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Orientierung und Navigation
Karte, Kompass, GPS und Gelände
SurviveBetter · Stand 2026-10-12 · 26 Einträge
Wissen, wo man ist und wie man sicher ankommt – auch wenn Technik ausfällt.
01 · Karte · Fachliche Prüfung folgt
Karten lesen: Maßstab, Höhenlinien, Legende
Eine topografische Karte zeigt nicht nur Wege, sondern auch das Gelände. Wer Maßstab, Höhenlinien und Legende versteht, kann Entfernungen abschätzen, Steilheit erkennen und Orientierungspunkte gezielt suchen – auch ohne Netz und Akku.
Karten können veraltet sein: Wege werden verlegt, Brücken entfernt, Forststraßen neu gebaut. Im Zweifel dem tatsächlichen Gelände und Sperrungen vor Ort folgen, nicht blind der Karte.
Eng beieinanderliegende Höhenlinien bedeuten steiles Gelände. Felsen und Abbrüche sind je nach Karte unterschiedlich dargestellt – die Legende prüfen.
Material
Topografische Karte – Möglichst aktuell und im passenden Maßstab für das Gebiet
Plattenkompass(optional) – Das Lineal am Kompass hilft beim Messen von Entfernungen
Schritte
1
Legende und Randangaben lesen
Lies vor der Nutzung Maßstab, Äquidistanz, Erscheinungsjahr, Gitternetz und Symbolerklärung. Notiere dir, wie Wegarten, Felsen, Gewässer und Wald dargestellt sind.
2
Entfernungen messen
Miss die Strecke mit dem Lineal oder einem Faden entlang des Weges und rechne mit dem Maßstab um. Kurvige Wege sind länger, als die Luftlinie vermuten lässt.
3
Gelände aus Höhenlinien lesen
Suche Höhenzahlen, um Bergauf und Bergab zu erkennen. Enge Linien = steil, weite Linien = flach. V- oder U-förmige Linien zeigen Täler (Spitze zeigt bergauf) oder Rücken (Spitze zeigt bergab).
4
Auffanglinien und Orientierungspunkte wählen
Markiere gut erkennbare Merkmale entlang der Route – Bäche, Wegkreuzungen, Waldränder, Kuppen. Sie helfen unterwegs, den eigenen Standort zu bestätigen.
5
Unterwegs abgleichen
Vergleiche regelmäßig Karte und Gelände. Wenn erwartete Merkmale nicht auftauchen, früh anhalten und neu bestimmen, statt weiterzulaufen.
Häufige Fehler
×Maßstab verwechseln (z. B. 1:25.000 und 1:50.000)
×Äquidistanz nicht beachten
×Nur Wege lesen und das Gelände ignorieren
×Gelände an die Karte „anpassen“, wenn es nicht passt
×Veraltete Karte verwenden
Grenzen und Risiken
–Karten zeigen keine aktuellen Bedingungen wie Schnee, Hochwasser oder Sperrungen
–Kleine Geländestufen können zwischen zwei Höhenlinien verborgen sein
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Eine eingenordete Karte liegt so, dass ihr Norden in Richtung des tatsächlichen Nordens zeigt. Dann entspricht links auf der Karte links im Gelände – das erleichtert das Erkennen von Wegen und Merkmalen enorm. Es geht mit Kompass oder anhand eindeutiger Geländemerkmale.
Die eingenordete Karte zeigt, wo was liegen sollte. Immer mit mindestens einem zweiten Merkmal bestätigen, bevor man einen Weg einschlägt.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Karte flach halten
Halte die Karte waagerecht oder lege sie auf eine ebene Fläche, fern von Metall.
2
Mit Kompass einnorden
Lege den Kompass mit der Kante parallel zu einer Nord-Süd-Linie der Karte. Drehe Karte und Kompass gemeinsam, bis das rote Nadelende zum oberen Kartenrand zeigt.
3
Oder: mit Geländemerkmalen
Ohne Kompass: Suche ein sicher erkanntes Merkmal (Gipfel, See, Kirchturm, gerade Straße) und drehe die Karte, bis seine Richtung auf der Karte mit der tatsächlichen Richtung übereinstimmt.
4
Umgebung abgleichen
Vergleiche weitere Merkmale. Passen sie nicht, ist entweder der angenommene Standort oder die Ausrichtung falsch.
Karte mit dem Kompass einnorden: anlegen, dann gemeinsam drehen
Häufige Fehler
×Karte beim Gehen wieder „nach Norden oben“ drehen und dadurch verwechseln
×Nadel nach Süd statt Nord ausrichten
×Ein falsch erkanntes Merkmal zum Einnorden nutzen
Grenzen und Risiken
–Gibt keine exakte Richtung über lange Strecken
–Setzt korrekt erkannte Merkmale oder einen funktionierenden Kompass voraus
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Koordinaten und Gitternetz: Standort genau angeben
Koordinaten machen einen Standort eindeutig – für die eigene Navigation und vor allem für einen Notruf. Topografische Karten tragen meist ein Gitternetz (z. B. UTM oder ein nationales Gitter), Geräte zeigen oft Breite/Länge. Wichtig sind das richtige Format, die Lesereihenfolge („erst rechts, dann hoch“) und das Bezugssystem (Datum) der Karte.
Koordinatenformate (Dezimalgrad, Grad-Minuten, Grad-Minuten-Sekunden, UTM) sehen ähnlich aus, ergeben verwechselt aber Fehler von vielen Kilometern. Im Notruf das Format nennen und Ziffern langsam wiederholen.
Karte und GPS müssen dasselbe Bezugssystem (Datum) verwenden. Steht auf der Karte ein anderes als im Gerät eingestellt, das Gerät umstellen – sonst können Positionen merklich verschoben sein.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass(optional) – Viele Plattenkompasse haben Planzeiger (Koordinatenmesser) für gängige Maßstäbe
Mobiltelefon(optional)
Schritte
1
Kartenrand lesen
Suche am Kartenrand nach Gitterart, Zone, Bezugssystem und einer Beispielablesung. Viele Karten erklären dort, wie die Koordinate zu bilden ist.
2
Quadrat bestimmen
Finde die Gitterlinie links vom Punkt (Rechtswert) und die Linie darunter (Hochwert). Merkhilfe: erst nach rechts, dann nach oben lesen.
3
Innerhalb des Quadrats verfeinern
Schätze oder miss mit dem Planzeiger, wie weit der Punkt im Quadrat nach rechts und nach oben liegt, und hänge die Ziffern an. Mehr Ziffern bedeuten eine genauere Angabe.
4
Mit dem Gerät abgleichen
Stelle im GPS oder in der Karten-App dasselbe Format und Bezugssystem wie auf der Karte ein und vergleiche eine bekannte Position.
5
Notieren und durchgeben
Schreibe die Koordinate auf, nenne bei Weitergabe das Format (z. B. „UTM, Zone …“ oder „Dezimalgrad“) und lass sie dir wiederholen.
