Schuhe auswählen und einlaufen
Gute Wanderschuhe passen zum Fuß, zum Gelände und zur Last. Anprobiert wird am Nachmittag mit Tourensocken; die Zehen dürfen bergab nicht vorne anstoßen. Neue Schuhe werden vor einer langen Tour schrittweise eingelaufen. Blasen entstehen durch Reibung – früh reagieren statt durchbeißen.
- Anprobe 1 Stunde, Einlaufen über einige Wochen

Einfach erklärt
Deine Füße tragen dich den ganzen Tag. Gute Schuhe passen zu deinem Fuß, zum Weg und zum Gewicht, das du trägst. Probier Schuhe am Nachmittag an, denn im Laufe des Tages werden die Füße etwas dicker. Zieh dabei die Socken an, die du auch auf der Tour trägst. Wenn du bergab gehst, dürfen die Zehen vorne nicht anstoßen, und die Ferse soll nicht rutschen.
Neue Schuhe sind wie ein neuer Rucksack: Sie müssen sich erst an dich gewöhnen und du dich an sie. Darum trägst du sie zuerst im Alltag und auf kurzen Wegen, bevor du eine lange Tour machst.
Blasen entstehen, wenn Haut immer wieder reibt. Kurz vorher spürst du eine warme, brennende Stelle. Das ist wie ein Rauchmelder für deine Füße: Bleib sofort stehen, richte die Socken und schütze die Stelle mit einem Pflaster oder Tape.
Wie Blasen entstehen
Eine Blase entsteht, wenn die Haut immer wieder an der Socke oder am Schuh reibt. Die oberen Hautschichten verschieben sich gegen die tieferen, bis sie sich voneinander lösen und sich der Raum dazwischen mit Flüssigkeit füllt. Feuchtigkeit macht die Haut weicher und empfindlicher, Wärme verstärkt den Effekt. Deshalb entstehen Blasen besonders an langen, warmen Tagen und mit nassen Füßen.
Vor der Blase kommt fast immer ein Warnsignal: eine warme, brennende oder gerötete Stelle, oft „Hotspot“ genannt. Wer jetzt anhält und reagiert, kann die Blase meist noch verhindern. Wer weitergeht und „durchbeißt“, hat ein paar Stunden später oft eine schmerzhafte Blase, die den Rest der Tour beeinträchtigt.
Gegen Reibung helfen ein Schuh, dessen Form zu deinem Fuß passt, ein fester Sitz der Ferse, gut sitzende Socken ohne Falten und möglichst trockene Füße. Beim Einlaufen zeigen sich Druckstellen, bevor sie auf einer langen Tour zum Problem werden.
Den richtigen Schuh finden
Zuerst kommt der Typ: Leichte Wanderschuhe reichen für gute Wege. Knöchelhohe Schuhe mit festerer Sohle sind für unebenes Gelände und schweres Gepäck gedacht. Steigeisenfeste Bergschuhe mit sehr steifer Sohle braucht man nur für Hochtouren. Leichte Trailschuhe trocknen schnell, bieten unter schwerer Last aber weniger Schutz und Halt.
Bei der Anprobe zählen Details. Probiere am Nachmittag, mit den Socken für die Tour, und immer beide Füße – viele Menschen haben zwei unterschiedlich große Füße, und der größere entscheidet. Geh im Laden auf einer Schräge bergab: Die Zehen dürfen vorne nicht anstoßen. Geh bergauf: Die Ferse soll sich nicht deutlich heben. Achte auch auf die Breite: Drückt es seitlich am Ballen oder am kleinen Zeh, wird das auf langen Strecken nicht besser.
Jeder Hersteller baut seine Schuhe über eine eigene Form, den sogenannten Leisten. Deshalb kann dieselbe Größe bei verschiedenen Marken ganz unterschiedlich sitzen. Lass dir Zeit, probiere mehrere Modelle und kaufe Schuhe nicht zu klein – eine der häufigsten Ursachen für blaue Zehennägel und Schmerzen beim Bergabgehen.
Einlaufen und Schnüren
Neue Schuhe trägst du zuerst im Alltag, dann auf kurzen Spaziergängen und schließlich auf längeren Touren, auch mit Rucksack. Steigere Dauer und Last Schritt für Schritt. Moderne Schuhe brauchen oft weniger Einlaufzeit als früher reine Lederstiefel, aber auch sie zeigen erst beim Gehen, wo sie drücken. Eine lange Tour mit nagelneuen Schuhen ist ein unnötiges Risiko.
Die Schnürung ist ein unterschätztes Werkzeug. Am Rist – dem oberen Teil des Fußes – sollte sie fest genug sein, damit der Fuß bergab nicht nach vorn rutscht. Drückt es an einer bestimmten Stelle, kannst du dort einen Haken oder eine Öse auslassen, um den Druck zu verringern. Vor einem langen Abstieg lohnt es sich, die Schnürung nachzuziehen; bergauf darf sie etwas lockerer sein.
Auch die Socken gehören zum System. Sie sollten gut sitzen, keine Falten werfen und Feuchtigkeit von der Haut wegleiten. Baumwollsocken saugen sich voll und bleiben nass, was auf langen Touren Blasen begünstigt. Ein Ersatzpaar trocken verpackt im Rucksack ist Gold wert.
Fußpflege unterwegs
Die Pflege auf Tour ist genauso wichtig wie der Schuh selbst. Kürze die Zehennägel ein paar Tage vor der Tour, damit sie bergab nicht vorne anstoßen. Zieh in längeren Pausen Schuhe und Socken aus, damit die Füße trocknen und abkühlen. Wechsle nasse Socken gegen trockene, sobald es geht.
Bei der ersten Reibungsstelle hältst du sofort an, auch wenn es gerade unpassend ist. Richte die Socken, entferne Steinchen oder Sand aus dem Schuh und schütze die Stelle mit Tape oder einem Blasenpflaster. Das dauert ein paar Minuten und spart dir oft Tage voller Schmerzen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Offene oder aufgegangene Blasen hältst du sauber und bedeckt. Werden sie rot, schwellen an, werden warm, eitern oder bekommst du Fieber, kann das eine Entzündung sein – dann suchst du ärztliche Hilfe. Wer Fußprobleme hat oder eine Erkrankung, die das Gefühl in den Füßen verringert, prüft seine Füße besonders sorgfältig und lässt sich ärztlich oder orthopädisch beraten.
Feste, knöchelhohe Schuhe geben im Gelände mehr Halt und Schutz, ersetzen aber keine aufmerksame Trittwahl. Auf rutschigem oder steilem Untergrund hilft langsames Gehen mehr als jeder Schuh. Bei Kälte und Nässe sind trockene, warme Füße auch ein Schutz vor Kälteschäden: Nasse Socken wechseln und die Füße nicht stundenlang in nassen Schuhen auskühlen lassen.
Schritt für Schritt
Schuhtyp wählen
Leichte Wanderschuhe für Wege, knöchelhohe Schuhe mit festerer Sohle für Gelände und Gepäck, steigeisenfeste Bergschuhe nur für Hochtouren.
- 1
Schuhtyp wählen
Leichte Wanderschuhe für Wege, knöchelhohe Schuhe mit festerer Sohle für Gelände und Gepäck, steigeisenfeste Bergschuhe nur für Hochtouren.
- 2
Anprobieren
Nachmittags, mit Tourensocken, beide Füße. Auf einer Rampe bergab gehen: Die Zehen dürfen nicht anstoßen, die Ferse soll nicht rutschen.
- 3
Schnüren
Am Rist fest genug, damit der Fuß nicht nach vorn rutscht; Druckstellen durch Auslassen einzelner Haken entlasten.
- 4
Einlaufen
Im Alltag und auf kurzen Touren tragen, Dauer und Last schrittweise steigern.
- 5
Frühzeichen beachten
Bei ersten Reibungsstellen sofort anhalten, Socken richten, Stelle mit Tape oder Blasenpflaster schützen.
Häufige Fehler
- Neue Schuhe direkt auf langer Tour
- Zu kleine Schuhe kaufen
- Baumwollsocken auf langen Touren
- Reibungsstellen ignorieren
Kurzüberblick
Material
Feste, geschlossene Schuhe
Geeignet für
- Neukauf
- Wechsel zu schwererem Gelände
- Wiederkehrende Blasen
Ungeeignet für
- Medizinische Fußprobleme – ärztlich oder orthopädisch abklären
Voraussetzungen
- Die Socken, die auf Tour getragen werden
- Zeit vor der geplanten Tour
Sicherheit
- Offene, entzündete Blasen sauber halten; bei Rötung, Schwellung oder Fieber ärztliche Hilfe suchen.
So funktioniert es
Blasen entstehen, wenn Haut wiederholt gegen Socke und Schuh reibt. Ein passender Leisten, fester Fersensitz und trockene Socken verringern diese Reibung. Beim Einlaufen passen sich Material und Fuß einander an, und Druckstellen zeigen sich, bevor sie auf Tour zum Problem werden.
Vorteile
- Weniger Blasen und Verletzungen
- Mehr Trittsicherheit
Nachteile
- Gute Passform braucht Zeit beim Kauf
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Bergsteigerhandbücher betonen Passform, Gelände und Gewicht als Kriterien für Schuhwerk und empfehlen, Schuhe vor Touren einzulaufen. Moderne Schuhe brauchen oft weniger Einlaufzeit als früher reine Lederstiefel.
Die Fußpflege auf Tour – trockene Socken, früh reagieren – ist ebenso wichtig wie der Schuh selbst.
Varianten
- Leichte Trailschuhe
- Leicht und schnell trocknend, aber weniger Schutz und Stabilität unter schwerer Last.
Häufige Fehler
- Neue Schuhe direkt auf langer Tour
- Zu kleine Schuhe kaufen
- Baumwollsocken auf langen Touren
- Reibungsstellen ignorieren
Grenzen und Risiken
- Keine Produktempfehlungen
- Keine Behandlung von Fußverletzungen
Quellen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Schuhwahl, Passform, Einlaufen und Fußpflege