Erdbeben: Drop, Cover, Hold On
Bei einem Erdbeben empfehlen viele Behörden „Drop, Cover, Hold On“: sich auf Hände und Knie fallen lassen, Kopf und Nacken schützen – möglichst unter einem stabilen Tisch – und festhalten, bis das Beben vorbei ist. Nicht während des Bebens hinausrennen. Danach mit Nachbeben rechnen, auf Schäden und Gasgeruch achten und den Anweisungen der Behörden folgen.
- Vorbereitung einige Stunden; Übung jährlich

Einfach erklärt
Bei einem Erdbeben wackelt der Boden so stark, dass man kaum stehen kann. Stell dir vor, du stehst in einem Bus, der plötzlich ruckelt und bremst – nur viel heftiger und von allen Seiten. Die meisten Menschen verletzen sich dabei nicht, weil das Haus einstürzt, sondern weil Regale umkippen, Dinge herunterfallen und Fenster zerbrechen.
Darum gibt es drei einfache Schritte, die man sich merken kann: „Drop, Cover, Hold On“. Drop heißt: auf Hände und Knie gehen, bevor das Beben dich umwirft. Cover heißt: Kopf und Nacken schützen, am besten unter einem stabilen Tisch. Hold On heißt: festhalten, bis das Wackeln aufhört.
Renn während des Bebens nicht nach draußen – gerade dann fallen Glas und Teile von Hauswänden herunter. Wenn es vorbei ist, zieh feste Schuhe an, sei vorsichtig und hör auf die Erwachsenen und die Behörden.
Wie es funktioniert
Die äußere Schicht der Erde besteht aus großen Platten, die sich sehr langsam bewegen. An ihren Rändern verhaken sie sich, und über lange Zeit baut sich Spannung auf – ähnlich wie bei einem Lineal, das du immer weiter biegst. Irgendwann gibt das Gestein plötzlich nach, und die gespeicherte Energie breitet sich als Wellen durch den Boden aus. Diese Wellen spüren wir als Erdbeben.
Während des Bebens bewegt sich der Boden ruckartig hin und her und oft auch auf und ab. Stehen und Gehen werden schwierig oder unmöglich. Hohe Möbel kippen, Gegenstände fliegen aus Regalen, Glas bricht. Nach dem Hauptbeben folgen häufig Nachbeben, die bereits beschädigte Gebäude weiter schwächen können.
„Drop, Cover, Hold On“ setzt genau dort an: Wer sich früh auf den Boden begibt, kann nicht mehr umgeworfen werden. Wer Kopf und Nacken schützt, schützt die verletzlichsten Körperteile. Und wer sich am Tisch festhält, bleibt unter seiner Deckung, auch wenn der Tisch über den Boden rutscht.
Worauf es ankommt
Vieles entscheidet sich vor dem Beben. Befestige schwere Regale und Schränke an der Wand, stell Schweres nach unten und häng keine Bilder oder Spiegel über das Bett. Leg feste Schuhe und eine Lampe neben das Bett, denn nach einem nächtlichen Beben liegen oft Scherben auf dem Boden und das Licht ist aus. Diese Vorbereitung kostet einige Stunden und senkt das Verletzungsrisiko spürbar.
Während des Bebens gilt: dort bleiben, wo du bist, und sofort handeln. Wenn ein stabiler Tisch in Reichweite ist, kriech darunter und halte dich am Tischbein fest. Wenn nicht, geh an eine Innenwand, weg von Fenstern und hohen Möbeln, und schütze Kopf und Nacken mit beiden Armen. Liegst du im Bett, bleib liegen und schütze den Kopf mit einem Kissen.
Draußen gehst du weg von Gebäuden, Masten und Leitungen und machst dann „Drop, Cover, Hold On“. Im Auto hältst du an einer freien Stelle an – nicht unter Brücken oder Leitungen – und bleibst angeschnallt sitzen. Für Menschen im Rollstuhl gibt es eine angepasste Version: „Lock, Cover, Hold On“ – Räder feststellen, nach vorn beugen, Kopf und Nacken schützen und festhalten.
Sicherheit: darauf musst du achten
Der gefährlichste Reflex ist, während des Bebens nach draußen zu rennen. Auf dem Weg dorthin stürzt man leicht, und direkt an Gebäuden fallen Glas, Dachziegel und Fassadenteile herunter. Auch der Türrahmen ist in modernen Gebäuden kein sicherer Ort: Er schützt nicht vor herumfliegenden Gegenständen, und man kann sich dort kaum festhalten.
Nach dem Beben ist Gas eine der größten Gefahren. Wenn du Gas riechst, schalte kein Licht ein, benutz keine Schalter und keine Flamme. Verlass das Gebäude und ruf von draußen den Notruf (112 in der EU) oder den Gasnotdienst. Rechne mit Nachbeben und betritt beschädigte Gebäude erst wieder, wenn die Behörden sie freigegeben haben. Das Retten von Verschütteten ist Aufgabe der Rettungskräfte.
An der Küste kommt eine besondere Gefahr hinzu. Nach einem starken oder lang anhaltenden Beben, wenn sich das Meer ungewöhnlich zurückzieht oder wenn eine Tsunami-Warnung kommt, geh sofort landeinwärts oder auf höheres Gelände und folge den offiziellen Anweisungen. Warte nicht ab, ob etwas passiert.
So übst du es
Im Schreck macht der Körper, was er kennt. Deshalb ist Üben so wichtig: Wer „Drop, Cover, Hold On“ ein paarmal durchgespielt hat, reagiert im Ernstfall schneller und ruhiger. Übt es als Familie, zum Beispiel einmal im Jahr. Jeder sucht sich in jedem Raum den sichersten Platz – unter welchem Tisch, an welcher Innenwand.
Weltweit gibt es dafür die „Great ShakeOut“-Übungen, organisiert von der Earthquake Country Alliance. Daran nehmen Schulen, Firmen und Familien teil. Für Kinder kann man daraus ein kleines Spiel machen: Auf ein Signal hin so schnell wie möglich unter den Tisch, Kopf schützen, festhalten und bis zehn zählen.
Zur Übung gehört auch das Danach: Wo liegen Schuhe und Lampe? Wo ist das Radio? Wo treffen wir uns, wenn wir getrennt sind, und wen rufen wir an? Telefonnetze sind nach einem Beben oft überlastet – nutze das Telefon dann nur für Notfälle und verabrede vorher, wie ihr euch sonst verständigt.
Schritt für Schritt
Vorher: Wohnung sichern
Schwere Regale und Schränke an der Wand befestigen, schwere Gegenstände unten lagern, Bilder und Spiegel nicht über dem Bett aufhängen. Feste Schuhe und Lampe neben das Bett legen.
- 1
Vorher: Wohnung sichern
Schwere Regale und Schränke an der Wand befestigen, schwere Gegenstände unten lagern, Bilder und Spiegel nicht über dem Bett aufhängen. Feste Schuhe und Lampe neben das Bett legen.
- 2
Drop – auf den Boden
Sobald du das Beben spürst, lass dich auf Hände und Knie fallen, bevor das Beben dich umwirft.
- 3
Cover – Kopf schützen
Schütze Kopf und Nacken mit einem Arm. Wenn möglich, krieche unter einen stabilen Tisch; sonst an eine Innenwand, weg von Fenstern und hohen Möbeln.
- 4
Hold On – festhalten
Halte dich am Tischbein fest und bewege dich mit dem Tisch, bis das Beben aufhört. Ohne Tisch: weiter Kopf und Nacken mit beiden Armen schützen.
- 5
Besondere Situationen
Im Bett: liegen bleiben und den Kopf mit einem Kissen schützen. Im Freien: weg von Gebäuden, Masten und Leitungen, dann Drop, Cover, Hold On. Im Fahrzeug: an einer freien Stelle anhalten, angeschnallt bleiben, nicht unter Brücken oder Leitungen halten.
- 6
Danach
Auf Verletzungen achten und Hilfe rufen, mit Nachbeben rechnen, feste Schuhe anziehen, auf Gasgeruch und Schäden prüfen. Radio für Anweisungen einschalten; Telefon nur für Notfälle nutzen.
- 7
Üben
Übe Drop, Cover, Hold On regelmäßig mit der ganzen Familie, damit es im Ernstfall automatisch abläuft.
Häufige Fehler
- Während des Bebens hinausrennen
- Im Türrahmen Schutz suchen
- Neben Fenstern oder hohen Regalen stehen bleiben
- Nach dem Beben sofort in beschädigte Gebäude zurückkehren
- Bei Gasgeruch Licht einschalten
Kurzüberblick
Material
Feste, geschlossene Schuhe
Neben dem Bett, gegen Glassplitter
Stirnlampe / Taschenlampe
Batterie- oder Kurbelradio
Batterien regelmäßig prüfen und Ersatz bereithalten.
Geeignet für
- Haushalte in erdbebengefährdeten Regionen
- Reisende in solche Regionen
Ungeeignet für
- Bautechnische Beurteilung von Gebäuden – dafür Fachleute
- Tsunami-Verhalten im Detail – Hinweise der Küstenbehörden beachten
Voraussetzungen
- Wissen, ob die Region erdbebengefährdet ist
- Schwere Möbel und Regale gesichert
Sicherheit
- Mit Nachbeben rechnen. Beschädigte Gebäude erst nach Freigabe durch die Behörden wieder betreten.
- Der Türrahmen gilt in modernen Gebäuden nicht als sicherer Ort und schützt nicht vor herumfliegenden Gegenständen.
So funktioniert es
Bei einem Beben bewegt sich der Boden heftig; Stehen und Gehen werden schwierig oder unmöglich. Die meisten Verletzungen entstehen nicht durch einstürzende Gebäude, sondern durch umfallende Möbel, herabfallende Gegenstände und Glas. „Drop, Cover, Hold On“ verhindert das Umfallen, schützt Kopf und Nacken und hält den Schutz an Ort und Stelle, solange der Boden sich bewegt.
Vorteile
- Einfache, schnell erlernbare Reaktion
- Von vielen Behörden einheitlich empfohlen
Nachteile
- Schützt nicht vor Gebäudeeinsturz
- Muss geübt sein, um im Schreck abgerufen zu werden
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
„Drop, Cover, and Hold On“ wird unter anderem von FEMA (Ready.gov) und von der Earthquake Country Alliance empfohlen, die die weltweiten „Great ShakeOut“-Übungen organisiert. Sie raten ausdrücklich davon ab, während des Bebens nach draußen zu laufen oder im Türrahmen Schutz zu suchen.
Baustandards, Warnsysteme und Tsunami-Regeln unterscheiden sich stark zwischen Regionen. Wer in einer erdbebengefährdeten Region lebt oder dorthin reist, sollte die Hinweise der örtlichen Behörden kennen.
Varianten
- Mit Rollstuhl oder Gehhilfe
- Für Menschen im Rollstuhl wird „Lock, Cover, Hold On“ empfohlen: Räder feststellen, nach vorne beugen, Kopf und Nacken mit den Armen oder einem Gegenstand schützen und festhalten. Mit Gehhilfe: hinsetzen, wenn möglich, und Kopf schützen.
Häufige Fehler
- Während des Bebens hinausrennen
- Im Türrahmen Schutz suchen
- Neben Fenstern oder hohen Regalen stehen bleiben
- Nach dem Beben sofort in beschädigte Gebäude zurückkehren
- Bei Gasgeruch Licht einschalten
Grenzen und Risiken
- Keine Hinweise zur Gebäudesicherheit oder Statik
- Keine Rettung Verschütteter – das ist Aufgabe der Rettungskräfte
- Tsunami nur als Warnhinweis
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Earthquake Country Alliance – Great ShakeOut Earthquake Drills: Drop, Cover, and Hold On
Drop, Cover, Hold On; Lock, Cover, Hold On; kein Türrahmen, nicht hinauslaufen
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Earthquakes
Verhalten vor, während und nach Erdbeben, inklusive Tsunami-Hinweis
European Commission: 112 – the European emergency number
Europäische Notrufnummer 112