen, aber ein Set Kleidung im wasserdichten Packsack nur für Lager und Schlaf trocken halten. Füße abends trocknen und kontrollieren.

  5. 5

    Lager über dem Boden

    Lagerplatz erhöht, weg von Flüssen und toten Bäumen; Hängematte mit Moskitonetz und Tarp hält von Bodennässe und Krabbeltieren fern.

  6. 6

    Frühe Dunkelheit einplanen

    Nahe dem Äquator ist der Tag das ganze Jahr etwa zwölf Stunden lang und die Dämmerung kurz. Lager rechtzeitig aufbauen.

Häufige Fehler

  • Tempo wie zu Hause gehen
  • Durst als einzigen Maßstab nehmen
  • Alle Kleidung nass werden lassen
  • Am Flussufer lagern
  • Ohne Führung vom Weg abweichen

Grenzen und Risiken

  • Keine Impf- oder Medikamentenempfehlungen
  • Keine Pflanzen- oder Tierbestimmung

Quellen

  1. [1]

    Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel

  2. [2]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Heat Illness: 2019 Update

  3. [3]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-tropical-humid

13 · Feucht und tropisch · Fachliche Prüfung folgt

Moore, Sümpfe und Feuchtgebiete

Feuchtgebiete sehen oft begehbar aus, sind es aber nicht: Unter Moos und Gras liegen wassergefüllte Löcher, weicher Schlamm und kaltes Wasser. Wege und Stege nicht verlassen, nicht allein gehen und bei Nebel umkehren. Viele Moore sind zudem geschützt – Betreten abseits der Wege kann verboten sein.

Wer bis über die Knie einsinkt oder nicht mehr herauskommt: nicht strampeln, Gewicht nach hinten verlagern und auf eine möglichst große Fläche verteilen, langsam bewegen und Hilfe rufen – örtliche Notrufnummer (in der EU 112).

Nasse Füße und Beine kühlen auch im Sommer stark aus. Ersatzsocken und eine trockene Schicht mitnehmen.

Viele Moore und Feuchtgebiete stehen unter Naturschutz. Örtliche Regeln prüfen und auf markierten Wegen bleiben.

Material

  • Trekkingstöcke – Zum Abtasten des Untergrunds
  • Mobiltelefon – Wasserdicht verpackt
  • Topografische Karte

Schritte

  1. 1

    Wege planen

    Route auf markierten Pfaden und Bohlenwegen wählen; Rückweg und Zeitrahmen festlegen, jemandem Bescheid geben.

  2. 2

    Untergrund lesen

    Sehr grüne, glatte Flächen, offenes Wasser zwischen Moospolstern und schwankender Boden sind Warnzeichen. Mit dem Stock vorher tasten.

  3. 3

    Bei Nebel umkehren

    Nebel nimmt im Moor schnell die Sicht. Rechtzeitig umkehren oder an Ort und Stelle auf dem Weg warten.

  4. 4

    Wenn man einsinkt

    Stehen bleiben, Gewicht nach hinten verlagern, Rucksack als Auflage nutzen, Beine langsam einzeln befreien. Begleiter bleiben auf festem Grund und reichen einen Stock.

  5. 5

    Hilfe holen

    Kommt man nicht frei oder kühlt aus: Notruf absetzen und Standort möglichst genau beschreiben.

Häufige Fehler

  • Abkürzung über eine grüne Fläche
  • Allein und ohne Telefon gehen
  • Bei Nebel weitergehen
  • Beim Einsinken heftig strampeln
  • Als Helfer selbst in den Sumpf steigen

Grenzen und Risiken

  • Keine Rettungsausbildung
  • Keine Angaben zu einzelnen Gebieten

Quellen

  1. [1]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  2. [2]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-wetlands-bogs

14 · Feucht und tropisch · Fachliche Prüfung folgt

Tagelanger Regen in gemäßigtem Klima

Mehrere Tage Regen bei 5 bis 12 Grad sind unterwegs oft gefährlicher als trockener Frost: Kleidung und Schlafsack werden nach und nach feucht, der Körper kühlt aus, Bäche steigen, Hänge werden instabil. Wer eine nasse Woche gut übersteht, hält ein trockenes Set für die Nacht zurück, trocknet konsequent und plant Ausweichrouten.

Unterkühlung entsteht häufig bei Temperaturen über null, wenn Nässe und Wind zusammenkommen. Zittern, Ungeschicklichkeit und Verwirrtheit ernst nehmen; bei Verschlechterung örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Nach Tagen mit Regen können Bäche schnell und stark ansteigen. Hochwasserführende Bäche nicht durchqueren, sondern warten oder umkehren.

Durchnässte Hänge können rutschen, Steine lösen sich, Bäume fallen in aufgeweichtem Boden leichter um. Nicht unter steilen Hängen oder alten Bäumen lagern.

Füße, die tagelang nass und kalt bleiben, können geschädigt werden. Füße abends trocknen, Socken wechseln, bei Taubheit oder Schmerzen Hilfe suchen.

Material

  • Regen- und Windjacke
  • Packsack (wasserdicht)
  • Trockene Wechselkleidung – Nur für Lager und Schlaf
  • Tarp / Plane(optional)

Schritte

  1. 1

    Wasserdicht packen

    Schlafsack, Nachtkleidung und Elektronik in getrennten wasserdichten Beuteln. Der Rucksack selbst ist nie dicht.

