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Psychologie und Entscheidungen
Klar denken unter Druck
SurviveBetter · Stand 2026-10-12 · 26 Einträge
Stress, Panik und Erschöpfung beeinflussen Entscheidungen. Wer die Mechanismen kennt, priorisiert besser.
01 · Stress und Panik · Fachliche Prüfung folgt
Stress im Notfall: was im Körper und im Kopf passiert
In einer plötzlichen Gefahr schaltet der Körper auf Alarm: Herz und Atmung beschleunigen sich, der Blick verengt sich, feine Bewegungen und klares Denken werden schwieriger. Manche handeln hektisch, andere erstarren. Das sind normale Reaktionen auf eine außergewöhnliche Situation. Wer sie kennt, kann gegensteuern – mit einfachen Routinen, Checklisten und einem bewussten Innehalten.
Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen oder Taubheitsgefühle können auch körperliche Ursachen haben. Im Zweifel nicht als „nur Stress“ abtun, sondern den Notruf wählen (in der EU 112).
Halten starke Belastungsreaktionen über Wochen an oder schränken sie den Alltag deutlich ein, professionelle Hilfe suchen.
Schritte
1
Körperliche Zeichen
Herzklopfen, schnelle Atmung, Zittern, Schwitzen, trockener Mund, Übelkeit, weiche Knie, Kribbeln in Händen oder Lippen bei sehr schneller Atmung.
2
Wahrnehmung
Tunnelblick, Geräusche werden überhört, Zeitgefühl verzerrt sich, Erinnerungslücken. Hinweise am Rand werden leicht übersehen.
3
Denken und Handeln
Festhalten am ersten Plan, Schwierigkeiten beim Abwägen, Vergessen einfacher Dinge (z. B. Adresse beim Notruf), hektisches Handeln oder Erstarren.
4
Danach
Erschöpfung, Weinen, Zittern, Gereiztheit, Schlafprobleme oder wiederkehrende Bilder in den Tagen danach sind häufig und klingen bei vielen Menschen mit der Zeit ab.
5
Gegensteuern
Kurz innehalten und bewusst langsamer ausatmen, eine Aufgabe nach der anderen erledigen, laut sprechen, Checklisten und vorbereitete Pläne nutzen, andere einbinden.
STOP: in Sekunden vom Schreck zum nächsten Schritt
Wenn Angst oder Panik hochkommen und keine unmittelbare Gefahr zum sofortigen Handeln zwingt, hilft eine kurze, feste Abfolge: Stehenbleiben, langsam ausatmen und im Hier und Jetzt ankommen, Denken, Beobachten, den nächsten kleinen Schritt planen. Die Abfolge ist an die bekannte STOP-Regel für Verirrte angelehnt und lässt sich überall anwenden.
Bei Feuer, Rauch, Gas, steigendem Wasser oder anderer unmittelbarer Gefahr nicht stehen bleiben: zuerst in Sicherheit bringen und Notruf wählen (in der EU 112).
Wenn Atemnot, Brustschmerz oder Benommenheit nicht nachlassen, kann eine körperliche Ursache dahinterstecken. Notruf wählen.
Schritte
1
S – Stehenbleiben
Anhalten, wenn möglich hinsetzen. Nichts mehr tun, was nicht sofort nötig ist. Laut oder innerlich sagen: „Stopp.“
2
Atmen
Einige Atemzüge lang ruhig durch die Nase einatmen und länger, langsam durch den Mund ausatmen. Nicht tief „pumpen“ – ruhig und gleichmäßig.
3
Ankommen
Füße auf dem Boden spüren, fünf Dinge benennen, die du siehst, und ein paar Dinge, die du hörst. Das lenkt die Aufmerksamkeit von der Angst zurück in die Umgebung.
4
T – Denken
Was ist die größte Gefahr gerade jetzt? Was weiß ich sicher, was vermute ich nur? Was habe ich schon richtig gemacht?
5
O – Beobachten
Umgebung, Wetter, Tageszeit, Menschen, Ausrüstung, Akku, Wasser. Wer weiß, wo ich bin? Gibt es Hilfe in der Nähe?
6
P – Planen
Den nächsten kleinen, konkreten Schritt festlegen und laut aussprechen („Ich rufe jetzt 112 an“, „Wir bleiben hier und ziehen die Jacken an“). Ausführen. Danach die Abfolge wiederholen.
Häufige Fehler
×Den Stopp überspringen, „weil keine Zeit ist“ – meist sind ein, zwei Minuten da
×Sich vornehmen, das ganze Problem auf einmal zu lösen
×Hastig und tief atmen statt langsam auszuatmen
×Den Stopp in echter Gefahr machen, statt erst wegzugehen
Grenzen und Risiken
–Selbsthilfetechnik, keine Therapie
–Nicht bei unmittelbarer Gefahr
–Wirkung individuell unterschiedlich
Quellen
[1]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
[2]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[3]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Die meisten Menschen erholen sich nach belastenden Ereignissen mit Unterstützung von Familie und Freunden. Sofort Hilfe – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline – braucht, wer an Suizid denkt, sich oder andere gefährdet oder den Bezug zur Realität verliert. Zeitnah professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn starke Belastung über Wochen nicht nachlässt oder den Alltag lähmt.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Wenn jemand akut gefährdet ist, nicht allein lassen und – soweit gefahrlos möglich – gefährliche Gegenstände oder Medikamente aus der Reichweite nehmen, bis Hilfe da ist.
Auch Helferinnen und Helfer können nach Einsätzen stark belastet sein. Unterstützung anzunehmen ist ein Zeichen von Verantwortung, nicht von Schwäche.
Material
Dokumentenmappe (wasserdicht)(optional) – Liste mit Krisennummern, Hausarzt und Vertrauenspersonen
Schritte
1
Akute Warnzeichen: sofort Hilfe
Äußerungen über Suizid oder Selbstverletzung, Gefahr für andere, starke Verwirrtheit, Wahnideen oder völliger Kontrollverlust: lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder lokale Krisenhotline anrufen und bei der Person bleiben.
2
Direkt nachfragen
Wenn du dir Sorgen machst, frag ruhig und direkt, ob die Person daran denkt, sich etwas anzutun. Zuhören, ernst nehmen, nicht bewerten und gemeinsam Hilfe holen.
3
Anhaltende Belastung
Zeitnah professionelle Hilfe suchen, wenn starke Angst, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Albträume oder sich aufdrängende Erinnerungen über Wochen nicht nachlassen oder schlimmer werden.
4
Alltag funktioniert nicht mehr
Wenn jemand nicht mehr für sich oder Kinder sorgen kann, sich völlig zurückzieht oder zunehmend Alkohol, Medikamente oder Drogen nutzt, um zurechtzukommen.
5
Wo es Hilfe gibt
Hausärztin oder Hausarzt, lokale Krisenhotline oder Krisendienst, psychotherapeutische und psychiatrische Angebote, Seelsorge sowie psychosoziale Angebote von Hilfsorganisationen nach Katastrophen. Kontaktdaten vorab notieren – im Notfall fehlt die Zeit zum Suchen.
