Skigebiete abseits der Piste
Wenige Meter neben der markierten Piste beginnt ungesichertes Gelände: keine Lawinensprengung, keine Kontrolle, Felsen, Mulden und Baumbrunnen. Wer dort fahren will, braucht Lawinenausbildung, Notfallausrüstung, den aktuellen Lawinenlagebericht und anfangs eine Bergführerin oder einen Bergführer. Gesperrte Pisten und Bereiche sind tabu.
- Lawinenkurs, Übung mit Notfallausrüstung, Tourenplanung

Einfach erklärt
Eine Skipiste ist wie ein gepflegter, bewachter Spielplatz: Der Schnee wird jede Nacht glatt gewalzt, Leute von der Pistenrettung kontrollieren die Hänge, und gefährliche Lawinen werden, wenn nötig, gezielt ausgelöst, bevor jemand dort fährt. Nur wenige Meter daneben hört das alles auf. Dort liegt der Schnee so, wie Wind und Wetter ihn geformt haben.
Im ungesicherten Gelände können Lawinen abgehen, Felsen unter dem Schnee versteckt sein und sich um Bäume tiefe Löcher im Schnee bilden. Dass der Lift ganz nah ist, macht es nicht sicherer – Lawinen kümmern sich nicht darum, wie nah die Piste ist.
Das Wichtigste: Ohne Lawinenkurs, Notfallausrüstung, Partner und den aktuellen Lawinenlagebericht fährt niemand abseits der Piste. Am Anfang fährt man mit einer Bergführerin oder einem Bergführer. Und gesperrte Pisten sind immer tabu.
Wie es funktioniert
Eine Schneedecke besteht aus vielen Schichten, die bei jedem Schneefall, jeder Windphase und jedem Temperaturwechsel neu entstehen. Manche Schichten sind fest, andere locker und schwach. Liegt eine feste, zusammenhängende Schneetafel auf einer schwachen Schicht, kann sie abbrechen und als Schneebrettlawine abgleiten. Wind verfrachtet Schnee und lagert ihn als Triebschnee in Mulden und hinter Kämmen ab – oft genau dort, wo der Pulverschnee am verlockendsten aussieht.
Häufig wird eine solche Lawine durch das zusätzliche Gewicht eines Menschen ausgelöst, und oft vom Opfer oder seiner Gruppe selbst. Lawinen gehen typischerweise an steilen Hängen ab, und neben Pisten gibt es viele davon. Die Nähe zur Liftanlage täuscht Sicherheit vor; pistennahes Gelände folgt denselben Gesetzen wie eine Skitour im Hochgebirge.
Pisten dagegen werden präpariert, kontrolliert und bei Bedarf durch Lawinensprengungen gesichert. Deshalb sind Sperrungen ernst zu nehmen: Sie haben Gründe wie geplante Sprengungen, Pistenmaschinen mit Seilwinden, deren Seile im Schnee kaum zu sehen sind, oder akute Lawinengefahr.
Ausbildung, Führung und Lagebericht
Wir empfehlen dringend: Besuche vor deinem ersten Tag abseits der Piste einen Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder bei Bergführern, und übe die Verschüttetensuche jede Saison. Fahre deine ersten Tage im freien Gelände mit einer staatlich geprüften Bergführerin oder einem Bergführer bzw. einem ortskundigen, qualifizierten Führer und lerne dabei, Gelände zu beurteilen. Diese Erfahrung lässt sich durch keinen Text ersetzen.
Lies vor jedem Tag den offiziellen Lawinenlagebericht. Die Europäischen Lawinenwarndienste verwenden eine fünfstufige Gefahrenskala. Der Bericht nennt außerdem die typischen Lawinenprobleme, etwa Triebschnee oder Altschnee, und die besonders gefährlichen Hangrichtungen und Höhenlagen. Passe deinen Plan daran an – und verzichte, wenn der Bericht und dein Gefühl nicht zusammenpassen.
Spuren anderer Fahrer sind kein Zeichen von Sicherheit. Ein Hang kann viele Spuren tragen und beim nächsten Fahrer trotzdem brechen. Entscheidend ist, was der Lagebericht sagt und was ausgebildete Augen im Gelände erkennen.
Ausrüstung und Material
Zur Grundausrüstung gehören ein Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS-Gerät, eine Lawinenschaufel und eine Sonde – bei jeder Person in der Gruppe. Das LVS-Gerät sendet ein Signal, mit dem die Partner eine verschüttete Person orten können; die Sonde zeigt die genaue Lage und Tiefe, die Schaufel ist zum Ausgraben da. Ohne alle drei Teile und ohne geübte Partner ist die Ausrüstung nutzlos.
Vor dem Losfahren prüft die Gruppe, ob alle Geräte eingeschaltet sind und senden. Das Telefon ist geladen, und die Notrufnummer der Pistenrettung ist gespeichert. Prüfe außerdem vorher, ob deine Versicherung Bergungen abseits der Piste abdeckt.
Sicherheit: darauf musst du achten
Wird jemand verschüttet, zählt jede Minute. Die Überlebenschancen sinken schnell, und professionelle Rettung braucht oft zu lange. Deshalb ist die Kameradenrettung durch die eigene Gruppe so wichtig – und deshalb muss sie geübt sein. Gleichzeitig alarmierst du die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder die Pistenrettung.
In steilen Hängen fahrt ihr einzeln und sammelt euch an Stellen außerhalb möglicher Lawinenbahnen, etwa auf Rücken oder weit genug abseits des Hangauslaufs. Haltet Sichtkontakt. So ist im Ernstfall nie die ganze Gruppe verschüttet, und es gibt immer jemanden, der suchen kann.
Im tiefen Schnee können um Bäume Mulden entstehen, sogenannte Baumbrunnen. Wer kopfüber hineinstürzt, kann sich nicht selbst befreien und ersticken. Halte Abstand zu Bäumen und bleib in Sichtweite deines Partners. Gesperrte Pisten und Bereiche befährst du nie.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Abseits der Piste ist etwas für erfahrene, ausgebildete Skifahrer und Snowboarder, die in allen Schneearten sicher fahren. Kinder und Anfänger gehören nicht ins ungesicherte Gelände, und ein spontaner Abstecher ohne Ausrüstung ist nie eine gute Idee – auch nicht „nur kurz“.
Geführte Freeride-Tage sind ein guter Weg, das Gelände kennenzulernen. Wer später Skitouren außerhalb von Skigebieten gehen will, braucht zusätzlich Tourenplanung, Orientierung und Aufstiegstechnik. Dieser Text gibt keine Lawinenbeurteilung und ersetzt weder Kurs noch Führung – er erklärt, warum beides unverzichtbar ist.
Schritt für Schritt
Ausbildung machen
Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder Bergführern besuchen und die Verschüttetensuche jede Saison üben.
- 1
Ausbildung machen
Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder Bergführern besuchen und die Verschüttetensuche jede Saison üben.
- 2
Lagebericht lesen
Gefahrenstufe, Lawinenprobleme und besonders gefährliche Hangrichtungen und Höhenlagen verstehen und den Plan daran anpassen.
- 3
Ausrüstung prüfen
Lawinenverschüttetensuchgerät eingeschaltet und geprüft, Schaufel und Sonde im Rucksack, Telefon geladen.
- 4
Mit Führung beginnen
Die ersten Tage abseits der Piste mit Bergführerin oder Bergführer fahren und dabei Geländebeurteilung lernen.
- 5
Einzeln fahren, sammeln an sicheren Punkten
In steilen Hängen einzeln fahren, an Stellen außerhalb möglicher Lawinenbahnen sammeln, Sichtkontakt halten.
Häufige Fehler
- Spuren anderer als Zeichen von Sicherheit sehen
- Nur kurz neben die Piste ohne Ausrüstung
- Gesperrte Bereiche befahren
- Alle gleichzeitig in einen Hang
- Den Lagebericht nicht lesen
Kurzüberblick
Material
Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS)
Nur mit Ausbildung und regelmäßiger Übung wirksam; immer zusammen mit Schaufel und Sonde.
Batterie- und Funktionsprüfung vor jeder Tour.
Schneeschaufel
Beim Graben in Schneeunterkünften immer mit nach innen nehmen.
Mobiltelefon
Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.
Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.
Geeignet für
- Erfahrene Skifahrer und Snowboarder mit Ausbildung
- Geführte Freeride-Tage
Ungeeignet für
- Spontane Abstecher ohne Ausrüstung
- Kinder und Anfänger
- Ersatz für einen Lawinenkurs
Voraussetzungen
- Lawinenkurs und regelmäßige Übung der Verschüttetensuche
- Sicheres Fahren in allen Schneearten
- Lesen des Lawinenlageberichts
Sicherheit
- In tiefem Schnee können Mulden um Bäume entstehen, in die man kopfüber stürzen und ersticken kann. Abstand zu Bäumen halten und in Sichtweite des Partners bleiben.
- Bei einem Unfall sofort die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder die Pistenrettung alarmieren. Versicherungsschutz für Bergungen abseits der Piste vorher prüfen.
So funktioniert es
Pisten werden präpariert, kontrolliert und bei Bedarf durch Lawinensprengung gesichert. Neben der Piste liegt der Schnee so, wie Wind, Sonne und Temperatur ihn geformt haben – mit Triebschnee, Schwachschichten und verdeckten Hindernissen. Die Nähe zur Liftanlage täuscht Sicherheit vor; Lawinen im pistennahen Gelände folgen denselben Gesetzen wie auf Skitouren.
Vorteile
- Lifte verkürzen Wege zu Hilfe
- Ausbildung und Führungen sind gut verfügbar
Nachteile
- Trügerische Nähe zur Piste
- Hohes Lawinenrisiko ohne Sicherung
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Europäischen Lawinenwarndienste (EAWS) definieren die fünfstufige Lawinengefahrenskala, die in den Lageberichten verwendet wird. Die Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen (IKAR) veröffentlicht Empfehlungen zu Lawinenrettung und Notfallausrüstung.
„Mountaineering: The Freedom of the Hills“ behandelt Schneekunde und Lawinengefahr als Grundlagen für jede Bewegung in ungesichertem Schneegelände.
Varianten
- Skitouren
- Skitouren außerhalb von Skigebieten verlangen zusätzlich Tourenplanung, Orientierung und Aufstiegstechnik – siehe Lawinengelände.
Häufige Fehler
- Spuren anderer als Zeichen von Sicherheit sehen
- Nur kurz neben die Piste ohne Ausrüstung
- Gesperrte Bereiche befahren
- Alle gleichzeitig in einen Hang
- Den Lagebericht nicht lesen
Grenzen und Risiken
- Keine Lawinenbeurteilung
- Kein Ersatz für Kurs und Führung
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Mobiltelefon
- Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
European Avalanche Warning Services (EAWS): European Avalanche Danger Scale
Lawinengefahrenskala und Lageberichte
ICAR – International Commission for Alpine Rescue: International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website)
Empfehlungen zu Lawinenrettung und Notfallausrüstung
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Schneekunde und Lawinengefahr
European Commission: 112 – the European emergency number
Europäische Notrufnummer 112