  2. 2

    Schichten anpassen

    Beim Gehen eher kühl angezogen sein, damit Schweiß die Kleidung nicht von innen durchnässt; bei Pausen sofort eine warme Schicht unter die Regenjacke.

  3. 3

    Lagerplatz wählen

    Leicht erhöht, nicht in Mulden oder Bachnähe, nicht unter Totholz. Tarp zuerst aufbauen, darunter das Zelt oder den Schlafplatz einrichten.

  4. 4

    Trockenes Set verteidigen

    Im Lager in trockene Sachen wechseln, morgens wieder in die nassen. So bleibt die Nachtkleidung trocken.

  5. 5

    Essen und Trinken

    Regelmäßig warm essen und trinken – der Körper braucht Energie, um Wärme zu erzeugen.

  6. 6

    Ausweichroute planen

    Bachquerungen und Hangpassagen vorab prüfen; bei steigendem Wasser umplanen oder abbrechen.

Häufige Fehler

  • Alle Kleidung gleichzeitig tragen und nass werden lassen
  • In der Regenjacke stark schwitzen
  • In einer Mulde zelten
  • Hochwasserführende Bäche queren
  • Zu wenig essen, weil Kochen im Regen mühsam ist

Grenzen und Risiken

  • Keine medizinische Behandlung
  • Keine Pegel- oder Hangstabilitätsangaben

Quellen

  1. [1]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

  2. [2]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  3. [3]

    NOAA National Weather Service (USA): Turn Around Don't Drown

  4. [4]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-long-wet-periods

15 · Küsten und Gewässer · Fachliche Prüfung folgt

An der Küste: Gezeiten, Strömungen, Wellen

Die Küste ist trügerisch: Die Flut kann Wege abschneiden, Rückströmungen ziehen Schwimmer aufs Meer, und einzelne große Wellen erreichen Felsen, die trocken wirkten. Wer Gezeitentabellen vor Ort prüft, an bewachten Stränden badet und bei Strömung nicht gegen sie anschwimmt, vermeidet die häufigsten Küstennotfälle.

Sieht man jemanden im Wasser in Not, nicht selbst hinterherspringen: sofort die örtliche Notrufnummer wählen (in der EU 112) bzw. die Küstenrettung alarmieren, Rettungsschwimmer informieren und, wenn möglich, etwas Schwimmfähiges zuwerfen.

Wer von einer Rückströmung erfasst wird: nicht gegen die Strömung zum Ufer schwimmen, sondern ruhig bleiben, sich treiben lassen oder parallel zum Ufer schwimmen und um Hilfe winken und rufen.

Die Flut kann Strände, Buchten und Wattflächen schnell abschneiden. Gezeiten vorher prüfen, Rückweg rechtzeitig antreten und Watt nur mit ortskundiger Führung betreten.

Von Felsen, Molen und Klippenrändern Abstand halten, besonders bei Sturm: Einzelne Wellen können deutlich größer sein als die übrigen.

Material

  • Mobiltelefon – Wasserdicht verpackt
  • Signalpfeife(optional)
  • Trockene Wechselkleidung(optional)

Schritte

  1. 1

    Gezeiten prüfen

    Vor Küsten- und Strandwanderungen die örtliche Gezeitentabelle prüfen. Gezeiten verschieben sich täglich und unterscheiden sich zwischen benachbarten Orten.

  2. 2

    Rückweg sichern

    Planen, wann der Rückweg spätestens angetreten werden muss, und Fluchtwege vom Strand (Treppen, Wege) kennen. Nicht unter Klippen entlanggehen, die bei Flut erreicht werden.

  3. 3

    Bewachte Strände nutzen

    Zwischen den markierten Bereichen baden, Warnflaggen und Hinweise beachten und Kinder ständig beaufsichtigen.

  4. 4

    Rückströmungen erkennen

    Hinweise auf Rückströmungen können ruhigere Wasserrinnen zwischen brechenden Wellen, verfärbtes Wasser oder aufs Meer treibender Schaum sein. Solche Stellen meiden.

  5. 5

    Im Wasser: treiben lassen

    Wer unerwartet ins Wasser fällt oder abgetrieben wird: zuerst auf dem Rücken treiben lassen, um den Atem zu beruhigen, dann parallel zum Ufer schwimmen oder um Hilfe winken.

  6. 6

    Hilfe alarmieren

    Bei Notfällen die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder die Küstenrettung anrufen und den Ort möglichst genau beschreiben.

Häufige Fehler

  • Gezeitentabelle eines anderen Ortes verwenden
  • Bei Flut um eine Landspitze herumgehen
  • Gegen eine Rückströmung anschwimmen
  • Bei Sturm auf Molen Wellen beobachten
  • Einer Person im Wasser hinterherspringen

Grenzen und Risiken

  • Keine Gezeitendaten
  • Keine Rettungsschwimmer-Ausbildung

Quellen

  1. [1]

    NOAA National Weather Service (USA): Rip Current Safety

  2. [2]

    Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK: Respect the Water – Float to Live

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-coast-tides

16 · Küsten und Gewässer · Fachliche Prüfung folgt

Flüsse und Bäche: wann man nicht hinüber sollte

Fließendes Wasser ist eine der unterschätztesten Gefahren draußen. Tiefe und Strömung täuschen, schon knietiefes schnelles Wasser kann umwerfen, und wer stürzt, wird gegen Hindernisse gedrückt. Die sicherste Entscheidung ist fast immer: nicht queren – Brücke suchen, warten, bis das Wasser sinkt, oder umkehren. Hochwasser und überflutete Straßen nie durchqueren.