6
Weiter unterstützen
Bei der Kontaktaufnahme helfen, zu Terminen begleiten, im Alltag entlasten und in Verbindung bleiben. Auch auf die eigenen Grenzen achten.
Häufige Fehler
×Äußerungen über Suizid als „nur so dahergesagt“ abtun
×Eine gefährdete Person allein lassen
×Betroffene zum Erzählen drängen
×Abwarten, bis es „von selbst“ besser wird, obwohl es seit Wochen schlechter wird
×Eigene Belastung als Helfer ignorieren
Grenzen und Risiken
–Keine Diagnose, keine Therapie
–Keine konkreten Krisennummern – lokale Angebote selbst heraussuchen
–Keine Medikamentenempfehlungen
Quellen
[1]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[2]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[3]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
Psychologische Erste Hilfe für Laien: Schauen, Zuhören, Verbinden
Psychologische Erste Hilfe ist keine Therapie, sondern menschlicher, praktischer Beistand für Menschen kurz nach einem belastenden Ereignis. Der WHO-Leitfaden beschreibt drei Handlungsprinzipien: auf Sicherheit und dringende Bedürfnisse schauen, zuhören ohne zu drängen und Betroffene mit Informationen, Angehörigen und Hilfsangeboten verbinden.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Nur helfen, wenn der Ort sicher ist. Nicht in Gefahrenbereiche gehen, die Einsatzkräften vorbehalten sind.
Niemanden zum Erzählen drängen. Detailliertes Nachfragen zum Erlebten kann mehr schaden als nützen.
Schritte
1
Vorbereiten
Kurz klären: Was ist passiert, welche Hilfsdienste sind vor Ort, welche Gefahren bestehen? Sich als Helfer vorstellen und fragen, ob Hilfe gewünscht ist.
2
Schauen
Auf Sicherheit, sichtbare Verletzungen und dringende Grundbedürfnisse achten (Wärme, Wasser, Toilette, Medikamente). Menschen mit besonderem Bedarf erkennen: Kinder allein, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder starker Erregung.
3
Zuhören
Ruhig ansprechen, nach Bedürfnissen und Sorgen fragen, zuhören. Gefühle nicht bewerten, keine Versprechen machen, die man nicht halten kann. Schweigen aushalten.
4
Beruhigen
Bei starker Aufregung einen ruhigen Ort anbieten, langsam sprechen, auf Atmung und Umgebung lenken. Nicht festhalten oder bedrängen.
5
Verbinden
Helfen, Angehörige zu erreichen, verlässliche Informationen zu bekommen und Hilfsangebote zu finden. Nur weitergeben, was man sicher weiß.
6
Abschließen
Sagen, wenn man geht, und wer danach zuständig ist. Auf sich selbst achten und eigene Belastung ernst nehmen.
Häufige Fehler
×Zum Erzählen drängen
×Floskeln wie „Es hätte schlimmer kommen können“
×Unsichere Informationen weitergeben
×Eigene Grenzen übergehen
×Diagnosen stellen
Grenzen und Risiken
–Keine Therapie, keine Diagnose
–Kein Ersatz für Notruf und Krisendienste
–Kulturelle Unterschiede beachten
Quellen
[1]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[2]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
[3]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
In den Wochen nach einem Ereignis: normale Reaktionen und Selbsthilfe
Nach einem Unfall, Brand oder einer Katastrophe sind Schlafprobleme, wiederkehrende Bilder, Reizbarkeit oder Erschöpfung häufig und klingen bei vielen Menschen mit der Zeit ab. Ruhe, Struktur, soziale Kontakte und vorsichtiger Umgang mit Alkohol unterstützen die Erholung. Wenn Beschwerden anhalten oder zunehmen, ist Fachhilfe sinnvoll.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Fachhilfe suchen, wenn Beschwerden über mehrere Wochen nicht nachlassen, stärker werden, Arbeit oder Beziehungen stark beeinträchtigen oder wenn Alkohol, Medikamente oder Drogen zur Bewältigung nötig scheinen.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Schritte
1
Reaktionen einordnen
Wissen, dass Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Grübeln oder Gefühllosigkeit nach Belastungen häufig sind.
2
Körper versorgen
Regelmäßig essen und trinken, bewegen, Schlafzeiten einhalten. Alkohol und Koffein zurückhaltend.
3
Struktur
Alltagsroutinen schrittweise wieder aufnehmen; große Entscheidungen möglichst verschieben.
4
Kontakt
Mit vertrauten Menschen Zeit verbringen. Reden, wenn man möchte – Schweigen ist auch in Ordnung.
5
Bilder begrenzen
Wiederholtes Ansehen von Bildern und Videos des Ereignisses vermeiden.
6
Verlauf beobachten
Sich selbst und andere beobachten. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden Hausarzt oder Beratungsstelle ansprechen.
Häufige Fehler
×Sich zum Funktionieren zwingen und Pausen streichen
×Reaktionen als Schwäche abwerten
×Bewältigung mit Alkohol
×Andere zum Erzählen drängen
Grenzen und Risiken
–Keine Diagnose
–Keine Therapieanleitung
Quellen
[1]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[2]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[3]
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Coping with Stress
Ständiges Verfolgen von Eilmeldungen, Livetickern und Videos kann Angst verstärken, ohne die Sicherheit zu erhöhen. Feste Informationszeiten, wenige verlässliche Quellen und bewusste Pausen helfen, informiert zu bleiben und trotzdem zur Ruhe zu kommen.
Nachrichtenpausen nicht auf amtliche Warnungen ausdehnen: Warn-Apps, Sirenen und Rundfunkdurchsagen für die eigene Region weiter empfangen.
Schritte
1
Warnungen sichern
Offizielle Warnkanäle für die eigene Region aktivieren, damit Wichtiges ankommt.
2
Feste Zeiten
Zwei bis drei feste Zeitpunkte am Tag für Nachrichten wählen, nicht direkt vor dem Schlafen.
3
Wenige Quellen
Ein bis zwei verlässliche Quellen statt vieler Kanäle.
4
Benachrichtigungen reduzieren
Push-Meldungen von Nachrichten-Apps abschalten, Warn-Apps eingeschaltet lassen.
5
Prüffrage
Vor dem Weiterlesen fragen: Ändert diese Information, was ich jetzt tue? Wenn nein, Pause.
6
Kinder schützen
Kinder nicht dauerhaft Nachrichten und Bildern aussetzen; Fragen kindgerecht beantworten.
Häufige Fehler
×Doomscrolling bis spät in die Nacht
×Warn-Apps mit Nachrichten-Apps gemeinsam abschalten
×Videos von Opfern wiederholt ansehen
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Angststörungen
Quellen
[1]
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Coping with Stress
[2]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
Sicher in Menschenmengen: Dichte erkennen, früh ausweichen
Gefährlich wird eine Menschenmenge vor allem durch zu hohe Dichte, nicht in erster Linie durch „Panik“. Wer Ausgänge kennt, zunehmendes Gedränge früh bemerkt, sich an den Rand bewegt und nicht gegen den Strom kämpft, verringert sein Risiko deutlich. Bei Großveranstaltungen helfen ein Treffpunkt und ein geladenes Handy.