Häufige Fehler
×Rechts- und Hochwert vertauscht
×Format nicht genannt
×Falsches Bezugssystem im Gerät
×Gitterquadrat rechts statt links vom Punkt gewählt
×Ziffern im Stress verdreht
Grenzen und Risiken
–Keine Beschreibung aller nationalen Gitter
–Genauigkeit hängt von Karte und Ablesung ab
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Höhenlinien zeigen die Form des Geländes. Wer Rücken, Mulden, Sättel, Kuppen und Steilstufen erkennt, kann sich auch ohne Wege orientieren, Routen sicherer wählen und den eigenen Standort aus der Geländeform ablesen.
Felsstufen und Abbrüche, die kleiner sind als die Äquidistanz, können zwischen zwei Höhenlinien verschwinden. Ein konvexer Hang verdeckt außerdem, was unter ihm liegt. Steile Abschnitte nie „blind“ absteigen.
Material
Topografische Karte
Schritte
1
Äquidistanz ablesen
Am Kartenrand steht der Höhenabstand zwischen den Linien. Zähltlinien (dicker gedruckt) tragen oft Höhenzahlen.
2
Bergauf und bergab erkennen
Nutze Höhenzahlen, Gipfelpunkte, Seen und Bäche: Wasser fließt immer bergab, also zeigen V-Formen an Bächen bergauf.
3
Formen benennen
Suche Rücken, Täler, Sättel, Kuppen und Steilhänge auf der Karte und in der Landschaft und ordne sie einander zu.
4
Steilheit beurteilen
Vergleiche Linienabstände: Wo sie zusammenlaufen, wird es steil. Plane Routen eher entlang flacher Abschnitte.
5
Hangrichtung nutzen
Halte den Kompass in Fallrichtung des Hangs, auf dem du stehst. Vergleiche diese Richtung mit Hängen auf der Karte – das grenzt deinen Standort ein.
Häufige Fehler
×Rücken und Tal verwechselt
×Äquidistanz nicht beachtet
×Annahme, zwischen Linien sei es gleichmäßig
×Gefälle anhand der Luftlinie statt der Linienabstände beurteilt
Grenzen und Risiken
–Keine Aussage zur Begehbarkeit einzelner Stellen
–Darstellung je nach Karte unterschiedlich
Quellen
[1]
U.S. Geological Survey (USGS): Topographic Map Symbols
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Kartenkontakt halten: Daumenmethode und Merkmale abhaken
Die meisten Verirrungen beginnen damit, dass man eine Weile nicht auf die Karte schaut. Bei der Daumenmethode liegt der Daumen immer auf dem aktuellen Standort und wandert mit; unterwegs hakt man im Kopf Merkmale ab („Bach überquert, jetzt kommt die Wegkreuzung“). So bemerkt man Fehler nach Minuten statt nach Stunden.
Wer ein Merkmal nicht findet, sollte die Karte nicht „passend biegen“ (sich einreden, ein anderes Merkmal sei das gesuchte). Anhalten und den Standort systematisch prüfen.
Material
Topografische Karte – Passend gefaltet, damit der aktuelle Abschnitt oben liegt
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Karte falten
Falte die Karte so, dass der aktuelle Abschnitt sichtbar ist, und halte sie eingenordet.
2
Daumen setzen
Lege den Daumen direkt neben deinen Standort, mit der Spitze in Gehrichtung.
3
Nächste Merkmale ansagen
Sage dir (oder der Gruppe) die nächsten zwei bis drei Merkmale und ihre Reihenfolge an: z. B. Brücke, dann Anstieg, dann Waldrand links.
4
Abhaken und Daumen nachziehen
Bei jedem erreichten Merkmal Daumen nachziehen und kurz bestätigen. Auch die Zeit dazu merken.
5
Fehlendes Merkmal ernst nehmen
Kommt ein erwartetes Merkmal nicht, nach angemessener Zeit anhalten statt weiterzulaufen.
Je länger man trotz Zweifel weitergeht, desto größer wird der Suchbereich.
Häufige Fehler
×Karte im Rucksack lassen und nur an Kreuzungen schauen
×Merkmale passend reden
×Karte nicht eingenordet halten
×Nur dem Vordermann folgen
Grenzen und Risiken
–Ersetzt keine Kompassarbeit in merkmalsarmem Gelände
–Hängt von der Kartenqualität ab
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Mit dem Plattenkompass eine Richtung nehmen und halten
Mit Karte und Plattenkompass lässt sich die Richtung zu einem Ziel bestimmen (Marschzahl) und im Gelände einhalten – auch bei Nebel oder im Wald. Wichtig sind eine ruhige Handhabung, Abstand zu Metall und die Missweisung, deren Wert man auf der eigenen Karte nachliest.
Eine Peilung zeigt nur die Richtung, nicht ob der direkte Weg begehbar ist. Hindernisse umgehen und danach die Richtung neu aufnehmen; nie stur in steiles Gelände folgen.
Metallgegenstände, Handys, Magnetverschlüsse und Stromleitungen können die Nadel deutlich ablenken. Kompass davon entfernt halten.
Die Missweisung (Deklination) – der Winkel zwischen geografischem bzw. Gitter-Nord und magnetischem Nord – ist je nach Ort und Jahr verschieden. Den Wert auf deiner Karte bzw. in einer aktuellen Quelle prüfen, nicht aus dem Gedächtnis übernehmen.
Material
Plattenkompass
Topografische Karte
Schritte
1
Kompass an Start und Ziel anlegen
Lege die Kante der Grundplatte auf der Karte so an, dass sie Standort und Ziel verbindet und der Richtungspfeil zum Ziel zeigt.
2
Kapsel nach Kartennord drehen
Drehe die Kapsel, bis ihre Nordlinien parallel zu den Nord-Süd-Linien der Karte liegen und der Nordpfeil der Kapsel zum oberen Kartenrand (Norden) zeigt. Die Nadel ist dabei egal.
3
Missweisung berücksichtigen
Lies die Missweisung auf deiner Karte nach. Ist sie für deine Genauigkeit relevant, korrigiere den eingestellten Wert in die dort angegebene Richtung – oder nutze die Einstellschraube, falls dein Kompass eine hat.
Wert und Richtung der Korrektur auf der Karte prüfen; sie ändern sich mit Ort und Jahr.
4
Sich mit dem Kompass drehen
Halte den Kompass waagerecht vor dem Körper, Richtungspfeil nach vorne. Drehe dich, bis das rote (Nord-)Ende der Nadel genau im Nordpfeil der Kapsel liegt.
5
Zielpunkt anvisieren und gehen
Suche in Pfeilrichtung einen markanten Punkt (Baum, Felsen), gehe dorthin und visiere von dort den nächsten an. So musst du nicht ständig auf den Kompass schauen.
6
Strecke und Fortschritt kontrollieren
Schätze die zurückgelegte Strecke (Zeit oder Schrittzählen) und gleiche erwartete Geländemerkmale ab. Bleiben sie aus, anhalten und neu bestimmen.