Nie durch Hochwasser oder über überflutete Straßen gehen oder fahren. Wenige Zentimeter schnell fließendes Wasser können einen Menschen umwerfen, etwas mehr ein Auto mitreißen.

Nicht queren, wenn das Wasser über die Knie reicht, schnell fließt, trüb ist, Treibgut führt, unterhalb Stromschnellen, Wasserfälle oder verkeilte Bäume liegen oder man allein ist.

Wird jemand mitgerissen, nicht hinterherspringen. Örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen, am Ufer mitlaufen und etwas Schwimmfähiges oder einen Stock reichen, ohne selbst ins Wasser zu gehen.

Material

  • Topografische Karte
  • Trekkingstöcke(optional)

Schritte

  1. 1

    Querungen vorab planen

    Bei der Tourenplanung Brücken und Stege suchen. Wo eine Querung ohne Brücke nötig wäre, die Tour als ungeeignet betrachten, wenn Regen oder Schneeschmelze zu erwarten sind.

  2. 2

    Am Ufer stehen bleiben

    Nicht spontan hineingehen. Wasserstand, Farbe, Geräusch, Treibgut und das Gelände flussabwärts beobachten.

  3. 3

    Ausschlusskriterien prüfen

    Über Kniehöhe, schnell, trüb, Treibgut, Hindernisse oder Gefälle flussabwärts, allein, ausgekühlt oder unsicher – dann nicht queren.

  4. 4

    Alternativen nutzen

    Flussauf- oder abwärts nach einer Brücke suchen, Route ändern, umkehren oder warten. Von Schnee- oder Gletscherschmelze gespeiste Bäche führen oft frühmorgens weniger Wasser; nach Regen sinkt der Pegel meist wieder.

  5. 5

    Nur wenn unvermeidbar und eindeutig flach

    Ist eine Querung unvermeidbar und das Wasser eindeutig flach und langsam: Hüft- und Brustgurt des Rucksacks öffnen, Schuhe anbehalten, mit Stöcken Halt suchen und an einer breiten, ruhigen Stelle queren.

    Im Zweifel nicht queren. Gruppentechniken und Seilsicherungen gehören in einen Kurs.

Häufige Fehler

  • Tiefe nach Sicht schätzen
  • Gruppendruck nachgeben, weil alle weiter wollen
  • Mit geschlossenem Hüftgurt queren
  • Barfuß über Geröll gehen
  • Sich mit einem Seil am Körper festbinden

Grenzen und Risiken

  • Keine Seil- oder Wildwassertechnik
  • Keine Rettungsanleitung für Menschen im Wasser

Quellen

  1. [1]

    The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition

  2. [2]

    NOAA National Weather Service (USA): Turn Around Don't Drown

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-river-crossing

17 · Küsten und Gewässer · Fachliche Prüfung folgt

Seen und Eisflächen

Ob Eis trägt, kann man von außen nicht zuverlässig sehen. Eisflächen nur betreten, wenn sie von der zuständigen Stelle freigegeben sind – sonst nicht. Wer einbricht, braucht vor allem Ruhe: Atmung beruhigen, zur Einbruchstelle zurückwenden, flach auf das Eis schieben und wegrollen. Helfer gehen nicht aufs Eis, sondern rufen den Notruf und helfen vom Ufer aus.

Eis nicht betreten, wenn man nicht sicher ist, dass es trägt. Zuflüsse, Abflüsse, Schilf, Stege und schneebedecktes Eis sind besonders tückisch.

Bricht jemand ein: nicht hinterherlaufen. Örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen, vom Ufer aus Ast, Seil, Leiter oder Kleidungsstück reichen bzw. zuwerfen und die Person zum Durchhalten ermutigen.

Wer im Eiswasser war, braucht medizinische Hilfe, auch wenn er sich wieder gut fühlt – Unterkühlung kann sich verzögert zeigen.

Material

  • Mobiltelefon
  • Seil(optional) – Zum Zuwerfen vom Ufer

Schritte

  1. 1

    Freigabe prüfen

    Örtliche Hinweise, Schilder und Freigaben der Gemeinde beachten. Ohne Freigabe nicht aufs Eis.

  2. 2

    Im Wasser: Atmung beruhigen

    Kopf über Wasser halten, nicht sofort wild kämpfen, bis das Luftschnappen nachlässt.

  3. 3

    Zur Einbruchstelle zurückwenden

    Sich zu der Seite drehen, von der man kam; dort hat das Eis zuvor getragen.

  4. 4

    Flach herausschieben

    Arme weit auf das Eis legen, mit den Beinen paddeln, um waagerecht zu kommen, und sich flach auf das Eis schieben.

  5. 5

    Wegrollen, nicht aufstehen

    Auf dem Eis liegend vom Loch wegrollen oder robben und erst auf sicherem Grund aufstehen. Dann sofort Hilfe holen und in Wärme kommen.

