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Wanderer mit angeleintem Hund geht im weiten Bogen an einer Kuhherde auf der Alm vorbei

Begegnung mit Weidevieh oder Wildtieren

Eine Herde Mutterkühe am Weg, ein Wildschwein im Unterholz, ein fremder Hund: Mit Abstand, Ruhe und ein paar Regeln endet fast jede Begegnung harmlos.

Zuerst

  1. Stehen bleiben, ruhig werden, Abstand halten. Nie auf ein Tier zugehen, es füttern oder anfassen.
  2. Langsam rückwärts zurückziehen, ohne zu rennen und ohne dem Tier ganz den Rücken zuzukehren. Dem Tier immer einen Fluchtweg lassen.
  3. Kühe mit Kälbern auf der Alm weiträumig umgehen. Den Hund kurz anleinen – greift eine Kuh an, Hund sofort ableinen.
  4. Nach einem Biss oder Tritt: Blutung mit Druck stillen und Notruf 112 wählen.

Notruf wählen bei

  • Starke Blutung oder tiefe Bisswunde
  • Jemand wurde von einem Rind getreten oder umgestoßen
  • Schlangenbiss, besonders bei Schwellung, Übelkeit, Schwindel oder bei Kindern
  • Bewusstlosigkeit oder Atemnot
  • Ein Tier verhält sich angriffslustig in der Nähe von Menschen (Polizei verständigen)

Was gerade passiert

Die meisten Tiere in Mitteleuropa meiden Menschen. Gefährlich werden Begegnungen vor allem, wenn ein Tier sich bedroht fühlt, seine Jungen verteidigt, überrascht wird oder in die Enge gerät. Das gilt für Wildtiere ebenso wie für Weidevieh.

In den Alpen sind Mutterkühe mit Kälbern die häufigste Ursache ernster Tierunfälle beim Wandern. In Österreich kam es wiederholt zu schweren und auch tödlichen Zwischenfällen, oft im Zusammenhang mit Hunden, die die Kühe an Wölfe erinnern. Österreich hat deshalb Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh veröffentlicht: Abstand halten, nicht füttern, Hund kurz an der Leine – und bei einem Angriff den Hund sofort ableinen.

Wildschweine flüchten fast immer. Riskant sind Bachen mit Frischlingen im Frühjahr sowie verletzte oder in die Enge getriebene Tiere. Braunbären kommen in den Alpen nur sehr vereinzelt vor und meiden Menschen; eine Begegnung ist extrem selten. Fremde Hunde und Schlangen wie die Kreuzotter sind häufiger, aber mit ruhigem Verhalten meist unproblematisch.

Die wichtigsten Grundsätze gelten für alle Tiere: Abstand, Ruhe, nie füttern, nie zwischen Mutter und Junge geraten, dem Tier einen Fluchtweg lassen und langsam zurückziehen statt rennen.

Schritt für Schritt

Begegnung mit Weidevieh oder Wildtieren – Phase 1 von 4Bevor es eng wird. Auf der Alm und im Wald aufmerksam gehen, Kopfhörer heraus; Tiere früh sehen und hören. Weidevieh mit großem Abstand umgehen, nicht zwischen Kühe und Kälber gehen, Tiere nicht streicheln oder füttern. Hund kurz an der Leine führen und ihn nicht zu den Tieren lassen. Im Lager Essen und Abfälle verschlossen und nicht im Zelt aufbewahren.
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Bevor es eng wird

Auf der Alm und im Wald aufmerksam gehen, Kopfhörer heraus; Tiere früh sehen und hören. Weidevieh mit großem Abstand umgehen, nicht zwischen Kühe und Kälber gehen, Tiere nicht streicheln oder füttern. Hund kurz an der Leine führen und ihn nicht zu den Tieren lassen. Im Lager Essen und Abfälle verschlossen und nicht im Zelt aufbewahren.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Bevor es eng wird

    • Auf der Alm und im Wald aufmerksam gehen, Kopfhörer heraus; Tiere früh sehen und hören.
    • Weidevieh mit großem Abstand umgehen, nicht zwischen Kühe und Kälber gehen, Tiere nicht streicheln oder füttern.
    • Hund kurz an der Leine führen und ihn nicht zu den Tieren lassen.
    • Im Lager Essen und Abfälle verschlossen und nicht im Zelt aufbewahren.
  2. Phase 2