Die Teile eines Plattenkompasses
Häufige Fehler
×Richtungspfeil zeigt bei der Kartenarbeit vom Ziel weg
×Kapsel um 180° falsch eingestellt (Nadel mit Süd-Ende eingenordet)
×Kompass schräg oder neben Metall halten
×Missweisung ignorieren, obwohl sie auf der Karte erheblich ist
×Nur auf die Nadel schauen statt auf Zielpunkte
Grenzen und Risiken
–Keine Zahlenwerte zur Missweisung – sie sind orts- und zeitabhängig
–Genauigkeit begrenzt durch Handhabung und Gelände
–In der Nähe der Magnetpole unbrauchbar
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Navigation mit Handy und GPS: Offline-Karten, Akku, Grenzen
Smartphone und GPS-Gerät zeigen den eigenen Standort meist zuverlässig, auch ohne Mobilfunknetz – sofern Karten vorher offline gespeichert wurden und der Akku hält. Kälte, Dauerbetrieb und fehlende Ersatzenergie sind die häufigsten Schwachstellen. Eine Papierkarte als Backup bleibt sinnvoll.
Ein leerer Akku nimmt dir Navigation und Notruf zugleich. Akku schonen, Energiereserve für einen Notruf einplanen und nicht als einziges Hilfsmittel verlassen.
Apps schlagen mitunter Routen über ungeeignete, gesperrte oder gefährliche Wege vor. Route vorher auf Plausibilität und Gelände prüfen.
Die angezeigte Position kann in engen Tälern, an Felswänden, in dichtem Wald oder zwischen Hochhäusern ungenau sein.
Material
Mobiltelefon
Powerbank (Zusatzakku) – Mit passendem Kabel
GPS-Gerät(optional)
Topografische Karte – Als Backup
Schritte
1
Offline-Karten laden
Lade vor der Tour die Karten des gesamten Gebiets plus Umgebung herunter und prüfe im Flugmodus, ob sie angezeigt werden.
2
Laden und Reserve einpacken
Lade Telefon und Powerbank vollständig und nimm das passende Kabel mit.
3
Energie sparen
Display dunkler stellen, nicht benötigte Apps und Funkverbindungen ausschalten, Flugmodus nutzen, wenn kein Netz gebraucht wird (Satellitenortung funktioniert meist trotzdem), nur bei Bedarf auf die Karte schauen.
4
Akku warm halten
Bei Kälte das Gerät körpernah in einer Innentasche tragen. Kalte Akkus können sich plötzlich abschalten, obwohl noch Ladung angezeigt wird.
5
Koordinaten finden können
Übe zu Hause, wo die App deine Koordinaten anzeigt, damit du sie im Notfall schnell vorlesen kannst.
6
Notreserve festlegen
Lege einen Akkustand fest, ab dem das Telefon nur noch für Notrufe genutzt wird, und plane umzukehren, bevor es so weit ist.
Häufige Fehler
×Keine Offline-Karten, Verlass auf Mobilfunk
×Navigation dauerhaft mit hellem Display
×Telefon in der Außentasche bei Kälte
×Keine Papierkarte als Backup
×App-Route ohne Prüfung folgen
Grenzen und Risiken
–Keine Angaben zu Akkulaufzeiten – sie hängen stark vom Gerät und den Bedingungen ab
–Genauigkeit wird nicht immer korrekt angezeigt
–Kartendaten in Apps können Fehler enthalten
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Die Kompassnadel zeigt nach magnetisch Nord, die Karte ist nach geografisch oder Gitter-Nord ausgerichtet. Der Unterschied – die Missweisung – hängt von Ort und Jahr ab. Den Wert nie aus dem Gedächtnis nehmen: auf der Karte oder bei einem geomagnetischen Dienst nachsehen und dann konsequent in eine Richtung umrechnen.
Missweisung ändert sich mit Ort und Zeit. Alte Karten können veraltete Werte zeigen; die angegebene jährliche Änderung beachten oder einen aktuellen Wert nachschlagen.
Am häufigsten ist nicht der falsche Wert, sondern die falsche Richtung der Korrektur. Eine Regel festlegen, aufschreiben und an einer bekannten Richtung im Gelände prüfen.
Material
Plattenkompass – Ideal mit Einstellschraube für die Missweisung
Topografische Karte
Schritte
1
Wert finden
Lies auf dem Kartenrand Missweisung, Bezugsjahr und jährliche Änderung ab – oder nutze einen aktuellen Rechner eines geomagnetischen Dienstes.
2
Bedeutung abschätzen
Kleine Werte können auf kurzen Strecken vernachlässigbar sein, große nicht. Bedenke: jeder Winkelfehler wächst mit der Strecke.
3
Kompass einstellen oder Regel notieren
Hat der Kompass eine Einstellschraube, den Wert dort einstellen; dann rechnet er automatisch. Sonst die Umrechnung (Karte → Kompass: Ost abziehen, West addieren) auf einen Zettel am Kompass schreiben.
4
Im Gelände prüfen
Peile von einem bekannten Punkt einen auf der Karte bestimmbaren Punkt an und vergleiche mit der Kartenrichtung. Stimmt es nicht, die Regel überprüfen.
Häufige Fehler
×Korrektur in die falsche Richtung
×Wert von einer anderen Region übernommen
×Einstellschraube verstellt und vergessen
×Zweimal korrigiert (Schraube und zusätzlich im Kopf)
Grenzen und Risiken
–Keine Zahlenwerte – sie sind orts- und zeitabhängig
–Lokale magnetische Störungen werden nicht korrigiert
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), National Centers for Environmental Information (NCEI): Magnetic Field Calculators (declination calculator)
[3]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Richtung halten im Gelände: Bocksprung, Vorhalten, Umgehen
Eine Marschzahl einzustellen ist leicht – sie im Wald, Nebel oder um Hindernisse herum zu halten, ist die eigentliche Kunst. Bewährte Techniken: Zwischenziele anpeilen, sich in der Gruppe gegenseitig ausrichten („Bocksprung“), bewusst vorhalten und Hindernisse rechtwinklig umgehen.
Eine Richtung oder Position auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände dazwischen sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
Material
Plattenkompass
Topografische Karte
Schritte
1
Zwischenziele wählen
Peile entlang des Richtungspfeils einen eindeutigen Punkt an (Baum, Fels), gehe hin, peile erneut. Je schlechter die Sicht, desto kürzer die Abschnitte.
2
Bocksprung in der Gruppe
Gibt es keine Zielpunkte, geht eine Person voraus, bis sie gerade noch sichtbar ist. Die Person mit Kompass dirigiert sie per Ruf oder Handzeichen genau in die Richtung, dann rückt die Gruppe nach.
3
Bewusst vorhalten
Liegt das Ziel an einer Linie (Weg, Bach), stelle die Richtung absichtlich etwas seitlich ein. An der Linie weißt du, in welche Richtung du abbiegen musst.
4
Hindernis rechtwinklig umgehen
Drehe 90° zur Seite und zähle die Schritte, bis das Hindernis passiert ist. Gehe parallel zur Marschrichtung daran vorbei, dann 90° zurück mit derselben Schrittzahl und nimm die alte Richtung wieder auf.
5
Mit Rückpeilung kontrollieren
Schau gelegentlich zurück: Liegt der Startpunkt genau in Gegenrichtung, bist du auf Kurs.