Häufige Fehler

  • Eis nach Farbe oder Kälte der letzten Tage beurteilen
  • Als Gruppe dicht beieinander gehen
  • Einer eingebrochenen Person aufs Eis folgen
  • Nach dem Herausklettern sofort aufstehen
  • Nach dem Einbruch ohne ärztliche Kontrolle weitermachen

Grenzen und Risiken

  • Keine Eisdicken
  • Keine Eisrettungsausbildung

Quellen

  1. [1]

    Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK: Respect the Water – Float to Live

  2. [2]

    Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-lake-ice

18 · Küsten und Gewässer · Fachliche Prüfung folgt

Steilküsten, Inseln und offenes Meer

Klippenränder brechen ohne Vorwarnung ab, am Fuß der Steilküste droht Steinschlag und die Flut. Auf Inseln hängt alles an Fähren und Wetter, Hilfe ist weiter weg. Auf dem offenen Meer entscheiden Rettungsweste, Funk und Notfunkbake. Abstand halten, Wetter ernst nehmen, erreichbar bleiben.

Abstand zu Klippenrändern halten, besonders bei Wind, Nässe und nach Regen; Ränder können unterspült sein. Kinder und Hunde an der Hand bzw. Leine.

Bei Notfällen auf See oder an der Küste die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) bzw. die Küstenwache alarmieren; auf See ist der UKW-Seefunk der übliche Notrufweg.

Auf kleinen Booten Rettungsweste tragen. Kaltes Wasser ist auch für gute Schwimmer gefährlich.

Material

  • Mobiltelefon – Wasserdicht verpackt
  • UKW-Seefunkgerät(optional)
  • Persönliches Notfunkbake (PLB)(optional)

Schritte

  1. 1

    Am Rand Abstand halten

    Auf Wegen bleiben, Absperrungen respektieren, nicht für Fotos an den Rand gehen.

  2. 2

    Fuß der Klippe meiden

    Nicht direkt unter Steilwänden rasten (Steinschlag) und Gezeiten prüfen, bevor man unter Klippen am Strand geht.

  3. 3

    Inselaufenthalt planen

    Puffer für ausfallende Fähren einplanen, Vorräte und Medikamente für einige Tage mehr mitnehmen, Wettervorhersage verfolgen.

  4. 4

    Auf dem Wasser

    Rettungsweste tragen, jemandem Route und Rückkehrzeit mitteilen, Kommunikationsmittel wasserdicht mitführen.

Häufige Fehler

  • Für ein Foto an den Klippenrand treten
  • Unter der Steilküste picknicken
  • Letzte Fähre ohne Puffer einplanen
  • Auf dem Boot keine Rettungsweste tragen

Grenzen und Risiken

  • Keine Seemannschaft
  • Keine Gezeitendaten

Quellen

  1. [1]

    Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK: Respect the Water – Float to Live

  2. [2]

    International Maritime Organization (IMO) (1972): Convention on the International Regulations for Preventing Collisions at Sea, 1972 (COLREGs) – Annex IV: Distress signals

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-cliffs-islands-sea

19 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Im Wald: Gefahren erkennen, Orientierung halten

Der Wald bietet Schutz vor Wind, Brennholz und oft Wasser – aber auch eigene Gefahren: herabfallende Äste und umstürzende Bäume bei Sturm, schlechte Sicht für die Orientierung, Zecken und in Trockenzeiten Waldbrandgefahr. Wer Lagerplätze mit Blick nach oben wählt und bei Sturm den Wald meidet, vermeidet die häufigsten Probleme.

Bei Sturm und kurz danach den Wald meiden oder so schnell wie möglich verlassen: Äste und Bäume können ohne Vorwarnung fallen, auch Stunden nach dem Sturm. Nach Sturmschäden keine gesperrten Wege betreten.

Lagerplatz, Zelt und Tarp nie unter abgestorbenen Bäumen oder hängenden toten Ästen aufbauen – vorher nach oben schauen.

In Trockenzeiten gelten oft Feuerverbote im und am Wald. Regeln und Waldbrandwarnstufen vorher prüfen.

In vielen Regionen übertragen Zecken Krankheiten. Lange Kleidung tragen, sich nach dem Aufenthalt absuchen, Zecken zügig entfernen und bei Hautrötung oder Fieber ärztlichen Rat einholen. Zu möglichen Impfungen ärztlich beraten lassen.

Material

  • Topografische Karte – Wege und Forststraßen sind oft schwer zu unterscheiden
  • Plattenkompass
  • Stirnlampe / Taschenlampe – Im Wald wird es früher dunkel

Schritte

  1. 1

    Wetter und Warnungen prüfen

    Vor der Tour Sturm-, Gewitter- und Waldbrandwarnungen prüfen. Bei Sturmwarnung eine Route ohne Wald wählen oder verschieben.

  2. 2

    Orientierung bewusst halten

    Im Wald fehlt oft die Fernsicht. Position regelmäßig auf der Karte verfolgen, Kreuzungen bewusst bestätigen und sich markante Punkte merken.

  3. 3

    Beim Rasten nach oben schauen

    Für Pausen und Lager prüfen: tote Äste, schräg stehende oder angebrochene Bäume, Bäume mit freigelegtem Wurzelteller. Solche Stellen meiden.

  4. 4

    Untergrund prüfen

    Senken können sich bei Regen mit Wasser füllen, Bachufer können überflutet werden. Leicht erhöhten, ebenen Grund wählen.