    Wenn ein Tier reagiert

    • Stehen bleiben, ruhig werden, das Tier beobachten: gesenkter Kopf, Scharren, Schnauben, Brüllen oder Zähnefletschen sind Warnzeichen.
    • Langsam rückwärts oder seitlich zurückziehen, ohne zu rennen, ohne dem Tier ganz den Rücken zuzukehren, und ihm einen Fluchtweg lassen.
    • Kühe: Weide zügig verlassen, notfalls über einen Zaun oder hinter ein Hindernis. Greift eine Kuh an, Hund ableinen – Hund und Mensch bringen sich getrennt in Sicherheit.
    • Fremder Hund: stehen bleiben, seitlich drehen, Arme an den Körper, nicht anstarren, ruhig mit tiefer Stimme sprechen.
    • Wildschwein: Abstand vergrößern, Fluchtweg frei lassen; wenn es angreift, auf einen Hochstand, Felsen oder hinter einen Baum.
    • Bär: ruhig mit tiefer Stimme sprechen, langsam zurückziehen, nicht rennen, nicht auf Bäume klettern. Greift ein Bär wirklich an, auf den Bauch legen, Hände im Nacken, Rucksack auf dem Rücken lassen.
  3. Phase 3

    Nach einer Verletzung

    • Zuerst aus der Reichweite des Tieres kommen.
    • Starke Blutung mit festem Druck stillen; Notruf 112.
    • Bisswunden mit sauberem Wasser ausspülen und abdecken.
    • Schlangenbiss: ruhig bleiben, Gliedmaße ruhig halten, Ringe und Uhr entfernen, Notruf – nicht aussaugen, nicht einschneiden, nicht abbinden.
    • Nach Tritt oder Sturz durch Rinder auf innere Verletzungen achten: Bauch- oder Brustschmerzen, Blässe, Schwindel – Notruf.
  4. Phase 4

    Danach

    • Jede Bisswunde ärztlich versorgen lassen; Tetanusschutz prüfen, im Ausland auch an Tollwut denken.
    • Aggressive Tiere melden: Weidevieh beim Almbewirtschafter oder der Gemeinde, Hunde bei der Polizei, verletztes Wild bei der Jägerschaft.
    • Den Schreck nicht unterschätzen – darüber reden hilft.
    • Beim nächsten Mal Route oder Zeitpunkt so wählen, dass Weiden mit Mutterkühen umgangen werden können.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Mach dich im dichten Gelände bemerkbar

    Die meisten gefährlichen Begegnungen beginnen mit einer Überraschung. Sprich in unübersichtlichem Gelände, in Dickicht oder an rauschenden Bächen ab und zu laut. Wildschweine und Bären hören dich dann früh und ziehen sich meist von selbst zurück.

  2. Auf der Weide am Rand gehen

    Geh nah am Zaun oder an Mauern entlang, so hast du immer einen schnellen Ausweg. Beobachte die Herde schon von Weitem: Schauen alle Tiere zu dir und rücken zusammen, nimm einen anderen Weg. Jetzt ist der Moment, nicht erst wenn sie loslaufen.

  3. Etwas zwischen dich und den Hund bringen

    Kommt ein fremder Hund drohend näher, halte deinen Rucksack, eine Jacke oder einen Stock vor dich. Beißt er zu, erwischt er eher den Gegenstand als dich. Nicht damit schlagen, nur abschirmen.

  4. Umgeworfen vom Hund: einrollen

    Wirft dich ein Hund um, roll dich auf die Seite zu einer Kugel, Knie an die Brust, Hände schützen Nacken und Ohren. Bleib möglichst still. So sind Gesicht, Hals und Bauch geschützt.

  5. Bär hat dich nicht bemerkt: leise umkehren

    Siehst du einen Bären in der Ferne und er dich nicht, geh ruhig den Weg zurück, den du gekommen bist, und mach einen großen Bogen oder warte. In einer Gruppe bleibt ihr eng zusammen – zusammen wirkt ihr größer.

Worauf du achten musst

  • Mutterkühe und Hunde

    Mutterkühe verteidigen ihre Kälber besonders gegen Hunde. Wer den Hund bei einem Angriff festhält, wird mit angegriffen. Leine los – der Hund ist schneller als die Kuh.

  • Füttern

    Gefütterte Tiere verlieren die Scheu und werden aufdringlich oder aggressiv. Das gilt für Kühe, Füchse, Wildschweine und erst recht für Bären.

  • Rennen löst Verfolgung aus

    Hunde, Rinder und Bären reagieren auf Flucht oft mit Verfolgung. Ruhiges Zurückziehen ist sicherer.

  • Jungtiere

    Rehkitze, Frischlinge und Jungvögel sind fast nie verlassen. Wer sie anfasst, gefährdet sie – und provoziert womöglich die Mutter.

  • Kreuzotter

    Die Kreuzotter beißt nur, wenn sie bedrängt oder getreten wird. Feste Schuhe und Aufmerksamkeit auf sonnigen Steinen genügen meist. Bisse sind für gesunde Erwachsene selten lebensbedrohlich, gehören aber immer in ärztliche Behandlung.