Häufige Fehler
×Zielpunkt aus den Augen verlieren und einen ähnlichen wählen
×Beim Umgehen die Schritte nicht zählen
×Vorhalten ohne zu notieren, auf welche Seite
×Zu lange Abschnitte bei Nebel
Grenzen und Risiken
–Keine Genauigkeitsangaben – hängt von Gelände und Übung ab
–Ersetzt nicht die Beurteilung des Geländes
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Ein barometrischer Höhenmesser (auch in vielen Outdoor-Uhren) liefert eine dritte Information neben Richtung und Strecke: die Höhe. Zusammen mit den Höhenlinien der Karte lässt sich so der Standort an einem Hang, Grat oder Weg eingrenzen. Weil er auf Luftdruck reagiert, muss er an bekannten Höhenpunkten regelmäßig neu eingestellt werden.
Eine Linie auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
Ein Höhenmesser misst Luftdruck. Steigt oder fällt der Druck wegen des Wetters, zeigt er falsche Höhen, obwohl man sich nicht bewegt. Nie allein nach Höhenmesser in steiles Gelände absteigen.
Material
Höhenmesser (barometrisch)
Topografische Karte – Mit Höhenlinien und Höhenangaben
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Am Start einstellen
Stelle den Höhenmesser an einem Punkt mit bekannter Höhe ein (Höhenangabe auf Karte oder Schild).
2
Höhen in die Planung schreiben
Notiere für wichtige Punkte der Route die Höhe: Abzweigungen, Sattel, Hütte, Umkehrpunkt.
3
Höhe mit einer Linie kombinieren
Bist du auf einem Weg, Grat oder Bach, suche, wo die angezeigte Höhenlinie diese Linie schneidet.
4
Unterwegs nachstellen
An jedem sicher identifizierten Punkt mit Höhenangabe vergleichen und neu einstellen. Große Abweichungen deuten auf Wetteränderung hin.
Häufige Fehler
×Stundenlang nicht kalibriert
×Höhenmesser über Karte und Gelände gestellt
×Höhenlinien der Karte falsch gelesen (Äquidistanz übersehen)
×Uhr nicht an Temperaturänderungen angepasst (je nach Modell)
Grenzen und Risiken
–Keine Genauigkeitsangaben – modell- und wetterabhängig
–Keine Anleitung für Gletscher- oder Lawinengelände
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
11 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Verirrt: die STOP-Regel
Wer merkt, dass er die Orientierung verloren hat, sollte sofort anhalten statt weiterzulaufen. STOP steht für Stehenbleiben, Denken (Think), Beobachten (Observe), Planen. Oft ist es sicherer, an einem gut auffindbaren Ort zu bleiben, besonders wenn jemand den Tourenplan kennt.
Bei Verletzung, Erschöpfung, einbrechender Dunkelheit in schwierigem Gelände oder Unterkühlungsgefahr: früh die lokale Notrufnummer (112 in der EU) wählen. Ein früher Anruf ist besser als ein später.
Nicht in unbekanntes steiles Gelände oder Bachschluchten absteigen, um „schnell ins Tal“ zu kommen – dort enden Wege oft an Abbrüchen.
Beim Warten früh gegen Kälte und Nässe schützen: Isolation vom Boden, Wind- und Regenschutz, zusätzliche Kleidung.
Material
Mobiltelefon(optional)
Topografische Karte(optional)
Rettungsdecke(optional)
Schritte
1
S – Stehenbleiben
Halte an, setze dich, trinke etwas und atme ruhig durch. Nicht weiterlaufen, „um mal zu schauen“.
2
T – Denken
Wo war der letzte sicher bekannte Punkt? Wie lange und in welche Richtung bist du seitdem gegangen? Wer weiß, wo du bist?
3
O – Beobachten
Prüfe Umgebung, Wetter, verbleibendes Tageslicht, Akku, Ausrüstung, Wasser und den eigenen Zustand. Nutze Karte, Kompass oder Telefon zur Standortbestimmung.
4
P – Planen
Entscheide bewusst: Nur auf sicherem, bekanntem Weg zum letzten bekannten Punkt zurückgehen – oder bleiben, Hilfe rufen und sich auffindbar machen.
5
Beim Bleiben: sichtbar und warm
Wähle einen sicheren, möglichst offenen Platz in der Nähe, mache dich sichtbar und hörbar (Signale, helle Kleidung) und schütze dich vor Kälte.
Häufige Fehler
×Weiterlaufen in der Hoffnung, „gleich“ etwas zu erkennen
×Zu spät Hilfe rufen
×Gruppe trennt sich
×Akku mit ziellosem Suchen leeren
×Unbekannten Abstieg querfeldein wählen
Grenzen und Risiken
–Keine allgemeingültige Regel für Bleiben oder Gehen
–Ersetzt keinen Notruf bei Gefahr
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
12 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Leitlinien, Auffanglinien und Angriffspunkte
Statt quer durchs Gelände nur dem Kompass zu folgen, nutzt man lange, gut erkennbare Linien (Bäche, Wege, Waldränder) als Leitlinien, plant eine Auffanglinie hinter dem Ziel als „Stopp-Signal“ und nähert sich schwierigen Zielen von einem markanten Angriffspunkt aus. Das macht Navigation robuster und weniger fehleranfällig.
Eine Richtung oder Position auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände dazwischen sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
Bäche und Flüsse als Leitlinie nutzen heißt nicht, ihnen ins Wasser oder in Schluchten zu folgen. Ufer können unterspült sein, Schluchten enden an Abbrüchen.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Leitlinie suchen
Suche auf der Karte eine Linie, die grob in deine Richtung läuft: Weg, Bach, Zaun, Waldrand, Stromleitung, Talboden.
2
Auffanglinie festlegen
Bestimme eine Linie quer hinter dem Ziel (Straße, Bach, Hangfuß). Erreichst du sie, bist du vorbei und musst zurück.
3
Angriffspunkt wählen
Wähle nahe dem Ziel ein unverwechselbares Merkmal (Wegkreuzung, Brücke, Gipfel). Von dort gehst du das letzte Stück mit Kompass und Schrittzählung.
4
Merkmale abhaken
Lege fest, welche Merkmale unterwegs kommen müssen (z. B. Bachquerung, Lichtung). Hake sie ab; bleiben sie aus, anhalten.
Häufige Fehler
×Leitlinie verwechselt (z. B. einen anderen Bach)
×Keine Auffanglinie geplant und weit über das Ziel hinaus gegangen
×Angriffspunkt zu weit vom Ziel entfernt
×Nicht abgehakte Merkmale ignoriert
Grenzen und Risiken
–Setzt Karte im passenden Maßstab voraus
–In merkmalsarmem Gelände kaum anwendbar
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
13 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Entfernung messen: Schrittzählen und Zeitschätzung
Wer weiß, wie weit er gegangen ist, findet Ziele und bemerkt Fehler. Dafür misst man die eigene Schrittlänge auf einer bekannten Strecke und zählt unterwegs Doppelschritte; über längere Strecken hilft die Zeitschätzung. Feste Zahlen anderer helfen nicht – nur die eigene, im Gelände geprüfte Messung zählt.
