Sehnen und Knochen nutzen: Faden, Ahle, Nadel und Brühe
Wer ein Tier vollständig verwertet, wirft fast nichts weg. Getrocknete Sehnen lassen sich in feine Fasern teilen und zu einem sehr reißfesten Faden drehen. Knochen liefern beim Auskochen nahrhafte Brühe und Mark und lassen sich auf einem Stein zu Ahle oder Nadel schleifen. Hier lernst du, Sehnen zu gewinnen und zu trocknen, in Fasern zu zerlegen und zu Faden zu verdrehen, Knochen auszukochen und zu reinigen und sie sicher zu Werkzeugen zu schleifen.
- Sehnen trocknen 1–3 Tage; Faden drehen und Werkzeug schleifen je 1–2 Stunden; Brühe mehrere Stunden

Einfach erklärt
Früher haben Menschen von einem Tier fast alles verwendet. Aus den Sehnen – das sind die starken Bänder, die Muskeln an Knochen festhalten – haben sie Faden gemacht. Aus Knochen haben sie Nadeln und Ahlen geschliffen.
Getrocknete Sehnen klopft man weich, bis sie in feine Fasern zerfallen. Diese macht man nass und dreht sie zu einem Faden. Wenn er trocknet, wird er hart und sehr fest.
Knochen kocht man zuerst aus – dabei entsteht eine gute Suppe. Danach kann man sie auf einem nassen Stein zu einer Spitze schleifen. Vorsicht: Knochensplitter sind scharf wie Glas.
Wie es funktioniert
Sehnen bestehen aus Millionen parallel liegender Eiweißfasern. Sie müssen die ganze Kraft eines Muskels auf den Knochen übertragen und sind darum extrem zugfest. Getrocknet und geklopft trennen sich die Fasern voneinander.
Nass werden die Fasern weich und etwas klebrig. Beim Trocknen schrumpfen sie und kleben zusammen. Deshalb zieht sich eine Bindung aus Sehnen beim Trocknen von selbst fest.
Knochen sind hart, aber spröde. Langsames Schleifen auf nassem Stein trägt Material ab, ohne dass der Knochen splittert. Beim Auskochen geben Knochen Fett, Mark und Gelatine ins Wasser ab.
Worauf es ankommt
Saubere Sehnen: Fleischreste faulen. Darum die Sehne sauber lösen, abschaben und luftig trocknen.
Immer feucht verdrehen: Trockene Fasern brechen. Nur angefeuchtete Fasern lassen sich zu einem festen Faden verdrehen.
Langsam und nass schleifen: Wasser kühlt, spült den Schleifstaub weg und verhindert, dass du Knochenstaub einatmest.
Sicherheit: darauf musst du achten
Scharfe Splitter: Beim Brechen von Knochen ein Tuch darüberlegen, Schutzbrille und Handschuhe tragen.
Trichinen: Knochen und Mark von Wildschwein, Bär und anderen Allesfressern nur vollständig durchgekocht essen.
Hygiene und Herkunft: Nur Material von gesunden, rechtmäßig erhaltenen Tieren verwenden, Handschuhe tragen und danach gründlich waschen.
Schritt für Schritt
Sehnen gewinnen
Die besten Sehnen liegen beim Reh oder Hirsch als flaches, glänzendes Band entlang des Rückens über den Rückenfilets und als runde Stränge an der Rückseite der Unterschenkel. Frag beim Jäger oder Fleischer danach. Löse sie mit dem Messer sauber vom Fleisch und schab Fleischreste ab.
- 1
Sehnen gewinnen
Die besten Sehnen liegen beim Reh oder Hirsch als flaches, glänzendes Band entlang des Rückens über den Rückenfilets und als runde Stränge an der Rückseite der Unterschenkel. Frag beim Jäger oder Fleischer danach. Löse sie mit dem Messer sauber vom Fleisch und schab Fleischreste ab.
- 2
Sehnen trocknen
Leg die Sehnen flach auf ein Brett oder häng sie an einem schattigen, luftigen Ort auf, geschützt vor Fliegen und Tieren. Nach ein bis drei Tagen sind sie hart, gelblich und durchscheinend. Trocken halten sie fast unbegrenzt.
- 3
Klopfen und in Fasern teilen
Klopf die trockene Sehne mit einem glatten Stein auf einer glatten Unterlage, bis sie sich weiß und faserig auffächert. Zieh dann mit den Fingern einzelne Faserbündel ab – so dünn, wie du den Faden haben willst.
- 4
Zu Faden verdrehen
Befeuchte zwei Faserbündel mit Wasser oder im Mund, bis sie weich sind. Dreh jedes Bündel in dieselbe Richtung und leg sie dann gegenläufig umeinander – wie bei einer Zweistrang-Schnur. Neue Fasern legst du überlappend ein. Beim Trocknen zieht sich der Faden zusammen und wird hart und fest.
- 5
Knochen auskochen
Leg die Knochen in einen Topf mit kaltem Wasser und lass sie mehrere Stunden sanft köcheln. Schöpf Schaum ab. Die Brühe ist nahrhaft und wärmt. Röhrenknochen kannst du danach aufbrechen und das gegarte Mark essen.
Wildschwein und Bär: nur ganz durchgekocht.
- 6
Knochen reinigen und spalten
Schab ausgekochte Knochen sauber und lass sie trocknen. Zum Spalten einen Röhrenknochen mit dem Messer oder einem scharfkantigen Stein entlang der Länge ritzen, ein Tuch darüberlegen und ihn mit leichten Schlägen entlang der Rille brechen. Wähl ein langes, gerades Stück aus.
Schutzbrille, Handschuhe, Tuch darüber.
- 7
Ahle oder Nadel schleifen
Schleif das Knochenstück auf einem nassen Sandstein oder Schleifstein langsam zu einer Spitze – für eine Ahle kräftig und kurz, für eine Nadel lang und schlank. Für das Öhr bohrst du mit einer Steinspitze oder Messerspitze von beiden Seiten ein kleines Loch. Mit der Ahle stichst du Löcher in Leder, durch die du den Sehnenfaden ziehst.
Häufige Fehler
- Fleischreste an der Sehne lassen – sie fault
- Faser trocken verdrehen – sie bricht
- Knochen ohne Schutz zerschlagen
- Trocken schleifen
- Mark von nicht durchgekochten Wildschweinknochen essen
Kurzüberblick
Material
Sehnen und Knochen
Nur von gesunden, rechtmäßig erhaltenen Tieren
Knochensplitter sind scharf
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
Zum Auskochen der Knochen
Heiß – Verbrühungsgefahr.
Schleifstein (kombiniert grob/fein)
Oder ein flacher Sandstein zum Schleifen
Herstellerangaben zu Wasser oder Öl beachten.
Einmalhandschuhe
Latexallergien beachten – latexfreie Handschuhe (z. B. Nitril) bevorzugen.
Dicht schließende Schutzbrille
Beim Brechen und Schleifen von Knochen
Geeignet für
- Nähen von Leder und Ausbessern von Ausrüstung
- Binden von Pfeilspitzen, Griffen und Werkzeugen
- Nahrhafte Brühe aus Resten
Ungeeignet für
- Knochen von tot gefundenen Tieren
- Wildschwein- oder Bärenknochen nicht durchgegart verwenden – Trichinen
- Lasten, bei denen ein Riss Menschen gefährdet
Voraussetzungen
- Sehnen und Knochen von einem rechtmäßig erhaltenen, gesunden Tier
- Sauber und vom Körper weg schneiden können
Sicherheit
- Gebrochene Knochen haben messerscharfe Kanten und Splitter. Beim Brechen ein Tuch darüberlegen, Schutzbrille tragen und Handschuhe anziehen. Schleifen immer nass, damit kein Knochenstaub entsteht.
- Frische Sehnen und Knochen mit Handschuhen bearbeiten, Wunden abdecken und Hände und Werkzeug danach gründlich waschen.
- Fleisch, Fett, Häute, Sehnen und Knochen nur aus rechtmäßiger Quelle verwenden: vom Jäger, vom Fleischer, aus eigener Tierhaltung oder aus dem Handel. Wild selbst zu erlegen oder zu fangen ist in Deutschland und Österreich nur mit Jagdrecht erlaubt. Nie tot aufgefundene Tiere verwerten – ihre Todesursache ist unbekannt.
So funktioniert es
Sehnen bestehen aus langen, parallel liegenden Eiweißfasern, die Muskeln mit Knochen verbinden – sie halten enorme Zugkräfte aus. Getrocknet lassen sie sich in haarfeine Fasern zerlegen. Angefeuchtet werden die Fasern weich und klebrig und trocknen beim Verdrehen zu einem festen Faden, der sich beim Trocknen zusammenzieht und Bindungen strafft. Knochen sind hart, aber spröde; durch langsames Schleifen auf Stein lassen sie sich formen, ohne zu splittern. Beim Kochen geben sie Fett, Mark und Gelatine ab.
Vorteile
- Verwertet das ganze Tier
- Sehnenfaden ist sehr reißfest und zieht sich beim Trocknen fest
- Werkzeug ohne Metall
Nachteile
- Sehnenfaden wird bei Nässe weich
- Knochen sind spröde
- Zeitaufwendig
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Knochennadeln mit Öhr gehören zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit; die ältesten sind Zehntausende Jahre alt. Mit ihnen und Sehnenfaden ließ sich eng anliegende Kleidung aus Fell nähen – eine Voraussetzung, um in kalten Gegenden zu überleben.
Auch heute arbeiten Bogenbauer mit Sehnen, weil sie Zug besser aushalten als fast jede Naturfaser.
Varianten
- Sehne als Bindung
- Feuchte Sehnenfasern direkt um eine Verbindung wickeln, etwa einen Messergriff oder eine Spitze. Beim Trocknen ziehen sie sich zusammen und kleben fest. Gegen Nässe mit etwas Fett oder Harz schützen.
- Knochenschaber
- Ein Schulterblatt oder ein Röhrenknochen mit einer geraden, stumpfen Kante eignet sich gut als Schaber zum Entfleischen von Häuten.
Häufige Fehler
- Fleischreste an der Sehne lassen – sie fault
- Faser trocken verdrehen – sie bricht
- Knochen ohne Schutz zerschlagen
- Trocken schleifen
- Mark von nicht durchgekochten Wildschweinknochen essen
Grenzen und Risiken
- Keine Anleitung für Waffen
- Keine Belastungswerte für Sehnenfaden
- Kein Ersatz für zertifizierte Seile
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen (4)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Trichinellosis – Prevention · Trichinen in Wildschwein und Bär; nur durchgegart essen
- Amt der Tiroler Landesregierung – Landesveterinärdirektion (tirol.gv.at) (2023): Wildfleischuntersuchung und praktische Wildbrethygiene (Jagdaufseher-Lehrgang 2023) · Hygiene beim Umgang mit Wild
- Ray Mears – Hodder & Stoughton (2002): Bushcraft · Sehnen als Faden und Bindung; Knochen als Werkstoff
- Mors L. Kochanski – Lone Pine Publishing: Bushcraft: Outdoor Skills and Wilderness Survival · Naturmaterialien als Werkstoff im Lager























