Gewölle und Losung: beobachten, nicht anfassen – Hygiene zuerst
Gewölle von Eulen und Greifvögeln und die Losung von Säugetieren verraten, wer in einem Gebiet lebt und was er frisst. Sie können aber Krankheitserreger und Parasiteneier enthalten. Darum: fotografieren und messen statt anfassen, nicht daran riechen, Hände waschen – und für Gewölleuntersuchungen mit Kindern behandelte Gewölle aus dem Lehrmittelhandel verwenden.
- Wenige Minuten pro Fund

Einfach erklärt
Eulen schlucken kleine Beutetiere oft im Ganzen oder in großen Stücken. Was sie nicht verdauen können – Haare, Federn und Knochen –, formen sie im Magen zu einem kleinen Ballen und würgen ihn wieder aus. Diesen Ballen nennt man Gewölle. Er kommt also aus dem Schnabel, nicht hinten heraus. Wenn man ein Gewölle untersucht, findet man oft winzige Schädel und kann sehen, was die Eule gefressen hat.
Auch der Kot von Säugetieren, die „Losung“, verrät viel: welches Tier hier lebt und was es frisst. Aber Kot kann Krankheitserreger und Wurmeier enthalten, die auch Menschen krank machen. Deshalb ist die wichtigste Regel: anschauen und fotografieren ja, anfassen und daran riechen nein.
Danach immer gründlich die Hände mit Seife waschen. Wenn du in der Schule oder zu Hause ein Gewölle auseinandernehmen möchtest, nehmt dafür besonders behandelte Gewölle aus dem Lehrmittelhandel und tragt Handschuhe.
Wie es funktioniert
Eulen und Greifvögel haben keine Zähne und können ihre Beute nicht kauen. Was sich nicht verdauen lässt, sammelt sich im Magen und wird als Gewölle ausgewürgt. Bei Eulen bleiben Knochen oft gut erhalten, weil ihre Verdauung Knochen weniger stark angreift als die von Greifvögeln wie Bussarden oder Falken. Darum sind Eulengewölle eine kleine Schatzkiste für Naturkundler: Aus Schädeln und Kiefern lässt sich ablesen, welche Kleinsäuger in der Gegend leben.
Losung von Säugetieren unterscheidet sich nach Form, Größe, Inhalt und Ablageort. Pflanzenfresser hinterlassen oft rundliche oder längliche Kügelchen, Raubtiere eher wurstförmige Losung mit Haaren, Knochensplittern oder Samen darin. Manche Arten setzen ihren Kot gezielt an auffälligen Stellen ab – auf Steinen, Baumstümpfen oder Wegkreuzungen –, um anderen Tieren zu zeigen: Hier bin ich. Einige nutzen sogar feste Kotplätze, sogenannte Latrinen.
Für das Spurenlesen sind beide Zeichen wertvoll, weil sie auch scheue und nachtaktive Arten verraten, die man selten zu Gesicht bekommt. Die genaue Bestimmung ist allerdings oft schwierig und gelingt am besten mit einem Feldführer und im Zusammenhang mit anderen Spuren.
Sicherheit: darauf musst du achten
Kot von Füchsen, Hunden, Katzen, Nagern und anderen Tieren kann Parasiten und Krankheitserreger enthalten. In Teilen Europas ist zum Beispiel der Fuchsbandwurm verbreitet, dessen Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Andere Erreger können über Staub aus getrocknetem Nagerkot eingeatmet werden. Welche Erreger vorkommen, hängt von Region und Tierart ab.
Daraus ergeben sich einfache Regeln: Losung nie mit bloßen Händen anfassen, nicht daran riechen und getrockneten Kot nicht zerbröseln, damit kein Staub entsteht. Fuchs-, Hunde- und Katzenkot gar nicht sammeln. Während der Arbeit nichts essen, nichts trinken und nicht ins Gesicht fassen. Danach Handschuhe entsorgen, Hände gründlich mit Seife waschen und Arbeitsflächen reinigen.
Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten vorher mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen. Lokale Gesundheitshinweise gehen immer vor – diese Wissensbasis ersetzt keine medizinische Beratung.
Worauf es ankommt: dokumentieren statt anfassen
Fast alles, was du wissen willst, kannst du ohne Berührung herausfinden. Fotografiere zuerst den Fundort mit der Umgebung: Liegt das Gewölle unter einem Baum, in einer Scheune, an einer Felsnische? Liegt die Losung mitten auf einem Stein oder an einer Wegkreuzung? Der Ort ist oft schon ein starker Hinweis.
Leg dann ein Maßband oder Lineal daneben, ohne den Fund zu berühren, und fotografiere ihn von oben. Notiere Form, Länge, Durchmesser und sichtbare Inhalte wie Haare, Knochen, Federn, Samen oder glänzende Insektenteile. Bestimme später zu Hause mit dem Feldführer, statt den Fund vor Ort zu zerlegen.
Wenn überhaupt gesammelt wird, dann nur Gewölle, nur mit Handschuhen und in einem verschlossenen Beutel. Dabei Schlaf- und Brutplätze von Eulen nicht stören: Wer unter einem besetzten Schlafbaum herumstöbert, scheucht die Vögel womöglich auf. Viele Eulenarten sind geschützt, und örtliche Regeln gehen vor.
So übst du es mit Kindern
Das Zerlegen eines Gewölles ist ein beliebter Naturkunde-Versuch in Schulen. Dafür werden Gewölle aus dem Lehrmittelhandel verwendet, die so behandelt wurden, dass Keime abgetötet sind. Selbst gesammelte, unbehandelte Gewölle sind für Kinder nicht geeignet.
Auch mit behandelten Gewöllen gilt: Handschuhe tragen, auf einer abwischbaren Unterlage arbeiten, mit Pinzette und Holzstäbchen statt mit den Fingern sortieren und die Fläche danach reinigen. Die Knochen kann man auf ein dunkles Papier legen und nach Schädeln, Kiefern, Rippen und Beinknochen ordnen. Kinder staunen oft, wie viele kleine Tiere in einem einzigen Gewölle stecken.
Gut zu wissen
Gewölle sind keine Ausscheidung im eigentlichen Sinn, weil sie nicht durch den Darm gegangen sind. Auch andere Vögel bilden Gewölle, zum Beispiel manche Möwen, Krähen und Reiher; ihre Gewölle enthalten oft weniger gut erhaltene Reste. Elbroch und Marks beschreiben Gewölle in „Bird Tracks & Sign“ als wichtiges Vogelzeichen, Elbrochs „Mammal Tracks & Sign“ behandelt die Losung von Säugetieren. Beide Bücher beziehen sich auf Nordamerika, die Prinzipien lassen sich aber übertragen.
Latrinen und auffällige Kotstellen sind übrigens gute Orte für eine Wildkamera auf Abstand: Sie zeigen, dass ein Tier regelmäßig vorbeikommt. So erfährt man viel über ein Tier, ohne ihm je nahe zu kommen.
Schritt für Schritt
Fundort ansehen
Gewölle finden sich oft unter Schlafbäumen, in Scheunen oder an Felsnischen; Losung an Wegkreuzungen, Steinen oder Baumstümpfen. Fundort fotografieren.
- 1
Fundort ansehen
Gewölle finden sich oft unter Schlafbäumen, in Scheunen oder an Felsnischen; Losung an Wegkreuzungen, Steinen oder Baumstümpfen. Fundort fotografieren.
- 2
Fotografieren und messen
Maßband als Größenvergleich daneben legen, ohne zu berühren. Form, Länge, Durchmesser, sichtbare Inhalte (Haare, Knochen, Samen, Insektenteile) notieren.
- 3
Zusammenhang deuten
Mit Spuren, Fraßspuren und Lebensraum abgleichen. Bestimmung mit Feldführer später, nicht vor Ort durch Zerlegen.
- 4
Wenn gesammelt wird
Nur Gewölle, nur mit Handschuhen, in einen verschlossenen Beutel. Fuchs-, Hunde- und Katzenkot nicht sammeln.
