Zweischäftige Schnur drehen (Reverse Wrap) – mit Jute oder Sisal üben
Beim Reverse Wrap werden zwei Faserstränge jeweils in eine Richtung verdreht und gegenläufig umeinandergelegt. Die Gegenspannung hält die Schnur zusammen. Geübt wird mit gekaufter Jute- oder Sisalschnur, die man aufdröselt – so lernt man die Technik ohne Pflanzenbestimmung. Das Ergebnis taugt für leichte Bindungen, nicht für Lasten.
- Erste brauchbare 50 cm in etwa 30 Minuten

Einfach erklärt
Hast du dir schon einmal ein Seil genau angesehen? Es besteht aus mehreren dünnen Strängen, die umeinander gedreht sind. Genau das kannst du im Kleinen selbst machen: Du nimmst zwei Faserbündel, drehst jedes in eine Richtung und legst sie dann in die andere Richtung umeinander. Das nennt man „Reverse Wrap“, also „gegenläufiges Umwickeln“.
Der Trick ist wie bei zwei Kindern, die sich gegenseitig festhalten: Jeder Strang möchte sich wieder aufdrehen, aber der andere hält ihn fest. Dadurch bleibt die Schnur von selbst zusammen, ganz ohne Kleber. Üben kannst du das mit einem Stück Jute- oder Sisalschnur aus dem Baumarkt, das du in einzelne Fasern aufdröselst.
Wichtig: Selbstgedrehte Schnur ist ein schönes Bastelergebnis, aber kein Kletterseil. Niemand weiß, wie viel sie aushält. Benutze sie nur für leichte Dinge wie Anhänger oder Bündel – nie für Menschen oder schwere Lasten.
Wie es funktioniert
Jeder einzelne Strang wird in eine Richtung verdreht, zum Beispiel im Uhrzeigersinn. Dadurch entsteht in ihm eine Spannung, die ihn zurückdrehen will. Legt man die beiden Stränge nun in die Gegenrichtung umeinander, arbeiten diese beiden Spannungen gegeneinander. Der eine Strang kann sich nicht aufdrehen, ohne den anderen mitzunehmen – und umgekehrt. Das Ergebnis ist eine Schnur, die sich selbst stabilisiert.
Nach genau diesem Prinzip sind auch gekaufte geschlagene Seile aufgebaut: Fasern werden zu Garnen gedreht, Garne zu Litzen, Litzen zum Seil, und jede Stufe läuft in die Gegenrichtung der vorigen. Wer einmal selbst eine Schnur gedreht hat, versteht, warum sich ein Seilende aufdröselt, wenn man es nicht sichert. Die Gegenspannung ist dort nicht mehr ausgeglichen.
Die Reibung zwischen den Fasern hält das Ganze zusammen. Lange, gleichmäßige Fasern verhaken sich besser als kurze Bruchstücke. Darum ist aufgedröselte Jute oder Sisal zum Üben so gut geeignet: Die Fasern sind lang, gleichmäßig und günstig zu bekommen.
Worauf es ankommt
Der häufigste Fehler ist, beide Stränge in dieselbe Richtung zu legen, in die sie auch gedreht wurden. Dann dreht sich die Schnur sofort wieder auf. Merke dir: drehen in die eine Richtung, umlegen in die andere. Am Anfang hilft es, sich laut vorzusagen: „Drehen – rüberlegen – drehen – rüberlegen.“
Teile das Faserbündel am Anfang ungleich, sodass ein Strang etwas länger ist. Wenn ein Strang dünner wird, legst du neue Fasern überlappend ein. Weil die Stränge unterschiedlich lang sind, liegen die Ansatzstellen später nicht nebeneinander, sondern versetzt. Zwei Ansätze an derselben Stelle wären ein Schwachpunkt, an dem die Schnur leicht reißt.
Dreh gleichmäßig und eher fest. Locker gedrehte Schnur ist weich, aber sie franst aus und hält wenig. Achte darauf, dass beide Stränge etwa gleich dick bleiben, dann wird die Schnur rund und gleichmäßig. Das Ende sicherst du mit einem einfachen Überhandknoten oder einem Takling, also einer Umwicklung mit dünnem Faden.
Sicherheit und Grenzen
Selbstgedrehte Schnur hat eine unbekannte und meist geringe Festigkeit. Je nach Faser, Drehung und Ansatzstellen kann sie an einer Stelle viel schwächer sein als an einer anderen, und das sieht man ihr nicht an. Deshalb wird sie nie für Menschen, zum Klettern, zum Sichern oder für Lasten über Personen verwendet. Dafür gibt es geprüfte Seile mit Herstellerangaben.
Dieser Eintrag übt die Technik bewusst mit gekauftem Material. Wildpflanzen zu bestimmen und Fasern daraus zu gewinnen, erfordert sicheres Fachwissen, und das Ernten von Pflanzen ist vielerorts geregelt oder verboten. Mit Jute, Sisal oder auch Streifen aus Stoff und Plastiktüten lernst du die Bewegung genauso gut – ganz ohne dieses Risiko.
So übst du es
Nimm etwa einen halben Meter Jute- oder Sisalschnur und drösel sie auf, bis du ein lockeres Faserbündel hast. Knick es nicht genau in der Mitte, sondern etwas versetzt, und halte den Knick zwischen Daumen und Zeigefinger. Dreh den Strang, der von dir weg liegt, ein paar Mal in eine Richtung und leg ihn dann gegen die Drehrichtung über den anderen. Jetzt liegt der andere Strang oben – und alles beginnt von vorn.