  5. 5

    Feuerregeln beachten

    Nur dort Feuer machen, wo es erlaubt ist, und es vollständig löschen. In Trockenzeiten auf offenes Feuer verzichten.

  6. 6

    Nach der Tour absuchen

    Körper nach Zecken absuchen, besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln und bei Kindern Kopf und Haaransatz.

Häufige Fehler

  • Zelt unter einer abgestorbenen Fichte aufbauen
  • Bei Sturmwarnung trotzdem in den Wald gehen
  • Sich auf Forstwege als Orientierung verlassen
  • In Trockenzeiten Feuer machen
  • Zeckenkontrolle vergessen

Grenzen und Risiken

  • Keine Pflanzen- oder Pilzbestimmung
  • Keine Rechtsangaben zu Betretungs- und Feuerregeln

Quellen

  1. [1]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival

  2. [2]

    NOAA National Weather Service (USA): Lightning Safety

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-forest

20 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Die Stadt in der Krise

Städte hängen stark von Strom, Wasserpumpen, Verkehr und Lieferketten ab. Fallen sie aus, werden Aufzüge, Wasser in oberen Stockwerken, Kartenzahlung und Kommunikation schnell zum Problem, und viele Menschen sind gleichzeitig betroffen. Vorräte zu Hause, Ortskenntnis, Kontakt zu Nachbarn und offizielle Informationsquellen sind in der Stadt wichtiger als Outdoor-Fertigkeiten.

In einer Krise geben Behörden vor, ob man zu Hause bleibt oder das Gebiet verlässt. Diesen Anweisungen folgen und Informationen über Radio, Warn-Apps und offizielle Kanäle beziehen.

Keine Grills, Campingkocher oder Generatoren in Wohnung, Treppenhaus, Keller oder Tiefgarage betreiben – Kohlenmonoxid- und Brandgefahr.

In dichten Menschenmengen Abstand zu Engstellen halten, Ausgänge im Blick behalten und sich nicht gegen den Strom bewegen. Bei Gedränge früh den Rand suchen.

Material

  • Batterie- oder Kurbelradio
  • Stirnlampe / Taschenlampe
  • Powerbank
  • Bargeldreserve
  • Feste, geschlossene Schuhe – Für lange Wege zu Fuß

Schritte

  1. 1

    Vorrat zu Hause

    Einen Grundvorrat an Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln nach den Empfehlungen der eigenen Behörde anlegen.

  2. 2

    Hochhaus mitdenken

    In oberen Stockwerken fallen bei Stromausfall Aufzüge und oft der Wasserdruck aus. Wasser vorrätig halten und klären, wie Menschen, die keine Treppen gehen können, unterstützt werden.

  3. 3

    Weg nach Hause kennen

    Den Weg von Arbeit oder Schule nach Hause auch zu Fuß kennen – öffentlicher Verkehr kann ausfallen. Bequeme Schuhe am Arbeitsplatz helfen.

  4. 4

    Offizielle Informationen

    Batterie- oder Kurbelradio bereithalten, Warn-App installieren und Gerüchte in sozialen Medien nicht ungeprüft weitergeben.

  5. 5

    Nachbarschaft einbeziehen

    Nachbarn kennen, besonders ältere oder alleinlebende Menschen; vereinbaren, sich im Krisenfall gegenseitig zu prüfen.

  6. 6

    Anlaufstellen kennen

    Informieren, ob die Stadt Notfall-Anlaufstellen, Notunterkünfte oder Wasserausgabestellen vorsieht, und wo diese liegen.

Häufige Fehler

  • Sich auf tägliches Einkaufen verlassen
  • Kein Wasservorrat in einer Hochhauswohnung
  • Gerüchte weiterverbreiten
  • In Panik mit dem Auto aufbrechen und im Stau stehen
  • Nachbarn nicht kennen

Grenzen und Risiken

  • Keine Hinweise zu Gewalttaten oder Terrorlagen
  • Keine Mengenangaben für Vorräte

Quellen

  1. [1]

    Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen

    https://www.bbk.bund.de

  2. [2]

    Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make A Plan

  3. [3]

    Centers for Disease Control and Prevention: Carbon Monoxide Poisoning – Prevention guidance

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-urban-crisis

21 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Höhlen, Stollen und alte Bergwerke: nicht hineingehen

Verlassene Bergwerke und Stollen sind lebensgefährlich: Sauerstoffmangel und giftige Gase sind unsichtbar, Decken brechen ein, senkrechte Schächte sind verdeckt. Natürliche Höhlen können sich bei Regen fluten und sind ein Labyrinth. Die Regel ist einfach: nicht hineingehen – Höhlen nur bei Führungen oder mit einem Höhlenverein, Bergwerke nur als Besucherbergwerk.

Verlassene Bergwerke, Stollen und Schächte nicht betreten – auch nicht kurz, auch nicht als Unterstand. Absperrungen nie überwinden.

Ist jemand in einer Höhle oder einem Stollen verunglückt oder vermisst: nicht selbst suchen gehen, sondern die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen – Höhlen- und Grubenrettung sind Spezialaufgaben.

Höhlen und Stollen sind oft Winterquartiere von Fledermäusen, die in Europa streng geschützt sind. Störungen vermeiden.

Schritte

  1. 1

    Draußen bleiben

    Stolleneingänge, Schächte und Höhlenöffnungen meiden, Abstand zu Schachtöffnungen halten – Ränder können nachgeben.

  2. 2

    Kinder aufklären

    Kindern und Jugendlichen erklären, warum alte Bergwerke keine Abenteuerspielplätze sind.

  3. 3

    Sichere Alternativen

    Schauhöhlen und Besucherbergwerke besuchen oder einem Höhlenverein beitreten, der ausbildet.

  4. 4

    Gefahren melden

    Offene Schächte oder beschädigte Absperrungen der Gemeinde oder Behörde melden.

Häufige Fehler

  • Nur ein paar Meter hineingehen
  • Bei Gewitter im Stollen Schutz suchen
  • Mit Handylicht in eine Höhle gehen
  • Selbst nach Vermissten suchen

Grenzen und Risiken

  • Keine Höhlentechnik
  • Keine Rettungsanleitung

Quellen

  1. [1]

    U.S. Mine Safety and Health Administration (MSHA): Stay Out–Stay Alive (public awareness campaign on abandoned mines)

  2. [2]

    Council of the European Communities (1992): Council Directive 92/43/EEC on the conservation of natural habitats and of wild fauna and flora (Habitats Directive)

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-caves-mines

22 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Steppe, offene Ebenen und Wind

In offenem Gelände fehlen Windschutz, Schatten und Orientierungspunkte. Wind kühlt den Körper stark, trocknet aus, treibt Staub und Gras- oder Buschfeuer. Bei Gewitter ist man oft der höchste Punkt. Wer hier unterwegs ist, plant Windschutz, Wasser, Navigation und Rückzugsmöglichkeiten bewusst ein.

Bei Gewitter in offenem Gelände: nicht der höchste Punkt sein, einzelne Bäume, Masten und Zäune meiden; ein geschlossenes Auto oder festes Gebäude ist der beste Schutz.

Gras- und Buschfeuer breiten sich bei Wind sehr schnell aus. Bei Waldbrandgefahr kein offenes Feuer; Rauch in der Ferne ernst nehmen und den Rückzug quer zur Windrichtung planen.

Wind verstärkt Auskühlung, auch bei Plusgraden. Windfeste Schicht griffbereit tragen.

Material

  • Regen- und Windjacke
  • Plattenkompass
  • Topografische Karte

Schritte

  1. 1

    Wind und Gewitter prüfen

    Vorhersage für Wind, Böen und Gewitter lesen; an Tagen mit Unwetterwarnung nicht aufbrechen.

  2. 2

    Windschutz tragen

    Windfeste Jacke, Mütze und Halstuch griffbereit; Augen mit Brille gegen Staub schützen.

  3. 3

    Navigation vorbereiten

    Route mit Kompasskursen und Zwischenzielen planen, Position regelmäßig bestimmen.

  4. 4

    Lagerplatz im Windschatten

    Senken, Böschungen oder Gebüsch als Windschutz nutzen, aber keine Rinnen, in denen sich Wasser sammelt. Zelt mit der schmalen Seite in den Wind.

  5. 5

    Rückzug kennen

    Gebäude, Fahrzeug oder Siedlungen auf der Karte markieren, die bei Gewitter oder Feuer erreichbar sind.

Häufige Fehler

  • Windschutzjacke tief im Rucksack
  • Gewitter am Horizont ignorieren
  • Lager in einer trockenen Rinne
  • Ohne Kompass auf Landmarken hoffen

Grenzen und Risiken

  • Keine regionalen Wetterdaten
  • Keine Brandbekämpfung

Quellen

  1. [1]

    NOAA National Weather Service (USA): Lightning Safety

  2. [2]

    NOAA National Weather Service (USA): Wind Chill Chart / Wind Chill Temperature Index

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-open-plains-wind

23 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Karstgebiete und Erdfälle

In Kalk-, Dolomit- und Gipsgebieten löst Wasser über lange Zeit das Gestein. Es entstehen Höhlen, Dolinen und versickernde Bäche – und gelegentlich brechen Erdfälle plötzlich ein. Unterwegs heißt das: Abstand von Trichterrändern und Schachtöffnungen, Wasser aus Karstquellen immer aufbereiten, Höhlen nur geführt betreten.

Ränder von Dolinen, Schächten und frischen Einbrüchen können nachgeben. Abstand halten, Kinder und Hunde nah bei sich behalten, Absperrungen nie überwinden.

In Karstgebieten fließt Wasser durch Spalten und Röhren schnell und nahezu ungefiltert unter der Erde. Klares Quellwasser kann verunreinigt sein – immer aufbereiten.

Neue Senken, Risse in Wänden oder Böden, schief stehende Pfosten oder plötzlich versickerndes Wasser am Haus: Bereich meiden und der Gemeinde oder Behörde melden. Bei unmittelbarer Gefahr örtliche Notrufnummer (in der EU 112).

Material

  • Topografische Karte

Schritte

  1. 1

    Karst erkennen

    Typische Zeichen: trichterförmige Mulden, Bäche, die plötzlich verschwinden, kräftige Quellen, kahle zerfurchte Kalkflächen.

  2. 2

    Abstand halten

    Auf Wegen bleiben, nicht an Trichterränder oder Schachtöffnungen treten, bei Nebel und Schnee besonders vorsichtig sein – Öffnungen können verdeckt sein.

  3. 3

    Wasser aufbereiten

    Wasser aus Karstquellen und Bächen vor dem Trinken aufbereiten, auch wenn es klar und kalt ist.

  4. 4

    Höhlen nur geführt

    Höhlen können sich bei Regen schnell fluten. Nur Schauhöhlen oder geführte Touren mit Höhlenverein.

  5. 5

    Auffälligkeiten melden

    Neue Einbrüche oder Senken nicht untersuchen, sondern absperren lassen und melden.

Häufige Fehler

  • An einen frischen Erdfall herantreten, um hineinzusehen
  • Klares Karstquellwasser unbehandelt trinken
  • Bei Regen in eine Höhle gehen
  • Risse am Haus ignorieren

Grenzen und Risiken

  • Keine Bau- oder Gutachterberatung
  • Keine Höhlentechnik

Quellen

  1. [1]

    U.S. Geological Survey (USGS): Sinkholes (USGS Water Science School)

  2. [2]

    World Health Organization (2022): Guidelines for drinking-water quality, fourth edition incorporating the first and second addenda

    https://www.who.int/publications/i/item/9789240045064

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-karst-sinkholes

24 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Vulkan- und Geothermalgebiete

Vulkangebiete sind auch ohne Ausbruch gefährlich: Gase sammeln sich unsichtbar in Senken, heißer Boden und dünne Krusten über kochendem Wasser können einbrechen, Hänge sind locker. Die wichtigste Regel: Sperrungen, Warnstufen und Anweisungen der Behörden befolgen, auf markierten Wegen und Stegen bleiben und bei Gasgeruch oder Unwohlsein sofort gegen den Wind weggehen.

Vulkangase wie Kohlendioxid sind unsichtbar und geruchlos und sammeln sich in Mulden, Gräben und Höhlen. Nie in Senken in Gasnähe gehen oder rasten. Bei Atemnot, Schwindel oder Kopfschmerz sofort zurück auf höheres Gelände, gegen den Wind, und die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.

Bricht jemand in einer Senke zusammen, nicht hinterherlaufen – die Ursache kann Gas sein. Notruf absetzen und auf Rettungskräfte warten.

In Geothermalgebieten kann eine dünne Kruste über kochendem Wasser oder Schlamm liegen. Markierte Wege und Stege nie verlassen.

Schwefelwasserstoff riecht nach faulen Eiern, doch bei höheren Konzentrationen kann der Geruchssinn versagen. Fehlender Geruch bedeutet keine Sicherheit. Menschen mit Asthma oder Herz- und Lungenerkrankungen reagieren empfindlicher auf Vulkangase.

Material

  • Partikelfiltrierende Atemschutzmaske (FFP2/N95)(optional) – Schützt nur vor Asche und Staub, nicht vor Gasen

Schritte

  1. 1

    Vorab informieren

    Warnstufe, Sperrzonen und Hinweise des zuständigen Vulkanobservatoriums oder der Behörde prüfen; Warn-Apps und lokale Medien verfolgen.

  2. 2

    Auf Wegen bleiben

    Nur markierte Wege und Stege nutzen, Absperrungen respektieren, Kinder an der Hand halten.

  3. 3

    Senken meiden

    Nicht in Mulden, Gräben oder Höhlen nahe Gasaustritten rasten, besonders bei Windstille. Hunde und Kinder sind wegen ihrer geringeren Größe stärker gefährdet.

  4. 4

    Bei Anzeichen gehen

    Bei stechendem Geruch, Husten, Augenreizung, Atemnot oder Schwindel sofort bergauf und gegen den Wind weggehen.

  5. 5

    Täler bei Unwetter meiden

    An Vulkanhängen können Starkregen lose Asche zu Schlammströmen mobilisieren. Talböden bei Regen und Ausbruchswarnung meiden.

Häufige Fehler

  • Absperrungen für übertrieben halten
  • Für ein Foto die Stege verlassen
  • Einer zusammengebrochenen Person in eine Senke folgen
  • Fehlenden Geruch als Entwarnung sehen
  • Staubmaske für Gasschutz halten

Grenzen und Risiken

  • Keine Gaskonzentrationen oder Grenzwerte
  • Keine Ausbruchsprognose

Quellen

  1. [1]

    U.S. Geological Survey (USGS) – Volcano Hazards Program: Volcanic gases (Volcano Hazards Program information pages)

  2. [2]

    International Volcanic Health Hazard Network (IVHHN): The Health Hazards of Volcanic Ash – A guide for the public

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-volcanic-areas

25 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

Weiden, Felder und Höfe: Unterwegs im Agrarland

Agrarland wirkt harmlos, hat aber eigene Risiken: Rinder mit Kälbern verteidigen ihre Jungen, Elektrozäune, Maschinen bei der Ernte, Güllebehälter und Silos. Dazu kommt, dass das Land jemandem gehört und Zugangsrechte von Land zu Land sehr verschieden sind. Respekt vor Tieren, Eigentum und Arbeit schützt alle.

Rinder, besonders Kühe mit Kälbern und Bullen, können Menschen angreifen und schwer verletzen – vor allem, wenn ein Hund dabei ist. Weiden mit Kälbern möglichst umgehen. Wird man mit Hund von Rindern verfolgt, den Hund loslassen und selbst ruhig den kürzesten sicheren Weg hinaus nehmen.

Güllegruben, Güllebehälter und Silos können giftige Gase und Sauerstoffmangel enthalten. Nie betreten, nicht hineinbeugen, Kinder fernhalten.

Elektrozäune geben schmerzhafte Stromschläge. Nicht anfassen, nicht darüber klettern; Kinder aufklären. Zaun-Tore mit isolierten Griffen nutzen.

Landmaschinen sind breit, laut und haben eingeschränkte Sicht. Bei Erntearbeiten Abstand halten und Blickkontakt mit dem Fahrer suchen.

Material

  • Topografische Karte – Wege und Weiden erkennbar

Schritte

  1. 1

    Zugangsregeln klären

    Ob und wo man privates Land betreten darf, ist je nach Land und Region sehr unterschiedlich. Örtliche Regeln prüfen und auf ausgewiesenen Wegen bleiben.

  2. 2

    Tore wie vorgefunden lassen

    Geschlossene Tore schließen, offene offen lassen – Tiere könnten sonst entkommen oder von Wasser abgeschnitten werden.

  3. 3

    Rinder umgehen

    Weiden mit Rindern am Rand und ruhig queren, nicht zwischen Kuh und Kalb geraten, Hund an kurzer Leine führen. Bei Unruhe der Herde umkehren oder ausweichen.

  4. 4

    Gefahrenstellen meiden

    Abstand zu Güllebehältern, Silos, Maschinen, Strohballenstapeln und Hofgebäuden halten.

  5. 5

    Rücksicht nehmen

    Keine Feldfrüchte betreten, Abfall mitnehmen, Hundekot entfernen, Arbeit nicht behindern.

Häufige Fehler

  • Kälber streicheln oder fotografieren wollen
  • Bei Rinderangriff den Hund festhalten
  • Über Elektrozäune klettern
  • Tore offen lassen
  • Annehmen, dass überall dieselben Zugangsrechte gelten

Grenzen und Risiken

  • Keine Rechtsauskunft zu Betretungsrechten
  • Keine Tierhaltungsberatung

Quellen

  1. [1]

    Natural England and Natural Resources Wales: The Countryside Code

  2. [2]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-farmland-rural

26 · Wald und Gelände · Fachliche Prüfung folgt

U-Bahn und Tunnel: Notfälle im Untergrund

Ein Zug steckt im Tunnel fest, Rauch auf dem Bahnsteig, Stromausfall in der Station: Im Untergrund hängt Sicherheit davon ab, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen des Personals zu folgen. Das Gleis ist tabu – Stromschienen können unter Spannung stehen und Züge kommen. Notruf- und Sprechstellen kennen, Fluchtwege beim Einsteigen bemerken.

Nie auf das Gleis steigen – auch nicht, um heruntergefallene Gegenstände zu holen. Stromschienen können unter Spannung stehen, Züge können jederzeit kommen. Personal oder Notrufsäule informieren.

Bleibt ein Zug im Tunnel stehen, grundsätzlich im Zug bleiben, bis das Personal anweist auszusteigen. Selbstständiges Aussteigen in den Tunnel ist lebensgefährlich.

Bei Rauch oder Feuer: vom Rauch weg, den Fluchtwegschildern und dem Personal folgen, keine Aufzüge benutzen. Örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen, sobald möglich.

Wie Notbremse, Notsprechstelle und Türnotöffnung funktionieren, unterscheidet sich je nach Verkehrsnetz. Hinweise im Fahrzeug lesen.

Material

  • Stirnlampe / Taschenlampe(optional) – Oder Telefonlicht bei Stromausfall

Schritte

  1. 1

    Beim Einsteigen orientieren

    Notsprechstelle, Feuerlöscher und Türnotöffnung im Wagen kurz ansehen; auf dem Bahnsteig Ausgänge merken.

  2. 2

    Am Bahnsteig Abstand halten

    Hinter der Sicherheitslinie warten, Kinder an der Hand halten, Kinderwagen parallel zur Bahnsteigkante abstellen und die Bremse feststellen.

  3. 3

    Zug steht im Tunnel

    Ruhe bewahren, auf Durchsagen hören, über die Notsprechstelle Kontakt aufnehmen, wenn jemand Hilfe braucht. Im Zug bleiben.

  4. 4

    Bei Evakuierung

    Den Anweisungen folgen, Gepäck zurücklassen, einander helfen, auf Stufen und unebenem Boden langsam gehen. Lampe oder Telefonlicht nutzen.

  5. 5

    Gedränge vermeiden

    Nicht drängen, auf Treppen nicht stehen bleiben, bei zunehmender Dichte zur Seite ausweichen.

Häufige Fehler

  • Aufs Gleis steigen, um ein Telefon zu holen
  • Türen im Tunnel gewaltsam öffnen
  • Zum Rauch gehen, um nachzusehen
  • Aufzug bei Feuer nutzen
  • Gepäck bei Evakuierung mitschleppen

Grenzen und Risiken

  • Keine netzspezifischen Regeln
  • Keine Anleitung für Evakuierung ohne Personal

Quellen

  1. [1]

    G. Keith Still – CRC Press (2014): Introduction to Crowd Science

  2. [2]

    U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Are You Ready? An In-Depth Guide to Citizen Preparedness

  3. [3]

    European Commission: 112 – the European emergency number

    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/112

Rev. 1 · Online-Fassung: https://survivebetter.com/de/explore/environments/env-underground-transport