Einfachen Regenmesser bauen und ablesen
Ein gerades Gefäß mit flachem Boden und senkrechten Wänden ist ein einfacher Regenmesser: Die Wasserhöhe in Millimetern entspricht der Niederschlagsmenge, und 1 mm Regen sind 1 Liter pro Quadratmeter. Damit lässt sich abschätzen, wie viel Regenwasser man auffangen kann oder wie nass der Boden ist.
- 15 Minuten, dann täglich ablesen

Einfach erklärt
Ein Regenmesser ist eigentlich nur ein Becher mit geraden Wänden, der draußen steht. Wenn es regnet, fällt der Regen überall gleich viel – auf die Wiese, aufs Dach und in deinen Becher. Das Wasser im Becher steht deshalb genauso hoch, wie es auf dem ganzen Boden stehen würde, wenn nichts versickern oder weglaufen könnte.
Du misst einfach mit einem Lineal, wie hoch das Wasser steht. Ein Millimeter Regen bedeutet: Auf einer Fläche von einem Meter mal einem Meter – ungefähr so groß wie ein kleiner Tisch – ist ein ganzer Liter Wasser heruntergekommen. Deshalb sagt man auch „Liter pro Quadratmeter“.
Wichtig: Dein Regenmesser ist ein spannendes Werkzeug zum Beobachten, aber keine Warnanlage. Bei Starkregen oder Hochwassergefahr hörst du auf die offiziellen Warnungen im Radio oder in Warn-Apps.
Wie es funktioniert
Die Rechnung ist einfach: Ein Quadratmeter Fläche mal ein Millimeter Höhe ergibt genau einen Liter. Wenn also 5 mm Regen fallen, sind auf jedem Quadratmeter 5 Liter Wasser gelandet. Das gilt für jede Fläche, egal wie groß – auch für die kleine Öffnung deines Bechers.
Damit das stimmt, braucht dein Gefäß senkrechte Wände. Dann ist die Öffnung oben genauso groß wie der Boden, und das Wasser steht so hoch wie draußen auf dem Boden. Ein Glas, das sich nach oben weitet, oder eine Flasche mit gewölbtem Boden verfälschen das Ergebnis.
Hat dein Gefäß einen Trichter, dessen Öffnung breiter ist als der Behälter darunter, sammelt er Regen von einer größeren Fläche. Dann musst du umrechnen: Niederschlag gleich aufgefangene Wassermenge geteilt durch die Fläche der Trichteröffnung. Ein Beispiel: Eine runde Öffnung mit 10 cm Durchmesser hat eine Fläche von gut 78 cm². Ein Millimeter Regen bringt dort also knapp 8 Milliliter Wasser.
So baust du ihn
Eine glatte, zylindrische Plastikflasche eignet sich gut. Schneide das gewölbte Oberteil ab. Der Boden vieler Flaschen ist gewölbt oder hat Füßchen; fülle ihn deshalb mit etwas Sand, Kies oder Gips bis zu der Stelle auf, an der die Wand gerade wird. Diese Höhe ist dein Nullpunkt.
Klebe ab dem Nullpunkt ein Lineal außen an die Flasche oder zeichne mit einem wasserfesten Stift Millimeterstriche auf. Das abgeschnittene Oberteil kannst du umgedreht als Trichter oben einsetzen. Weil es genauso breit ist wie die Flasche, musst du nicht umrechnen, und der Trichter verringert die Verdunstung.
Damit der Regenmesser nicht umfällt, gräbst du ihn teilweise ein oder befestigst ihn an einem Pfahl. Er muss senkrecht stehen, und die Öffnung sollte waagerecht sein, sonst fängt er je nach Windrichtung zu viel oder zu wenig auf.
Worauf es ankommt: der richtige Platz
Der Standort entscheidet über die Genauigkeit. Stell den Regenmesser im Freien auf, gut entfernt von Gebäuden, Bäumen und Zäunen. Hindernisse schirmen Regen ab oder leiten zusätzliche Tropfen hinein – unter einem Baum misst du zu wenig, unter einer Dachkante viel zu viel.
Auch Wind spielt eine Rolle. An einem sehr windigen, offenen Platz werden Tropfen über die Öffnung hinweggeweht, und der Messer fängt weniger auf, als tatsächlich fällt. Ein etwas geschützter Platz in einem offenen Garten ist deshalb oft besser als die höchste, windigste Stelle.
Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt in ihren Richtlinien, wie offizielle Niederschlagsmesser gebaut und aufgestellt werden, und betont dabei den Abstand zu Hindernissen. Ein selbstgebauter Messer liefert trotzdem nur Näherungswerte und ist nicht direkt mit amtlichen Messungen vergleichbar.
Ablesen und aufschreiben
Lies den Regenmesser jeden Tag zur gleichen Zeit ab, zum Beispiel morgens. Geh dafür mit den Augen auf Höhe der Wasseroberfläche, sonst liest du schräg und falsch ab. Die Oberfläche ist am Rand oft leicht nach oben gebogen; lies in der Mitte ab. Schreib den Wert mit Datum auf und leere das Gefäß danach aus.
Lass das Wasser nicht tagelang stehen. Bei Wärme verdunstet es, und du misst zu wenig. Außerdem können in stehendem Wasser Mücken ihre Eier ablegen – auch das spricht dafür, regelmäßig auszuleeren.
Schnee misst du, indem du ihn im Gefäß im Haus schmelzen lässt und dann die Wasserhöhe abliest. Du wirst staunen: Das Schmelzwasser steht viel niedriger als die Schneedecke draußen, weil Schnee viel Luft enthält.