Für die ersten brauchbaren 50 Zentimeter brauchst du ungefähr eine halbe Stunde, danach wird es schneller. Viele finden einen ruhigen Rhythmus, fast wie beim Stricken. Für Kinder ist die Technik gut geeignet, weil sie ohne Werkzeug auskommt; zum Kürzen der Fasern reicht eine Schere. Schöne erste Projekte sind ein Armband, ein Anhänger oder eine Schnur zum Bündeln von Zunder.
Gut zu wissen
Zweischäftige Schnur nach diesem Prinzip ist eine sehr alte Technik und in vielen Kulturen der Welt bekannt. Lange bevor es Fabriken gab, wurden auf diese Weise Fäden, Netze und Bindungen hergestellt. Bushcraft-Lehrbücher beschreiben sie mit verschiedenen Naturfasern.
Der eigentliche Wert dieser Übung liegt im Verständnis. Wer weiß, wie Schnur aufgebaut ist, erkennt eher, wann ein Seil verschlissen ist, warum Enden gesichert werden müssen und weshalb Knoten ein Seil schwächen. Außerdem lässt sich dieselbe Technik mit Stoffresten oder Plastikstreifen nutzen, wenn einmal keine fertige Schnur zur Hand ist – für leichte Aufgaben.
Schritt für Schritt
Fasern vorbereiten
Ein Stück Jute- oder Sisalschnur aufdröseln und die Fasern zu einem lockeren Bündel ordnen.
- 1
Fasern vorbereiten
Ein Stück Jute- oder Sisalschnur aufdröseln und die Fasern zu einem lockeren Bündel ordnen.
- 2
Bündel knicken
Das Bündel ungleich teilen (ein Strang etwas länger), in der Mitte knicken und den Knick zwischen Daumen und Zeigefinger halten.
- 3
Oberen Strang drehen
Den von dir weg liegenden Strang einige Male in eine Richtung (z. B. im Uhrzeigersinn) zwirbeln.
- 4
Gegenläufig umlegen
Den gedrehten Strang gegen die Drehrichtung über den anderen legen. Jetzt liegt der andere Strang oben – wiederholen.
- 5
Fasern ansetzen
Wenn ein Strang dünner wird, neue Fasern überlappend einlegen. Durch das ungleiche Teilen liegen die Ansätze versetzt.
- 6
Ende sichern
Das Ende mit einem Überhandknoten oder einem Takling sichern.
Häufige Fehler
- Beide Stränge in die gleiche Richtung legen
- Ansätze an gleicher Stelle
- Zu locker drehen
Kurzüberblick
Material
Jute- oder Sisalschnur (gekauft)
Aufgedröselt in lose Fasern
Geringe Festigkeit, nimmt Wasser auf und verrottet – nur für leichte Lasten und Übung.
Geeignet für
- Verständnis für den Aufbau von Seilen
- Leichte Bindungen, Anhänger, Bastelarbeiten
- Gruppen- und Kinderprogramme
Ungeeignet für
- Tragende oder sicherheitsrelevante Anwendungen
- Klettern, Sichern, Heben von Lasten
- Bestimmen und Ernten wilder Pflanzen
Voraussetzungen
- Etwas Geduld und Fingerfertigkeit
Sicherheit
- Selbstgedrehte Schnur hat eine unbekannte und meist geringe Festigkeit. Nie für Menschen, Klettern oder Lasten über Personen verwenden.
So funktioniert es
Jeder Strang wird in eine Richtung verdreht, die Stränge werden in die Gegenrichtung umeinandergelegt. Jeder Strang möchte sich aufdrehen, wird aber vom anderen daran gehindert – so stabilisiert sich die Schnur selbst. Nach diesem Prinzip sind auch gekaufte geschlagene Seile aufgebaut.
Vorteile
- Schult Verständnis für Seilaufbau
- Kaum Material nötig
- Gut mit Kindern umsetzbar
Nachteile
- Langsam
- Geringe, unbekannte Festigkeit
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Zweischäftige Schnur nach dem Reverse-Wrap-Prinzip ist eine sehr alte Technik und in vielen Kulturen verbreitet. Bushcraft-Lehrbücher beschreiben sie mit verschiedenen Naturfasern.
Dieser Eintrag übt die Technik bewusst mit gekauftem Material. Wildpflanzen zu bestimmen und zu ernten erfordert Fachwissen und ist vielerorts geregelt.
Varianten
- Mit Kunststoffstreifen
- Die gleiche Technik funktioniert mit Streifen aus Plastiktüten oder Stoff – siehe Schnur aus Textilien.
Häufige Fehler
- Beide Stränge in die gleiche Richtung legen
- Ansätze an gleicher Stelle
- Zu locker drehen
Grenzen und Risiken
- Keine Pflanzenbestimmung
- Keine Festigkeitsangaben
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Jute- oder Sisalschnur (gekauft)
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.), Paracord (Kein Kletter- oder Sicherungsseil.), Dünne Schnur (Geringe Bruchlast – nur für leichte Lasten.), Reepschnur (Für lebenssichernde Zwecke nur zertifizierte Schnur nach Ausbildung verwenden.), Band (Schlauchband) (Geknotete Bandschlingen vor jeder Verwendung prüfen.), Baumgurte (Nur innerhalb der Herstellerangaben belasten.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Ray Mears – Hodder & Stoughton (2002): Bushcraft
Herstellung von Schnur aus Fasern
Mors L. Kochanski – Lone Pine Publishing: Bushcraft: Outdoor Skills and Wilderness Survival
Schnur- und Seilherstellung