Material
Topografische Karte
Notizbuch und Bleistift(optional)
Schritte
1
Eigene Schritte eichen
Laufe eine bekannte Strecke im normalen Tempo und zähle Doppelschritte (jedes Mal, wenn derselbe Fuß aufsetzt). Wiederhole es im Gelände, bergauf und bergab.
2
Werte notieren
Notiere deine Zahl pro Strecke für verschiedene Untergründe auf einem Zettel oder am Kompass.
3
Unterwegs zählen
Miss die Etappenlänge auf der Karte, rechne in Doppelschritte um und zähle mit. Hilfsmittel: Zählperlen, Knoten in einer Schnur oder Steinchen von einer Tasche in die andere.
4
Zeit mitschreiben
Notiere die Startzeit jeder Etappe. Zusammen mit deinem Tempo ergibt sich eine zweite Schätzung der Strecke.
5
Mit dem Gelände vergleichen
Ist die gezählte Strecke erreicht, aber das Ziel fehlt, nicht weiterlaufen: anhalten und systematisch suchen.
Häufige Fehler
×Fremde Schrittwerte übernommen
×Zählung bei Unterbrechungen verloren
×Steigung und Untergrund nicht berücksichtigt
×Zeit nicht notiert
Grenzen und Risiken
–Keine Standardwerte – nur eigene Messungen
–Abweichungen wachsen mit der Streckenlänge
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
14 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Navigation bei Nacht, Nebel und White-out
Bei schlechter Sicht verschwinden Landmarken, Entfernungen täuschen und Fehler häufen sich. Sicherer ist es, kurze Etappen zu gehen, Leitlinien zu nutzen, Schritte und Zeit zu zählen und die Gruppe eng zusammenzuhalten – oder bewusst anzuhalten und abzuwarten, wenn das Gelände gefährlich ist.
Wer bei schlechter Sicht in steiles oder unbekanntes Gelände gerät, sollte anhalten, sich warm halten und ggf. Hilfe rufen (lokale Notrufnummer, 112 in der EU), statt weiterzugehen. Viele Unfälle entstehen beim Weitergehen unter Druck.
Gruppe in Sicht- und Rufweite halten, regelmäßig durchzählen. Bei Nebel verliert man sich schon auf kurze Distanz.
Material
Stirnlampe / Taschenlampe
Plattenkompass
Topografische Karte
GPS-Gerät(optional)
Schritte
1
Entscheiden: weiter oder warten
Prüfe ehrlich, ob die Route sicher ist. Bei Absturzgefahr oder Orientierungsverlust ist Anhalten oft die bessere Wahl.
2
Kurze Etappen planen
Teile den Weg in kurze Abschnitte zu eindeutigen Merkmalen (Wegkreuzung, Bach, Hangfuß). Nutze Leitlinien und Auffanglinien.
3
Richtung, Strecke, Zeit messen
Halte die Richtung mit Kompass und Bocksprung, zähle Schritte und notiere Startzeiten.
4
Licht gezielt einsetzen
Lampe zum Kartenlesen und für Hindernisse nutzen, sonst gedimmt. Ersatzbatterien griffbereit halten.
5
Häufig kontrollieren
Prüfe nach jeder Etappe, ob das erwartete Merkmal da ist. Wenn nicht: anhalten, nicht weiterraten.
Häufige Fehler
×Zu lange Etappen
×Gruppe zieht sich auseinander
×Nur auf das GPS verlassen, bis der Akku leer ist
×Weitergehen trotz Unsicherheit
×Keine Ersatzlampe oder -batterien
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Gletscher- oder Lawinengelände
–Ersetzt keine Ausbildung
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
15 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Standort wiederfinden: systematisch statt raten
Wer unsicher ist, wo er ist, sollte nicht weiterlaufen, sondern systematisch eingrenzen: letzter sicherer Punkt, seitdem vergangene Zeit und Richtung, Geländeform, Hangrichtung und – wenn Landmarken sichtbar sind – Kreuzpeilung. Gelingt es nicht, zum letzten bekannten Punkt zurückkehren oder bleiben und Hilfe holen.
Bei Verletzung, Erschöpfung, Unterkühlungsgefahr oder hereinbrechender Dunkelheit hat Hilfe holen (lokale Notrufnummer, 112 in der EU) Vorrang vor Orientierung.
Eine Richtung oder Position auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände dazwischen sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass
GPS-Gerät(optional)
Schritte
1
Anhalten
Bleib stehen, sobald Zweifel aufkommen. Jeder weitere Schritt ins Ungewisse vergrößert das Suchgebiet.
2
Letzten sicheren Punkt bestimmen
Wo warst du zuletzt sicher? Wie lange bist du seitdem in welche ungefähre Richtung gegangen? Zeichne einen Kreis um diesen Punkt.
3
Gelände abgleichen
Orientiere die Karte, bestimme Hangrichtung und Geländeform (Rücken, Mulde, Sattel) und suche passende Stellen im Kreis.
4
Kreuzpeilung
Peile zwei bis drei sicher erkannte Landmarken an, rechne die Werte auf Kartenrichtung um, und zeichne jeweils die Gegenrichtung von der Landmarke aus ein. Der Schnittbereich ist dein ungefährer Standort.
Ein großes Fehlerdreieck bedeutet: eine Landmarke ist falsch erkannt oder die Peilung ungenau.
5
Entscheiden
Ist der Standort klar, plane den Weiterweg. Wenn nicht: auf bekanntem Weg zum letzten sicheren Punkt zurück, eine große Auffanglinie ansteuern oder bleiben und Hilfe holen.
Häufige Fehler
×Weitergehen in der Hoffnung, es klärt sich
×Gelände „passend machen“ (Karte nach Wunsch interpretieren)
×Landmarken falsch zugeordnet
×Keine Zeitnotizen gemacht
Grenzen und Risiken
–Ohne sichtbare Landmarken nur grobe Eingrenzung
–Keine Garantie – im Zweifel Hilfe holen
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
16 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Entfernungen mit dem Auge schätzen
Wie weit ist der Waldrand, die Hütte, der Grat? Mit eingeübten Vergleichsstrecken, dem Erkennen von Details und dem Wissen um typische Täuschungen lässt sich eine Entfernung grob schätzen. Das hilft beim Planen von Zeit und Kräften – genaue Werte liefert es nicht.
Klare Luft, Schnee, Wasser und Blick bergauf lassen Ziele oft näher erscheinen, Dunst und Blick über Senken oft weiter. Bei Zeitplanung lieber großzügig rechnen.
Material
Topografische Karte(optional) – Zum Nachmessen und Üben
Schritte
1
Vergleichsstrecke einprägen
Präge dir eine bekannte Strecke ein, z. B. ein Fußballfeld, und betrachte sie aus verschiedenen Blickwinkeln.
2
Gedanklich aneinanderlegen
Schätze, wie oft die Vergleichsstrecke bis zum Ziel passt. Bei weiten Zielen erst bis zur Hälfte schätzen und verdoppeln.
3
Details beachten
Erkennst du einzelne Äste, Fenster, Zaunpfähle? Je weniger Einzelheiten, desto weiter das Ziel.
4
Mit Karte oder Gehzeit prüfen
Miss die Strecke auf der Karte nach oder notiere, wie lange du tatsächlich brauchst. So verbessert sich die Schätzung mit jeder Tour.
Häufige Fehler
×Schätzung als genauen Wert behandeln
×Täuschung durch klare Luft oder Schnee unterschätzen
×Höhenmeter beim Zeitbedarf vergessen
×Nie mit der Karte gegengeprüft
Grenzen und Risiken
–Keine Tabellen oder Sichtweitenwerte – stark individuell
–Kein Ersatz für Kartenmessung
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
17 · Gelände und Bedingungen · Fachliche Prüfung folgt
Flüsse, Seen und Küsten als Orientierung
Gewässer sind auf Karten deutlich eingezeichnet und im Gelände gut erkennbar – ideale Leitlinien und Auffanglinien. Fließrichtung, Zuflüsse und Uferformen bestätigen den Standort. Aber: Einem Bach blind talwärts zu folgen kann in Schluchten, an Wasserfälle oder in Sümpfe führen, und an Küsten schneiden Gezeiten Wege ab.
Nicht automatisch einem Bach talwärts folgen, wenn man sich verirrt hat. Bachläufe können in Schluchten, über Abbrüche und Wasserfälle oder in unwegsames Gelände führen. Erst Standort klären (STOP-Regel), dann eine sichere Route wählen.
An Küsten mit Gezeiten können Wege, Strände und Watt in kurzer Zeit überflutet werden. Gezeiten vorab prüfen, Rückweg einplanen und lokale Warnungen beachten.
Gewässer als Leitlinie heißt nicht, sie zu überqueren. Flussquerungen sind gefährlich; im Zweifel einen anderen Weg suchen.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Gewässer auf der Karte bestimmen
Fließrichtung, Zuflüsse, Brücken, Inseln und Uferformen notieren; diese sind die Prüfpunkte.
2
Als Leitlinie nutzen
Auf einem Weg in sicherem Abstand zum Ufer gehen und Zuflüsse oder Brücken abhaken.
3
Als Auffanglinie nutzen
Ein quer zur Route liegender Bach oder ein Seeufer zeigt an, dass man zu weit gegangen ist.
4
An Küsten Gezeiten einplanen
Gezeitentabelle prüfen, Engstellen und Ausstiege kennen und genug Zeitpuffer einplanen.
Häufige Fehler
×Bach im Verirrtsein blind talwärts folgen
×Kleine Bäche verwechselt, die im Sommer austrocknen
×Gezeiten ignoriert
×Am Ufer über nasse Felsen balanciert
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Flussquerungen
–Keine Gezeitenberechnung
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
18 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Himmelsrichtung grob nach der Sonne schätzen
Ohne Kompass liefert die Sonne einen groben Anhalt für die Himmelsrichtung, etwa mit der Schattenstab-Methode. Das Ergebnis ist ungenau, hängt von Jahreszeit, Uhrzeit, Breitengrad und Hemisphäre ab und ersetzt keine richtige Navigation.
Die Methode ist nur grob. Eine kleine Richtungsabweichung führt über längere Strecken weit vom Ziel weg. Sie ersetzt nicht die Entscheidung nach der STOP-Regel oder einen Notruf.
Nie direkt in die Sonne schauen.
Material
Stabile Äste / Stangen – Ein gerader Stab und zwei kleine Markierungen
Schritte
1
Stab aufstellen
Stecke einen geraden Stab senkrecht in ebenen Boden, sodass er einen klaren Schatten wirft.
2
Erste Markierung
Markiere die Spitze des Schattens mit einem Stein oder Zweig.
3
Warten
Warte etwa 15 Minuten oder länger, bis sich die Schattenspitze deutlich bewegt hat.
4
Zweite Markierung und Linie
Markiere die neue Schattenspitze. Die Linie von der ersten zur zweiten Markierung zeigt grob von West nach Ost; senkrecht dazu liegt grob Nord-Süd.
5
Mit anderen Hinweisen abgleichen
Vergleiche mit Karte, bekannten Landmarken oder dem Sonnenstand. Bei Widersprüchen der Methode nicht blind vertrauen.
Häufige Fehler
×12 Uhr Uhrzeit mit Sonnenhöchststand gleichsetzen
×Hemisphäre nicht beachten
×Zu kurz warten
×Moos oder Baumwuchs als Kompass verwenden
Grenzen und Risiken
–Keine Genauigkeitsangabe möglich
–In den Tropen und in hohen Breiten besonders unzuverlässig
–Bei Bewölkung nicht anwendbar
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
19 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Route planen und Tourenplan hinterlassen
Gute Planung verhindert die meisten Orientierungsnotfälle: Route, Zeitbedarf, Wetter, Ausweichmöglichkeiten und eine Umkehrzeit festlegen – und einer vertrauten Person sagen, wohin man geht und wann man zurück ist. Dann wird rechtzeitig Alarm geschlagen, falls etwas passiert.
Vereinbare mit der Kontaktperson, ab wann sie die lokale Notrufnummer (112 in der EU) wählen soll, wenn du dich nicht meldest – und melde dich nach der Rückkehr zuverlässig ab, um Fehlalarme zu vermeiden.
Lege eine Umkehrzeit fest und halte sie ein, auch wenn das Ziel nah scheint. Dunkelheit und Erschöpfung erhöhen das Risiko stark.
Wetterbericht und lokale Warnungen kurz vor dem Start prüfen; bei Gewitter- oder Sturmwarnungen die Tour anpassen oder verschieben.
Material
Topografische Karte
Mobiltelefon(optional)
Schritte
1
Route und Alternativen festlegen
Wähle die Route auf der Karte, notiere Schlüsselstellen, Abzweigungen, Wasserstellen und mögliche Abkürzungen oder Ausstiege.
2
Zeitbedarf abschätzen
Berücksichtige Strecke, Höhenmeter, Gelände, Kondition der langsamsten Person und Pausen. Plane Reserven ein und prüfe die Zeit des Sonnenuntergangs.
3
Umkehrzeit festlegen
Lege fest, bis wann ein bestimmter Punkt erreicht sein muss, sonst wird umgekehrt.
4
Plan hinterlassen
Teile einer vertrauten Person mit: Route, Start- und Zielpunkt, Teilnehmende, Ausrüstung, Fahrzeug und Kennzeichen, geplante Rückkehr und ab wann sie Alarm schlagen soll.
5
Am Plan festhalten oder Änderungen melden
Weiche unterwegs nur ab, wenn nötig, und melde Änderungen, sobald du Empfang hast.
6
Zurückmelden
Melde dich nach der Rückkehr sofort bei der Kontaktperson.