Wenn man sich nicht mehr frei bewegen kann, von der Menge geschoben wird oder kaum Luft bekommt: sofort Richtung Rand und weg von Engstellen, Gittern und Wänden bewegen. Nicht stehen bleiben, um zu filmen.
Wer im dichten Gedränge stürzt, sollte versuchen, sofort wieder aufzustehen. Gelingt das nicht, seitlich zusammenrollen und Kopf und Brustkorb mit den Armen schützen. Gestürzten nur helfen, wenn man selbst stabil steht.
Gefährliche Situationen sofort Ordnern oder Polizei melden; im Notfall die lokale Notrufnummer (in der EU 112).
Material
Mobiltelefon(optional)
Schritte
1
Ankommen und orientieren
Notausgänge, Ordner und Sanitätsposten merken. Treffpunkt für die Gruppe vereinbaren, falls man getrennt wird.
2
Position wählen
Lieber am Rand als in der Mitte oder direkt vor der Bühne; Engstellen, Treppen und Absperrungen meiden.
3
Dichte beobachten
Warnzeichen: Körperkontakt von allen Seiten, Wellenbewegungen der Menge, Schreie, man wird mitgeschoben.
4
Früh ausweichen
Diagonal zum Strom Richtung Rand bewegen, nicht dagegen ankämpfen. In Pausen zwischen Wellen Schritte machen.
5
Atemraum schaffen
Arme angewinkelt vor die Brust halten, um etwas Raum zum Atmen zu bewahren. Ruhig bleiben, Kräfte sparen.
6
Gehen
Bei Unwohlsein, zunehmender Enge oder Durchsagen frühzeitig gehen. Kinder an der Hand halten oder gar nicht ins Gedränge mitnehmen.
Häufige Fehler
×Gegen den Strom drängen
×Stehen bleiben, um etwas aufzuheben oder zu filmen
×Mit Kinderwagen in dichte Mengen
×Notausgänge erst im Ernstfall suchen
Grenzen und Risiken
–Keine Garantie für Sicherheit
–Keine Planungshilfe für Veranstalter
Quellen
[1]
G. Keith Still – CRC Press (2014): Introduction to Crowd Science
[2]
European Commission: 112 – the European emergency number
Vorsorgen ohne Angst: Sorgen in kleine Pläne verwandeln
Nachrichten über Krisen können ein Gefühl von Ohnmacht auslösen. Vorsorge hilft dagegen am besten, wenn sie konkret, begrenzt und machbar ist: eine Sorge benennen, einen kleinen Schritt planen und erledigen, dann bewusst wieder etwas anderes tun. Ziel ist Handlungsfähigkeit, nicht ständige Alarmbereitschaft.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Wer merkt, dass Vorsorge zu immer mehr Käufen, Kontrollen oder Schlaflosigkeit führt, sollte innehalten und mit jemandem darüber sprechen.
Schritte
1
Sorge benennen
Die Sorge in einem Satz aufschreiben, z. B. „Was machen wir bei mehrtägigem Stromausfall?“.
2
In zwei Spalten teilen
Was kann ich beeinflussen (Vorrat, Plan, Kontakte)? Was nicht (Ursache, Zeitpunkt)? Nur mit der ersten Spalte weiterarbeiten.
3
Einen kleinen Schritt
Einen Schritt wählen, der in unter einer Stunde machbar ist, und ihn erledigen – z. B. Taschenlampe und Batterien prüfen.
4
Bewusst abschließen
Erledigtes abhaken, den nächsten Schritt notieren und sich dann bewusst etwas anderem zuwenden.
5
Informationen begrenzen
Nachrichten zu festen Zeiten aus wenigen verlässlichen Quellen lesen.
Häufige Fehler
×Alles auf einmal erledigen wollen
×Vorsorge mit Katastrophenvideos „motivieren“
×Kinder mit Schreckensszenarien einbeziehen
×Vorsorge aufschieben, weil sie Angst macht
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Angststörungen
–Keine Vorsorgecheckliste (siehe Familie und Haushalt)
Quellen
[1]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
[2]
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Coping with Stress
Schuldgefühle nach Krisen: normale Reaktion, wann Hilfe nötig ist
Nach Unglücken fragen sich viele: „Warum ich und nicht die anderen?“ oder „Hätte ich mehr tun können?“. Solche Schuld- und Schamgefühle sind häufige Reaktionen und kein Zeichen von Schwäche. Darüber sprechen, die eigene Lage im Rückblick fair bewerten und Alltag und Kontakte pflegen hilft. Halten Gefühle an, verstärken sich oder kommen Gedanken an Selbstverletzung auf, sofort Hilfe holen.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Alkohol oder andere Substanzen zum „Betäuben“ verschlimmern Belastungen oft. Wer das bei sich bemerkt, sollte Hilfe suchen.
Schritte
1
Als normale Reaktion erkennen
Sich sagen: Viele Menschen erleben nach solchen Ereignissen Schuldgefühle. Sie zeigen, dass mir andere wichtig sind.
2
Fair zurückblicken
Fragen: Was wusste ich damals wirklich? Wie viel Zeit hatte ich? Was war tatsächlich möglich? Wie würde ich einen Freund in derselben Lage beurteilen?
3
Darüber sprechen
Mit vertrauten Menschen, Seelsorge, Selbsthilfe- oder Beratungsangeboten reden – in eigenem Tempo, ohne Zwang zu Details.
4
Sinnvolles tun
Manchen hilft es, anderen zu helfen, zu gedenken oder sich zu engagieren – wenn es sich stimmig anfühlt.
5
Fachhilfe suchen, wenn …
… Gefühle über Wochen nicht nachlassen, Schlaf, Arbeit oder Beziehungen stark leiden, Rückzug zunimmt oder Gedanken an Selbstverletzung auftreten.
Häufige Fehler
×Gefühle verdrängen und „funktionieren“
×Betroffenen sagen „Sei doch froh, dass du lebst“
×Sich zurückziehen
×Andere zum Erzählen drängen
Grenzen und Risiken
–Keine Diagnose oder Behandlung
–Keine Trauerbegleitung im engeren Sinn
Quellen
[1]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
[2]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[3]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
Wer in Krisen anderen hilft – als Nachbar, Ehrenamtliche oder pflegender Angehöriger –, vergisst oft sich selbst. Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafprobleme und Rückzug sind Warnzeichen. Feste Pausen, Schichten, Essen und Schlaf, Austausch im Team und klare Grenzen sind keine Schwäche, sondern Voraussetzung, um länger helfen zu können.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Übermüdete Helfer machen Fehler und verletzen sich leichter. Gefährliche Tätigkeiten (Fahren, Werkzeuge, Aufräumen nach Unwettern) nur ausgeruht.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Schritte
1
Vor dem Einsatz
Eigene Lage klären: Gesundheit, Familie versorgt? Wie lange kann ich realistisch helfen? Wer ist mein Ansprechpartner?
2
Während des Einsatzes
Feste Pausen, essen und trinken, Schichten einhalten, sich mit anderen abwechseln, nur Aufgaben im eigenen Können übernehmen.
Im Team oder mit Vertrauten über Erlebtes sprechen, ohne andere mit Details zu überladen.
5
Nach dem Einsatz
Bewusst abschließen, ausruhen, Zeit mit Familie und Freunden, angenehme Tätigkeiten. Bei anhaltender Belastung Fachhilfe oder Unterstützungsangebote der Organisation nutzen.
Häufige Fehler
×Durcharbeiten ohne Pause
×Sich für unersetzbar halten
×Belastendes nie ansprechen
×Hilfe über die eigenen Fähigkeiten hinaus
×Erschöpfung mit Alkohol oder Koffein überdecken
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Burnout oder Traumafolgen
–Keine Organisationsberatung
Quellen
[1]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[2]
IFRC Reference Centre for Psychosocial Support (2012): Caring for Volunteers: A Psychosocial Support Toolkit
[3]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
Gute Entscheidungen unter Druck: Prioritäten und Denkfallen
Unter Stress greifen Menschen auf Abkürzungen zurück: Sie halten am ursprünglichen Plan fest, unterschätzen neue Gefahren oder folgen der Masse. Eine einfache Prioritätenliste – erst Lebensgefahr, dann Verletzungen, Schutz vor Witterung, Wasser, Kommunikation, Nahrung – und vorher festgelegte Umkehr- und Auslösepunkte helfen, solche Denkfallen zu umgehen.
Warnungen und Evakuierungsanordnungen der Behörden haben Vorrang vor eigenen Abwägungen. Wer zögert, verliert oft die sichere Gelegenheit zum Gehen.
Bei unmittelbarer Lebensgefahr nicht abwägen, sondern handeln: in Sicherheit bringen und Notruf wählen (in der EU 112).
Schritte
1
Prioritäten kennen
1. Unmittelbare Lebensgefahr abwenden und Hilfe rufen. 2. Verletzungen versorgen. 3. Schutz vor Kälte, Nässe oder Hitze. 4. Wasser. 5. Kommunikation und Signale. 6. Nahrung. Die Reihenfolge kann sich je nach Lage verschieben – sie ist ein Startpunkt.
2
Auslöse- und Umkehrpunkte vorher festlegen
Vorher festlegen, wann gehandelt wird: „Um 14 Uhr kehren wir um, egal wo wir sind“, „Bei einer Unwetterwarnung fahren wir nicht los“, „Bei Evakuierungsempfehlung gehen wir sofort“.
3
Denkfallen benennen
Fragen: Halte ich nur am Plan fest, weil ich schon so viel investiert habe? Unterschätze ich die Lage, weil sie ungewohnt ist? Folge ich nur den anderen?
4
Optionen laut aussprechen
Zwei bis drei Möglichkeiten nennen, jeweils mit dem schlimmsten realistischen Ausgang. Die Option wählen, deren schlimmster Fall am ehesten zu überleben ist.
5
Widerspruch einladen
In der Gruppe ausdrücklich nach Einwänden fragen. Wer Bedenken hat, soll sie äußern dürfen, ohne als Spielverderber zu gelten.
6
Regelmäßig neu bewerten
Entscheidungen in festen Abständen und bei jeder neuen Information überprüfen. Umkehren oder Planänderung ist kein Scheitern.
Häufige Fehler
×Am Gipfel- oder Reiseziel festhalten, obwohl die Bedingungen schlechter werden
×Warnungen ignorieren, weil „es bisher nie schlimm war“
×Entscheidungen der lautesten Person überlassen
×Grenzen erst in der Situation festlegen
Grenzen und Risiken
–Faustregeln, keine Garantie für richtige Entscheidungen
–Behördliche Anweisungen haben Vorrang
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Gerüchte und Falschinformationen in Krisen erkennen
In Krisen verbreiten sich Gerüchte schnell, weil Informationen fehlen und Angst groß ist. Falsche Meldungen können zu gefährlichen Entscheidungen führen, etwa falschen Evakuierungswegen oder Hamsterkäufen. Wer offizielle Quellen kennt, Meldungen prüft und nichts ungeprüft weiterleitet, schützt sich und andere.
Bei Widersprüchen gelten die Anweisungen der zuständigen Behörden und Einsatzkräfte vor Ort, nicht Meldungen aus sozialen Medien oder Messengern.
Material
Batterie- oder Kurbelradio(optional)
Schritte
1
Quellen festlegen
Vorab notieren: Behörden-Websites, Warn-Apps, regionaler Rundfunk. Bei Stromausfall ein batteriebetriebenes Radio.
2
Wer sagt das?
Ist die Quelle erkennbar und zuständig? „Ein Freund eines Polizisten hat gesagt …“ ist keine Quelle.
3
Wann und wo?
Datum, Ort und Kontext prüfen. Alte Bilder und Meldungen tauchen in neuen Krisen oft wieder auf.
4
Gegenprüfen
Steht es auch bei offiziellen Stellen oder mehreren etablierten Medien?
5
Nicht weiterleiten
Ungeprüftes nicht teilen. Im Zweifel nachfragen oder auf die offizielle Quelle verweisen.
Häufige Fehler
×Weiterleiten „sicherheitshalber“
×Emotionalen Schlagzeilen vertrauen
×Nur eine Quelle nutzen
×Alte Meldungen für aktuell halten
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung zur technischen Faktenprüfung von Bildern
Quellen
[1]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[2]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
In Krisen fallen ständig Entscheidungen an – oft müde, unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen. Wer Routinen, Checklisten und vorab vereinbarte Regeln nutzt, Entscheidungen verteilt und wichtige Fragen in ausgeruhte Momente legt, spart Kraft für das, was wirklich zählt.
Sicherheitsrelevante Entscheidungen (Fahren, Gasgeräte, Evakuierung) nicht allein und übermüdet treffen; wenn möglich, eine zweite Person gegenprüfen lassen.
Schritte
1
Routinen festlegen
Wiederkehrendes einmal regeln: Essenszeiten, Wasserration, Nachrichtenzeiten, Ladezeiten für Geräte.
2
Auslösepunkte vereinbaren
Vorher festlegen, bei welchen Zeichen gehandelt wird (z. B. „Wenn das Wasser bis X steigt, gehen wir“).
3
Entscheidungen verteilen
Zuständigkeiten aufteilen (Essen, Kinder, Informationen, Technik); nicht jede Frage an eine Person richten.
4
Zeitpunkt wählen
Große, nicht dringende Entscheidungen auf ausgeruhte Momente legen, z. B. nach Schlaf und Essen.
5
„Gut genug“ zulassen
Bei Kleinigkeiten die erste vernünftige Option nehmen statt die perfekte zu suchen.
Häufige Fehler
×Alles spontan entscheiden
×Eine Person entscheidet alles
×Wichtige Entscheidungen nachts und übermüdet
×Endlos nach der besten Lösung für Nebensächliches suchen
Grenzen und Risiken
–Keine Hilfe bei akuter Gefahr – dort feste Prioritäten
Quellen
[1]
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make A Plan
Eine Gruppe in der Krise ruhig und handlungsfähig halten
Ob Familie, Nachbarschaft, Reisegruppe oder Notunterkunft: Eine Gruppe bleibt ruhiger, wenn sie verlässliche Informationen bekommt, jeder eine Aufgabe hat, Grundbedürfnisse geregelt sind und niemand allein gelassen wird. Eine ruhige, koordinierende Person, feste Absprachen und offene, ehrliche Kommunikation wirken mehr als Durchhalteparolen.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Anweisungen von Behörden und Einsatzkräften haben Vorrang. Gerüchte nicht weitergeben, sondern an offiziellen Quellen prüfen.
Niemanden drängen, über Erlebtes zu sprechen. Zuhören, wenn jemand reden möchte, reicht oft aus.
Material
Batterie- oder Kurbelradio(optional) – Verlässliche Informationen zu festen Zeiten
Stirnlampe / Taschenlampe(optional)
Schritte
1
Koordination klären
Eine ruhige Person übernimmt die Koordination – nicht unbedingt die lauteste. Sie sammelt Informationen, verteilt Aufgaben und trifft Entscheidungen nach kurzer Rücksprache.
2
Zusammenbleiben und zählen
Alle zusammenhalten, Personen zählen, Paare bilden, die aufeinander achten. Wer die Gruppe verlässt, sagt Bescheid.
3
Ehrlich informieren
Kurz und ruhig sagen, was bekannt ist, was nicht bekannt ist und was als Nächstes passiert. Feste Zeiten für Neuigkeiten vereinbaren, statt dauernd Gerüchte auszutauschen.
4
Aufgaben verteilen
Jeder bekommt eine passende Aufgabe: Wasser, Licht, Essen, Kinder beschäftigen, Radio hören, Nachbarn prüfen. Gerade ängstliche Menschen profitieren von etwas Sinnvollem zu tun.
5
Grundbedürfnisse sichern
Wärme oder Kühle, Wasser, Essen, Toilette, Ruhe- und Schlafplätze organisieren. Hunger, Durst, Kälte und Müdigkeit verstärken Angst und Streit.
6
Auf Schwächere achten
Kinder, ältere, kranke und behinderte Menschen sowie Menschen, die sehr still oder sehr aufgewühlt sind, gezielt im Blick behalten.
7
Konflikte früh ansprechen
Spannungen ruhig und früh ansprechen, Ressourcen fair und sichtbar verteilen, Entscheidungen begründen. Bei Drohungen oder Gewalt Abstand halten und Notruf wählen.
8
Kleine Ziele setzen
Erreichbare Ziele für die nächsten Stunden setzen und Erfolge benennen („Wasser ist gesichert“, „Alle sind warm“). Das stärkt Zuversicht.
Häufige Fehler
×Informationen zurückhalten oder beschönigen
×Lautstark Befehle geben statt zu erklären
×Gerüchte unkritisch weitergeben
×Einzelne ausschließen oder allein lassen
×Grundbedürfnisse wie Schlaf und Essen vernachlässigen
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Einsatzführung oder Sicherheitsdienste
–Bei Gewalt Notruf, nicht Schlichtung um jeden Preis
Quellen
[1]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
[2]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[3]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
Kinder orientieren sich stark an ihren Bezugspersonen. Nähe, ein ruhiger Ton, ehrliche und altersgerechte Erklärungen, vertraute Abläufe und Spiel helfen ihnen am meisten. Rückschritte wie Anklammern, Einnässen oder Schlafprobleme sind nach belastenden Ereignissen häufig. Halten starke Reaktionen an, professionelle Unterstützung suchen.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Kinder möglichst nicht von ihren Bezugspersonen trennen. Bei Evakuierungen und in Notunterkünften Namen und Kontaktdaten der Eltern bei kleinen Kindern mitführen (z. B. Zettel in der Jacke).
Dauernde Bilder und Berichte von Katastrophen in Fernsehen und sozialen Medien können Kinder zusätzlich ängstigen. Medienkonsum begrenzen und gemeinsam einordnen.
Material
Trost- und Beschäftigungssachen für Kinder – Kuscheltier, Spiel, Malsachen – auch im Notfallrucksack
Schritte
1
Erst selbst durchatmen
Kurz innehalten und ruhig ausatmen, bevor du mit dem Kind sprichst. Auch Erwachsene dürfen Angst zeigen – entscheidend ist, dass sie dabei handlungsfähig wirken.
2
Nähe geben
Beim Kind bleiben, Körperkontakt anbieten, auf Augenhöhe gehen. Kleine Kinder brauchen vor allem Nähe und eine vertraute Stimme.
3
Ehrlich und einfach erklären
In kurzen, altersgerechten Sätzen sagen, was passiert ist und was die Erwachsenen tun, damit alle sicher sind. Fragen beantworten; „Das weiß ich noch nicht“ ist eine ehrliche Antwort. Keine Versprechen machen, die nicht sicher sind.
4
Gefühle erlauben
Angst, Wut oder Traurigkeit benennen und annehmen („Das war wirklich erschreckend“). Nicht auslachen oder kleinreden.
5
Routinen erhalten
Feste Zeiten für Essen, Schlafen und Spielen beibehalten, so gut es geht. Vertraute Rituale wie Gute-Nacht-Geschichten fortsetzen.
6
Spielen und beschäftigen
Spielen, Malen und Bewegung helfen Kindern, Erlebtes zu verarbeiten. Kleine Aufgaben (Taschenlampe halten, Wasser verteilen) geben ein Gefühl von Wirksamkeit.
7
Reaktionen beobachten
Anklammern, Rückschritte, Albträume, Bauchweh oder Gereiztheit sind nach belastenden Ereignissen häufig. Geduldig reagieren. Halten starke Reaktionen über Wochen an oder spricht ein Kind davon, sich etwas anzutun, professionelle Hilfe suchen.
Häufige Fehler
×Kinder anlügen oder gar nicht informieren
×Kinder Erwachsenengespräche über Ängste und Schreckensnachrichten mithören lassen
×Rückschritte bestrafen
×Kinder unnötig von Bezugspersonen trennen
×Eigene Erschöpfung ignorieren
Grenzen und Risiken
–Keine Diagnose von Traumafolgen
–Bei anhaltenden oder schweren Reaktionen Fachleute einbeziehen
Quellen
[1]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[2]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
Ein mehrtägiger Stromausfall, eine Evakuierung oder lange Isolation zermürben vor allem durch Unsicherheit und Schlafmangel. Eine einfache Tagesstruktur, geschützte Ruhezeiten, Wach- und Ruheschichten in der Gruppe, Tageslicht, Bewegung und feste Nachrichtenzeiten helfen, über Tage und Wochen handlungsfähig zu bleiben.
Übermüdung verlangsamt Reaktionen und verschlechtert Urteilsvermögen. Übermüdet nicht Auto fahren, nicht mit Werkzeugen, Feuer oder Generatoren hantieren und keine riskanten Entscheidungen allein treffen.
Zum Wärmen im Schlafraum nie Grills, Gaskocher, Heizpilze für draußen oder Generatoren verwenden – Kohlenmonoxid ist geruchlos und kann im Schlaf töten.
Ohrstöpsel nur nutzen, wenn Warnungen, Alarme oder Rufe trotzdem wahrgenommen werden – etwa weil jemand Wache hält.
Material
Ohrstöpsel und Schlafmaske(optional)
Isomatte(optional)
Wolldecke / Bettdecke(optional)
Stirnlampe / Taschenlampe(optional) – Rotlicht- oder gedimmter Modus stört den Schlaf anderer weniger
Schritte
1
Tagesplan festlegen
Feste Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Aufgaben, Nachrichten, Ruhe und Schlafen vereinbaren und sichtbar aufschreiben.
2
Wach- und Ruheschichten
Wenn jemand wach bleiben muss (Kinder, Kranke, Sicherheit, Feuer im Ofen), Schichten einteilen, damit jeder einen zusammenhängenden Schlafblock bekommt.
3
Schlafplatz verbessern
Warm, trocken, möglichst dunkel und ruhig: Isolation vom Boden, Decken, Schlafmaske, gegebenenfalls Ohrstöpsel. Kinder in vertrauter Nähe schlafen lassen.
4
Tageslicht und Bewegung
Tagsüber Tageslicht suchen und sich bewegen, soweit sicher möglich. Das hilft vielen Menschen, abends leichter einzuschlafen.
5
Nachrichten dosieren
Offizielle Informationen zu festen Zeiten hören statt ständig. Eine Person verfolgt die Lage und gibt Wichtiges weiter.
6
Abends herunterfahren
Spät am Tag auf Koffein verzichten, Alkohol nicht als Schlafmittel nutzen, vor dem Schlafen etwas Ruhiges tun (Vorlesen, Gespräch, ruhige Atmung).
7
Kurz ruhen, wenn nötig
Fehlt nachts Schlaf, tagsüber kurze Ruhephasen einplanen – besonders vor anstrengenden oder riskanten Aufgaben.
Häufige Fehler
×Tagelang „durchhalten“ ohne Schlaf
×Ständig Nachrichten und soziale Medien verfolgen
×Alkohol zum Einschlafen nutzen
×Gefährliche Heizquellen im Schlafraum
×Keine Aufgabenteilung – eine Person trägt alles
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Schlafstörungen
–Keine Empfehlungen zu Schlaf- oder Beruhigungsmitteln
–Keine festen Stundenangaben – individueller Bedarf unterscheidet sich
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
Ob eingeschneit, in einer Notunterkunft oder bei einem langen Stromausfall: Warten zermürbt, weil man wenig beeinflussen kann. Eine einfache Tagesstruktur, kleine sinnvolle Aufgaben, Bewegung im sicheren Rahmen und feste Zeiten für Informationen helfen, Grübeln und Gereiztheit zu begrenzen.
Beschäftigung darf nicht zu riskanten Aktivitäten verleiten, etwa Erkundungen in unsicherem Gelände oder Energieverbrauch, der Wärme und Vorräte kostet.
Material
Trost- und Beschäftigungssachen für Kinder(optional)
Notizbuch und Bleistift(optional)
Schritte
1
Tag einteilen
Feste Zeiten für Essen, Schlafen, Aufgaben und Informationen festlegen – auch wenn sie willkürlich wirken.
Sanfte Bewegung im sicheren Bereich, z. B. Dehnen oder kurze Gänge, wenn Wärme und Energie es erlauben.
4
Informationszeiten
Nachrichten und Funk zu festen Zeiten prüfen statt ständig. Das spart Akku und Nerven.
5
Beschäftigung
Gespräche, Karten- oder Wortspiele, Lesen, Geschichten erzählen, Tagebuch. Kinder mit einbinden.
6
Tagesrückblick
Abends kurz festhalten, was erledigt wurde und was morgen ansteht.
Häufige Fehler
×Ständiges Nachrichtenlesen
×Völlige Untätigkeit
×Unnötige Risiken aus Langeweile
×Schlafrhythmus aufgeben
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Depression oder Angststörungen
Quellen
[1]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
[2]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
Wer nur das große, ferne Ziel sieht, verliert in langen Belastungen leicht den Mut. Realistische Teilziele, sichtbare Fortschritte und ein Blick auf das, was man selbst beeinflussen kann, halten Motivation und Handlungsfähigkeit aufrecht – ohne die Lage schönzureden.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Ziele dürfen nicht zu riskanten Entscheidungen drängen, etwa einen gefährlichen Weiterweg, nur weil man sich ein Etappenziel gesetzt hat.
Schritte
1
Lage benennen
Ehrlich aussprechen, was ist – auch das Schwere. Hoffnung ohne Ehrlichkeit bricht schnell zusammen.
2
Einflussbereich klären
Trennen: Was kann ich/können wir beeinflussen, was nicht? Energie auf das Erste lenken.
3
Teilziele setzen
Kleine, konkrete Ziele für Stunden oder einen Tag: „bis Mittag Wasser aufbereitet“, „heute zwei Formulare erledigt“.
4
Fortschritt sichtbar machen
Erledigtes abhaken oder aufschreiben. In Gruppen kurz gemeinsam festhalten, was geschafft wurde.
5
Sinn und Werte
Sich erinnern, wofür man durchhält: Familie, Freunde, Pläne. Kleine Freuden bewusst zulassen.
Häufige Fehler
×Unrealistische Versprechen („Morgen ist alles vorbei“)
×Nur auf das Endziel schauen
×Rückschläge als Scheitern deuten
Grenzen und Risiken
–Kein Ersatz für Fachhilfe bei Hoffnungslosigkeit
Quellen
[1]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
[2]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
Enge, Müdigkeit, Hunger und Angst machen Streit wahrscheinlicher. Wer früh Spannungen anspricht, klare Regeln für Entscheidungen und Verteilung vereinbart und in hitzigen Momenten Tempo herausnimmt, verhindert, dass Konflikte die Gruppe lähmen oder eskalieren.
Bei Gewalt, Drohungen oder Waffen nicht dazwischengehen: Abstand gewinnen, andere in Sicherheit bringen und die lokale Notrufnummer (in der EU 112) anrufen.
Alkohol und Schlafmangel senken die Hemmschwelle. Schwierige Gespräche nicht dann führen.
Schritte
1
Grundbedürfnisse prüfen
Sind alle versorgt, warm, ausgeruht? Viele Konflikte entschärfen sich nach Essen, Pause oder Schlaf.
2
Regeln vereinbaren
Früh klären: Wie wird entschieden? Wie werden Vorräte, Aufgaben und Ruhezeiten verteilt? Regeln für alle sichtbar machen.
3
Tempo rausnehmen
Im hitzigen Moment Pause vorschlagen, räumlich trennen, leiser sprechen. Nicht vor Publikum austragen.
4
Beide Seiten hören
Jede Person schildert ihre Sicht, ohne unterbrochen zu werden. Zusammenfassen, was man verstanden hat.
5
Interessen statt Positionen
Fragen, was hinter der Forderung steckt (Sicherheit, Fairness, Ruhe), und nach Lösungen suchen, die beides berücksichtigen.
6
Vereinbaren und prüfen
Konkrete Vereinbarung treffen und nach einiger Zeit gemeinsam prüfen, ob sie funktioniert.
