Schlitzbrille gegen Schneeblindheit: Augenschutz aus Rinde oder Karton
Auf Schnee, Gletschern und Eis kommt die Sonne zweimal: von oben und vom Boden zurück. Ohne Sonnenbrille können die Augen schon nach wenigen Stunden einen Sonnenbrand bekommen – die Schneeblindheit. Sie tut höllisch weh und kommt erst Stunden später. Ist die Sonnenbrille verloren oder kaputt, hilft eine Schlitzbrille, wie sie Menschen im hohen Norden seit Jahrtausenden tragen. Hier lernst du, sie aus Rinde, Karton oder Stoff zu bauen, richtig anzupassen und zu tragen – und warum sie nur ein Notbehelf ist.
- 15–20 Minuten

Einfach erklärt
Auf Schnee scheint die Sonne doppelt: von oben und vom weißen Boden zurück. Das ist so hell, dass die Augen einen Sonnenbrand bekommen können. Das nennt man Schneeblindheit, und es tut sehr weh.
Wer keine Sonnenbrille hat, baut sich eine Schlitzbrille: ein Streifen aus Rinde oder Karton mit zwei ganz schmalen Schlitzen vor den Augen. Durch die Schlitze kommt nur wenig Licht.
Man setzt sie auf, sobald man auf Schnee geht, auch wenn Wolken da sind. Weil man durch die Schlitze weniger sieht, geht man langsamer.
Wie es funktioniert
UV-Strahlung durchdringt auch Wolken, und frischer Schnee wirft den größten Teil davon zurück. Die Hornhaut des Auges verbrennt dann wie Haut – nur merkt man es erst Stunden später.
Ein Schlitz von 2 bis 3 Millimetern lässt nur einen kleinen Teil des Lichts durch und blockiert vor allem das Licht, das schräg von unten und von der Seite kommt. Die schwarze Innenseite verhindert, dass Licht innen spiegelt.
Worauf es ankommt
Schmale Schlitze: Lieber zu schmal anfangen und vorsichtig erweitern.
Enger Sitz: Die Brille liegt an Nase und Wangen an, damit von unten und seitlich kein Licht kommt.
Früh aufsetzen: Schutz vor dem Schmerz, nicht erst danach.
Sicherheit: darauf musst du achten
Schneeblindheit erkennen: brennende, tränende, lichtempfindliche Augen, Gefühl wie Sand. Dann ins Dunkle, Augen schließen, kühl abdecken, nicht reiben. Bessert es sich nicht oder sieht jemand schlecht, zum Arzt.
Sichtfeld: Durch die Schlitze siehst du nach unten und zur Seite wenig. In steilem Gelände, an Spalten und Abbrüchen besonders vorsichtig.
Rinde: nur von toten oder liegenden Bäumen.
Schritt für Schritt
Streifen zuschneiden
Schneide ein Stück Rinde oder Karton, etwa so breit wie zwei Finger und so lang, dass es von Schläfe zu Schläfe reicht. Leicht gebogen passt es besser ans Gesicht.
- 1
Streifen zuschneiden
Schneide ein Stück Rinde oder Karton, etwa so breit wie zwei Finger und so lang, dass es von Schläfe zu Schläfe reicht. Leicht gebogen passt es besser ans Gesicht.
- 2
Nasenkerbe schneiden
Halte den Streifen vor die Augen und markiere die Nase. Schneide unten in der Mitte eine Kerbe, damit der Streifen bequem aufliegt und unten kein Licht hereinkommt.
- 3
Schlitze schneiden
Markiere die Lage der Pupillen. Schneide vor jedem Auge einen waagrechten Schlitz, nur 2 bis 3 Millimeter hoch und etwa so breit wie das Auge. Lieber zu schmal anfangen und erweitern.
Vom Körper weg schneiden, Brille dabei nicht vor dem Gesicht halten.
- 4
Innen schwärzen
Reib die Innenseite mit Holzkohle oder Ruß schwarz. Das schluckt Licht, das sonst innen reflektiert und blendet.
- 5
Band anbringen
Bohr an beiden Enden ein kleines Loch und zieh eine Schnur oder ein Gummiband hindurch, das um den Hinterkopf läuft. Die Brille soll eng anliegen, aber nicht drücken.
- 6
Tragen und anpassen
Setz die Brille auf, bevor die Augen schmerzen – am besten gleich, wenn du auf Schnee kommst, auch bei Wolken. Siehst du zu wenig, erweitere die Schlitze ein wenig; blendet es noch, mach sie schmaler.
Häufige Fehler
- Erst bei Schmerzen an Augenschutz denken
- Bei Wolken ohne Schutz gehen
- Schlitze zu breit schneiden
- Innenseite hell lassen
- Mit der Brille schnell durch steiles Gelände gehen
Kurzüberblick
Material
Birkenrinde (von totem, abgefallenem Holz)
Ein handbreites Stück Rinde von totem Holz – oder Karton
Nie von lebenden Bäumen schälen.
Nur mit Erlaubnis des Waldbesitzers sammeln.
Zeitungspapier und Karton
Fester Karton als Ersatz für Rinde
Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.
Verliert nass fast jede Isolierwirkung.
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Reepschnur
Schnur oder Gummiband für den Hinterkopf
Für lebenssichernde Zwecke nur zertifizierte Schnur nach Ausbildung verwenden.
Durchmesser muss zum Hauptseil passen, sonst greifen Klemmknoten nicht.
Holzkohle aus dem Lagerfeuer
Zum Schwärzen der Innenseite
Ist keine Aktivkohle: Adsorptionsleistung gering und unbekannt.
Grillbriketts können Zusatzstoffe enthalten – nicht für Wasser verwenden.