- 5
Hygiene
Handschuhe entsorgen, Hände gründlich mit Seife waschen, Arbeitsflächen reinigen. Nicht essen, trinken oder ins Gesicht fassen, solange gearbeitet wird.
Häufige Fehler
- Losung mit bloßen Händen aufheben
- Daran riechen
- Getrocknete Losung zerbröseln (Staub)
- Eulen am Schlafplatz aufscheuchen
- Unbehandelte Gewölle mit Kindern zerlegen
Kurzüberblick
Material
Einmalhandschuhe
Latexallergien beachten – latexfreie Handschuhe (z. B. Nitril) bevorzugen.
Maßband oder Zollstock
Als Größenvergleich im Foto
Seife / Spülmittel
Nach dem Reinigen von Trinkwasserbehältern gründlich nachspülen.
Notizbuch und Bleistift
Geeignet für
- Spurensuche und Artnachweis
- Naturkunde mit Schulklassen (mit behandelten Gewöllen)
- Monitoring von Eulen- und Greifvogelplätzen
Ungeeignet für
- Sammeln an Brut- oder Schlafplätzen geschützter Arten während der Nutzung
- Personen mit geschwächtem Immunsystem ohne ärztliche Rücksprache
Voraussetzungen
- Handschuhe und Möglichkeit zum Händewaschen
Sicherheit
- Kot von Füchsen, Hunden, Nagern und anderen Tieren kann Parasiten und Krankheitserreger übertragen, in Teilen Europas z. B. den Fuchsbandwurm. Nicht mit bloßen Händen anfassen, nicht daran riechen, Staub nicht aufwirbeln, danach gründlich Hände waschen.
- Schlaf- und Brutplätze von Eulen nicht stören; Gewölle nur aufsammeln, wo das ohne Störung und nach örtlichen Regeln möglich ist.
- Für Unterricht und Kinder behandelte Gewölle aus dem Lehrmittelhandel verwenden, Handschuhe tragen und Arbeitsfläche danach reinigen.
So funktioniert es
Eulen und Greifvögel würgen unverdauliche Reste ihrer Beute – Haare, Federn, Knochen – als Gewölle wieder aus. Bei Eulen bleiben Knochen oft gut erhalten, weshalb ihre Gewölle viel über die Beutetiere verraten. Losung von Säugetieren unterscheidet sich nach Form, Größe, Inhalt und Ablageort; manche Arten setzen sie gezielt an auffälligen Stellen als Markierung ab.
Vorteile
- Nachweis auch scheuer, nachtaktiver Arten
- Viel Information ohne Tierkontakt
Nachteile
- Hygienerisiko
- Bestimmung oft unsicher
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Elbroch und Marks beschreiben in „Bird Tracks & Sign“ Gewölle als wichtiges Vogelzeichen; Elbrochs „Mammal Tracks & Sign“ behandelt Losung von Säugetieren und ihre Deutung. Beide Werke beziehen sich auf nordamerikanische Arten, die Prinzipien sind übertragbar.
Welche Erreger in Losung vorkommen, hängt von Region und Tierart ab; örtliche Gesundheitshinweise gehen vor.
Varianten
- Latrinen
- Manche Arten nutzen feste Kotplätze. Sie zeigen regelmäßige Anwesenheit – ein guter Ort für eine Wildkamera auf Abstand.
Häufige Fehler
- Losung mit bloßen Händen aufheben
- Daran riechen
- Getrocknete Losung zerbröseln (Staub)
- Eulen am Schlafplatz aufscheuchen
- Unbehandelte Gewölle mit Kindern zerlegen
Grenzen und Risiken
- Keine Artbestimmung
- Keine medizinische Beratung
Quellen
Mark Elbroch, Eleanor Marks – Stackpole Books (2001): Bird Tracks & Sign: A Guide to North American Species
Gewölle als Vogelzeichen
Mark Elbroch – Stackpole Books (2003): Mammal Tracks & Sign: A Guide to North American Species
Losung von Säugetieren und ihre Deutung