Häufige Fehler
×Konflikte ignorieren, bis sie eskalieren
×Partei ergreifen als Vermittelnde
×Diskussion bei Erschöpfung oder Alkohol
×Unklare oder unfaire Verteilung
Grenzen und Risiken
–Keine Hilfe bei häuslicher Gewalt – dort Fachstellen und Notruf
Quellen
[1]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[2]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Ehrliche, altersgerechte Informationen von einer vertrauten Person sind meist weniger beängstigend als Schweigen oder Ausflüchte. Wichtig sind ein ruhiger Moment, einfache Worte, Raum für Fragen und Gefühle sowie die Zusicherung, wer sich weiter kümmert.
Wenn ein Kind über Wochen kaum schläft, sich stark zurückzieht, nicht mehr isst oder von Selbstverletzung spricht: Kinderarzt, Beratungsstelle oder Kinder- und Jugendpsychologen einbeziehen. Bei akuter Gefahr die lokale Notrufnummer (in der EU 112).
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Material
Trost- und Beschäftigungssachen für Kinder(optional)
Schritte
1
Vorbereiten
Fakten klären, eigene Gefühle kurz sortieren, einen ruhigen Ort und Zeit wählen. Möglichst die vertrauteste Person spricht.
2
Einfach und wahr sagen
Kurze Sätze, klare Worte, keine beschönigenden Umschreibungen, die verwirren können. Dem Alter anpassen.
3
Gefühle zulassen
Weinen, Wut, Schweigen oder scheinbare Gleichgültigkeit sind möglich. Nicht bewerten, da bleiben.
4
Fragen beantworten
Ehrlich antworten; „Das weiß ich noch nicht“ ist erlaubt. Kinder fragen oft wiederholt – das ist normal.
5
Schuld nehmen
Ausdrücklich sagen, dass das Kind nicht schuld ist.
6
Was jetzt passiert
Erklären, wer sich kümmert, wo man schläft, was als Nächstes geschieht. Vertraute Routinen beibehalten.
Häufige Fehler
×Lügen oder falsche Versprechen
×Verwirrende Umschreibungen
×Kinder ungewollt Nachrichten oder Gespräche Erwachsener mithören lassen
×Erwarten, dass das Kind sofort „richtig“ reagiert
Grenzen und Risiken
–Keine Trauertherapie
–Keine Altersnormen für Reaktionen
Quellen
[1]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
[2]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
Ältere Menschen bringen oft viel Lebenserfahrung mit, können aber durch eingeschränkte Mobilität, Seh- oder Hörprobleme, Medikamente und den Verlust vertrauter Umgebung besonders belastet sein. Respekt, Zeit, klare Informationen und das Erhalten von Selbstbestimmung sind zentral.
Plötzliche Verwirrtheit, Desorientierung oder starke Veränderung des Verhaltens können ein medizinischer Notfall sein (z. B. durch Austrocknung, Hitze oder Infektion). Ärztliche Hilfe holen, bei akuter Gefahr die lokale Notrufnummer (in der EU 112).
Auf ausreichend Medikamente, Brillen, Hörgeräte und Gehhilfen achten – ihr Fehlen verstärkt Angst und Abhängigkeit.
Schritte
1
Respektvoll ansprechen
Mit Namen ansprechen, sich vorstellen, langsam und deutlich sprechen, Blickkontakt. Nicht wie mit einem Kind reden.
2
Praktische Bedürfnisse
Nach Medikamenten, Hilfsmitteln, Toilette, Wärme, Essen und Trinken fragen.
3
Klar informieren
Wichtige Informationen wiederholen und bei Bedarf aufschreiben (große Schrift).
4
Einbeziehen
Mitentscheiden lassen und Erfahrung nutzen. Kleine Aufgaben anbieten, wenn gewünscht.
Einsamkeit in Isolation und Abgeschiedenheit begegnen
Quarantäne, ein abgeschnittener Ort oder eine Krise allein in der Wohnung können zu starker Einsamkeit führen. Geplante Kontakte, kleine Rituale, eine Aufgabe für andere und Routinen helfen, verbunden zu bleiben – auch mit wenig Technik.
Bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei Gefahr für andere oder wenn jemand völlig die Kontrolle verliert: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) oder eine lokale Krisenhotline anrufen und die Person nicht allein lassen.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Material
Mobiltelefon(optional)
Batterie- oder Kurbelradio(optional)
Schritte
1
Kontakte notieren
Wichtige Menschen und Nummern auf Papier, falls Handy oder Netz ausfallen.
2
Feste Kontaktzeiten
Tägliche kurze Anrufe oder Nachrichten vereinbaren, z. B. ein „Ich bin okay“ zu einer festen Uhrzeit.
3
Für andere da sein
Nachbarn anrufen, Einkäufe koordinieren, jemandem zuhören. Etwas für andere tun stärkt auch selbst.
4
Rituale
Kleine Rituale pflegen: Frühstück zur gleichen Zeit, Abendspaziergang (wenn erlaubt und sicher), Tagebuch.
5
Gefühle ansprechen
Einsamkeit offen benennen. Wenn sie überwältigend wird, Beratungsstellen oder eine lokale Krisenhotline nutzen.
Häufige Fehler
×Sich zurückziehen, „um niemanden zu belasten“
×Tagesstruktur aufgeben
×Nur passiv Medien konsumieren
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Depression
Quellen
[1]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
[2]
World Health Organization (2020): Doing What Matters in Times of Stress: An Illustrated Guide
Humor und Moral in der Gruppe: Lachen, Rituale, kleine Erfolge
Gemeinsames Lachen, kleine Rituale und das Feiern kleiner Erfolge halten eine Gruppe in langen Belastungen zusammen. Humor darf die Lage nicht verharmlosen und nie auf Kosten Einzelner gehen. Wer Stimmung bewusst pflegt – Mahlzeiten gemeinsam, Tagesabschluss, Dank aussprechen – stärkt Zusammenhalt und Durchhaltevermögen.
Humor auf Kosten von Verletzten, Trauernden oder Außenseitern verletzt und spaltet die Gruppe. Im Zweifel über die Situation lachen, nicht über Menschen.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Schritte
1
Rituale einführen
Feste gemeinsame Momente: Mahlzeit, Tee am Abend, kurze Morgenrunde mit Tagesplan.
2
Kleine Erfolge sichtbar machen
Am Abend kurz sammeln: Was hat heute geklappt? Erledigtes abhaken, Dank aussprechen.
3
Raum für Leichtes
Spiele, Geschichten, Musik oder Erinnerungen einplanen; jeder darf etwas beitragen.
4
Stimmung lesen
Nicht jeder ist zum Scherzen aufgelegt. Wer still oder traurig ist, braucht eher Nähe als Witze.
Häufige Fehler
×Zwangsfröhlichkeit verordnen
×Witze über Betroffene
×Sorgen weglachen statt ernst nehmen
×Rituale ausfallen lassen, „weil gerade keine Zeit ist“
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung von Niedergeschlagenheit oder Depression
Quellen
[1]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
Wenn Nachbarn Hilfe ablehnen: respektvoll anbieten, Tür offen lassen
Manche Menschen lehnen Hilfe ab – aus Stolz, Scham, Misstrauen oder weil sie selbstständig bleiben wollen. Das ist ihr Recht. Konkrete, kleine Angebote, ein ruhiger Ton und regelmäßiges Nachfragen wirken besser als Druck. Bei akuter Lebensgefahr – etwa wenn jemand eine angeordnete Evakuierung verweigert oder hilflos wirkt – die Behörden oder die lokale Notrufnummer informieren.
