Zimmermannsstek
Ein Befestigungsknoten für Stämme, Pfähle und Bündel: Das Ende wird um seinen eigenen Part gewickelt und klemmt sich unter Zug fest. Ohne Zug fällt er praktisch von selbst auseinander.
- wenige Sekunden
Einfach erklärt
Der Zimmermannsstek ist ein Knoten, mit dem du ein Seil schnell um einen Ast, einen Stamm oder ein Bündel Holz legst, um es zu ziehen. Er funktioniert ein bisschen wie eine Hand, die zugreift: Je stärker du ziehst, desto fester packt er zu. Hörst du auf zu ziehen, lässt er los.
Das Geheimnis sind die Wicklungen: Das Seilende wird ein paar Mal um sich selbst gedreht. Wenn Zug kommt, werden diese Wicklungen gegen das Holz gepresst und klemmen. Darum braucht er auch keinen komplizierten Knoten am Ende – und lässt sich danach in Sekunden wieder lösen.
Beim Ziehen von Stämmen gilt: Stell dich nie unterhalb eines Hangs vor die Last und nie zwischen Stamm und Baum oder Felsen. Ein rollender Stamm ist sehr schwer und kann dich einklemmen.
Wie es funktioniert
Das Seil läuft einmal um den Gegenstand, dann um den eigenen stehenden Part und zurück. Danach wird das Ende mehrmals um den Teil des Seils gewickelt, der um den Stamm liegt. Zieht nun jemand am stehenden Part, zieht sich die Schlinge um den Gegenstand zu und quetscht die Wicklungen zwischen Holz und Seil ein.
Das ist reine Reibung: Es gibt keinen Teil, der wirklich „verknotet“ ist. Deshalb wächst die Haltekraft mit dem Zug – und verschwindet, wenn der Zug weg ist. Das macht den Knoten so schnell lösbar, selbst nachdem er schwer belastet war. Es ist aber auch der Grund, warum er an Stellen ohne ständigen Zug nicht taugt.
Woran du einen richtig gebundenen Knoten erkennst
Ein guter Zimmermannsstek hat mindestens drei saubere Wicklungen, die eng nebeneinanderliegen; in glattem Kunstfaserseil eher mehr. Die Wicklungen gehen mit der Drehrichtung des Seils („mit dem Schlag“), nicht dagegen – sonst drehen sie sich auf, statt sich zu verklemmen. Bei gedrehtem Seil kannst du die Richtung an den Litzen sehen; bei geflochtenem Seil ist es weniger kritisch, aber genug Wicklungen sind dann umso wichtiger.
Setzen heißt hier: Zieh langsam am stehenden Part, bis die Schlinge fest am Holz anliegt und sich die Wicklungen sichtbar zusammendrücken. Ein loses Ende zum Kürzen gibt es eigentlich nicht – das Ende ist ja Teil der Wicklungen. Achte nur darauf, dass nach der letzten Wicklung noch etwas Seil übrig ist, damit sie sich nicht abwickeln kann.
Typische Fehler und wie der Knoten versagt
Zu wenige Wicklungen sind der Klassiker: Der Knoten rutscht dann durch, sobald ordentlich gezogen wird. Wicklungen gegen die Drehrichtung öffnen sich unter Zug. Und der wichtigste Denkfehler: den Zimmermannsstek als Dauerbefestigung zu nehmen. Wird er zwischendurch entlastet und dann wieder ruckartig belastet, kann er sich lösen und abrutschen.
Auch beim Schleifen kann er versagen, wenn der Stamm sich dreht und die Wicklungen dabei aufgedreht werden. Für lange Stämme hilft der Killick-Stek: ein zusätzlicher halber Schlag weiter vorn am Stamm, in Zugrichtung. Dann wird der Stamm eher längs gezogen und dreht sich weniger quer.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Der Zimmermannsstek ist ideal, wenn du schnell etwas ziehen oder zusammenziehen willst: einen Ast zum Lagerplatz schleifen, ein Bündel Brennholz tragen, Stangen zusammenhalten. Außerdem ist er der Anfang des Diagonalbunds: Dort zieht er zwei gespreizte Stangen an der Kreuzung zusammen, bevor die Wicklungen folgen.
Ungeeignet ist er überall, wo die Spannung nachlässt – etwa an einer Leine, die mal locker hängt und mal gespannt wird. Auch zum Heben von Lasten über Personen oder für irgendetwas Lebenssicherndes ist er nicht gedacht. Lebenssichernde Anwendungen nur nach fundierter Ausbildung und mit zertifizierter Ausrüstung. Für eine dauerhafte Befestigung sind zum Beispiel ein Rundtörn mit zwei halben Schlägen oder ein Webeleinstek besser.
Sicherheit beim Ziehen von Holz
Die größte Gefahr ist nicht der Knoten, sondern die Last. Ein Stamm, der am Hang ins Rutschen kommt, ist kaum aufzuhalten. Stell dich deshalb nie hangabwärts der Last und nie zwischen Last und ein festes Hindernis. Zieh lieber seitlich versetzt und plane einen Weg, auf dem du ausweichen kannst.
Trag Handschuhe, wenn du viel ziehst – raues Seil kann die Haut aufscheuern. Prüfe beim Holzsammeln auch die örtlichen Regeln: Nicht überall darf man Holz schlagen oder liegendes Holz mitnehmen. Und wenn ein Stamm zu schwer ist, ist das ein Grund, ihn liegen zu lassen oder Hilfe zu holen, nicht stärker zu ziehen.
Schritt für Schritt
Um den Gegenstand
Führe das Ende um den Stamm oder das Bündel.
Locker gelegt dargestellt. Vor Belastung sauber legen (dressen) und festziehen.
- 1
Um den Gegenstand
Führe das Ende um den Stamm oder das Bündel.
- 2
Um den stehenden Part
Führe das Ende um den stehenden Part herum zurück zum Gegenstand.
- 3
Ende um den eigenen Part wickeln
Wickle das Ende mehrmals um den Teil des Seils, der um den Gegenstand läuft. Mindestens drei Wicklungen; bei glattem Seil mehr.
- 4
Anziehen
Ziehe am stehenden Part, bis sich die Schlaufe fest um den Gegenstand legt.
Häufige Fehler
- Zu wenige Wicklungen
- Wicklungen gegen die Drehrichtung des Seils legen, sodass sie sich öffnen
- Als Dauerbefestigung ohne Zug verwenden
Kurzüberblick
Material
Seil
Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.
Stabile Äste / Stangen
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Trockenes Brennholz
Nur dort sammeln, wo es erlaubt ist.
Geeignet für
- Ziehen oder Schleifen von Ästen und Stämmen
- Anfang eines Diagonalbunds
- Bündel aus Holz oder Stangen zusammenziehen
Ungeeignet für
- Stellen ohne ständigen Zug
- Lebenssichernde Anwendungen
- Heben von Lasten über Personen
Voraussetzungen
- Schlag
Sicherheit
- Beim Ziehen von Stämmen nie zwischen Last und Hindernis oder hangabwärts der Last stehen. Rutschende oder rollende Stämme können schwer verletzen.
So funktioniert es
Der Zug am stehenden Part presst die Wicklungen des Endes gegen den Gegenstand und gegen den eigenen Part. Je größer der Zug, desto stärker die Klemmung. Lässt der Zug nach, lösen sich die Wicklungen.
Vorteile
- Sehr schnell
- Lässt sich auch nach starker Last leicht lösen
- Passt sich verschiedenen Durchmessern an
Nachteile
- Hält nur unter ständigem Zug
- Kann bei ruckartigem Zug durchrutschen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Der Zimmermannsstek ist ein alter Arbeitsknoten aus Holzwirtschaft und Seefahrt. Er ist in Knotenbüchern und Pfadfinderhandbüchern gleichermaßen als Anfang von Bünden beschrieben.
Sein größter Vorteil – das leichte Lösen – ist zugleich seine größte Schwäche: Er braucht Zug, um zu halten.
Varianten
- Mit zusätzlichem halben Schlag (Killick-Stek)
- Zum Schleifen langer Stämme wird weiter vorn am Stamm, in Zugrichtung, zusätzlich ein halber Schlag gelegt. Der Stamm wird dann eher in Längsrichtung gezogen und dreht sich weniger quer.
Häufige Fehler
- Zu wenige Wicklungen
- Wicklungen gegen die Drehrichtung des Seils legen, sodass sie sich öffnen
- Als Dauerbefestigung ohne Zug verwenden
Grenzen und Risiken
- Nicht für Lasten, die zeitweise entlastet werden und dann wieder Zug bekommen.
Belastung und Grenzen
Hält nur unter Zug; die Klemmung wächst mit der Last. Jeder Knoten mindert die Bruchlast eines Seils, weil das Seil in engen Bögen ungleichmäßig belastet wird. Wie stark, hängt von Seilmaterial, Machart, Durchmesser und Prüfmethode ab; verlässliche Einzelwerte werden hier bewusst nicht angegeben.
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Seil
- Paracord (Kein Kletter- oder Sicherungsseil.)
- Trockenes Brennholz
- Zunder (Wasserdicht verpackt mitführen.), Zunderstoff (verkohlte Baumwolle) (Trocken in einer Dose lagern.), Feinste Stahlwolle (Getrennt von Batterien lagern – Brandgefahr.), Kienspan (harzreiches Holz) (Nur totes Holz sammeln, wo erlaubt.), Kocherbrennstoff (Kartusche, Benzin, Spiritus) (Brennstoffe getrennt von Lebensmitteln und in Originalbehältern bzw. dafür vorgesehenen Flaschen lagern.), Watte mit Vaseline (Nur reine Baumwolle verwenden.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Clifford W. Ashley – Doubleday, Doran & Co. (1944): The Ashley Book of Knots
Zimmermannsstek und Killick-Stek
Boy Scouts of America: Scouts BSA Handbook
Zimmermannsstek als Anfang von Bünden