Häufige Fehler

  • Mitten durch eine Herde mit Kälbern gehen.
  • Kühe oder Kälber streicheln oder fotografieren, als wären sie zahm.
  • Den Hund bei einem Angriff festhalten.
  • Vor einem Tier davonrennen.
  • Wildtiere füttern oder Essen offen im Lager liegen lassen.
  • Scheinbar verlassene Jungtiere mitnehmen.

Vorher vorbereiten

  • Die Verhaltensregeln für Almen und Weiden kennen und Kindern erklären.
  • Hunde an Leine und Rückruf gewöhnen; vor der Tour prüfen, ob Hunde auf der Strecke erlaubt sind.
  • Feste Schuhe und lange Hosen auf schlangenreichen, sonnigen Wegen.
  • Im Lager Essen und Abfälle in verschlossenen Behältern und abseits vom Schlafplatz aufbewahren.
  • Tetanusimpfung aktuell halten; bei Reisen in Tollwutgebiete ärztlich beraten lassen.
  • Wo Bären häufiger vorkommen, sich vorab bei örtlichen Stellen über Verhaltensregeln informieren.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder laufen gern auf Tiere zu oder rennen weg. An die Hand nehmen, hinter sich halten und vorher klare Regeln besprechen.
Mit Hund unterwegs
Auf Almen mit Mutterkühen ist ein Hund ein zusätzliches Risiko. Wenn möglich Wege wählen, die nicht durch Weiden führen.

Quellen

  • Sichere Almen – Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh (10 Regeln für Almbesucherinnen und Almbesucher) · Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (Österreich), gemeinsam mit Landwirtschaftskammer Österreich
  • The Countryside Code · Natural England and Natural Resources Wales
  • Bear Safety · U.S. National Park Service
  • International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020 · International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre, 2020
  • European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid · European Resuscitation Council – Resuscitation (journal), 2021

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Alle Regeln dieser Situation (9)
  1. [nicht aktiv] Wenn Tier = Kühe / Weidevieh

    Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Auf dem Weg bleiben, Herde mit großem Abstand umgehen, Unruhe (Kopfsenken, Scharren, Brüllen) ernst nehmen und die Weide zügig, aber ohne zu rennen verlassen.

  2. [nicht aktiv] Wenn Tier = Wildschwein

    Wildschweine flüchten meist. Gefährlich sind Bachen mit Frischlingen und in die Enge getriebene Tiere: ruhig zurückziehen, Fluchtweg frei lassen, notfalls auf einen Hochstand oder Felsen.

  3. [nicht aktiv] Wenn Tier = Fremder Hund

    Stehen bleiben, seitlich drehen, nicht in die Augen starren, nicht schreien oder rennen. Arme nah am Körper; Rucksack oder Jacke kann als Puffer dienen.

  4. [nicht aktiv] Wenn Tier = Bär (selten)

    Braunbären sind in den Alpen sehr selten und meiden Menschen. Ruhig mit tiefer Stimme sprechen, langsam zurückziehen, nicht rennen und nicht auf Bäume klettern. Essen nie offen im Lager lassen.

  5. [nicht aktiv] Wenn Tier = Schlange (Kreuzotter)

    Schlangen weichen aus, wenn man ihnen Zeit lässt. Nach einem Biss: ruhig bleiben, Gliedmaße ruhig halten, Ringe abnehmen, Notruf – nicht aussaugen, nicht einschneiden, nicht abbinden.

  6. [nicht aktiv] Wenn Tier = Verletztes oder allein wirkendes Jungtier

    Junge Wildtiere sind fast nie verlassen – die Mutter ist in der Nähe. Nicht anfassen, weggehen und bei Verletzung Jägerschaft, Polizei oder eine Wildtierstation verständigen.

  7. [nicht aktiv] Wenn Dabei = Eigener Hund

    Hunde reizen Weidevieh und Wildtiere. Kurz anleinen – aber bei einem Angriff durch Weidevieh sofort loslassen, damit sich Hund und Mensch getrennt in Sicherheit bringen können.

  8. [nicht aktiv] Wenn Dabei = Kinder

    Kinder an die Hand nehmen und hinter sich halten; vorher erklären: Tiere nie streicheln, füttern oder verfolgen.

  9. [nicht aktiv] Wenn Lage = Biss, Tritt oder Verletzung

    Erst aus der Reichweite des Tieres, dann Blutung stillen, Wunde bedecken und Notruf. Bisswunden immer ärztlich versorgen lassen (Infektion, Tetanus; im Ausland Tollwut).