Familien-Notfallplan erstellen
Ein Notfallplan legt fest, wie die Familie gewarnt wird, wo man sich trifft, wen man kontaktiert und wer wen abholt. Zwei Treffpunkte – einer nahe der Wohnung, einer außerhalb des Viertels –, eine Kontaktperson außerhalb der Region und eine Kontaktkarte für alle sind der Kern.
- Familiengespräch ca. 1 Stunde; jährlich auffrischen und üben

Einfach erklärt
Ein Notfallplan ist eine Abmachung, die die ganze Familie kennt, bevor etwas passiert. Darin steht zum Beispiel: Wo treffen wir uns, wenn wir nicht nach Hause können? Wen rufen wir an? Wer holt die kleine Schwester vom Kindergarten ab?
Das ist ein bisschen wie beim Fußball: Jede Spielerin und jeder Spieler weiß vorher, wo der eigene Platz ist. Wenn dann der Ball kommt, muss niemand lange überlegen. Auch wenn Telefone nicht durchkommen, weil alle gleichzeitig anrufen, weiß trotzdem jeder, was zu tun ist.
Das Wichtigste: Wenn es gefährlich ist, bringst du dich zuerst selbst in Sicherheit und wählst den Notruf (112 in der EU). Du gehst nie in eine Gefahr hinein, nur um den Treffpunkt zu erreichen.
Wie es funktioniert
Notfälle halten sich nicht an den Familienkalender. Oft ist ein Elternteil bei der Arbeit, das andere unterwegs, die Kinder sind in Schule oder Kita. Gleichzeitig versuchen in einer Krise viele Menschen, ihre Angehörigen zu erreichen, und die Telefonnetze sind überlastet. Ohne Absprache suchen dann alle nacheinander – mit Sorge, Umwegen und manchmal gefährlichen Fahrten.
Ein Plan löst dieses Problem im Voraus. Er legt fest, wie ihr gewarnt werdet, wo ihr euch trefft, bei wem sich alle melden und wer welche Aufgabe übernimmt. Gute Pläne sind kurz, stehen auf Papier, sind allen bekannt und wurden mindestens einmal ausprobiert. Ein Plan, der nur im Kopf einer einzigen Person existiert, ist nutzlos, wenn genau diese Person nicht erreichbar ist.
Die Bausteine eines guten Plans
Zwei Treffpunkte bilden das Herz des Plans. Der erste liegt direkt bei der Wohnung, zum Beispiel an einem bestimmten Baum oder Briefkasten – dort trefft ihr euch, wenn ihr das Haus schnell verlassen müsst, etwa bei einem Brand. Der zweite liegt außerhalb des Viertels, etwa bei Freunden oder an einem öffentlichen Ort, den alle kennen. Er ist für den Fall gedacht, dass ihr gar nicht nach Hause kommt, weil die Straße gesperrt oder das Viertel betroffen ist.
Dazu kommt eine Kontaktperson in einer anderen Region, bei der sich alle melden. Das klingt seltsam, hat aber einen Grund: Verbindungen in ein nicht betroffenes Gebiet kommen oft leichter durch als Anrufe innerhalb des Krisengebiets. Kurze Textnachrichten haben dabei oft bessere Chancen als Anrufe. Jede Person, auch Kinder, trägt eine Kontaktkarte mit den wichtigsten Nummern und den Treffpunkten bei sich – auf Papier, denn ein leeres Handy zeigt keine Nummern mehr an.
Schließlich verteilt ihr Aufgaben: Wer holt die Kinder ab? Wer schaut nach der Großmutter oder dem Nachbarn, der Hilfe braucht? Wer nimmt den Notfallrucksack und die Haustiere? Für jede Aufgabe sollte es eine Vertretung geben. Alle Erwachsenen sollten außerdem wissen, wo Haupthahn für Wasser, Gasabsperrung und Sicherungskasten sind. Abgesperrt wird nur, wenn es nötig und gefahrlos möglich ist oder die Behörden dazu auffordern.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Ein Familienplan hilft bei fast jeder Art von Notlage: Stromausfall, Unwetter, Hochwasser, Brand, Störungen im Verkehr. Er kostet kaum Geld und nimmt viel Angst, weil alle wissen, dass es eine Abmachung gibt. Wie Behörden in deiner Region warnen – über Sirenen, Radio, Warn-Apps oder Nachrichten aufs Handy – und wie Schule, Kita und Arbeitgeber im Notfall vorgehen, findest du selbst heraus. Diese Informationen gehören in den Plan.
Was der Plan nicht kann: Anweisungen von Behörden und Rettungskräften ersetzen. Wenn ein Treffpunkt im Gefahrengebiet liegt, Straßen gesperrt sind oder die Schule anordnet, dass alle im Gebäude bleiben, gelten diese Anweisungen. Der Familienplan ist dann eine Grundlage, kein Befehl. Gute Pläne haben deshalb immer eine Ausweichmöglichkeit.
Sicherheit: darauf musst du achten
Bei akuter Gefahr gilt: zuerst die eigene Sicherheit, dann der Notruf (112 in der EU), dann der Plan. Niemand soll in ein brennendes Haus, eine überflutete Straße oder ein abgesperrtes Gebiet gehen, nur um den Treffpunkt zu erreichen oder jemanden zu suchen. Wenn jemand vermisst wird, gibst du das an die Einsatzkräfte weiter – sie haben Ausrüstung und Schutz, die du nicht hast.
Auch beim Absperren von Gas oder Strom ist Vorsicht nötig. Wenn du Gas riechst, betätigst du keine Lichtschalter oder Geräte, verlässt das Haus und rufst von draußen den Notruf oder den Gasnotdienst. Arbeiten an der Elektrik überlässt du Fachleuten.
So übst du es
Setzt euch einmal im Jahr zusammen, zum Beispiel an einem ruhigen Sonntagnachmittag. Geht den Plan durch, prüft die Telefonnummern und fragt die Kinder, ob sie die Treffpunkte noch kennen. Geht den Weg zum zweiten Treffpunkt einmal gemeinsam ab, damit ihn jeder schon gesehen hat.
Kinder lernen am besten spielerisch und ohne Angst. Erkläre ruhig, dass der Plan wie ein Sicherheitsgurt ist: Man hofft, dass man ihn nie braucht, aber es ist gut, dass er da ist. Lass sie ihre eigene Kontaktkarte gestalten und frage hin und wieder nach: „Wo treffen wir uns, wenn wir nicht nach Hause können?“
Schritt für Schritt
Risiken klären
Überlegt, welche Notlagen in eurer Region wahrscheinlich sind (Hochwasser, Sturm, Hitze, Stromausfall, Erdbeben) und wie die Behörden warnen.
- 1
Risiken klären
Überlegt, welche Notlagen in eurer Region wahrscheinlich sind (Hochwasser, Sturm, Hitze, Stromausfall, Erdbeben) und wie die Behörden warnen.
- 2
Zwei Treffpunkte
Legt einen Treffpunkt direkt bei der Wohnung fest (z. B. bei Brand) und einen außerhalb des Viertels, falls ihr nicht nach Hause könnt.
- 3
Kontaktperson außerhalb
Bestimmt eine Person in einer anderen Region, bei der sich alle melden. Ferngespräche und Nachrichten kommen oft eher durch als Verbindungen innerhalb des Krisengebiets.
- 4
Kontaktkarte
Jede Person – auch Kinder – trägt eine Karte mit den wichtigsten Nummern, der Adresse und den Treffpunkten bei sich.
- 5
Aufgaben verteilen
Wer holt die Kinder ab? Wer kümmert sich um pflegebedürftige Angehörige, Nachbarn oder Haustiere? Wer nimmt den Notfallrucksack? Klärt auch eine Vertretung.
- 6
Haus kennen
Alle Erwachsenen sollten wissen, wo Haupthähne für Wasser und Gas sowie der Sicherungskasten sind. Absperren nur, wenn nötig und gefahrlos möglich bzw. wenn Behörden dazu auffordern.
- 7
Üben und auffrischen
Geht den Plan einmal im Jahr durch, aktualisiert Nummern und übt den Weg zu den Treffpunkten.
Häufige Fehler
- Plan nur im Kopf einer Person
- Nur ein Treffpunkt, der im Gefahrengebiet liegen kann
- Kontaktperson in derselben Stadt
- Kinder nicht einbeziehen
- Plan nie aktualisieren
Kurzüberblick
Material
Dokumentenmappe (wasserdicht)
Plan und Kontaktliste darin aufbewahren
Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.
Geeignet für
- Alle Haushalte
- Familien, die tagsüber an verschiedenen Orten sind
- Haushalte mit pflegebedürftigen Angehörigen
Ungeeignet für
- Ersatz für Anweisungen von Behörden oder Rettungskräften in der akuten Lage
Voraussetzungen
- Alle Haushaltsmitglieder einbeziehen, Kinder altersgerecht
- Wissen über Notfallregelungen von Schule, Kita, Arbeitsplatz und Pflegeeinrichtung
Sicherheit
- Anweisungen der Behörden haben Vorrang vor dem Familienplan – etwa wenn Treffpunkte im Gefahrengebiet liegen oder Straßen gesperrt sind.
So funktioniert es
In Krisen sind Familien oft getrennt: bei der Arbeit, in der Schule, unterwegs. Wenn Telefonnetze überlastet sind, verhindern vorher getroffene Absprachen, dass alle sich gegenseitig suchen. Ein guter Plan ist kurz, schriftlich, allen bekannt und geübt.
Vorteile
- Kaum Kosten
- Verringert Angst und Chaos
- Hilft in jeder Art von Notlage
Nachteile
- Muss geübt und aktualisiert werden, sonst wird er vergessen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Ready.gov empfiehlt in „Make A Plan“, einen schriftlichen Familienplan mit Treffpunkten, einer Kontaktperson außerhalb der Region und Notfallkontakten zu erstellen und dabei die besonderen Bedürfnisse aller Haushaltsmitglieder – Alter, Gesundheit, Haustiere – zu berücksichtigen. Auch das BBK rät, Absprachen innerhalb der Familie vorab zu treffen.
Wie Behörden warnen und wie Schulen und Kitas im Notfall verfahren, ist regional verschieden. Diese Informationen gehören in den Plan.
Varianten
- Pflegebedürftige Angehörige
- Für Menschen mit Pflegebedarf, Mobilitätseinschränkungen oder strombetriebenen Hilfsmitteln den Plan mit Pflegedienst, Arzt und Nachbarn abstimmen. Ein Unterstützungsnetz aus mehreren Personen ist robuster als eine einzelne Person.
Häufige Fehler
- Plan nur im Kopf einer Person
- Nur ein Treffpunkt, der im Gefahrengebiet liegen kann
- Kontaktperson in derselben Stadt
- Kinder nicht einbeziehen
- Plan nie aktualisieren
Grenzen und Risiken
- Regionale Warnsysteme und Notfallregelungen von Einrichtungen müssen selbst ermittelt werden
- Kein Ersatz für behördliche Anweisungen
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Dokumentenmappe (wasserdicht)
- Tarp / Plane, Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make A Plan
Familienplan, Treffpunkte, Kontaktperson außerhalb der Region, besondere Bedürfnisse
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
Absprachen in der Familie als Teil der Notfallvorsorge