Geeignet für
- Verlorene oder kaputte Sonnenbrille auf Schnee
- Gletscher, Eis, Schneefelder
- Helle Sandflächen und Wasser
Ungeeignet für
- Ersatz für eine gute Gletscherbrille, wenn du eine hast
- Schwieriges Gelände – das Sichtfeld ist eingeschränkt
- Autofahren
Voraussetzungen
- Ein Stück Rinde, Karton, Leder oder dichter Stoff
- Ein Messer
Sicherheit
- Durch die Schlitze siehst du weniger, vor allem nach unten und zur Seite. Geh langsamer, schau öfter auf den Weg und nimm die Brille in steilem Gelände, an Spalten oder Abbrüchen nur ab, wenn du stehst.
- Rinde nur von toten oder liegenden Bäumen nehmen. Von lebenden Bäumen abgeschälte Rinde schadet dem Baum und ist ohne Erlaubnis verboten.
So funktioniert es
Ein schmaler Schlitz lässt nur einen kleinen Teil des Lichts ins Auge – vor allem kaum etwas vom Licht, das schräg von unten und von der Seite vom Schnee zurückkommt. Das Auge sieht durch den Schlitz trotzdem fast scharf, ähnlich wie beim Blinzeln. Eine schwarze Innenseite schluckt Streulicht und blendet nicht. So wird die UV-Belastung stark verringert, auch ohne Glas.
Vorteile
- Aus fast allem zu bauen
- Leicht, beschlägt nicht
Nachteile
- Eingeschränktes Sichtfeld
- Nur ein Notbehelf
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Inuit, Yupik und andere Völker des Nordens schnitzen Schneebrillen seit Jahrtausenden aus Holz, Knochen oder Elfenbein. Manche waren innen geschwärzt und genau an das Gesicht ihres Trägers angepasst.
Ein Vorteil gegenüber Glas: Schlitzbrillen beschlagen nicht. Darum haben sie auch heute noch Liebhaber.
Varianten
- Aus Stoff oder Klebeband
- Ein dichter Stoffstreifen, ein Schal oder zwei Lagen Klebeband mit schmalen Schlitzen tun es auch. Klebeband kann man direkt auf eine kaputte Sonnenbrille kleben.
- Ruß unter den Augen
- Etwas Ruß unter den Augen verringert das Blenden ein wenig, ersetzt aber keinen Augenschutz.
Häufige Fehler
- Erst bei Schmerzen an Augenschutz denken
- Bei Wolken ohne Schutz gehen
- Schlitze zu breit schneiden
- Innenseite hell lassen
- Mit der Brille schnell durch steiles Gelände gehen
Grenzen und Risiken
- Kein geprüfter UV-Schutz
- Gute Gletscherbrille ist immer besser
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Birkenrinde (von totem, abgefallenem Holz)
- Trockenes Brennholz (Nur dort sammeln, wo es erlaubt ist.), Zunder (Wasserdicht verpackt mitführen.), Zunderstoff (verkohlte Baumwolle) (Trocken in einer Dose lagern.), Feinste Stahlwolle (Getrennt von Batterien lagern – Brandgefahr.), Kienspan (harzreiches Holz) (Nur totes Holz sammeln, wo erlaubt.), Kocherbrennstoff (Kartusche, Benzin, Spiritus) (Brennstoffe getrennt von Lebensmitteln und in Originalbehältern bzw. dafür vorgesehenen Flaschen lagern.), Watte mit Vaseline (Nur reine Baumwolle verwenden.), Speiseöl oder Speisefett (Talg, Schmalz) (Brennendes Fett nie mit Wasser löschen – Deckel auflegen und ersticken.), Baumharz (Fichte, Kiefer) (Harz ist brennbar und klebt heiß auf der Haut – nur langsam auf kleiner Hitze schmelzen.)
- Zeitungspapier und Karton
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.), Langhalmiges Deckmaterial (Schilf, Gras, Binsen) (Sehr leicht entzündlich – kein offenes Feuer und keine Funken in der Nähe.), Topfisolierung (Topf-Cozy, Mütze oder Fleecejacke) (Nur um einen Topf, der nicht mehr auf dem Kocher steht – Stoff fängt an der Flamme Feuer.)
- Reepschnur
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.), Paracord (Kein Kletter- oder Sicherungsseil.), Dünne Schnur (Geringe Bruchlast – nur für leichte Lasten.), Band (Schlauchband) (Geknotete Bandschlingen vor jeder Verwendung prüfen.), Jute- oder Sisalschnur (gekauft) (Geringe Festigkeit, nimmt Wasser auf und verrottet – nur für leichte Lasten und Übung.), Baumgurte (Nur innerhalb der Herstellerangaben belasten.), Monofile Angelschnur (Schnurreste nie liegen lassen: Vögel und andere Tiere verfangen sich darin und sterben qualvoll. Reste aufwickeln und mitnehmen.), Dünner, weicher Draht (Messing- oder verzinkter Stahldraht) (Drahtenden sind spitz – beim Biegen Augen und Finger schützen), Abschleppseil oder Abschleppgurt (Nur an den vom Hersteller vorgesehenen Abschleppösen befestigen; unter Last niemals daneben stehen.)
- Holzkohle aus dem Lagerfeuer
- Baumwolltuch / T-Shirt (Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.), Kaffeefilter (Keine Entkeimung.), Kies
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen (2)
- World Health Organization (with WMO, UNEP and ICNIRP) (2002): Global Solar UV Index: A Practical Guide · Schnee wirft bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung zurück; Augenschutz mit Seitenschutz auf Schnee
- Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival · Behelfsmäßiger Augenschutz gegen Schneeblindheit