Häufige Fehler
×Niemandem Bescheid geben
×Umkehrzeit ignorieren („nur noch kurz“)
×Zeitbedarf unterschätzen
×Unterwegs spontan die Route wechseln, ohne es mitzuteilen
×Vergessen, sich zurückzumelden
Grenzen und Risiken
–Keine Formel für den Zeitbedarf – Gelände und Gruppe sind zu unterschiedlich
–Ersetzt keine Ausbildung für anspruchsvolles Gelände
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make a Plan (Ready.gov)
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
20 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Himmelsrichtung nach den Sternen: Polarstern und Kreuz des Südens
In klaren Nächten liefern Sterne eine grobe Nordrichtung (Polarstern, Nordhalbkugel) oder Südrichtung (Kreuz des Südens, Südhalbkugel). Das reicht als Notbehelf zum Ausrichten, ersetzt aber keinen Kompass und keine Karte.
Eine Richtung zu kennen heißt nicht, dass man nachts sicher gehen kann. Nachtmärsche ins Unbekannte sind riskant; die Sternrichtung eher nutzen, um am nächsten Morgen in die richtige Richtung zu starten.
Schritte
1
Nordhalbkugel: Großen Wagen finden
Suche den Großen Wagen. Verlängere die Verbindung der beiden hinteren Kastensterne nach oben – etwa um das Fünffache ihres Abstands. Dort steht ein mäßig heller Stern allein: der Polarstern.
2
Alternative: Kassiopeia
Steht der Große Wagen tief, liegt das „W“ der Kassiopeia auf der anderen Seite des Polarsterns und kann helfen, ihn zu finden.
3
Südhalbkugel: Kreuz des Südens
Suche das Kreuz des Südens (nicht das ähnliche, größere „falsche Kreuz“). Verlängere seine lange Achse etwa um das Viereinhalbfache ihrer Länge; der Punkt darunter am Horizont ist ungefähr Süden. Die beiden hellen „Zeigersterne“ daneben helfen, das richtige Kreuz zu erkennen.
4
Richtung markieren
Lege einen Stock oder Steine in die gefundene Richtung, damit du sie am Morgen noch weißt.
Häufige Fehler
×Hellsten Stern für den Polarstern halten
×Falsches Kreuz statt Kreuz des Südens
×Richtung nicht markiert und am Morgen vergessen
×Sternrichtung für genau halten
Grenzen und Risiken
–Grobe Methode ohne Genauigkeitsangabe
–Nicht bei Bewölkung
–Polarstern südlich des Äquators nicht sichtbar
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
21 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Richtung mit der Armbanduhr schätzen (sehr ungenau)
Mit einer Zeigeruhr und der Sonne lässt sich eine Nord-Süd-Linie schätzen. Die Methode ist bekannt, aber grob: Zeitzonen, Sommerzeit, Jahreszeit und geografische Breite verfälschen sie erheblich, besonders um die Mittagszeit und in Äquatornähe. Nur als Notbehelf verwenden.
Die Uhrmethode kann je nach Ort, Datum und Uhrzeit stark danebenliegen. Nie allein danach über weite Strecken oder in gefährliches Gelände navigieren.
Material
Analoge Armbanduhr – Eine Digitaluhr geht auch: Zifferblatt mit der aktuellen Zeit auf Papier zeichnen
Schritte
1
Sommerzeit berücksichtigen
Gilt Sommerzeit, rechne mit 13 Uhr statt 12 Uhr als Bezug.
2
Nordhalbkugel
Halte die Uhr waagerecht und richte den Stundenzeiger auf die Sonne. Die Winkelhalbierende zwischen Stundenzeiger und 12 zeigt ungefähr nach Süden.
3
Südhalbkugel
Richte die 12 auf die Sonne. Die Winkelhalbierende zwischen 12 und Stundenzeiger zeigt ungefähr nach Norden.
4
Gegenprüfen
Vergleiche mit anderen Hinweisen (Sonnenauf- und -untergang, Schattenstab, Gelände) und behandle das Ergebnis als grobe Schätzung.
Häufige Fehler
×Sommerzeit vergessen
×Methode der falschen Halbkugel angewendet
×Ergebnis für genau gehalten
×Mittags in den Tropen angewendet
Grenzen und Risiken
–Keine Genauigkeitsangabe möglich – stark orts- und zeitabhängig
–Nicht für Navigation über weite Strecken
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
22 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Standort ablesen und teilen: Koordinaten, Apps, Beschreibung
Im Notfall muss die Rettung wissen, wo du bist. Smartphones zeigen Koordinaten auch ohne Datenverbindung, viele Länder übertragen beim Notruf den Standort automatisch, und Standort-Apps können Positionen als Koordinaten, Link oder Code teilen. Zusätzlich hilft immer eine Beschreibung mit Geländemerkmalen.
Im Notfall zuerst die lokale Notrufnummer (112 in der EU) anrufen. Den Standort nur an Freunde zu schicken, ersetzt keinen Notruf.
Dauerhafte Standortfreigabe kann Privatsphäre und Akku belasten. Bewusst und nur mit vertrauten Personen teilen und nach der Tour beenden.
Material
Mobiltelefon
GPS-Gerät(optional)
Powerbank (Zusatzakku)(optional)
Schritte
1
Koordinaten finden
Lerne zu Hause, wo dein Telefon Koordinaten anzeigt (Karten-App, Kompass-App oder Offline-Karten-App) und in welchem Format.
2
Genauigkeit abwarten
Unter freiem Himmel einen Moment warten, bis die angezeigte Genauigkeit stabil ist.
3
Format und Ziffern ansagen
Nenne beim Notruf das Format, dann die Ziffern langsam, und lass sie wiederholen. Notiere sie vorher auf Papier.
4
Beschreibung ergänzen
Beschreibe Weg, Gipfel, Hütte, Gewässer, Höhe, Hangrichtung und was du siehst. Das hilft, wenn Koordinaten falsch übermittelt werden.
5
Mit Vertrauenspersonen teilen
Für Touren: Live-Standort oder regelmäßige Position per Nachricht mit einer Kontaktperson teilen, die deinen Tourenplan kennt. Eine SMS kommt oft noch an, wenn ein Anruf nicht klappt.
Häufige Fehler
×Format nicht genannt
×Nur einen App-Code durchgegeben, den die Leitstelle nicht kennt
23 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Etappenplan (Routenkarte) erstellen
Ein Etappenplan zerlegt die Route in kurze Abschnitte zwischen eindeutigen Punkten und notiert für jeden: Richtung, Strecke, Höhenmeter, geschätzte Zeit und Ausweichmöglichkeit. Er zwingt zur Vorbereitung zu Hause, hilft unterwegs bei schlechter Sicht und kann Vertrauenspersonen als Teil des Tourenplans dienen.
Eine Linie auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
Zeitregeln wie die Naismith-Regel sind nur Faustregeln. Die eigene Erfahrung, Gepäck, Gruppe, Untergrund und Wetter verändern die Zeit erheblich – Puffer einplanen.
Material
Topografische Karte
Plattenkompass
Notizbuch und Bleistift(optional) – Oder Karteikarte in wasserdichter Hülle
Schritte
1
Etappenpunkte wählen
Teile die Route in Abschnitte zwischen eindeutigen, auch bei schlechter Sicht erkennbaren Punkten.
2
Richtung, Strecke, Höhe messen
Für jede Etappe Kartenrichtung (bei Bedarf in Kompassrichtung umgerechnet), Länge und Höhenmeter auf- und abwärts notieren.
3
Zeit schätzen
Mit eigener Erfahrung oder einer Faustregel (z. B. Naismith) die Zeit je Etappe schätzen und einen Puffer hinzufügen.
4
Ausweichrouten und Umkehrzeit
Notiere für kritische Etappen einen sicheren Ausweg und lege eine Umkehrzeit fest.
5
Unterwegs nutzen und vergleichen
Startzeit jeder Etappe notieren und mit der Planung vergleichen. Große Abweichungen früh als Warnsignal nehmen.
Häufige Fehler
×Etappen zu lang gewählt
×Höhenmeter vergessen
×Kein Puffer
×Plan gemacht, aber unterwegs nicht benutzt
×Missweisung doppelt oder gar nicht berücksichtigt
Grenzen und Risiken
–Keine festen Geschwindigkeitswerte
–Ersetzt keine Wetter- und Lawinenbeurteilung
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
24 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
In der Stadt ohne Handy zurechtfinden
Bei Stromausfall, leerem Akku oder Netzstörung fällt die Navigations-App aus. In Städten helfen dann Straßenschilder, Hausnummern, Haltestellenpläne, markante Gebäude, Flüsse und Bahnlinien – und ein vorab ausgedruckter oder gekaufter Stadtplan mit Treffpunkten und wichtigen Adressen.
In Krisen können Straßen, Brücken oder Viertel gesperrt sein. Absperrungen und Anweisungen von Polizei und Rettungskräften immer befolgen, auch wenn der kürzeste Weg dort entlangführt.
Material
Notizbuch und Bleistift(optional) – Wichtige Adressen und Wege notiert
Schritte
1
Vorbereiten
Papierstadtplan besorgen und Zuhause, Arbeit, Schule, Treffpunkte und Notfallanlaufstellen markieren. Wichtige Adressen auch aufschreiben.
2
Große Linien merken
Präge dir einige Hauptachsen ein: Fluss, Ringstraße, Bahnlinie. Sie sind die Leitlinien der Stadt.
3
Schilder und Hausnummern lesen
Straßennamen an Kreuzungen, Hausnummernrichtung und Pläne an Haltestellen zeigen Standort und Richtung.
4
Bezugspunkte nutzen
Hohe, gut sichtbare Gebäude dienen als Richtungsanzeiger. Merke dir beim Gehen markante Ecken für den Rückweg.
5
Fragen
Passanten, Geschäfte, Taxi- und Verkehrspersonal kennen die Umgebung. Bei Unsicherheit nachfragen statt raten.
Häufige Fehler
×Keine Adressen außerhalb des Handys
×Nur Wege kennen, die man mit dem Auto fährt
×Absperrungen umgehen
×Treffpunkt nicht vorher vereinbart
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Evakuierungsrouten – diese geben Behörden vor
–Städte unterscheiden sich stark
Quellen
[1]
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make A Plan
[2]
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
25 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Als Gruppe navigieren und zusammenbleiben
In Gruppen verirrt man sich auf eigene Art: Alle verlassen sich auf eine Person, niemand prüft, und an Abzweigungen geht jemand verloren. Klare Rollen (navigierende Person, Schlussperson), Warten an jeder Abzweigung, regelmäßiges Durchzählen und gemeinsame Entscheidungen bei Unsicherheit verhindern das.
Gruppen nicht ohne klaren Plan teilen. Wer sich trennt, braucht vereinbarten Treffpunkt, Zeit, Kommunikationsweg und Karte. Kinder und schwächere Teilnehmende nie allein vorausgehen oder zurückbleiben lassen.
Fehlt jemand und ist nach kurzer Suche entlang des Weges nicht auffindbar, früh die lokale Notrufnummer (112 in der EU) anrufen, statt dass sich die ganze Gruppe zerstreut.
Material
Topografische Karte
Signalpfeife(optional) – Für jede Person, mit vereinbarten Signalen
Schritte
1
Vor dem Start absprechen
Route, Ziel, Umkehrzeit, Pfeifsignale und Verhalten bei Trennung („bleib stehen, wo du bist, und pfeife“) besprechen.
2
Rollen verteilen
Eine Person navigiert, eine zweite liest mit, eine erfahrene Schlussperson geht immer zuletzt.
3
An jeder Abzweigung sammeln
Die Spitze wartet an jeder Abzweigung, bis die Schlussperson in Sicht ist.
4
Regelmäßig durchzählen
Nach Pausen, an Abzweigungen und vor Etappen durchzählen.
5
Bei Zweifel gemeinsam anhalten
Wenn jemand Zweifel äußert, gemeinsam anhalten und den Standort prüfen – Zweifel sind erwünscht, nicht lästig.
Häufige Fehler
×Blind dem Ersten folgen
×Schnelle laufen voraus
×Niemand geht zuletzt
×Zweifel übergangen, um den Zeitplan zu halten
×Gruppe teilt sich spontan auf
Grenzen und Risiken
–Keine Regeln für professionelle Führung oder Aufsichtspflichten
–Keine Anleitung zur Personensuche
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Boy Scouts of America: Scouts BSA Handbook
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
26 · Planung und Signale · Fachliche Prüfung folgt
Ohne Karte: Wegskizze anlegen und zurückschauen
Ohne Karte – etwa auf einem kurzen Abstecher, bei einer ausgefallenen App oder in einem unbekannten Gebiet – hilft eine laufend geführte Wegskizze: Richtung, ungefähre Zeit und markante Punkte an jeder Abzweigung. Wer sich zusätzlich regelmäßig umdreht und den Rückweg einprägt, findet sicher zurück.
Eine Skizze ersetzt keine Karte. Für Touren abseits bekannter Wege eine Karte mitnehmen und den Tourenplan hinterlassen.
Material
Notizbuch und Bleistift – Oder ein Zettel und Stift
Plattenkompass(optional)
Schritte
1
Startpunkt festhalten
Startpunkt beschreiben (z. B. Parkplatz, Straßenname) und, wenn möglich, Koordinaten oder ein Foto speichern.
2
An jeder Abzweigung notieren
Uhrzeit, gewählte Richtung (links/rechts, Himmelsrichtung) und ein markantes Merkmal aufschreiben oder skizzieren.
3
Zurückschauen
Nach jeder Abzweigung kurz umdrehen und einprägen, wie sie aus der Gegenrichtung aussieht.
4
Rückweg mit der Skizze
Skizze rückwärts lesen: Richtungen umkehren, Zeiten als grobe Kontrolle nutzen.
Häufige Fehler
×Nur auf dem Hinweg nach vorne geschaut
×Abzweigungen nicht notiert
×Markierungen in die Natur geschnitzt oder Äste abgebrochen
×Zu weit ohne Karte gegangen
Grenzen und Risiken
–Kein Ersatz für Karte und Kompass
–Keine Anleitung für Höhlen oder Bergwerke
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation