Wärme fließt immer vom Wärmeren zum Kälteren – auf vier Wegen: durch direkten Kontakt (Leitung), durch strömende Luft oder strömendes Wasser (Konvektion), als unsichtbare Infrarotstrahlung (Strahlung) und durch Verdunstung von Feuchtigkeit. Fast jede Technik zum Warmhalten, Kühlen oder Kochen beeinflusst einen oder mehrere dieser Wege. Wer sie kennt, versteht, warum Isomatte, Windschutz, Rettungsdecke und trockene Kleidung wirken.
Dieser Eintrag erklärt Physik. Bei Anzeichen von Unterkühlung oder Hitzeerkrankung die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112).
Vier Wege der Wärmeübertragung
Häufige Fehler
×Nur auf Zudecken achten und den Boden vergessen (Leitung)
×Windschutz unterschätzen (Konvektion)
×Rettungsdecke als alleinige Lösung ansehen (nur Strahlung und Wind)
×In Kälte stark schwitzen (Verdunstung)
Grenzen und Risiken
–Keine Rechenmodelle oder Materialkennwerte
–Kein Ersatz für Wetter- und Gesundheitsinformationen
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Eine Wetterfront ist die Grenze zwischen zwei Luftmassen unterschiedlicher Temperatur und Feuchte. An einer Warmfront gleitet warme Luft langsam über kalte – oft kündigt sie sich Stunden vorher mit hohen, dünnen Wolken an und bringt lang anhaltenden Regen. An einer Kaltfront schiebt sich kalte Luft unter warme – das Wetter ändert sich rasch, mit Schauern, Böen und mitunter Gewittern. Wer die Zeichen kennt, versteht Wetterberichte besser und plant vorsichtiger.
Eigene Wetterbeobachtung ergänzt die offizielle Vorhersage, ersetzt sie aber nicht. Vor Touren Vorhersage und Unwetterwarnungen des nationalen Wetterdienstes prüfen.
Im Gebirge kann das Wetter lokal und sehr schnell umschlagen, auch ohne erkennbare Front.
Häufige Fehler
×Aufziehende hohe Bewölkung als harmlos abtun
×Nur auf die Vorhersage vom Vortag vertrauen
×Fallenden Luftdruck ignorieren
×Im Gebirge Tagesplanung ohne Umkehrzeit
Grenzen und Risiken
–Keine Vorhersageregeln mit Zeitangaben
–Kein Ersatz für Warnungen der Wetterdienste
Quellen
[1]
U.S. National Weather Service (NOAA): JetStream – An Online School for Weather
[2]
Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetter- und Klimalexikon
Gewitter brauchen drei Zutaten: feuchte Luft, eine instabile Schichtung, in der aufsteigende Luft immer weiter steigt, und einen Auslöser wie Sonneneinstrahlung, Berge oder eine Kaltfront. In der hoch aufragenden Gewitterwolke trennen Zusammenstöße von Eis- und Graupelteilchen elektrische Ladungen – Blitze gleichen sie aus. Wer das versteht, erkennt typische Gewitterlagen früher und weiß, warum Schutz rechtzeitig gesucht werden muss.
Wer Donner hört, ist in Reichweite von Blitzen. Sofort Schutz in einem festen Gebäude oder einem geschlossenen Fahrzeug mit Metallkarosserie suchen und erst etwa 30 Minuten nach dem letzten Donner wieder hinausgehen.
Gewitter können Sturzfluten auslösen, auch in Tälern, in denen es selbst nicht regnet. Bachbetten, Schluchten und Unterführungen meiden; nie durch überflutete Straßen fahren oder gehen.
Im Gebirge entstehen Wärmegewitter oft am Nachmittag. Touren früh beginnen und Umkehrzeiten festlegen.
Häufige Fehler
×Mit dem Rückzug warten, bis es regnet
×Aus dem Zeitabstand zwischen Blitz und Donner ableiten, man sei noch sicher
×Unter einzelnen Bäumen Schutz suchen
×Nach dem letzten Blitz sofort weitergehen
Grenzen und Risiken
–Keine Verhaltensanleitung im Detail – siehe Blitzschutz-Eintrag
–Keine Angaben zu regionaler Gewitterhäufigkeit
Quellen
[1]
U.S. National Weather Service (NOAA): JetStream – An Online School for Weather
[2]
NOAA National Weather Service (USA): Lightning Safety
[3]
Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetter- und Klimalexikon
Wind trägt die warme Luftschicht an der Haut ständig ab, sodass unbedeckte Haut schneller auskühlt. Der Windchill-Index übersetzt Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit in eine gefühlte Temperatur. Er beschreibt Wärmeverlust und Erfrierungsgefahr für Haut – Gegenstände, Wasser oder Motoren kühlt Wind aber nicht unter die Lufttemperatur.
Bei starkem Wind und Kälte Gesicht, Ohren, Nase und Finger bedecken und auf weiße, gefühllose Hautstellen achten – sie können Zeichen beginnender Erfrierung sein.
Schritte
1
Index lesen
Wetterdienste geben bei Kälte oft eine gefühlte Temperatur bzw. den Windchill an. Er sagt mehr über Erfrierungsgefahr aus als die Lufttemperatur allein.
2
Windschicht nutzen
Schon eine dünne, winddichte Außenschicht hält die warme Luft in der Kleidung und reduziert den Effekt stark.
3
Haut bedecken
Gesicht, Ohren und Hände sind am stärksten betroffen – Mütze, Halstuch und Handschuhe tragen.
4
Windschatten suchen
Pausen hinter Felsen, Gebäuden oder im Wald machen; Zeltplatz windgeschützt wählen.
Häufige Fehler
×Windchill für die Temperatur eines Wasserkanisters halten
×Nur nach Lufttemperatur kleiden
×Windjacke im Rucksack lassen
Grenzen und Risiken
–Keine Tabellenwerte
–Keine Erfrierungsbehandlung
Quellen
[1]
NOAA National Weather Service (USA): Wind Chill Chart / Wind Chill Temperature Index
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Kleidung, Schlafsäcke und Matten wärmen nicht selbst – sie halten Luft fest. Ruhende Luft leitet Wärme schlecht und ist deshalb ein guter Isolator. Wird das Material nass, ersetzt Wasser die Luft: Wasser leitet Wärme rund 20- bis 25-mal besser als Luft, und beim Verdunsten entzieht es dem Körper zusätzlich Wärme. Deshalb: trocken bleiben, Schichten anpassen, Baumwolle bei Kälte meiden.
Nasse Kleidung bei Wind und Kälte kann zu Unterkühlung führen, auch über dem Gefrierpunkt. Trockene Wechselschicht wasserdicht verpackt mitnehmen.
Schritte
1
Schwitzen vermeiden
Vor Anstiegen eine Schicht ausziehen, Reißverschlüsse öffnen – Schweiß von innen macht genauso nass wie Regen.
2
Nässe von außen abhalten
Regen- und Windschicht rechtzeitig anziehen, bevor die Isolationsschicht nass wird.
3
Material bewusst wählen
Bei Kälte und Nässe Wolle oder Kunstfasern statt Baumwolle; Daune trocken halten.
4
Trocken wechseln
Am Lagerplatz nasse Sachen gegen trockene tauschen, bevor man auskühlt.
Häufige Fehler
×Baumwolljeans auf kalten, nassen Touren
×Isolationsjacke unter der Regenjacke durchschwitzen
×Schlafsack zusammengepresst lagern
Grenzen und Risiken
–Keine Produktwerte
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Wie ein Kompass funktioniert: Erdmagnetfeld und Missweisung
Eine Kompassnadel ist ein kleiner Magnet, der sich nach den Feldlinien des Erdmagnetfelds ausrichtet. Sie zeigt zum magnetischen, nicht zum geografischen Nordpol. Der Winkel dazwischen – die Missweisung oder Deklination – hängt vom Ort ab und ändert sich langsam über die Jahre. Eisen, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Telefon, Stirnlampe, Messer, Autos, Zäune oder Stromleitungen können die Nadel ablenken. Beim Peilen Abstand halten.
Material
Plattenkompass
Schritte
1
Missweisung nachschlagen
Aktuellen Wert für den Ort aus der Karte (Jahr beachten) oder einem offiziellen Rechner entnehmen.
2
Korrektur anwenden
Beim Übertragen zwischen Karte und Gelände die Missweisung berücksichtigen oder einen Kompass mit einstellbarer Missweisung nutzen.
3
Störquellen fernhalten
Kompass waagerecht halten und Metall sowie Elektronik auf Abstand bringen.
4
Weltregion beachten
Auf Reisen in andere Kontinente prüfen, ob die Nadel für die Region ausbalanciert ist, sonst kann sie schleifen.
Häufige Fehler
×Missweisung aus einer alten Karte ungeprüft übernehmen
×Neben dem Auto peilen
×Telefon direkt neben den Kompass halten
×Kompass schräg halten
Grenzen und Risiken
–Keine Missweisungswerte
–Keine vollständige Kompassschulung
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
[2]
U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), National Centers for Environmental Information (NCEI): Magnetic Field Calculators (declination calculator)
[3]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Signale werden mit der Entfernung schwächer, weil sich ihre Energie auf eine immer größere Fläche verteilt. Eine Trillerpfeife trägt weiter als die Stimme, weil sie mit wenig Kraft einen lauten, hohen Ton in einem Bereich erzeugt, in dem das Gehör besonders empfindlich ist. Licht braucht freie Sicht, ist nachts und als Sonnenreflexion aber weit sichtbar. Wind, Gelände und Bewuchs verkürzen beides.
Signale ergänzen den Notruf, ersetzen ihn aber nicht. Wenn möglich zuerst die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Material
Signalpfeife
Signalspiegel(optional)
Stirnlampe / Taschenlampe(optional)
Schritte
1
Pfeife statt Rufen
Rufen erschöpft und heiser macht schnell; eine Pfeife bleibt mit wenig Atem laut und unterscheidet sich von Naturgeräuschen.
2
Muster verwenden
Rhythmische Signale (Dreiergruppen, das alpine Notsignal) heben sich von Zufallsgeräuschen ab und werden als Notsignal verstanden.
3
Position wählen
Von offenen, erhöhten Stellen aus signalisieren, nicht aus Senken oder dichtem Wald; Wind und Rauschen von Bächen bedenken.
4
Licht gezielt einsetzen
Tagsüber Spiegel zur Sonne, nachts Lampe in Richtung möglicher Helfer; blinkende Signale fallen mehr auf als Dauerlicht.
Häufige Fehler
×Sich heiser schreien
×Aus einer Senke signalisieren
×Gegen starken Wind rufen
×Spiegel ohne Zielen schwenken
Grenzen und Risiken
–Keine Reichweitenzahlen
–Keine Funk- oder Satellitentechnik
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
Mit jedem Höhenmeter lastet weniger Luft über uns – der Luftdruck sinkt, in etwa 5.500 m Höhe auf rund die Hälfte des Meeresniveaus. Das hat Folgen: weniger Sauerstoff pro Atemzug, niedrigerer Siedepunkt von Wasser, und barometrische Höhenmesser reagieren auf Wetteränderungen. Fallender Luftdruck kündigt oft schlechteres Wetter an.
In großer Höhe kann Höhenkrankheit auftreten. Mit Symptomen nicht weiter aufsteigen und bei Verschlechterung absteigen.
Schritte
1
Körper
Weniger Sauerstoffdruck heißt: langsamer aufsteigen, damit sich der Körper anpassen kann – siehe große Höhe.
2
Kochen
In der Höhe dauert Garen länger, und es wird mehr Brennstoff gebraucht. Für die Wasserdesinfektion durch Abkochen gelten in großer Höhe längere Kochzeiten.
3
Höhenmesser kalibrieren
Barometrische Höhenmesser an bekannten Höhenpunkten (Gipfel, Hütte, Karte) neu einstellen.
4
Druckverlauf beobachten
Steigt der Höhenmesser, obwohl man nicht aufsteigt (etwa über Nacht in der Hütte), fällt der Luftdruck – ein mögliches Zeichen für Wetterverschlechterung.
Häufige Fehler
×Höhenmesser nie kalibrieren
×Annehmen, in der Höhe sei weniger Sauerstoff in Prozent
×Kochzeiten vom Flachland übernehmen
Grenzen und Risiken
–Keine exakten Siedetabellen
–Keine Wettervorhersage
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
U.S. National Weather Service (NOAA): JetStream – An Online School for Weather
[3]
Wilderness Medical Society – Wilderness & Environmental Medicine (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Acute Altitude Illness: 2019 Update
Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Kühlt feuchte Luft an einer kalten Fläche bis zum Taupunkt ab, schlägt sich Wasser nieder – als Tau, Beschlag oder Reif. Im Zelt liefern Atem, nasse Kleidung und Kochen den Dampf, die kalte Zeltwand die Fläche. Lüften, Feuchtigkeit draußen lassen und den Standort klug wählen verringern das Problem.
Nicht im geschlossenen Zelt kochen, um es zu trocknen oder zu wärmen – Kohlenmonoxid- und Brandgefahr.
Schritte
1
Lüften
Lüftungsöffnungen offen halten, auch wenn es kalt ist; Luftaustausch trägt den Dampf hinaus.
2
Feuchtequellen reduzieren
Nasse Kleidung und Ausrüstung in der Apsis oder im Packsack lassen, nicht im Innenzelt trocknen.
3
Standort wählen
Talsenken und Ufer sammeln kalte, feuchte Luft; leicht erhöhte Plätze mit etwas Luftbewegung sind trockener. Bäume über dem Zelt verringern die Abstrahlung.
4
Morgens abwischen
Kondenswasser mit einem Tuch abwischen und Schlafsack bei Gelegenheit trocknen.
Häufige Fehler
×Kondenswasser für ein undichtes Zelt halten
×Alle Lüftungen schließen
×Nasse Kleidung im Innenzelt aufhängen
×In der Senke am Bach zelten
Grenzen und Risiken
–Keine Produktempfehlungen
Quellen
[1]
Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetter- und Klimalexikon
[2]
U.S. National Weather Service (NOAA): JetStream – An Online School for Weather
UV-Strahlung ist unsichtbar und nicht zu spüren, verursacht aber Sonnenbrand, Augenschäden wie Schneeblindheit und langfristig Hautkrebs. Sie ist um die Mittagszeit, im Sommer, in der Höhe und nahe dem Äquator am stärksten; Schnee, Wasser und Sand verstärken sie durch Reflexion, und Wolken halten sie nur teilweise ab. Der UV-Index zeigt, wann Schutz nötig ist.
Auf Schnee, Gletschern und Wasser Sonnenbrille mit UV-Schutz und Seitenschutz tragen – Schneeblindheit tritt oft erst Stunden später auf.
Kühle Temperaturen oder Wolken bedeuten nicht wenig UV. Am UV-Index orientieren, nicht an der Wärme.
Material
Sonnenhut mit Krempe
Schritte
1
UV-Index prüfen
Wetterdienste veröffentlichen den UV-Index. Ab mittleren Werten wird Schutz empfohlen, bei hohen Werten Mittagssonne meiden.
2
Schatten und Kleidung
Schatten suchen, Hut mit Krempe, langärmelige Kleidung – das schützt zuverlässiger als Sonnencreme allein.
3
Sonnenschutzmittel
Freie Haut großzügig eincremen und nach Schwitzen oder Baden erneuern.
4
Augen schützen
Sonnenbrille mit UV-Schutz, auf Schnee mit Seitenschutz. Ist sie verloren, kann eine improvisierte Schlitzbrille helfen.
Häufige Fehler
×An bewölkten oder kalten Tagen auf Schutz verzichten
×Sonnenbrille auf dem Gletscher abnehmen
×Kinn, Ohren und Nacken vergessen
×Nur morgens eincremen
Grenzen und Risiken
–Keine Produktempfehlungen
–Keine medizinische Beratung
Quellen
[1]
World Health Organization (with WMO, UNEP and ICNIRP) (2002): Global Solar UV Index: A Practical Guide
Satellitennavigation misst, wie lange Funksignale von mehreren Satelliten bis zum Empfänger brauchen, und berechnet daraus die Position. Unter freiem Himmel ist das auf wenige Meter genau. In Schluchten, zwischen Hochhäusern, unter dichtem Wald und bei leerem Akku wird es ungenau oder fällt aus. GPS ersetzt daher Karte, Kompass und Akkuplanung nicht.
Akku, Kälte, Empfang oder ein Sturz können das Gerät jederzeit ausfallen lassen. Immer eine Papierkarte und einen Kompass mitführen und deren Gebrauch üben.
Die Höhenangabe aus Satellitensignalen ist meist ungenauer als die Lage. Für Höhenangaben besser Karte und Höhenlinien nutzen.
Material
GPS-Gerät(optional)
Mobiltelefon(optional)
Topografische Karte
Schritte
1
Freie Sicht zum Himmel
Für eine gute Position an eine offene Stelle gehen, das Gerät oben halten und kurz warten, bis die angezeigte Genauigkeit stabil ist.
2
Karten offline laden
Die Position funktioniert ohne Mobilfunk, die Karte im Telefon aber oft nicht. Karten vor der Tour herunterladen.
3
Plausibilität prüfen
Springt die Position, die Anzeige mit Gelände und Karte abgleichen. In Schluchten und Städten mit Fehlern von vielen Metern rechnen.
4
Energie planen
Flugmodus mit eingeschaltetem Standort spart Akku, Gerät in der Kälte körpernah tragen, Powerbank mitnehmen.
5
Koordinaten weitergeben
Im Notfall die Koordinaten im vereinbarten Format ablesen und an die Rettung weitergeben.
Häufige Fehler
×Der Positionsanzeige blind folgen
×Keine Offline-Karte geladen haben
×Akkustand nicht im Blick behalten
×Höhenanzeige für exakt halten
×Koordinatenformat verwechseln
Grenzen und Risiken
–Keine Geräte- oder App-Empfehlung
–Keine genauen Genauigkeitswerte für bestimmte Geräte
Quellen
[1]
National Coordination Office for Space-Based Positioning, Navigation, and Timing (USA): GPS.gov – Official U.S. government information about the Global Positioning System and related topics
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Strom verstehen: Spannung, Strom und warum Wasser leitet
Gefährlich ist der Strom, der durch den Körper fließt. Wie viel fließt, hängt von der Spannung und vom Widerstand ab – und nasse Haut, Wasser und Erde senken den Widerstand stark. Deshalb sind Netzspannung im Haushalt, überflutete Keller und heruntergefallene Leitungen lebensgefährlich, während eine Taschenlampenbatterie harmlos ist.
Heruntergefallene oder beschädigte Stromleitungen immer als unter Spannung stehend betrachten. Großen Abstand halten, andere warnen, Netzbetreiber oder die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) anrufen.
Nie in einen überfluteten Raum gehen, solange dort Strom eingeschaltet sein könnte. Die Stromversorgung nur abschalten, wenn der Sicherungskasten trocken und gefahrlos erreichbar ist – sonst Fachleute oder Feuerwehr rufen.
Eine Person, die an Strom hängt, nicht berühren, bevor der Strom abgeschaltet ist. Sonst wird man selbst Teil des Stromkreises. Notruf absetzen.
Arbeiten an der Hausinstallation sind Sache von Elektrofachkräften; was Laien erlaubt ist, regeln Länder unterschiedlich – örtliche Regeln prüfen.
Schritte
1
Netzspannung respektieren
Die Netzspannung beträgt in Europa 230 Volt, in Nordamerika 120 Volt – beide können tödlich sein. Geräte mit nassen Händen oder im Wasser stehend nicht bedienen.
2
Schutzschalter kennen
Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD) schalten ab, wenn Strom über einen falschen Weg abfließt. Sie regelmäßig über die Prüftaste testen.
3
Draußen Abstand halten
Von beschädigten Leitungen, Masten und Umspannanlagen fernbleiben; Drachen und Angelruten nie in der Nähe von Freileitungen nutzen.
4
Generatoren sicher anschließen
Generatoren nie direkt in die Hausinstallation einspeisen, außer über eine fachgerecht installierte Umschaltvorrichtung – sonst gefährdet Rückspannung Netzarbeiter.
Häufige Fehler
×Heruntergefallene Leitung für abgeschaltet halten
×In den überfluteten Keller gehen, um Sicherungen auszuschalten
×Eine Person an einer Stromquelle anfassen
×Verlängerungskabel im Wasser liegen lassen
Grenzen und Risiken
–Keine Anleitung für Elektroinstallation
–Keine medizinische Behandlung nach Stromunfällen
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Are You Ready? An In-Depth Guide to Citizen Preparedness
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
Reibung im Seil: Warum Knoten und Klemmknoten halten
Ein Knoten hält nicht durch Magie, sondern durch Reibung: Unter Last pressen sich die Windungen aufeinander, und jede zusätzliche Umschlingung vervielfacht die Haltekraft. Daraus folgt, warum ein Rundtörn eine Last fast allein hält, warum Klemmknoten unter Zug greifen und entlastet gleiten – und warum glattes Seil Knoten schlechter hält.
Dieses Wissen erklärt Prinzipien. Für lebenswichtige Sicherungen sind Ausbildung, geprüfte Ausrüstung und erprobte Knoten erforderlich.
Material
Paracord(optional) – Für das Experiment
Schritte
1
Experiment: Umschlingung
Eine Schnur einmal, zweimal, dreimal um eine glatte Stange legen und am einen Ende ziehen, während das andere locker gehalten wird. Mit jeder Windung braucht man weniger Haltekraft.
2
Knoten ordnen und festziehen
Ein sauber geordneter, fest gezogener Knoten hat definierte Klemmstellen; ein unordentlicher kann unter Last kippen oder rutschen.
3
Ausreichend lange Enden
Unter wechselnder Last kann ein Seil durch den Knoten wandern. Lange Enden geben Reserve.
4
Glattes Material beachten
Glatte, steife oder sehr dünne Schnüre haben weniger Reibung. Dort Knoten mit mehr Windungen oder zusätzlicher Sicherung wählen.
Häufige Fehler
×Knoten nicht festziehen
×Zu kurze Enden lassen
×Dieselben Knoten für glatte Kunstfaser wie für Naturfaser verwenden
×Klemmknoten aus gleich dickem Material wie das Seil binden
Grenzen und Risiken
–Keine Festigkeitswerte
–Keine Anleitung für Kletter- oder Rettungstechnik
Quellen
[1]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[2]
Clifford W. Ashley – Doubleday, Doran & Co. (1944): The Ashley Book of Knots
[3]
Geoffrey Budworth (1997): The Complete Book of Knots
Die Bruchlast auf dem Etikett gilt für ein neues, gerades Seil unter langsamer Last. Im Gebrauch ist ein Seil fast immer schwächer: Knoten und scharfe Umlenkungen, Kanten, Abrieb, Sonnenlicht, Hitze, Chemikalien und Alter kosten Festigkeit, und ruckartige Lasten sind ein Vielfaches des Gewichts. Deshalb arbeitet man mit großen Sicherheitsreserven.
Für das Sichern von Menschen nur dafür geprüfte und zertifizierte Seile und Ausrüstung verwenden – mit Ausbildung. Paracord, Wäscheleine und unbekannte Seile niemals für Personen.
Ruckartige Lasten, etwa ein fallender Gegenstand oder ein schlagendes Abschleppseil, können ein Vielfaches des statischen Gewichts erreichen. Bei Abschleppen und Lastenziehen Abstand von gespannten Seilen halten.
Material
Seil
Paracord(optional)
Schritte
1
Sicherheitsreserve einplanen
Ein Seil nie bis in die Nähe seiner angegebenen Bruchlast belasten. Hersteller geben für viele Seile eine deutlich niedrigere Arbeitslast an.
2
Kanten und Biegungen entschärfen
Seile nicht über scharfe Kanten laufen lassen; Kantenschutz aus Stoff oder Schlauch verwenden, große Radien wählen.
3
Regelmäßig prüfen
Das Seil durch die Hände laufen lassen: harte, weiche oder dünne Stellen, Glanzstellen von Hitze, beschädigter Mantel, Verfärbungen. Im Zweifel ausmustern.
