Improvisiert tragen: Beutel aus einem Hemd, Deckenrolle
Wenn ein Rucksack fehlt oder kaputt ist, lassen sich Dinge mit Alltagsgegenständen tragen: Ein T-Shirt oder Hemd wird mit zugebundenen Ärmeln und Saum zum Beutel, eine Decke oder Plane mit zwei Schnüren zur Rolle über der Schulter. Das trägt leichte bis mittlere Lasten über kurze Strecken – für schwere Lasten und lange Wege bleibt ein richtiger Rucksack unersetzlich.
- 5–10 Minuten

Einfach erklärt
Was machst du, wenn du viele Dinge tragen musst, aber keine Tasche hast? Schau dir ein T-Shirt an: Es ist eigentlich schon fast ein Beutel. Unten ist eine große Öffnung, oben das Halsloch, an den Seiten zwei Ärmel. Bindest du die untere Öffnung zu, ist der Boden dicht. Füllst du es durch das Halsloch und knotest die Ärmel zusammen, hast du einen Henkel.
Mit einer Decke oder Plane geht es noch anders: Du legst die Sachen an eine Kante, rollst alles fest auf wie einen Schlafsack, bindest beide Enden zu und hängst dir die Rolle mit einer Schnur schräg über die Schulter. So verteilt sich das Gewicht über deinen Rücken.
Zwei wichtige Regeln: Nimm kein Kleidungsstück, das du gerade zum Warmhalten brauchst. Und lege Schnüre nie um den Hals, sondern immer über eine Schulter und quer über die Brust.
Wie es funktioniert
Jeder Behälter braucht zwei Dinge: eine geschlossene Unterseite, damit nichts herausfällt, und eine Möglichkeit, ihn zu greifen oder umzuhängen. Ein Hemd oder T-Shirt bringt beides fast schon mit. Der zugebundene Saum wird zum Boden, die Ärmel werden zu Henkeln, und das Halsloch ist die Öffnung zum Befüllen.
Die Deckenrolle funktioniert nach einem anderen Prinzip. Durch das feste Aufrollen werden die Gegenstände eingeschlossen und können nicht verrutschen. Wird die Rolle schräg über den Oberkörper getragen, liegt das Gewicht nah am Körper und über eine lange Strecke verteilt – ähnlich wie bei einem Rucksack, nur einfacher. Lasten nah am Körper sind leichter zu tragen, weil sie dich weniger aus dem Gleichgewicht ziehen.
Das klassische Tuchbündel ist noch älter: Ein großes, quadratisches Tuch wird um den Inhalt geschlagen, und die gegenüberliegenden Ecken werden verknotet. Ein Kreuzknoten (auch Reffknoten genannt) eignet sich dafür gut, weil er flach liegt und sich wieder lösen lässt.
Worauf es ankommt
Weniger ist mehr: Stoff ist nicht für schwere Lasten gemacht. Ein überladenes T-Shirt reißt an den Nähten oder am Saumknoten. Verteile Gewicht lieber auf zwei Bündel oder trage schwere Dinge in den Händen. Harte und spitze Gegenstände gehören nach innen, sodass sie weder den Stoff durchstoßen noch dir in den Rücken drücken.
Bei der Deckenrolle entscheidet die Festigkeit: Locker gerollte Decken hängen durch und schaukeln bei jedem Schritt. Rolle so fest du kannst, schlage die Enden ein und binde sie gut ab. Geh nach dem Packen ein paar Schritte und binde nach, wenn etwas rutscht.
Dünne Schnüre schneiden in die Schulter ein. Lege ein gefaltetes Tuch, Handschuhe oder eine Mütze als Polster darunter. Wechsle bei längeren Strecken die Schulter, damit sich die Muskeln erholen können.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Improvisiertes Tragen hilft bei kurzen Wegen mit leichten bis mittleren Lasten: wenn eine Tasche gerissen ist, wenn du in einer Evakuierung zusätzliche Dinge mitnehmen musst oder wenn du im Lager Holz, Zapfen oder Kleinkram sammelst. Ein Vorteil: Hinterher wird das Bündel wieder zu Kleidung oder Decke.
Für schwere Lasten und lange Strecken ist es keine gute Lösung. Ohne Hüftgurt und gepolsterte Träger drückt das Gewicht auf wenige Stellen, und das wird schnell schmerzhaft. Für eine Evakuierung ist ein vorbereiteter Notfallrucksack immer besser als jede Improvisation.
Diese Technik ist ausdrücklich nicht für das Tragen von verletzten Menschen gedacht. Verletzte werden nur bewegt, wenn sie an ihrem Ort in unmittelbarer Gefahr sind. Sonst gilt: die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112), bei der Person bleiben und auf Hilfe warten.
Sicherheit: darauf musst du achten
Bei Kälte geht Wärme vor. Ein Pullover, der als Beutel dient, wärmt dich nicht mehr. Schon kühle, windige oder nasse Bedingungen können auskühlen, auch wenn es nicht friert. Nimm deshalb für Beutel nur Kleidung, die du gerade wirklich übrig hast, oder ein Tuch, ein Laken, einen Kissenbezug.
Schnüre gehören nie um den Hals. Bleibt ein Bündel irgendwo hängen oder fällt jemand hin, kann eine Schnur am Hals gefährlich werden. Führe Tragegurte immer über eine Schulter und quer über den Oberkörper, sodass sie bei Bedarf schnell abgestreift werden können. Bei Kindern achtest du besonders darauf.
Achte auch auf deinen Rücken: Hebe Bündel aus den Knien, nicht mit krummem Rücken, und trage lieber zweimal als einmal zu schwer.
Gut zu wissen
Die Deckenrolle über der Schulter ist eine sehr alte Trageform. Soldaten, Wanderarbeiter und Reisende trugen ihr Hab und Gut lange so, bevor moderne Rucksäcke verbreitet waren. Auch militärische Überlebenshandbücher beschreiben improvisierte Tragesysteme aus Decke oder Plane.
Probiere es einmal zu Hause aus: Mach aus einem alten T-Shirt einen Beutel und aus einer Decke eine Rolle, und trag sie eine Runde durch die Wohnung oder den Garten. Du merkst schnell, wie viel in ein Bündel passt, welche Knoten halten und wo es drückt. Im Ernstfall musst du dann nicht mehr nachdenken.
Schritt für Schritt
Hemd: Saum schließen
Lege das T-Shirt flach hin. Binde den unteren Saum zu – entweder mit einer Schnur oder indem du den Stoff an zwei Stellen zu Zipfeln einschneidest bzw. zusammenfasst und verknotest.
- 1
Hemd: Saum schließen
Lege das T-Shirt flach hin. Binde den unteren Saum zu – entweder mit einer Schnur oder indem du den Stoff an zwei Stellen zu Zipfeln einschneidest bzw. zusammenfasst und verknotest.
- 2
Hemd: Ärmel als Griff
Fülle den Beutel durch die Halsöffnung und binde die beiden Ärmel miteinander zu einem Griff zusammen.
- 3
Deckenrolle: auslegen
Decke oder Plane flach ausbreiten, Gegenstände gleichmäßig an einer langen Kante verteilen, harte Kanten nach innen.
- 4
Deckenrolle: rollen und binden
Fest aufrollen, Enden einschlagen und die Rolle an beiden Enden mit Schnur abbinden. Die Enden mit einer weiteren Schnur verbinden und quer über den Oberkörper tragen.
- 5
Last prüfen
Einige Schritte gehen und nachbinden. Nichts Schweres oder Spitzes an den Körper drücken lassen.
Häufige Fehler
- Zu schwer beladen – Stoff reißt
- Spitze Gegenstände nach außen
- Wärmende Kleidung opfern
- Schnüre schneiden in die Schulter ein
Kurzüberblick
Material
Baumwolltuch / T-Shirt
T-Shirt, Hemd oder großes Tuch
Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.
Wolldecke / Bettdecke
Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.
Tarp / Plane
Paracord
Kein Kletter- oder Sicherungsseil.
Geeignet für
- Kurze Wege mit leichten Lasten
- Evakuierung, wenn Taschen fehlen
- Sammeln von Material im Lager
Ungeeignet für
- Schwere Lasten über weite Strecken
- Tragen von Verletzten
Voraussetzungen
- Ein paar einfache Knoten, z. B. Kreuzknoten
- Ein Kleidungsstück oder Tuch, das du gerade nicht zum Wärmen brauchst
Sicherheit
- Kein Kleidungsstück zum Tragen verwenden, das du für die Wärme brauchst. Bei Kälte geht Wärmeschutz vor.
- Schnüre nicht um den Hals legen. Tragegurte über die Schulter und quer über den Oberkörper führen.
So funktioniert es
Ein Beutel braucht eine geschlossene Unterseite und eine Möglichkeit zum Greifen oder Umhängen. Ein Hemd hat beides schon fast: Wird der Saum zugebunden, ist der Boden dicht; die Ärmel werden zu Griffen. Eine Rolle aus Decke oder Plane verteilt das Gewicht entlang des Rückens und lässt sich mit Schnur schräg über die Schulter tragen.
Vorteile
- Kein Spezialmaterial nötig
- Schnell gemacht
- Lässt sich wieder in Kleidung oder Decke zurückverwandeln
Nachteile
- Unbequem bei längeren Strecken
- Begrenzte Last
- Nicht wasserdicht
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das Handbuch FM 3-05.70 beschreibt improvisierte Tragesysteme, darunter die aus Decke oder Plane gerollte Trageform. Solche Lösungen sind seit Langem bekannt und bewährt, aber nur für begrenzte Lasten geeignet.
In einer Evakuierung ist das vorbereitete Notfallgepäck die bessere Lösung. Die Improvisation hilft, wenn Gepäck verloren geht oder zusätzliche Dinge mitgenommen werden müssen.
Varianten
- Tuchbündel
- Ein großes quadratisches Tuch diagonal über den Inhalt falten und die gegenüberliegenden Ecken verknoten – die klassische Bündelform.
- Polsterung
- Unter Schnüren auf der Schulter ein gefaltetes Tuch oder Handschuhe als Polster legen.
Häufige Fehler
- Zu schwer beladen – Stoff reißt
- Spitze Gegenstände nach außen
- Wärmende Kleidung opfern
- Schnüre schneiden in die Schulter ein
Grenzen und Risiken
- Keine Anleitung zum Transport von Verletzten
- Für schwere Lasten ungeeignet
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Wolldecke / Bettdecke
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Tarp / Plane
- Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Paracord
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Improvisierte Tragesysteme, u. a. Rolle aus Decke oder Plane