Wofür du die Werte nutzen kannst
Für die Regenwassernutzung kannst du grob abschätzen, wie viel Wasser vom Dach kommt: Niederschlag in Millimetern mal Dachfläche in Quadratmetern ergibt ungefähr die Liter, die ablaufen können. In der Regentonne kommt in der Praxis weniger an, weil Wasser verdunstet, verspritzt oder an der Dachrinne vorbeiläuft. Aufgefangenes Regenwasser ist Brauchwasser – zum Trinken müsste es erst aufbereitet und desinfiziert werden.
Im Garten hilft der Regenmesser beim Gießen: Du siehst, ob es wirklich genug geregnet hat oder nur kurz genieselt. Auf Tour oder bei Ausflügen kann eine Messreihe zeigen, wie nass Wege und Böden nach mehreren Regentagen sind.
Was er nicht kann: warnen. Ein selbstgebauter Regenmesser ist keine Hochwasser- oder Unwettervorhersage. Bei Starkregen achtest du auf amtliche Warnungen, Warn-Apps und das Radio und folgst den Hinweisen der Behörden. Als Projekt mit Kindern ist der Regenmesser dagegen wunderbar: Er macht Wetter messbar und zeigt, wie Naturwissenschaft funktioniert.
Schritt für Schritt
Gefäß vorbereiten
Bei einer Flasche das gewölbte Oberteil abschneiden; der Boden sollte flach sein oder mit etwas Sand oder Gips bis zur ersten geraden Stelle ausgeglichen werden. Diese Höhe ist der Nullpunkt.
- 1
Gefäß vorbereiten
Bei einer Flasche das gewölbte Oberteil abschneiden; der Boden sollte flach sein oder mit etwas Sand oder Gips bis zur ersten geraden Stelle ausgeglichen werden. Diese Höhe ist der Nullpunkt.
- 2
Skala anbringen
Ein Lineal ab dem Nullpunkt außen anbringen oder Millimeterstriche mit wasserfestem Stift auftragen.
- 3
Aufstellen
Im Freien aufstellen, gut entfernt von Gebäuden, Bäumen und Zäunen, die Regen abschirmen oder Tropfen zuleiten. Senkrecht und stabil fixieren, z. B. teilweise eingegraben oder an einem Pfahl.
- 4
Ablesen
Täglich zur gleichen Zeit auf Augenhöhe ablesen, notieren, ausleeren. Bei Wärme verdunstet Wasser – nicht zu lange stehen lassen.
- 5
Auswerten
Niederschlag in mm × Dachfläche in m² ergibt grob die Liter, die vom Dach ablaufen können; tatsächlich kommt weniger in der Tonne an.
Häufige Fehler
- Gefäß unter einem Baum oder an der Hauswand
- Gewölbten Boden mitmessen
- Trichter breiter als das Gefäß, ohne umzurechnen
- Nur gelegentlich ablesen
Kurzüberblick
Material
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter)
Glatter, zylindrischer Teil
Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.
Beschriftungsanhänger und wasserfester Stift
Geeignet für
- Garten und Regenwassernutzung
- Wetterbeobachtung mit Kindern
- Abschätzen, ob Wege oder Böden nach Regen belastet sind
Ungeeignet für
- Hochwasserwarnung – dafür amtliche Warnungen nutzen
- Präzise Messungen für Wissenschaft oder Versicherung
Voraussetzungen
- Gefäß mit senkrechten Wänden
- Lineal oder Maßband
Sicherheit
- Ein selbstgebauter Regenmesser ersetzt keine amtlichen Unwetter- und Hochwasserwarnungen. Bei Starkregen Warn-Apps, Radio und Behördenhinweise beachten.
So funktioniert es
Regen fällt gleichmäßig auf eine Fläche. In einem Gefäß mit senkrechten Wänden ist die Öffnung so groß wie der Boden, daher steht das Wasser genau so hoch, wie es auf der freien Fläche stehen würde. Ein Liter auf einem Quadratmeter ergibt eine Schicht von einem Millimeter. Hat das Gefäß einen Trichter, der breiter ist als der Behälter, muss man umrechnen: Niederschlag = aufgefangenes Volumen ÷ Fläche der Trichteröffnung.
Vorteile
- Praktisch kostenlos
- Hilft beim Planen der Regenwassernutzung
- Gut für Kinder und Schule
Nachteile
- Ungenau bei Wind und Verdunstung
- Kein Warnsystem
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt in ihrem „Guide to Instruments and Methods of Observation“ (WMO-No. 8) Bauweise und Aufstellung von Niederschlagsmessern, einschließlich der Bedeutung von Abstand zu Hindernissen.
Ein selbstgebauter Messer liefert nur Näherungswerte. Für Vergleiche mit amtlichen Daten sind genormte Geräte nötig.
Varianten
- Schnee
- Schnee im Gefäß im Haus schmelzen lassen und dann die Wasserhöhe ablesen. Das Schmelzwasser ist viel weniger hoch als die Schneedecke.
Häufige Fehler
- Gefäß unter einem Baum oder an der Hauswand
- Gewölbten Boden mitmessen
- Trichter breiter als das Gefäß, ohne umzurechnen
- Nur gelegentlich ablesen
Grenzen und Risiken
- Nur Näherungswerte
- Keine Hochwasser- oder Unwetterprognose
Quellen
World Meteorological Organization (WMO): Guide to Instruments and Methods of Observation (WMO-No. 8)
Bauweise und Aufstellung von Niederschlagsmessern