Vorsorge mit Kindern und Haustieren
Kinder und Haustiere sind in Notlagen auf andere angewiesen. Kinder sollten altersgerecht wissen, was im Notfall passiert, wie sie den Notruf wählen und wo sie sich treffen. Für Haustiere gehören Futter, Wasser, Transportbox, Leine, Kennzeichnung und Impfnachweis in die Vorsorge – und die Frage, wo sie bei einer Evakuierung unterkommen.
- Einige Gespräche und ca. 1 Stunde Vorbereitung

Einfach erklärt
Kinder und Haustiere können in einem Notfall nicht alles allein schaffen. Sie brauchen Erwachsene, die vorher an sie gedacht haben. Für dich als Kind heißt das: Du darfst wissen, was in einem Notfall passiert, wo ihr euch trefft und wie man den Notruf wählt (112 in der EU).
Für Haustiere gibt es eine eigene kleine Notfallkiste mit Futter, Wasser, Leine oder Transportbox und dem Impfpass. Denn auch dein Hund oder deine Katze muss mit, wenn die Familie das Haus verlassen muss.
Das Wichtigste: Niemand geht zurück in eine Gefahr, um ein Tier zu holen. Lieber früh mit dem Tier losgehen – und wenn es doch zurückbleibt, sagt man es den Rettungskräften. Und Kinder oder Tiere bleiben nie allein im geparkten Auto, weil es dort sehr schnell gefährlich heiß werden kann.
Wie es funktioniert
Kinder kommen mit schwierigen Situationen besser zurecht, wenn sie vorbereitet sind. Wer weiß, was passiert, eine kleine Aufgabe hat und etwas Vertrautes bei sich trägt, fühlt sich weniger hilflos. Ruhige, ehrliche Erklärungen helfen dabei mehr als Schweigen – Kinder spüren ohnehin, wenn Erwachsene besorgt sind, und füllen Lücken sonst mit eigenen, oft schlimmeren Vorstellungen.
Haustiere werden in Notfallplänen oft vergessen. Das ist gefährlich, weil Menschen sich ihretwegen in Gefahr bringen: Sie bleiben zu lange im Haus, weil die Katze sich versteckt, oder kehren in ein gesperrtes Gebiet zurück, um den Hund zu holen. Eine Lösung für die Tiere gehört deshalb von Anfang an in den Familienplan.
Mit Kindern sprechen und üben
Sprich in einem ruhigen Moment und in Worten, die zum Alter passen. Kleinen Kindern reicht oft: „Manchmal passiert etwas, dann muss man schnell aus dem Haus. Wir haben einen Plan, und du weißt, wo wir uns treffen.“ Ältere Kinder können mehr verstehen und mehr übernehmen, etwa ihren eigenen Rucksack packen oder die Kontaktkarte selbst schreiben.
Bring Kindern früh bei, wie man den Notruf wählt und was man sagt: wer man ist, wo man ist und was passiert ist. Übt es als Rollenspiel mit einem ausgeschalteten Telefon, nicht mit einem echten Anruf. Jedes Kind sollte eine Karte mit den Namen der Eltern, Telefonnummern, der Kontaktperson und dem Treffpunkt bei sich haben – am besten so verstaut, dass Fremde sie nicht auf den ersten Blick lesen können.
Informiere dich, wie Schule und Kita im Notfall vorgehen und wer die Kinder abholen darf. Hinterlege dort zusätzliche vertraute Personen, falls du selbst nicht durchkommst, und sage deinem Kind, wer vielleicht kommen wird.
Ausrüstung und Material
Für Kinder kommen Dinge in den Vorrat und den Notfallrucksack, die ihnen Halt geben: ein Kuscheltier, ein Buch, ein kleines Spiel, vertraute Snacks und passende Wechselkleidung. Für Babys gehören Nahrung, Fläschchen, Windeln und Wärme dazu. Welche Nahrung und welche Medikamente für dein Kind passen, besprichst du mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder der Hebamme.
Für Haustiere packst du ein eigenes Set: Futter und Wasser für einige Tage, Näpfe, Leine oder Transportbox, nötige Medikamente, den Impfnachweis und ein aktuelles Foto des Tiers. Ein Halsband mit Kontaktdaten und, wo das üblich ist, ein Mikrochip mit aktueller Registrierung helfen, ein entlaufenes Tier wiederzufinden. Wichtig: Der Chip selbst trägt nur eine Nummer – ob er hilft, hängt davon ab, ob deine Kontaktdaten in der Registrierung stimmen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Kinder und Tiere bleiben nie allein im geparkten Auto. Schon bei mildem Wetter kann es im Inneren durch die Sonne schnell sehr heiß werden, auch wenn ein Fenster einen Spalt offen ist. Für Kinder und Tiere kann das lebensgefährlich sein.
Kehre nie in ein Gefahrengebiet zurück, um ein Tier zu holen. Nimm Haustiere frühzeitig mit, wenn sich eine Evakuierung abzeichnet, und informiere die Rettungskräfte, wenn doch ein Tier zurückbleiben musste. Gestresste Tiere können beißen oder weglaufen; halte sie in fremder Umgebung an der Leine oder in der Box und lass Kinder nicht allein mit einem aufgeregten Tier.
Gut zu wissen
Nicht alle Notunterkünfte nehmen Tiere auf, und die Regeln unterscheiden sich je nach Land und Gemeinde. Kläre deshalb vorher, wo dein Tier unterkommen kann: bei Verwandten oder Freunden außerhalb der Region, in tierfreundlichen Unterkünften oder in einer Tierpension. Deine Gemeinde und örtliche Tierschutzorganisationen können Auskunft geben.
Für Nutztiere und große Tiere wie Pferde gelten eigene Vorsorgepläne und Behördenhinweise. Sie brauchen viel mehr Vorlauf, Transportmöglichkeiten und Zielorte, als sich in einer akuten Lage organisieren lassen.
Schritt für Schritt
Altersgerecht sprechen
Erkläre ruhig, was ein Notfall ist und dass die Familie einen Plan hat. Beziehe Kinder in das Packen ihres Rucksacks ein.
- 1
Altersgerecht sprechen
Erkläre ruhig, was ein Notfall ist und dass die Familie einen Plan hat. Beziehe Kinder in das Packen ihres Rucksacks ein.
- 2
Kontaktkarte für Kinder
Gib Kindern eine Karte mit Namen, Adresse, Telefonnummern der Eltern und der Kontaktperson sowie dem Treffpunkt.
- 3
Schule und Kita
Erkundige dich, wie Schule und Kita im Notfall verfahren und wer die Kinder abholen darf. Hinterlege dort zusätzliche abholberechtigte Personen.
- 4
Vertrautes einpacken
Kuscheltier, Buch oder Spiel und vertraute Snacks helfen Kindern in einer Notunterkunft. Bei Säuglingen: Nahrung, Fläschchen, Windeln für einige Tage.
- 5
Notfallset für Haustiere
Futter und Wasser für einige Tage, Näpfe, Leine oder Transportbox, Medikamente, Impfnachweis und ein aktuelles Foto des Tiers.
- 6
Tiere kennzeichnen
Halsband mit Kontaktdaten und, wo üblich, Mikrochip mit aktueller Registrierung helfen, entlaufene Tiere wiederzufinden.
- 7
Unterkunft für Tiere klären
Nicht alle Notunterkünfte nehmen Tiere auf. Kläre vorher, ob Verwandte, Freunde, tierfreundliche Unterkünfte oder Tierpensionen außerhalb der Region infrage kommen.
Häufige Fehler
- Kinder nicht in den Plan einweihen
- Abholregelungen der Schule nicht kennen
- Haustiere in der Planung vergessen
- Tiere ohne Kennzeichnung
- Erst während der Evakuierung nach einer Unterkunft für Tiere suchen
Kurzüberblick
Material
Haustierbedarf für den Notfall
Haltbare Lebensmittel
Auch Babynahrung und vertraute Snacks
Möglichst ohne Kochen essbare Lebensmittel wählen; Allergien und Ernährungsbedürfnisse beachten; Dosenöffner nicht vergessen.
Hygieneartikel
Windeln, Feuchttücher
Geeignet für
- Familien mit Säuglingen und Kindern
- Haushalte mit Hunden, Katzen und Kleintieren
Ungeeignet für
- Nutztier- und Großtierhaltung – dafür gelten eigene Vorsorgepläne und Behördenhinweise
Voraussetzungen
- Familien-Notfallplan
- Notfallregelungen von Schule und Kita kennen
Sicherheit
- Kinder früh lernen lassen, wie man den Notruf wählt (in der EU 112) und die eigene Adresse nennt.
- Nicht in Gefahrengebiete zurückkehren, um Tiere zu holen. Haustiere frühzeitig mitnehmen, wenn eine Evakuierung absehbar ist, und Rettungskräfte über zurückgebliebene Tiere informieren.
So funktioniert es
Kinder kommen mit Notlagen besser zurecht, wenn sie vorbereitet sind, Aufgaben haben und vertraute Dinge bei sich tragen. Ruhige, ehrliche Erklärungen helfen mehr als Verschweigen. Haustiere werden in der Planung oft vergessen, obwohl Menschen sich ihretwegen in Gefahr bringen; eine Lösung für sie gehört deshalb von Anfang an in den Plan.
Vorteile
- Kinder fühlen sich sicherer
- Weniger riskante Rückkehr wegen Tieren
- Schnellere Familienzusammenführung
Nachteile
- Zusätzlicher Vorrat und Planungsaufwand
- Gespräche können Kinder kurzfristig beunruhigen, wenn sie nicht ruhig geführt werden
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Ready.gov empfiehlt, die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Haustieren in den Familienplan aufzunehmen, und rät, Haustiere bei einer Evakuierung mitzunehmen und vorab eine Unterkunft für sie zu klären. Das BBK empfiehlt ebenfalls, im Vorrat Haustiere und Kinder zu berücksichtigen.
Regeln zu Tieren in Notunterkünften, zur Kennzeichnungspflicht und zur Registrierung unterscheiden sich je nach Land und Gemeinde. Die örtlichen Behörden und Tierschutzorganisationen geben dazu Auskunft.
Varianten
- Säuglinge
- Für Säuglinge an Nahrung, sauberes Wasser zur Zubereitung, Fläschchen, Windeln und Wärme denken. Fragen zu Ernährung und Gesundheit mit Kinderarzt oder Hebamme klären.
Häufige Fehler
- Kinder nicht in den Plan einweihen
- Abholregelungen der Schule nicht kennen
- Haustiere in der Planung vergessen
- Tiere ohne Kennzeichnung
- Erst während der Evakuierung nach einer Unterkunft für Tiere suchen
Grenzen und Risiken
- Keine kinderärztlichen oder tierärztlichen Ratschläge
- Regeln zu Tieren in Notunterkünften regional verschieden
Quellen
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make A Plan
Besondere Bedürfnisse von Kindern und Haustieren im Familienplan
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Pets and animals – disaster preparedness guidance
Notfallset, Kennzeichnung und Unterkunft für Haustiere
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
Kinder und Haustiere in der Vorratsplanung