4
Richtig lagern
Trocken, dunkel, kühl und fern von Chemikalien wie Batteriesäure und Lösungsmitteln lagern; vor dem Lagern trocknen und von Sand befreien.
Häufige Fehler
×Etikettwert als Gebrauchsfestigkeit ansehen
×Seil über Felskanten oder Metallkanten laufen lassen
×Seil jahrelang in der Sonne lassen
×Seil über Seil laufen lassen
×Unbekanntes Seil für Lasten über Menschen verwenden
Grenzen und Risiken
–Keine Festigkeitswerte
–Keine Normen für Kletter- oder Hebezeug
Quellen
[1]
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
[2]
Geoffrey Budworth (1997): The Complete Book of Knots
Wie schnell und in welche Richtung sich ein Feuer ausbreitet, bestimmen drei Faktoren: Brennstoff, Wetter und Gelände. Wind und Steigung kippen die Flammen auf unverbranntes Material und heizen es vor; feine, trockene Brennstoffe entzünden sich am leichtesten. Wer das versteht, wählt Feuerstellen besser und erkennt, warum Vegetationsbrände so plötzlich eskalieren.
Feuer laufen hangaufwärts deutlich schneller als in der Ebene, besonders in Rinnen und Schluchten. Vor einem Feuer nie bergauf fliehen; früh weggehen und die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Wind trägt Glut und Funken teils weit vor die Flammenfront und entzündet dort neue Brände. Auch ein scheinbar kleines Lagerfeuer bei Wind ist ein Risiko – Feuerverbote beachten.
Schritte
1
Brennstoff lesen
Wie fein, trocken und durchgehend ist der Bewuchs? Trockenes Gras, Laub und Nadelstreu sind Zündbeschleuniger, nasser Boden und Fels bremsen.
2
Wetter lesen
Wind, Luftfeuchte und Temperatur beachten. Windböen und drehender Wind, etwa vor Gewittern, sind besonders gefährlich.
3
Gelände lesen
Hänge, Rinnen und Sättel wirken wie Kamine. Sonnenseitige Hänge sind meist trockener.
4
Für die Feuerstelle anwenden
Feuerstelle auf mineralischem Boden, windgeschützt, nicht am Hangfuß unter Bewuchs, mit Abstand zu Bäumen und überhängenden Ästen.
Häufige Fehler
×Feuer bei Wind entfachen
×Feuerstelle am Hangfuß unter trockenem Bewuchs
×Funkenflug unterschätzen
×Nachmittagshitze und Trockenheit ignorieren
Grenzen und Risiken
–Keine Ausbreitungsgeschwindigkeiten
–Keine Brandbekämpfung
Quellen
[1]
Stephen J. Pyne, Patricia L. Andrews, Richard D. Laven – John Wiley & Sons (1996): Introduction to Wildland Fire (2nd edition)
[2]
Deutscher Wetterdienst (DWD): Waldbrandgefahrenindex (WBI)
https://www.dwd.de
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
Wolken zeigen, was in der Atmosphäre passiert: Quellwolken, die schnell in die Höhe wachsen, kündigen Schauer und Gewitter an; dichter werdende Schleierwolken oft eine Front. Eine offizielle Vorhersage ist trotzdem die bessere Grundlage – die Wolkenbeobachtung dient als Kontrolle vor Ort, ob es schneller kommt als angesagt.
Hoch aufquellende Wolken mit dunkler Basis, Donner oder Blitze: sofort auf Gewitterschutz umstellen, exponierte Grate und Gewässer verlassen. Wetterregeln aus Wolken ersetzen keine Warnungen der Wetterdienste.
Schritte
1
Vorhersage holen
Vor der Tour die Vorhersage und Warnungen des nationalen Wetterdienstes lesen, besonders Gewitter- und Windwarnungen.
2
Wahrscheinlichkeiten verstehen
Eine Regenwahrscheinlichkeit sagt, wie wahrscheinlich Niederschlag ist, nicht wie lange oder wie stark es regnet. Bei Gewitterlagen sind Ort und Zeit besonders unsicher.
3
Himmel beobachten
Unterwegs regelmäßig nach oben schauen: Wachsen Quellwolken am Vormittag schon hoch? Wird der Schleier dichter und die Wolkenbasis tiefer?
4
Rechtzeitig entscheiden
Umkehrpunkte und Ausweichrouten vorher festlegen und bei Anzeichen von Verschlechterung früher umkehren als geplant.
Häufige Fehler
×Bauernregeln über offizielle Vorhersagen stellen
×Nur morgens auf das Wetter schauen
×Hoch aufquellende Wolken ignorieren, weil die Sonne noch scheint
×Regenwahrscheinlichkeit als Regendauer lesen
Grenzen und Risiken
–Keine Vorhersage für bestimmte Orte
–Keine Bestimmungshilfe für alle Wolkenarten
Quellen
[1]
World Meteorological Organization (WMO): International Cloud Atlas
[2]
U.S. National Weather Service (NOAA): JetStream – An Online School for Weather
[3]
Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetter- und Klimalexikon
Ob eine Nacht hell oder stockdunkel ist, hängt stark vom Mond ab: Bei Vollmond steht er die ganze Nacht am Himmel, bei Neumond gar nicht. Wer die Mondphase kennt, kann einschätzen, ob ohne Lampe überhaupt etwas zu sehen ist, wann der Mond aufgeht und warum eine Nachtwanderung in der einen Woche leicht und in der nächsten schwierig ist.
Auch helles Mondlicht reicht nicht, um Stufen, Wurzeln oder Absturzkanten sicher zu erkennen. Immer eine Lampe und Ersatzbatterien mitnehmen.
Material
Stirnlampe / Taschenlampe
Schritte
1
Mondphase nachschlagen
Mondphase und Mondaufgang für das Datum in einem Kalender, einer Wetter-App oder bei astronomischen Diensten nachsehen.
2
Nachtaktivität planen
Für Nachtwanderungen oder frühe Starts Tage um Vollmond nutzen und Abschnitte mit Mondschatten (Nordhänge, Wald) einplanen.
3
Augen anpassen lassen
Die Augen brauchen etwa eine halbe Stunde, um sich weitgehend an Dunkelheit zu gewöhnen. Grelles Licht zerstört die Anpassung schnell; Lampe gedimmt nutzen.