Wirkt jemand verwirrt, schwer krank, unterkühlt oder überhitzt oder reagiert nicht mehr: die lokale Notrufnummer (in der EU 112) anrufen. Verweigert jemand eine behördlich angeordnete Evakuierung, Einsatzkräfte informieren, statt selbst zu zwingen.
Nicht wiederholt in Gefahrenbereiche gehen, um jemanden umzustimmen.
Schritte
1
Fragen statt bestimmen
„Brauchen Sie etwas?“ ist leichter abzulehnen als ein konkretes Angebot. Besser: „Ich gehe einkaufen – soll ich Wasser mitbringen?“
2
Klein und gegenseitig
Kleine Hilfen anbieten oder um eine Gegenleistung bitten (Rat, Werkzeug leihen) – das wahrt die Würde.
3
Nein akzeptieren
Ablehnung ohne Vorwürfe akzeptieren und sagen, wann man wieder vorbeischaut oder wie man erreichbar ist.
4
Regelmäßig nachfragen
Kurze, verabredete Kontakte (Klingeln, Anruf, Zeichen am Fenster), besonders bei Hitze, Kälte oder Stromausfall.
5
Bei Gefahr eskalieren
Wenn Lebensgefahr erkennbar ist, Notruf oder zuständige Stellen informieren – auch gegen den Wunsch der Person.
Häufige Fehler
×Druck, Schuldgefühle oder Drohungen
×Über den Kopf hinweg entscheiden
×Nach dem ersten Nein den Kontakt abbrechen
×Gefahr verschweigen, um niemanden zu „verpetzen“
Grenzen und Risiken
–Keine rechtlichen Angaben zu Zwangsmaßnahmen
–Keine Pflege- oder Medizinberatung
Quellen
[1]
World Health Organization, War Trauma Foundation and World Vision International (2011): Psychological first aid: Guide for field workers
[2]
European Commission: 112 – the European emergency number
Spielen in der Krise: Kindern Raum und Normalität geben
Spielen ist für Kinder der wichtigste Weg, Erlebtes zu verarbeiten und Normalität zu spüren – auch in Notunterkunft, Stromausfall oder Evakuierung. Ein sicherer Spielplatz, feste Spielzeiten, einfache Materialien und eine ruhige erwachsene Begleitung genügen. Wenn Kinder die Katastrophe nachspielen, ist das meist normal; Sorgen machen sollten anhaltende, sehr belastete oder starre Spiele.
Spielorte auf Gefahren prüfen: Trümmer, Glas, Hochwasser, Stromleitungen, Verkehr, Generatorabgase. Kinder nicht unbeaufsichtigt in fremder Umgebung spielen lassen.
Diese Hinweise ersetzen keine psychologische oder ärztliche Hilfe. Wenn Belastungen über Wochen anhalten oder den Alltag lähmen, Hausarzt, Beratungsstelle oder psychologische Fachleute einbeziehen.
Material
Trost- und Beschäftigungssachen für Kinder(optional)
Stirnlampe / Taschenlampe(optional)
Schritte
1
Sicheren Platz schaffen
Eine ruhige Ecke oder einen abgegrenzten Bereich festlegen, möglichst immer derselbe.
2
Einfaches Material
Papier, Stifte, Karten, Würfel, Bälle, Kartons, Bücher, Lieblingsspielzeug – mehr braucht es nicht.
3
Feste Spielzeiten
Spielen in den Tagesablauf einbauen, im Wechsel mit ruhigen und bewegten Spielen.
4
Begleiten, nicht lenken
Kinder spielen lassen, was sie möchten; zuhören, wenn sie erzählen; Fragen ehrlich und kindgerecht beantworten.
5
Beobachten
Spielt ein Kind über lange Zeit immer dieselbe belastende Szene, wirkt dabei verzweifelt oder spielt gar nicht mehr, Fachleute (Kinderarzt, Beratungsstelle) einbeziehen.
Häufige Fehler
×Spielen als unpassend verbieten
×Katastrophenspiele unterbinden oder bestrafen
×Kinder dauerhaft mit Bildschirmen beschäftigen
×Kinder Nachrichten und Erwachsenengespräche mithören lassen
Grenzen und Risiken
–Keine Spieltherapie
–Keine Diagnostik kindlicher Belastung
Quellen
[1]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[2]
National Child Traumatic Stress Network and National Center for PTSD (USA) (2006): Psychological First Aid: Field Operations Guide, 2nd Edition
[3]
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Ready Kids
Gemeinschaft stärken: Nachbarschaft als Schutzfaktor
Nachbarschaften, die sich kennen, informieren und unterstützen einander in Krisen schneller als jede Behörde. Kleine Schritte vor der Krise – Kontaktliste, Treffpunkt, wer braucht Hilfe, wer kann was – und gemeinsame Aktivitäten danach stärken das Gefühl, gemeinsam etwas bewirken zu können. Alle sollten einbezogen werden, auch Ältere, Neue und Menschen mit Einschränkungen.
Nachbarschaftshilfe ersetzt keine Einsatzkräfte. Nicht in Gefahrenbereiche gehen, Anweisungen der Behörden befolgen und bei Notfällen die lokale Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Kontaktlisten nur mit Einverständnis führen und sicher aufbewahren; Gesundheitsangaben nur, wenn Betroffene das ausdrücklich wollen.
Schritte
1
Kennenlernen
Anlass schaffen: Hoffest, Aushang, Treffen im Treppenhaus. Ziel ist Kontakt, nicht sofort ein Notfallplan.
2
Bedarfe und Fähigkeiten sammeln
Freiwillig erfassen: Wer braucht im Notfall Unterstützung? Wer hat Erste-Hilfe-Kenntnisse, Werkzeug, Kocher, Sprachkenntnisse?
3
Einfache Absprachen
Treffpunkt, Kontaktkette, Aushangort für Informationen, wer bei wem nachschaut.
4
Üben und pflegen
Liste jährlich aktualisieren, gelegentlich etwas gemeinsam tun (Vorratstausch, Erste-Hilfe-Kurs, Gemeinschaftsgarten).
5
Nach einem Ereignis
Gemeinsam aufräumen, informieren, gedenken und feiern, was gelungen ist; offizielle Hilfsangebote weitergeben.
Häufige Fehler
×Nur „Krisenvorsorge“ als Thema – schreckt viele ab
×Einzelne ausschließen
×Sensible Daten offen aushängen
×Alles an eine engagierte Person hängen
Grenzen und Risiken
–Keine rechtliche Beratung zu Vereinen oder Datenschutz
Quellen
[1]
Hobfoll, S. E. et al. – Psychiatry: Interpersonal and Biological Processes (2007): Five essential elements of immediate and mid-term mass trauma intervention: empirical evidence
[2]
Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007): IASC Guidelines on Mental Health and Psychosocial Support in Emergency Settings
[3]
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen