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Technik und Improvisation
Hebel, Reibung, sichere Provisorien
SurviveBetter · Stand 2026-10-12 · 21 Einträge
Mechanische Grundprinzipien verstehen, um sicher zu improvisieren und zu reparieren.
01 · Mechanik · Fachliche Prüfung folgt
Hebel und Reibung verstehen
Ein Hebel tauscht Weg gegen Kraft: Je länger der Arm auf deiner Seite im Verhältnis zur Lastseite, desto weniger Kraft brauchst du – dafür musst du einen längeren Weg zurücklegen. Reibung hält Knoten, Bremsen und Seilwicklungen. Wer diese beiden Prinzipien kennt, kann Lasten sicherer bewegen und versteht, warum viele Techniken funktionieren – und wann sie versagen.
Ist jemand eingeklemmt, sofort die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112). Schwere Lasten nicht improvisiert anheben – rutschende Hebel und nachfallende Lasten verursachen schwere Verletzungen.
Äste und improvisierte Hebel können plötzlich brechen. Nie unter oder hinter eine angehobene Last greifen; Füße aus der Fallzone halten.
Material
Stabile Äste / Stangen(optional) – Nur für leichte Demonstrationen
Häufige Fehler
×Drehpunkt zu weit von der Last entfernt
×Morschen Ast als Hebel verwenden
×Hände unter die angehobene Last
×Annehmen, dass Reibung bei Nässe oder Eis gleich bleibt
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Rettung aus Trümmern oder Fahrzeugen
–Keine Flaschenzug- oder Seilsysteme für Personen
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Behelfsheringe und Toter-Mann-Anker in Schnee und Sand
In Schnee und Sand halten normale Heringe schlecht. Ein quer vergrabener Gegenstand – Stock, Beutel mit Sand, Hering oder Ski – an dem die Leine in der Mitte befestigt ist, verteilt die Zugkraft auf eine große Fläche: der „Tote Mann“. Auf hartem Boden helfen Steine und schräg gesetzte Stöcke.
Diese Anker dienen nur zum Abspannen von Zelten und Planen. Anker zur Personensicherung im Schnee gehören in die Bergsteigerausbildung.
Leinen markieren, damit niemand stolpert; beim Abbau alle Gegenstände wieder ausgraben.
Material
Stabile Äste / Stangen
Reepschnur(optional)
Packsack (wasserdicht)(optional) – Oder Plastikbeutel, mit Sand oder Schnee gefüllt
Schneeschaufel(optional)
Schritte
1
Leine befestigen
Leine mit einem Mastwurf in der Mitte des Stocks oder um den Beutelhals binden.
2
Graben
Quer zur Zugrichtung einen Graben ausheben, deutlich tiefer als in lockerem Boden üblich. Für die Leine einen schmalen Schlitz in Zugrichtung schneiden.
3
Vergraben
Anker einlegen, mit Schnee oder Sand füllen und fest antreten. Schnee sintert nach einiger Zeit und hält dann besser.
4
Spannen
Erst nach dem Festtreten spannen; eine verstellbare Spannleine ausgleichen lassen.
5
Auf hartem Boden
Leine um einen großen Stein legen und weitere Steine darauf stapeln, oder Stöcke schräg gegen die Zugrichtung einschlagen.
Häufige Fehler
×Anker zu flach vergraben
×Leine am Ende statt in der Mitte befestigt
×Sofort spannen, bevor Schnee gesetzt ist
×Anker beim Abbau vergessen
Grenzen und Risiken
–Keine Personensicherung
–Keine Haltekraftangaben
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Ein umkippender Topf mit kochendem Wasser ist eine häufige Verbrühungsgefahr. Eine stabile, ebene Auflage aus trockenen Steinen, einem Grillrost, Metallstäben oder dem Gestell eines Kochers trägt den Topf sicher über einer kleinen Feuerstelle oder Ersatzkochstelle. Wichtig sind breite Basis, niedriger Schwerpunkt und keine nassen Flusssteine.
Keine nassen oder aus Gewässern stammenden Steine in oder direkt an das Feuer legen – eingeschlossenes Wasser kann sie beim Erhitzen platzen lassen.
Topf nur halb bis zwei Drittel füllen, Griffe nach außen, Kinder auf Abstand. Bei Verbrühungen Haut mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser kühlen und bei größeren Flächen oder bei Kindern die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112).
Feuer im Freien ist vielerorts eingeschränkt oder verboten – örtliche Regeln prüfen.
Material
Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
Heringe(optional) – Metallheringe als Auflagestäbe
Schritte
1
Untergrund
Ebene, mineralische Fläche wählen, brennbares Material im Umkreis entfernen, Löschwasser bereitstellen.
2
Drei Stützen
Drei trockene, flache Steine etwa gleicher Höhe im Dreieck setzen, sodass der Topf auf allen dreien sicher aufliegt und das Feuer dazwischen Luft bekommt.
3
Oder Stäbe
Zwei bis drei Metallstäbe oder Metallheringe quer über zwei Steinreihen legen. Holzstäbe brennen durch – nicht verwenden.
4
Kipptest
Leeren Topf aufsetzen und seitlich antippen. Wackelt er, nachbessern, bevor Wasser hineinkommt.
5
Sicher hantieren
Topf mit Topfgreifer oder Handschuh, nie mit bloßer Hand abnehmen. Zum Umrühren Topf festhalten.
Häufige Fehler
×Steine aus dem Bach verwenden
×Topf hoch auf wackeligen Ästen
×Randvoll gefüllter Topf
×Grünes Holz als Auflage, das durchbrennt
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung zum Feuermachen
–Feuerregeln sind örtlich verschieden
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Trinkflaschen isolieren: gegen Einfrieren und als Wärmflasche
Bei Frost friert Wasser in der Flasche zuerst am Deckel und an der Oberfläche ein. Eine Hülle aus Socke, Mütze oder Schaumstoff, das Tragen nah am Körper und eine auf dem Kopf stehende Flasche halten es länger flüssig. Eine geeignete, dichte Flasche mit warmem Wasser kann im Schlafsack wärmen – mit Vorsicht wegen Verbrühungsgefahr.