4
Grobe Richtung
Der Mond steht wie die Sonne grob im Osten beim Aufgang und im Westen beim Untergang. Für Richtungsbestimmung ist das nur eine grobe Hilfe.
Häufige Fehler
×Auf Mondlicht statt auf eine Lampe setzen
×Mondaufgang mit Sonnenuntergang gleichsetzen
×Wolken und Wald nicht einrechnen
×Durch helle Displays die Dunkeladaption zerstören
Grenzen und Risiken
–Keine Mondnavigation im Detail
–Keine Angaben zu Helligkeitswerten
Quellen
[1]
U.S. Naval Observatory: Astronomical Applications Department – sun and moon data, phases of the moon
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Mond und Sonne ziehen unterschiedlich stark an verschiedenen Teilen der Erde. Dadurch entstehen zwei Flutberge, unter denen sich die Erde hindurchdreht – an vielen Küsten zweimal Hochwasser und zweimal Niedrigwasser am Tag, jeden Tag etwa 50 Minuten später. Wie hoch der Unterschied ist, hängt stark von der Küstenform ab. Deshalb gilt: Gezeitentabelle für genau diesen Ort lesen.
Auflaufendes Wasser kann Buchten, Landzungen und Sandbänke schneller abschneiden, als man erwartet. Gezeitentabelle prüfen, Rückweg vor Niedrigwasser antreten, Wattwanderungen nur mit ortskundiger Führung. Wer abgeschnitten ist, nicht durch tiefes Wasser zurückwaten, sondern die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Wind und Luftdruck können den Wasserstand gegenüber der Tabelle deutlich verändern. Bei Sturm gelten die Warnungen der Behörden.
Schritte
1
Gezeitentabelle für den Ort
Hoch- und Niedrigwasserzeiten für den nächstgelegenen Bezugsort aus offiziellen Gezeitentafeln entnehmen.
2
Mondphase beachten
Um Neu- und Vollmond sind Hochwasser höher und Niedrigwasser tiefer – mehr Watt, aber auch schneller auflaufendes Wasser.
3
Puffer einplanen
Den Rückweg so planen, dass man lange vor dem Auflaufen zurück ist. Wind und Luftdruck können das Wasser früher bringen.
4
Vor Ort beobachten
Priele, Rinnen und tiefe Stellen füllen sich zuerst. Wer sieht, dass Wasser hinter einem läuft, kehrt sofort um.
Häufige Fehler
×Gezeiten eines anderen Ortes verwenden
×Annehmen, dass Hochwasser jeden Tag zur gleichen Uhrzeit kommt
×Springtide nicht einrechnen
×Durch auflaufende Priele zurückwaten
Grenzen und Risiken
–Keine Gezeitenberechnung für bestimmte Orte
–Keine Bootsnavigation
Quellen
[1]
U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) – National Ocean Service: Tides and Water Levels (NOAA Ocean Service Education tutorial)
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number
19 · Chemie und Biologie · Fachliche Prüfung folgt
Warum Abkochen Wasser entkeimt
Hitze schädigt die Eiweiße, Membranen und das Erbgut von Mikroorganismen so stark, dass sie sich nicht mehr vermehren und keine Krankheiten mehr auslösen. Wie schnell das geht, hängt von Temperatur und Zeit ab. Sprudelndes Kochen liegt weit über dem, was die meisten Krankheitserreger im Wasser überstehen – deshalb gilt es als sehr zuverlässig. Gegen Chemikalien und Salz hilft Hitze dagegen nicht.
Für die praktische Anwendung gelten die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zum Abkochen von Wasser, siehe Eintrag „Wasser abkochen“. Bei behördlichen Abkochgeboten den Anweisungen folgen.
Abkochen entfernt keine Chemikalien, Schwermetalle oder Salz; manche Stoffe werden beim Verdampfen sogar konzentriert. Bei Verdacht auf chemische Belastung andere Wasserquelle nutzen.
Kocher und Feuer nie in Zelten, Fahrzeugen oder geschlossenen Räumen ohne ausreichende Belüftung betreiben (Kohlenmonoxid).
Häufige Fehler
×Erste Bläschen am Topfboden für Kochen halten
×Abgekochtes Wasser in schmutzige Gefäße füllen
×Annehmen, Abkochen entferne Chemikalien
×Abkochen mit Sterilisieren verwechseln
Grenzen und Risiken
–Keine eigene Handlungsanleitung – siehe Eintrag „Wasser abkochen“
–Keine Angaben zu einzelnen Erregern
Quellen
[1]
World Health Organization (2015): Boil water – Technical brief
[2]
Centers for Disease Control and Prevention: Making Water Safe in an Emergency
[3]
World Health Organization (2022): Guidelines for drinking-water quality, fourth edition incorporating the first and second addenda
20 · Chemie und Biologie · Fachliche Prüfung folgt
Was beim Verbrennen passiert
Holz brennt nicht direkt: Hitze zersetzt es zuerst in brennbare Gase (Pyrolyse), und diese Gase brennen in der Flamme mit dem Sauerstoff der Luft. Zurück bleibt Holzkohle, die ohne Flamme glüht. Fehlt Sauerstoff oder ist das Feuer zu kalt, verbrennt es unvollständig – mit Rauch, Ruß und Kohlenmonoxid. Das Feuerdreieck aus Brennstoff, Sauerstoff und Wärme fasst zusammen, was ein Feuer braucht.
Jede Verbrennung in geschlossenen Räumen kann Kohlenmonoxid erzeugen. Keine Grills, Kocher oder Feuer in Zelten, Wohnräumen oder Garagen.
Offenes Feuer ist vielerorts eingeschränkt oder verboten – örtliche Regeln und Waldbrandgefahr prüfen.
Schritte
1
Feuerdreieck
Brennstoff, Sauerstoff und Wärme müssen zusammenkommen. Fehlt eines, erlischt das Feuer – darauf beruht auch das Löschen.
2
Pyrolyse und Flamme
Die Flamme ist brennendes Gas über dem Holz. Darum brennt ein Feuer besser, wenn Luft von unten und zwischen die Scheite gelangt.
3
Vom Dünnen zum Dicken
Zunder und dünnes Anzündholz liefern genug Wärme, um dickeres Holz zu pyrolysieren – das erklärt den Aufbau jeder Feuerlage.
4
Rauch lesen
Viel weißer bis grauer Rauch deutet oft auf feuchtes Holz oder ein zu kaltes Feuer hin; ein heißes Feuer mit gutem Luftzug raucht weniger.
Häufige Fehler
×Zu dickes Holz zu früh auflegen
×Feuer ersticken, indem man es zu dicht packt
×Brandbeschleuniger verwenden
×In geschlossenen Räumen heizen oder kochen mit offener Flamme
Grenzen und Risiken
–Keine Brandschutzberatung
Quellen
[1]
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
[2]
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
[3]
World Health Organization, Regional Office for Europe (2010): WHO guidelines for indoor air quality: selected pollutants (carbon monoxide chapter)
21 · Chemie und Biologie · Fachliche Prüfung folgt
Kohlenmonoxid: warum es so gefährlich ist
Kohlenmonoxid (CO) entsteht, wenn Brennstoff unvollständig verbrennt. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos und bindet sich viel stärker an den roten Blutfarbstoff als Sauerstoff. Dadurch erstickt der Körper von innen, oft ohne dass Betroffene es merken. Schutz: Verbrennung nie in geschlossenen Räumen, CO-Melder, bei Verdacht sofort an die frische Luft und Notruf.
Bei Verdacht auf Kohlenmonoxid (Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Benommenheit bei mehreren Personen, CO-Melder schlägt an): sofort alle an die frische Luft bringen, Raum nicht wieder betreten und die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Grills, Holzkohle, Gaskocher, Heizstrahler ohne Abgasführung und Generatoren nie in Wohnräumen, Kellern, Garagen, Zelten oder Fahrzeugen betreiben – auch nicht bei geöffnetem Fenster.
22 · Chemie und Biologie · Fachliche Prüfung folgt
Batterien und Akkus in der Kälte
In einer Batterie liefern chemische Reaktionen den Strom. Kälte verlangsamt diese Reaktionen und erhöht den Innenwiderstand – Geräte gehen früher aus, obwohl noch Energie gespeichert ist. Aufgewärmt erholt sich die Batterie meist. Lithium-Ionen-Akkus sollten nicht unter dem Gefrierpunkt geladen werden. Ersatzbatterien körpernah tragen und Geräte nachts mit in den Schlafsack nehmen.
Batterien und Akkus nie mit Feuer, Herd oder Heißluft erwärmen und nicht beschädigte, aufgeblähte Akkus verwenden – Brand- und Explosionsgefahr.
Lithium-Ionen-Akkus nicht unter dem Gefrierpunkt laden, sondern erst auf Raumtemperatur kommen lassen; Herstellerangaben haben Vorrang.
Material
Ersatzbatterien
Powerbank(optional)
Stirnlampe / Taschenlampe
Schritte
1
Körpernah tragen
Telefon, Ersatzbatterien und Powerbank in einer Innentasche tragen; nachts mit in den Schlafsack nehmen.
2
Wechseln statt wegwerfen
Kalte, scheinbar leere Batterien gegen warme tauschen und die kalten am Körper wieder aufwärmen – sie liefern oft noch Strom.
3
Chemie bewusst wählen
Für Kälte geeignete Batterietypen nach Herstellerangabe wählen; Geräteanleitung beachten, welche Typen erlaubt sind.
4
Kondensat vermeiden
Kalte Geräte in einem verschlossenen Beutel in warme Räume bringen und dort langsam aufwärmen lassen.
Häufige Fehler
×Kalte Batterien als leer wegwerfen
×Akku am Ofen aufwärmen
×Im Zelt bei Frost laden
×Telefon in der Außentasche tragen
Grenzen und Risiken
–Keine Produkt- oder Laufzeitangaben
Quellen
[1]
Thomas B. Reddy (ed.) – McGraw-Hill: Linden's Handbook of Batteries
23 · Chemie und Biologie · Fachliche Prüfung folgt
Mikroben in Lebensmitteln: Verderb, Fermentation und Sicherheit
Bakterien, Hefen und Schimmelpilze brauchen Wasser, Nährstoffe, passende Temperatur und je nach Art Sauerstoff oder dessen Fehlen. Haltbarmachen bedeutet, ihnen eine dieser Bedingungen zu nehmen: kühlen, trocknen, salzen, säuern, erhitzen. Fermentation nutzt erwünschte Mikroben, die Säure bilden und so unerwünschte verdrängen – das funktioniert nur mit erprobten Rezepten zuverlässig.
Das Bakterium Clostridium botulinum kann in luftdicht verschlossenen, wenig sauren Lebensmitteln bei Raumtemperatur ein lebensgefährliches Gift bilden – oft ohne sichtbare Veränderung. Nur erprobte Rezepte und Verfahren zum Einkochen und Einlegen verwenden.
Aufgeblähte Deckel, Gasbildung bei nicht fermentierten Konserven, ungewöhnlicher Geruch oder Schimmel: nicht probieren, entsorgen. Bei Vergiftungsverdacht örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Material
Gärglas oder Gärtopf(optional)
Schritte
1
Kühlkette verstehen
Leicht verderbliche Lebensmittel kalt halten oder heiß halten – nicht stundenlang im Bereich dazwischen lassen.
2
Säure als Schutz
Sauer eingelegte und milchsauer vergorene Lebensmittel sind sicherer, weil die Säure Erreger hemmt. Die nötige Säure ergibt sich aus dem Rezept, nicht aus Geschmack.
3
Erprobte Verfahren nutzen
Wenig saure Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch und Bohnen nur nach geprüften Anleitungen einkochen; bei Fermentation Salzmenge und Temperatur einhalten.
4
Sauber arbeiten
Hände, Gefäße und Arbeitsflächen sauber halten – weniger unerwünschte Keime am Start bedeuten ein geringeres Risiko.
Häufige Fehler
×Rezepte nach Gefühl abwandeln
×Wenig saures Gemüse ohne geprüftes Verfahren einkochen
×Verdächtige Konserven probieren
×Gekochtes Essen stundenlang warm stehen lassen
Grenzen und Risiken
–Keine Rezepte
–Keine Bestimmung von Schimmel oder Erregern
Quellen
[1]
World Health Organization (WHO) (2006): Five Keys to Safer Food Manual
[2]
United States Department of Agriculture (USDA) – National Institute of Food and Agriculture: Complete Guide to Home Canning
[3]
University of Georgia / National Center for Home Food Preservation (USA): National Center for Home Food Preservation – tested guidance on drying and preserving food
[4]
European Commission: 112 – the European emergency number
24 · Der menschliche Körper · Fachliche Prüfung folgt
Wasserhaushalt des Körpers und Dehydrierung
Ein großer Teil des Körpers besteht aus Wasser, und der Körper verliert ständig Wasser über Atmung, Haut, Schweiß und Urin. Durst und konzentrierter Urin sind die Signale, mit denen er gegensteuert. Bei Hitze, Anstrengung, Kälte, Höhe, Durchfall oder Erbrechen kann der Verlust schneller sein als der Ersatz. Dieser Eintrag erklärt die Grundlagen – er ist keine Behandlungsanleitung.
Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Ohnmacht, ausbleibendem Urin über viele Stunden oder anhaltendem Erbrechen und Durchfall – besonders bei Kindern, älteren und kranken Menschen – die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112) oder ärztliche Hilfe holen.
Auch zu viel Wasser kann schaden: Wer bei langer Anstrengung sehr große Mengen reines Wasser trinkt und kaum Salz aufnimmt, kann einen gefährlichen Natriummangel entwickeln. Nach Durst und Bedarf trinken, nicht nach dem Motto „so viel wie möglich“.
Nur sicheres oder aufbereitetes Wasser trinken; Durchfall durch verunreinigtes Wasser verschlimmert den Flüssigkeitsverlust.
Häufige Fehler
×Durst bei Kälte oder in der Höhe ignorieren
×Erst trinken, wenn man stark durstig ist
×Alkohol als Flüssigkeit zählen
×Bei langer Anstrengung nur reines Wasser in großen Mengen trinken und nichts essen
Grenzen und Risiken
–Keine Diagnose- oder Behandlungshinweise
–Keine Trinkmengen für Hitze oder Sport
Quellen
[1]
John E. Hall – Elsevier: Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology
[2]
World Health Organization: Heat and health (fact sheet)
25 · Der menschliche Körper · Fachliche Prüfung folgt
Hitzeindex: Luftfeuchtigkeit und Schwitzen
Schwitzen kühlt nur, wenn der Schweiß verdunstet. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet er schlecht – deshalb fühlt sich schwüle Hitze heißer an und ist gefährlicher als trockene Hitze gleicher Temperatur. Der Hitzeindex kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einer gefühlten Temperatur.
Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall bei Hitze sind ein Notfall: örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
Hitzeindexwerte gelten in der Regel für Schatten. In direkter Sonne ist die Belastung höher.
Schritte
1
Gefühlte Temperatur beachten
Wetterdienste geben bei Hitze oft einen Hitzeindex oder eine gefühlte Temperatur an; Hitzewarnungen berücksichtigen die Luftfeuchtigkeit.
2
Belastung anpassen
Bei Schwüle Tempo reduzieren, Pausen im Schatten einlegen, Anstrengung in kühle Tageszeiten legen.
3
Regelmäßig trinken
Verlorenes Wasser ersetzen, auch wenn Schweiß nicht sichtbar verdunstet.
4
Verdunstung unterstützen
Locker sitzende, luftige Kleidung, Luftbewegung durch Ventilator oder Wind, Haut befeuchten.
Häufige Fehler
×Nur auf die Temperatur schauen
×Schwüle Tage wie trockene Tage planen
×Annehmen, dass Schwitzen immer kühlt
Grenzen und Risiken
–Keine Tabellenwerte
–Keine Behandlung
Quellen
[1]
NOAA National Weather Service (USA): Heat Index (heat safety information)
[2]
John E. Hall – Elsevier: Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology
[3]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Heat Illness: 2019 Update
26 · Der menschliche Körper · Fachliche Prüfung folgt
Wie Unterkühlung entsteht
Der Körper hält seine Kerntemperatur in einem engen Bereich. Verliert er mehr Wärme, als er erzeugt, fährt er zuerst die Durchblutung von Haut und Gliedmaßen herunter und beginnt zu zittern. Sinkt die Kerntemperatur unter 35 °C, spricht man von Unterkühlung: Denken, Koordination und schließlich Bewusstsein lassen nach. Früh erkennen, vor weiterem Wärmeverlust schützen und Hilfe holen.
Bei Verwirrtheit, ausgeprägter Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörung oder wenn Zittern bei weiterhin kalter Person aufhört: örtliche Notrufnummer (in der EU 112) wählen. Person behutsam behandeln, vor Kälte schützen.
Unterkühlung kann auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt entstehen – durch Nässe, Wind, Erschöpfung oder Kaltwasser.
Schritte
1
Frühe Zeichen
Zittern, kalte Hände, Frieren, nachlassende Feinmotorik. Eine bekannte Merkhilfe: stolpern, nuscheln, fummeln, grummeln.
2
Wärmeverlust stoppen
Aus Wind und Nässe heraus, nasse Kleidung gegen trockene tauschen, isolieren – auch vom Boden – und Kopf bedecken.
3
Energie zuführen
Ist die Person wach und kann sicher schlucken, helfen warme, süße Getränke und Essen, Wärme zu erzeugen.
4
Hilfe holen
Bei Warnzeichen oder wenn sich der Zustand nicht bessert, Notruf absetzen und bis zum Eintreffen vor Kälte schützen.
Häufige Fehler
×Auf Selbsteinschätzung der unterkühlten Person vertrauen
×In nasser Kleidung weitergehen
×Unterkühlung nur bei Frost erwarten
×Bewusstseinsgetrübten Personen etwas zu trinken geben
Grenzen und Risiken
–Keine Behandlung schwerer Unterkühlung
–Keine Wiederbelebungsanleitung
Quellen
[1]
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
[2]
John E. Hall – Elsevier: Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology
[3]
European Commission: 112 – the European emergency number