Heißes Wasser kann schwere Verbrühungen verursachen. Nur Flaschen verwenden, die für heiße Flüssigkeiten ausgelegt sind, Deckel fest schließen und auf Dichtheit prüfen, Flasche in eine Socke oder ein Tuch hüllen und nicht direkt auf die Haut legen. Bei Verbrühungen kühlen und bei größeren Flächen die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112).
Dünne Kunststoff-Einwegflaschen verformen sich bei heißem Wasser und können undicht werden.
Material
Einwandige Edelstahlflasche(optional)
Doppelwandige Isolierflasche(optional)
Trockene Wechselkleidung – Socke, Mütze oder Schal als Hülle
Schritte
1
Hülle anlegen
Flasche in eine dicke Socke, Mütze, ein Stück Isomatte oder Schaumstoff stecken. Auch der Deckel sollte bedeckt sein.
2
Umgedreht tragen
Flasche mit dem Deckel nach unten in den Rucksack stellen – vorher prüfen, dass sie dicht ist.
3
Nah am Körper
Eine kleine Flasche in einer Innentasche oder im Rucksack nah am Rücken tragen, nicht außen in der Seitentasche.
4
Warm starten
Wenn möglich mit warmem (nicht kochendem) Wasser losgehen – es braucht länger, bis es gefriert.
5
Nachts
Für den Schlafsack eine geeignete, dichte Flasche mit warmem Wasser füllen, einhüllen und an Rumpf oder Oberschenkel legen. Morgens hat man flüssiges Trinkwasser.
Häufige Fehler
×Flasche außen am Rucksack bei Frost
×Kochendes Wasser in eine Einwegflasche
×Ungeprüften Deckel im Schlafsack
×Heiße Flasche ohne Hülle direkt auf der Haut
Grenzen und Risiken
–Keine Angaben, wie lange Wasser flüssig bleibt
–Bei strengem Frost nur begrenzte Wirkung
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Ein paar Meter Gewebeklebeband, etwas Schnur, Sicherheitsnadeln, Kabelbinder und ein Nähset passen in eine Hand und lösen erstaunlich viele Probleme: ein gerissener Rucksackriemen, eine eingerissene Plane, ein offener Reißverschluss, eine lose Schuhsohle. Das Set ersetzt keine richtige Reparatur, hält aber bis zur nächsten Gelegenheit.
Beschädigte Kletter- und Sicherungsausrüstung wird nicht geflickt, sondern ausgesondert. Ein Provisorium hält keiner Sturzbelastung stand.
Gasschläuche, Kocher, Kartuschen und Stromkabel nie mit Klebeband flicken. Defekte Teile nicht mehr benutzen.
Kabelbinder nie um Arme, Beine, Finger oder den Hals legen.
Material
Gewebeklebeband (Panzertape) – Um eine Flasche oder einen Stock gewickelt spart Platz
Paracord – Einige Meter
Sicherheitsnadeln
Kabelbinder
Nähset
Schritte
1
Klebeband platzsparend mitnehmen
Wickle einige Meter Gewebeband um eine Trinkflasche, einen Wanderstock oder ein Stück Karte. So entfällt die schwere Rolle.
2
Schnur einpacken
Einige Meter Paracord oder Reepschnur ersetzen Schnürsenkel, sichern lose Teile und dienen als Wäscheleine.
3
Nadeln und Kabelbinder
Sicherheitsnadeln schließen Risse und kaputte Reißverschlüsse provisorisch; Kabelbinder ersetzen gerissene Schlaufen oder fixieren Teile.
4
Nähset
Eine kräftige Nadel und robuster Faden reichen, um Nähte an Riemen und Kleidung zu sichern. Ein paar Ersatzknöpfe und eine Ersatzschnalle passend zum Rucksack ergänzen das Set.
5
Ausrüstungsspezifisches ergänzen
Flickzeug für Isomatte oder Fahrradschlauch, Ersatz-Zeltheringe, ein Ersatzschnürsenkel – je nachdem, was du dabeihast.
6
Wasserdicht verpacken und prüfen
Alles in einen kleinen Beutel. Vor jeder Tour kurz prüfen, ob Klebeband noch klebt und nichts verbraucht wurde.
Häufige Fehler
×Eine ganze schwere Rolle Klebeband mitschleppen
×Set nie auffüllen
×Mit Klebeband sicherheitskritische Teile flicken
×Nicht vorher üben
Grenzen und Risiken
–Keine Reparatur sicherheitskritischer Ausrüstung
–Keine Produktempfehlungen
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Ein Riss in Plane oder Jacke, ein abgerissener Riemen, eine gelöste Schuhsohle oder ein defekter Reißverschluss lassen sich mit Klebeband, Schnur, Nadel und Faden meist so sichern, dass die Ausrüstung bis zum Ende der Tour funktioniert. Die Regel: Schaden früh beheben, bevor er wächst – und das Provisorium danach ordentlich reparieren lassen.
Keine Provisorien an Kochern, Gasschläuchen, Akkus, Stromkabeln, Kletterausrüstung oder medizinischen Hilfsmitteln. Defekte Teile aussondern.
Beim Schneiden vom Körper weg arbeiten und das Messer nach Gebrauch sofort schließen oder verstauen.
Material
Gewebeklebeband (Panzertape)
Paracord(optional)
Sicherheitsnadeln(optional)
Kabelbinder(optional)
Nähset(optional)
Schritte
1
Schaden ansehen
Was ist kaputt, und welche Kraft wirkt darauf? Ist das Teil sicherheitskritisch, wird es nicht geflickt.
2
Riss in Plane oder Jacke
Fläche trocknen und säubern, Riss zusammenlegen, Klebeband auf beiden Seiten großzügig über den Riss hinaus aufkleben, Ecken abrunden und fest andrücken.
3
Gerissener Riemen
Riemenenden überlappen und mit kräftigen Stichen vernähen. Ohne Nähzeug: Enden mit Schnur fest umwickeln und verknoten oder mit Kabelbindern verbinden.
4
Defekter Reißverschluss
Offene Stellen mit Sicherheitsnadeln schließen. Läuft der Schieber nicht mehr, kann eine Schlaufe aus Schnur als Zugbändel dienen.
5
Gelöste Schuhsohle
Sohle mit Klebeband oder Schnur um den Schuh herum fixieren, dabei Druckstellen am Fuß vermeiden. Langsam weitergehen und Schuh bald ersetzen oder reparieren lassen.
6
Kontrollieren
Provisorien bei jeder Pause prüfen und nachbessern. Nach der Tour richtig reparieren.
Häufige Fehler
×Klebeband auf nasse oder schmutzige Flächen kleben
×Eckiges Klebeband, das sich an den Ecken löst
×Riss nur bis zur sichtbaren Kante sichern
×Provisorium dauerhaft belassen
Grenzen und Risiken
–Keine Reparaturen an sicherheitskritischen Teilen
–Keine herstellerspezifischen Anleitungen
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Improvisiert tragen: Beutel aus einem Hemd, Deckenrolle
Wenn ein Rucksack fehlt oder kaputt ist, lassen sich Dinge mit Alltagsgegenständen tragen: Ein T-Shirt oder Hemd wird mit zugebundenen Ärmeln und Saum zum Beutel, eine Decke oder Plane mit zwei Schnüren zur Rolle über der Schulter. Das trägt leichte bis mittlere Lasten über kurze Strecken – für schwere Lasten und lange Wege bleibt ein richtiger Rucksack unersetzlich.
Kein Kleidungsstück zum Tragen verwenden, das du für die Wärme brauchst. Bei Kälte geht Wärmeschutz vor.
Verletzte nur bewegen, wenn sie am Ort in unmittelbarer Gefahr sind; sonst Notruf wählen (in der EU 112) und auf Hilfe warten. Dieser Eintrag beschreibt keine Verletztentransporte.
Schnüre nicht um den Hals legen. Tragegurte über die Schulter und quer über den Oberkörper führen.
Material
Baumwolltuch / T-Shirt – T-Shirt, Hemd oder großes Tuch
Wolldecke / Bettdecke(optional)
Tarp / Plane(optional)
Paracord(optional)
Schritte
1
Hemd: Saum schließen
Lege das T-Shirt flach hin. Binde den unteren Saum zu – entweder mit einer Schnur oder indem du den Stoff an zwei Stellen zu Zipfeln einschneidest bzw. zusammenfasst und verknotest.
2
Hemd: Ärmel als Griff
Fülle den Beutel durch die Halsöffnung und binde die beiden Ärmel miteinander zu einem Griff zusammen.
3
Deckenrolle: auslegen
Decke oder Plane flach ausbreiten, Gegenstände gleichmäßig an einer langen Kante verteilen, harte Kanten nach innen.
4
Deckenrolle: rollen und binden
Fest aufrollen, Enden einschlagen und die Rolle an beiden Enden mit Schnur abbinden. Die Enden mit einer weiteren Schnur verbinden und quer über den Oberkörper tragen.
5
Last prüfen
Einige Schritte gehen und nachbinden. Nichts Schweres oder Spitzes an den Körper drücken lassen.
Häufige Fehler
×Zu schwer beladen – Stoff reißt
×Spitze Gegenstände nach außen
×Wärmende Kleidung opfern
×Schnüre schneiden in die Schulter ein
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung zum Transport von Verletzten
–Für schwere Lasten ungeeignet
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Wenn Isomatte oder warme Kleidung fehlen, isolieren auch Karton, Zeitungspapier, Kissen, Decken, Rucksäcke oder trockenes Laub. Entscheidend ist eingeschlossene, ruhende Luft – und dass alles trocken bleibt. Die größte Wirkung hat die Isolierung nach unten, denn der Boden zieht über Wärmeleitung mehr Wärme ab als die Luft.
Bei Anzeichen einer Unterkühlung (starkes Zittern, Verwirrtheit, Ungeschicklichkeit, Schläfrigkeit) die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112), die Person vor weiterer Kälte schützen und vom Boden isolieren.
Papier, Karton, Laub und Decken sind brennbar. Nie in der Nähe von Kerzen, Öfen, Heizstrahlern oder Glut verwenden. Keine brennstoffbetriebenen Heizgeräte in Innenräumen, Zelten oder Fahrzeugen.
Kunststoff nie über Gesicht oder Kopf ziehen (Erstickungsgefahr) und Kinder damit nicht unbeaufsichtigt lassen.
Material
Zeitungspapier und Karton
Wolldecke / Bettdecke(optional)
Rucksack(optional) – Leer unter Beine oder Hüfte
Kunststofffolie / großer Müllsack(optional) – Als Nässesperre unten
Rettungsdecke(optional)
Schritte
1
Zuerst nach unten
Lege mehrere Lagen Karton, eine leere Tasche, Kissen oder eine dicke Schicht trockenes Laub unter dich. Dicker ist besser – zusammengedrücktes Material isoliert weniger.
2
Nässe abhalten
Auf feuchtem Boden eine Folie unter die Isolierung legen, nicht darauf – sonst sammelt sich Kondenswasser am Körper.
3
Kleidung auffüllen
Zerknülltes Zeitungspapier oder trockenes Laub zwischen zwei Kleidungsschichten stopfen, besonders an Rumpf und Oberschenkeln.
4
Kopf und Hals schützen
Mütze, Schal oder ein Tuch reduzieren Wärmeverluste an Kopf und Hals spürbar.
5
Wind abhalten
Hinter eine Wand, ein Fahrzeug oder in einen Hauseingang gehen; eine Rettungsdecke oder Plane als Windschutz außen um die Isolierschichten legen.
Häufige Fehler
×Nur von oben zudecken und auf dem kalten Boden liegen
×Nasses Material verwenden
×Folie direkt auf die Haut
×Isoliermaterial neben eine Kerze oder einen Heizstrahler legen
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlungsanleitung für Unterkühlung
–Keine Angaben zu Wärmewerten einzelner Materialien
Quellen
[1]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Ein großer, reißfester Müllsack wird mit einem Gesichtsloch und Armschlitzen in Sekunden zum Regenschutz für den Oberkörper. Wichtig: Das Loch ist für das Gesicht, nie wird der Sack über den Kopf gezogen. Der Sack ist nicht atmungsaktiv und kein Ersatz für Regenkleidung, kann aber Auskühlung durch Nässe bremsen.
Erstickungsgefahr: Sack nie über den Kopf ziehen. Kleinkindern keine Plastiksäcke geben; bei Kindern nur unter Aufsicht und mit großem Gesichtsausschnitt, Kopf frei.
Unter Folie sammelt sich Schweiß. Bei Pausen und Kälte trockene Schicht darunter tragen; nasse Kleidung erhöht das Risiko einer Unterkühlung.
Material
Reißfester Müllsack (groß)
Messer (feststehend oder feststellbar)(optional) – Oder Schere; Löcher lassen sich auch reißen
Schritte
1
Gesichtsloch schneiden
Den Sack mit geschlossenem Boden nach oben halten. Etwas unterhalb des Bodens auf einer Seite ein ovales Loch in Gesichtsgröße schneiden.
2
Als Kapuze anziehen
Den Sack so überstreifen, dass der Boden wie eine Kapuze auf dem Kopf liegt und das Gesicht frei durch das Loch schaut. Atemwege müssen frei sein.
Mund und Nase dürfen nie bedeckt sein.
3
Armschlitze
Seitlich Schlitze für die Arme schneiden oder die Arme innen lassen, wenn es nur ums Warten geht.
4
Gürten
Mit einer Schnur locker gürten, damit der Wind den Sack nicht aufbläht.
Häufige Fehler
×Sack über den Kopf ziehen ohne freies Gesicht
×Zu dünner Sack, der sofort reißt
×Unter Anstrengung tragen und durchschwitzen
Grenzen und Risiken
–Keine Isolation
–Nicht für Kinder ohne Aufsicht
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Wasser improvisiert transportieren – nur in sauberen, lebensmittelechten Behältern
Fehlt ein Kanister, lassen sich Getränkeflaschen, Gefrierbeutel, Kochtöpfe oder ein lebensmittelechter Beutel im Rucksack zum Wassertransport nutzen. Entscheidend ist, dass der Behälter für Lebensmittel gedacht, sauber und nie für Chemikalien oder Kraftstoff benutzt worden ist. Müllsäcke sind nicht lebensmittelecht.
Behälter, die Chemikalien, Reiniger, Pestizide oder Kraftstoff enthielten, nie für Trinkwasser verwenden – Rückstände lassen sich nicht zuverlässig auswaschen.
Ein sauberer Behälter macht unbehandeltes Wasser nicht sicher. Wasser aus unsicheren Quellen aufbereiten.
Ein Liter Wasser wiegt etwa ein Kilogramm. Lasten verteilen, nah am Körper tragen.
Eine lose Sohle, ein gerissener Schnürsenkel oder eine aufgeplatzte Naht können eine Tour beenden. Mit Tape, Schnur, Kabelbindern, Nadel und Faden lassen sich Schuhe meist bis zum Ziel retten. Wichtig ist, Druckstellen zu vermeiden und die Reparatur täglich zu prüfen.
Tape und Kabelbinder unter der Sohle verringern Halt und können auf nassem Fels oder Eis rutschig sein. Tempo und Route anpassen, im Zweifel umkehren.
Knoten und Kanten nicht über Druckstellen legen; Blasen entstehen schnell.
Material
Gewebeklebeband (Panzertape)
Paracord – Innenfäden auch als Schnürsenkel-Ersatz
Kabelbinder(optional)
Nähset
Schuhkleber / Reparaturkleber(optional)
Schritte
1
Schaden prüfen
Wie groß ist der Schaden, wie weit ist es bis zum Ziel? Bei kritischem Gelände Rückweg einplanen.
2
Lose Sohle
Flächen säubern und trocknen, wenn vorhanden kleben und fest andrücken. Dann Tape mehrmals quer um Schuh und Sohle wickeln, im Bereich des Fußballens wenig auftragen.
3
Kabelbinder oder Schnur
Bei größerer Ablösung Kabelbinder oder Schnur durch die Schnürösen und um die Sohle führen, Enden innen oder seitlich legen.
4
Schnürsenkel ersetzen
Gerissene Senkel mit einem Knoten verbinden oder durch Paracord bzw. dessen Innenfäden ersetzen. Fehlende Ösen umgehen.
5
Naht flicken
Aufgeplatzte Nähte mit starkem Faden und Steppstich nähen, außen mit Tape schützen.
6
Täglich prüfen
Reparatur jeden Morgen und in Pausen kontrollieren und erneuern.
Häufige Fehler
×Tape auf nasse, schmutzige Flächen kleben
×Dicke Wülste unter dem Fußballen
×Weiterlaufen in anspruchsvollem Gelände ohne Rückzugsplan
Grenzen und Risiken
–Keine Aussage zur Haltbarkeit
–Kein Ersatz für Fachreparatur
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Vier Stiche reichen für die meisten Reparaturen: Vorstich zum schnellen Heften, Steppstich für belastbare Nähte, Überwendlingsstich für Kanten und Risse, Stopfen für Löcher in Strick. Dazu kommt das Annähen eines Knopfes. Mit einem kleinen Nähset lassen sich so Kleidung, Rucksäcke und Planen weiterverwenden.
Gurte, Schlingen und Seile von Kletter- oder Absturzsicherungen nie selbst nähen oder reparieren – aussondern.
Mit Fingerhut oder Lederstück arbeiten, wenn die Nadel durch dickes Material muss.
Material
Nähset – Kräftige Nadeln, Polyesterfaden, ggf. Zahnseide als starker Faden
Sicherheitsnadeln
Schritte
1
Einfädeln und knoten
Faden etwa armlang abschneiden, einfädeln, am langen Ende einen Knoten machen. Für starke Nähte doppelt nehmen.
2
Vorstich
Nadel in gleichmäßigen Abständen auf und ab führen. Schnell, aber wenig belastbar – zum Heften oder für leichte Nähte.
3
Steppstich
Einen Stich vor, dann einen halben zurück in das Ende des vorigen Stichs. Ergibt eine durchgehende, belastbare Naht – die erste Wahl für Reparaturen.
4
Überwendlingsstich
Faden schräg über die Kante führen und immer von derselben Seite einstechen. Gut für Risse, Säume und Kanten von Planen.
5
Stopfen
Über ein Loch zuerst parallele Fäden spannen, dann quer dazu im Wechsel darüber und darunter weben.
6
Sichern
Mit zwei, drei kleinen Stichen an derselben Stelle oder einem Knoten sichern. Faden nicht zu kurz abschneiden.
Häufige Fehler
×Zu nah an der Rissekante nähen
×Faden zu lang – verknotet sich
×Zu fest ziehen und Stoff zusammenraffen
×Nadel ohne Fingerhut durch dickes Material drücken
Ohne Sonnencreme oder Hut schützen Schatten, lockere, dicht gewebte Kleidung und ein improvisierter Nackenschutz aus einem T-Shirt oder Tuch. Eine Plane oder ein Schirm als Sonnensegel mit Luftzug darunter senkt die Hitzebelastung. Mittagsstunden meiden, Wasser trinken.
Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Kollaps bei Hitze können ein Hitzschlag sein – ein Notfall. Örtliche Notrufnummer wählen (112 in der EU), in den Schatten bringen und kühlen.
Auf Schnee und Wasser kann reflektiertes Licht die Augen schädigen. Improvisierte Schlitzbrillen sind nur ein Notbehelf – Sonnenbrille mit UV-Schutz mitnehmen.
Kinder und ältere Menschen sind besonders hitzeempfindlich; Schatten und Trinken aktiv anbieten.
Material
Baumwolltuch / T-Shirt – T-Shirt, Tuch, Schal
Tarp / Plane(optional)
Sonnenhut mit Krempe(optional)
Seil(optional)
Schritte
1
Schatten suchen oder bauen
Natürlichen Schatten nutzen oder eine Plane hoch und schräg aufspannen, Seiten offen für Luftzug. Doppellage mit Luftspalt kühlt besser.
2
Haut bedecken
Lange, lockere, dicht gewebte Kleidung tragen. Helle Farben werden weniger warm.
3
Nackenschutz
Ein T-Shirt so auf den Kopf legen, dass der Halsausschnitt um das Gesicht liegt und der Stoff über Nacken und Schultern fällt, ggf. mit Mütze oder Schnur fixieren.
4
Tageszeit nutzen
Anstrengung in die kühleren Morgen- und Abendstunden legen, Mittags ruhen.
5
Trinken
Regelmäßig trinken, nicht erst bei Durst. Wasser im Schatten lagern.
Häufige Fehler
×Dünnes, enganliegendes Gewebe für Sonnenschutz halten
×Plane direkt über dem Körper ohne Luftspalt
×Nacken und Ohren vergessen
×Mittags marschieren
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Sonnenbrand oder Hitzeerkrankungen
–Keine UV-Schutzwerte für Stoffe
Quellen
[1]
World Health Organization: Heat and health (fact sheet)
[2]
Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel
[3]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Heat Illness: 2019 Update
Ein altes T-Shirt, ein Bettlaken oder Plastiktüten lassen sich in Streifen schneiden und zu Schnur drehen oder flechten. Das reicht zum Bündeln, für eine Wäscheleine oder zum Festbinden leichter Dinge. Für Lasten über Menschen, zum Klettern oder Abseilen ist solche Schnur ungeeignet.
Improvisierte Schnur nie für Menschen oder Lasten über Menschen verwenden. Ihre Festigkeit ist unbekannt, Knoten und Schnittkanten schwächen sie zusätzlich.
Keine Kleidung zerschneiden, die bei Kälte zum Warmhalten nötig ist.
Plastiktüten und -streifen von Kleinkindern fernhalten (Erstickungs- und Strangulationsgefahr).
Material
Baumwolltuch / T-Shirt
Reißfester Müllsack (groß)(optional) – Oder Einkaufstüten
Messer (feststehend oder feststellbar)(optional) – Oder Schere
Schritte
1
Streifen schneiden
T-Shirt: unterhalb der Ärmel quer abschneiden und spiralförmig einen durchgehenden, etwa 2–3 cm breiten Streifen schneiden. Plastiktüten: Henkel und Boden ab, in Ringe schneiden und verschlaufen.
2
Dehnen
Strickstoff-Streifen kräftig ziehen – die Kanten rollen sich ein und der Streifen wird rund.
3
Drehen oder flechten
Zwei Streifen im Reverse-Wrap-Verfahren drehen oder drei Streifen zu einem Zopf flechten.
4
Verlängern
Neue Streifen überlappend eindrehen oder mit Schlaufen verbinden.
5
Enden sichern
Enden mit einem Überhandknoten sichern.
Häufige Fehler
×Streifen mit Kerben oder ungleicher Breite
×Benötigte Kleidung opfern
×Schnur für Personen belasten
Grenzen und Risiken
–Keine Festigkeitsangaben
–Keine Pflanzenfasern
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Eine gebrochene oder geknickte Zeltstange lässt sich unterwegs meist mit einer Reparaturhülse schienen, die über die Bruchstelle geschoben und mit Klebeband fixiert wird. Fehlt die Hülse, helfen ein Hering, ein gerades Stück Holz oder ein Stück Trekkingstock als Schiene. Splitter und scharfe Kanten müssen abgedeckt werden, damit sie den Zeltstoff nicht aufschlitzen.
Glasfaser- und Carbonstangen splittern. Handschuhe tragen, Splitter nicht mit bloßen Händen abstreifen, Bruchstelle vollständig abdecken.
Ein geschientes Gestänge hält weniger aus. Bei starkem Wind zusätzlich abspannen, Zelt niedriger aufstellen oder geschützteren Platz suchen; bei Unwetter Rückzug erwägen.
Material
Reparaturhülse für Zeltstangen
Gewebeklebeband (Panzertape)
Heringe(optional) – Als Ersatzschiene
Multitool(optional)
Schritte
1
Schaden ansehen
Stange aus dem Kanal ziehen bzw. lösen. Ist sie nur geknickt, vorsichtig so weit wie möglich zurückbiegen – sie bleibt geschwächt. Lose Splitter mit Handschuh entfernen oder anlegen.
2
Hülse aufschieben
Stange am nächsten Steckverbinder auseinandernehmen, Hülse über das Segment schieben und mittig über der Bruchstelle positionieren.
3
Fixieren
Hülse an beiden Enden mit Klebeband straff umwickeln. Kanten mit Tape abrunden, damit der Stoff nicht reißt.
4
Ohne Hülse
Einen geraden Hering, ein Stück Trekkingstock oder ein gerades, festes Holz längs an die Bruchstelle legen, deutlich über den Bruch hinaus, und dicht mit Klebeband umwickeln.
5
Vorsichtig aufbauen
Stange langsam einführen, nicht mit Kraft schieben. Zelt zusätzlich abspannen und die Stelle am nächsten Morgen kontrollieren.
Häufige Fehler
×Zu kurze Schiene
×Scharfe Kanten nicht abgeklebt
×Geschientes Gestänge mit Gewalt durch den Kanal drücken
×Keine Reparaturhülse im Set
Grenzen und Risiken
–Keine dauerhafte Reparatur
–Bei Carbonstangen eingeschränkt belastbar
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Ein Reißverschluss, der sich hinter dem Schieber wieder öffnet, hat meist einen ausgeleierten Schieber – vorsichtiges Zusammendrücken mit einer Zange hilft oft. Ein fehlender Zipper lässt sich durch Schnur ersetzen. Gebrochene Steckschnallen an Rucksack oder Tasche ersetzt man provisorisch mit einem Knoten oder einer Schnurschlaufe.
Schnallen und Verschlüsse an Klettergurt, Helm, Kindersitz, Rettungsweste oder Sicherungsausrüstung nie improvisiert reparieren – Ausrüstung aussondern und ersetzen.
Schieber nur in kleinen Schritten zusammendrücken. Zu viel Kraft bricht ihn oder lässt ihn klemmen.
Material
Multitool – Zange
Paracord(optional)
Sicherheitsnadeln(optional)
Nähset(optional)
Schritte
1
Reinigen
Sand, Schmutz und Fäden aus den Zähnen entfernen, z. B. mit Wasser und einer Bürste. Klemmt der Schieber, ist oft Stoff eingezogen – vorsichtig herausziehen.
2
Schieber nachdrücken
Schieber ganz nach unten zum Anfang führen. Mit der Zange die beiden Platten an der hinteren (offenen) Seite minimal zusammendrücken, beidseitig gleichmäßig. Testen und bei Bedarf wiederholen.
3
Zipper ersetzen
Ein Stück Schnur, ein Schlüsselring oder eine Büroklammer durch die Öse des Schiebers fädeln.
4
Wenn nichts hilft
Den Reißverschluss mit Sicherheitsnadeln von innen schließen oder mit großen Stichen zunähen; bei Kleidung lässt man sich so wenigstens bis zur Reparatur warm halten.
5
Schnalle ersetzen
Gurtbänder mit einem Wasserknoten (Bandschlingenknoten) verbinden oder eine Schnurschlaufe am einen Ende befestigen und das andere Ende hindurchführen und verknoten. Abgebrochene Schnallenreste entfernen, damit sie nicht scheuern.
Häufige Fehler
×Schieber mit einem Ruck zusammenquetschen
×Reißverschluss mit Gewalt über eingeklemmten Stoff ziehen
×Ersatzknoten nicht festziehen
×Improvisierte Schnalle an Sicherheitsausrüstung
Grenzen und Risiken
–Keine Reparatur gebrochener Zähne oder ausgerissener Bänder
–Nicht für Sicherheitsausrüstung
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Licht improvisieren – sicher und ohne offene Flamme in Innenräumen
Mit einer Stirnlampe und einer gefüllten Wasserflasche entsteht eine blendfreie Raumleuchte; weiße Wände, Spiegel und Alufolie verteilen Licht. Improvisierte Öllampen, Konservendosen-Öfen oder Kerzen-Hacks aus dem Internet gehören dagegen nicht in Wohnungen: Brand- und Kohlenmonoxidgefahr.
Keine Grills, Gaskocher, Öfen oder improvisierten Brenner in Innenräumen, Zelten oder Garagen betreiben: Kohlenmonoxid ist unsichtbar, geruchlos und kann tödlich sein. Bei Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit sofort ins Freie und die örtliche Notrufnummer wählen (112 in der EU).
Behörden empfehlen bei Stromausfall Taschenlampen statt Kerzen. Improvisierte Öllampen und Dosenbrenner kippen leicht und können Brände auslösen.
Helle LED-Lampen nicht direkt in die Augen anderer richten; diffuses Licht ist angenehmer.
Material
Stirnlampe / Taschenlampe
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) – Klar oder milchig, mit Wasser gefüllt
Ersatzbatterien
Batterie-Laterne / LED-Leuchte(optional)
Schritte
1
Wasserflaschen-Laterne
Stirnlampe so um eine gefüllte Flasche legen, dass der Leuchtkopf nach innen zur Flasche zeigt. Die Flasche leuchtet gleichmäßig.
2
Reflektieren
Licht gegen eine helle Wand oder Decke richten oder einen Spiegel dahinter stellen.
3
Sparsam einstellen
Niedrige Helligkeitsstufe nutzen, Ersatzbatterien griffbereit, eine Lampe pro Person für Wege.
4
Wege markieren
Treppen und Ausgänge mit kleinen Leuchten oder Leuchtstreifen sichtbar machen.
5
Wenn doch Kerzen
Nur in standfesten, nicht brennbaren Haltern, fern von Vorhängen, nie unbeaufsichtigt, nie bei Kindern oder Tieren allein lassen.
Häufige Fehler
×Grill oder Gaskocher drinnen für Licht oder Wärme
×Kerzen beim Schlafengehen brennen lassen
×Keine Ersatzbatterien
×Selbstgebaute Öllampen aus Internetvideos
Grenzen und Risiken
–Kein Ersatz für Notbeleuchtung in Gebäuden
–Keine Heizlösung
Quellen
[1]
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Power Outages
[2]
Centers for Disease Control and Prevention: Carbon Monoxide Poisoning – Prevention guidance
Windschutz für den Kocher improvisieren – ohne Kartusche zu überhitzen
Wind bläst die Wärme vom Topf weg und kann den Brennstoffverbrauch stark erhöhen. Ein Windschutz aus Alufolie, Steinen, Gelände oder dem Körper hilft – aber bei Kartuschenkochern, die direkt auf der Kartusche sitzen, darf er die Kartusche nie umschließen, sonst kann sie überhitzen und bersten.
Bei Kochern, die direkt auf der Kartusche sitzen, die Kartusche nie mit einem Windschutz umschließen und keinen großen Topf verwenden, der Hitze nach unten auf die Kartusche lenkt. Überhitzte Kartuschen können bersten. Herstelleranleitung zum Windschutz beachten.
Kocher nur im Freien betreiben – nie im Zelt, Vorzelt, Auto oder Wohnraum. Kohlenmonoxid- und Brandgefahr.
Alufolie und Steine werden heiß. Nicht mit bloßen Händen anfassen, Kinder fernhalten, Spiritusflammen sind bei Tag kaum sichtbar.
Material
Kocher
Aluminiumfolie (kräftig)(optional)
Kocherbrennstoff (Kartusche, Benzin, Spiritus)
Schritte
1
Natürlichen Schutz nutzen
Hinter einem Felsen, einer Mauer oder Geländekante kochen; der eigene Körper oder ein Rucksack (mit Abstand) blocken Wind zusätzlich. Untergrund eben und nicht brennbar.
2
Folienwand formen
Mehrlagige Alufolie zu einem Streifen falten, der etwas höher als die Flamme ist. Als halboffenen Bogen auf der Windseite aufstellen, mit Steinen fixieren.
3
Abstand lassen
Rund um den Topf etwa einen Fingerbreit Spalt lassen. Bei Kartuschenkochern auf der Kartusche den Schutz nur seitlich am Brenner, nicht bis zur Kartusche führen; Kartusche mit der Hand prüfen – sie darf nicht warm werden.
4
Beaufsichtigen
Kocher nie unbeaufsichtigt lassen. Bei Windböen Flammenbild beobachten, Deckel verwenden.
Häufige Fehler
×Kartusche rundum einpacken
×Windschutz ohne Spalt direkt am Topf
×Im Vorzelt kochen, weil es draußen windet
×Brennbare Materialien als Windschutz
Grenzen und Risiken
–Kein Ersatz für die Herstelleranleitung
–Nicht für Holzfeuer gedacht
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Centers for Disease Control and Prevention: Carbon Monoxide Poisoning – Prevention guidance
Nasse Kleidung und Ausrüstung trocknen – unterwegs und zu Hause
Nasse Kleidung kühlt stark aus. Auswringen, in einem Handtuch auspressen, an einer Leine im Luftzug aufhängen und dünne Schichten am Körper trocknen lassen sind die sicheren Wege. Gefährlich wird es, wenn Kleidung über Kocher, Feuer oder Heizgeräte gehängt wird – Brandgefahr – oder in kalten Wohnungen ohne Lüften getrocknet wird – Schimmel.
Kleidung nie über Kocher, Kerzen, Heizstrahler oder Glut hängen und nicht unbeaufsichtigt am Feuer trocknen. Synthetik schmilzt, Stoff fängt Feuer. Im Zelt keine Wärmequellen zum Trocknen verwenden.
Bei Kälte nasse Kleidung gegen trockene tauschen, wenn möglich, statt sie am Körper zu trocknen. Anzeichen einer Unterkühlung ernst nehmen und Hilfe holen (lokale Notrufnummer, in der EU 112).
Wäsche in der Wohnung erhöht die Luftfeuchte. Regelmäßig stoßlüften, sonst droht Schimmel an kalten Wänden.
Material
Paracord – Als Leine
Sicherheitsnadeln(optional)
Packsack (wasserdicht)(optional)
Schritte
1
Wasser herausbekommen
Auswringen, dann in ein trockenes Handtuch oder Tuch einrollen und fest ausdrücken.
2
Leine spannen
Schnur zwischen zwei Punkten im Wind und, wenn möglich, in der Sonne spannen. Teile ausgebreitet und mit Abstand aufhängen, mit Sicherheitsnadeln gegen Wind sichern.
3
Am Körper trocknen
Eine dünne, leicht feuchte Schicht unter einer winddichten Jacke beim Gehen trocknet durch Körperwärme. Nur bei ausreichender Wärme und Bewegung.
4
Über Nacht
Kleine Teile wie Socken oder Handschuhe in einer Tüte im Schlafsack mitnehmen, damit sie nicht gefrieren; vollständig trocken werden sie dort selten. Den Schlafsack selbst trocken halten.
5
Zu Hause
Im wärmsten Raum auf einem Ständer mit Abstand trocknen, mehrmals täglich stoßlüften. Nicht auf Heizgeräte legen.
Häufige Fehler
×Socken über dem Kocher trocknen
×Nasse Sachen zusammengeknüllt im Rucksack lassen
×Daunenschlafsack nass in den Packsack stopfen
×Wohnung mit Wäsche ohne Lüften
Grenzen und Risiken
–Kein Ersatz für trockene Wechselkleidung
–Keine Angaben zu Trocknungszeiten
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
U.S. Environmental Protection Agency (EPA): A Brief Guide to Mold, Moisture, and Your Home
Ein abgeschnittener Flaschenhals, ein gerollter Papierkegel oder ein Stück Alufolie ergeben einen brauchbaren Trichter; der untere Teil einer Flasche wird zum Schöpfer. Entscheidend ist die Trennung: Was für Trinkwasser und Lebensmittel genutzt wird, darf nie mit Brennstoff, Chemikalien oder Schmutzwasser in Berührung kommen.
Trichter und Behälter für Brennstoff oder Chemikalien deutlich beschriften und nie für Wasser oder Lebensmittel verwenden. Brennstoff nie in Getränkeflaschen umfüllen – Verwechslungs- und Vergiftungsgefahr, besonders für Kinder.
Frische Schnittkanten an Kunststoff und Dosen sind scharf. Vom Körper weg schneiden, Kanten mit Tape abkleben.
Brennstoff nur im Freien, mit Abstand zu Flammen und bei abgekühltem Kocher umfüllen.
Material
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter)
Multitool – Messer oder Schere
Aluminiumfolie (kräftig)(optional)
Beschriftungsanhänger und wasserfester Stift(optional)
Schritte
1
Flasche wählen
Saubere Getränkeflasche, deren Inhalt bekannt war. Für Wasser nur lebensmittelechte Gefäße.
2
Zuschneiden
Flasche etwa im oberen Drittel quer durchschneiden. Der Oberteil mit Hals ist der Trichter, der Unterteil ein Schöpfer oder Messbecher.
3
Kanten sichern
Schnittkanten mit Klebeband umkleben oder vorsichtig glätten.
4
Belüften
Trichter beim Gießen leicht anheben oder einen dünnen Stab zwischen Trichter und Öffnung stecken, damit Luft entweicht.
5
Kennzeichnen
Trichter für Wasser und für Brennstoff getrennt aufbewahren und dauerhaft beschriften.
Häufige Fehler
×Denselben Trichter für Benzin und Wasser
×Brennstoff in Getränkeflaschen
×Trichter dicht in die Öffnung pressen
×Unbekannte Kanister für Trinkwasser
Grenzen und Risiken
–Keine Wasseraufbereitung
–Nicht für heiße Flüssigkeiten
Quellen
[1]
Centers for Disease Control and Prevention: Making Water Safe in an Emergency
[2]
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Water (emergency water supply guidance)
Ein gerades Gefäß mit flachem Boden und senkrechten Wänden ist ein einfacher Regenmesser: Die Wasserhöhe in Millimetern entspricht der Niederschlagsmenge, und 1 mm Regen sind 1 Liter pro Quadratmeter. Damit lässt sich abschätzen, wie viel Regenwasser man auffangen kann oder wie nass der Boden ist.
Ein selbstgebauter Regenmesser ersetzt keine amtlichen Unwetter- und Hochwasserwarnungen. Bei Starkregen Warn-Apps, Radio und Behördenhinweise beachten.
Material
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) – Glatter, zylindrischer Teil
Beschriftungsanhänger und wasserfester Stift(optional)
Schritte
1
Gefäß vorbereiten
Bei einer Flasche das gewölbte Oberteil abschneiden; der Boden sollte flach sein oder mit etwas Sand oder Gips bis zur ersten geraden Stelle ausgeglichen werden. Diese Höhe ist der Nullpunkt.
2
Skala anbringen
Ein Lineal ab dem Nullpunkt außen anbringen oder Millimeterstriche mit wasserfestem Stift auftragen.
3
Aufstellen
Im Freien aufstellen, gut entfernt von Gebäuden, Bäumen und Zäunen, die Regen abschirmen oder Tropfen zuleiten. Senkrecht und stabil fixieren, z. B. teilweise eingegraben oder an einem Pfahl.
4
Ablesen
Täglich zur gleichen Zeit auf Augenhöhe ablesen, notieren, ausleeren. Bei Wärme verdunstet Wasser – nicht zu lange stehen lassen.
5
Auswerten
Niederschlag in mm × Dachfläche in m² ergibt grob die Liter, die vom Dach ablaufen können; tatsächlich kommt weniger in der Tonne an.
Häufige Fehler
×Gefäß unter einem Baum oder an der Hauswand
×Gewölbten Boden mitmessen
×Trichter breiter als das Gefäß, ohne umzurechnen
×Nur gelegentlich ablesen
Grenzen und Risiken
–Nur Näherungswerte
–Keine Hochwasser- oder Unwetterprognose
Quellen
[1]
World Meteorological Organization (WMO): Guide to Instruments and Methods of Observation (WMO-No. 8)