Regenwasser sammeln
Mit einer Plane, Folie oder sauberen Dachfläche lässt sich bei Regen schnell viel Wasser auffangen. Regenwasser ist meist arm an Schwebstoffen, wird aber durch Auffangfläche, Rinnen und Behälter verunreinigt und muss deshalb aufbereitet werden.
- Aufbau 10–20 Minuten; Ertrag abhängig vom Niederschlag

Einfach erklärt
Regen fällt einfach so vom Himmel – du musst ihn nur auffangen. Dafür spannst du eine Plane oder Folie schräg auf, so wie ein Trichter. Das Wasser läuft zur tiefsten Stelle und tropft von dort in einen sauberen Behälter. Je größer die Fläche, desto mehr Wasser bekommst du.
Regenwasser sieht sauber aus, ist aber nicht keimfrei. Auf der Plane oder dem Dach liegen Staub, Blätter und Vogelkot, und der Regen spült das alles mit in deinen Behälter. Darum lässt du die ersten Minuten Regen einfach ablaufen – sie waschen die Fläche sauber.
Das Wichtigste: Auch gesammeltes Regenwasser machst du vor dem Trinken sicher, zum Beispiel durch Abkochen. Und benutze nur Flächen und Behälter, die nichts Giftiges abgeben – also keine Kanister, in denen früher Benzin oder Putzmittel war.
Wie es funktioniert
Eine geneigte Fläche sammelt alles, was auf sie fällt, und leitet es an einen Punkt. Die Rechnung ist einfach: Ein Millimeter Regen bedeutet einen Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche. Eine Plane von drei mal drei Metern fängt bei zehn Millimetern Regen also theoretisch rund 90 Liter auf – in der Praxis etwas weniger, weil Wasser verspritzt, verdunstet oder an der Fläche hängen bleibt.
Damit das Wasser gezielt fließt, braucht die Fläche ein deutliches Gefälle zu einer Ecke oder zur Mitte. Ein Stein in der Mitte der Plane oder eine Schnur, die vom tiefsten Punkt in den Behälter hängt, lenkt den Strahl. Bei Dächern übernehmen Rinne und Fallrohr diese Aufgabe.
Regen selbst ist vergleichsweise sauber, nimmt aber beim Fallen Staub und Luftschadstoffe auf. Der meiste Schmutz kommt jedoch von der Auffangfläche, aus Rinnen und aus dem Behälter. Darum entscheidet die Sauberkeit dieser Teile, wie gut dein Rohwasser ist.
Worauf es ankommt
Die ersten Minuten eines Regens spülen Staub, Pollen, Blätter und Kot von der Fläche – dieses Wasser ist am stärksten belastet. Lass es ablaufen, bevor du den Behälter unterstellst, oder spüle die Fläche vorher mit sauberem Wasser ab. Bei Dachanlagen gibt es dafür sogenannte Erstspül-Abscheider, die das erste Wasser automatisch beiseiteleiten.
Ein Tuch über der Einlauföffnung hält Blätter, Insekten und grobe Partikel zurück. Den Behälter danach abdecken: Offene Gefäße ziehen Mücken an, die darin Eier ablegen, und Tiere, Laub und Staub gelangen hinein. Ein Behälter mit engem Hals und Deckel ist ideal.
Spanne die Plane straff genug, dass sich keine großen Wassersäcke bilden, die sie zum Reißen bringen oder Befestigungen herausziehen. Bei Wind lohnt es sich, die Ecken gut abzuspannen und die Fläche etwas niedriger zu bauen.
Geeignete und ungeeignete Flächen
Die beste improvisierte Auffangfläche ist eine saubere, neue Plane oder Kunststofffolie. Bei Gebäuden eignen sich zum Beispiel unbeschichtetes Metall oder glasierte Ziegel, sofern Rinnen vorher gereinigt werden. Je glatter die Fläche, desto weniger Schmutz bleibt haften und desto besser läuft das Wasser ab.
Ungeeignet sind Dächer mit Teerpappe, behandeltem Holz, Bleiblech oder unbekannten Beschichtungen – sie können Schadstoffe abgeben, die keine einfache Aufbereitung entfernt. Auch Behälter, in denen früher Chemikalien, Kraftstoff oder Pflanzenschutzmittel waren, sind tabu, selbst nach gründlichem Ausspülen. Nimm nur lebensmittelechte Gefäße.
In Städten und Industriegebieten mit starker Luftverschmutzung nimmt der Regen mehr Schadstoffe auf. Dort ist Regenwasser ohne weitergehende Aufbereitung keine gute Trinkwasserquelle; für Toilettenspülung oder Putzen kann es dennoch wertvoll sein.
Sicherheit: darauf musst du achten
Gesammeltes Regenwasser ist Rohwasser. Desinfiziere es vor dem Trinken, zum Beispiel durch sprudelndes Abkochen oder Chlorung nach Herstellerangabe. Ein Tuchfilter am Einlauf macht das Wasser klarer, aber nicht sicher.
Stehendes Wasser in offenen Behältern ist eine Brutstätte für Mücken, die in manchen Regionen Krankheiten übertragen. Behälter deshalb immer abdecken, und Planen so spannen, dass keine Pfützen stehen bleiben.
Bau die Auffanganlage nicht während eines Gewitters an exponierten Stellen auf und halte dich von hohen Einzelbäumen fern. Lagere volle Behälter stabil: Wasser ist schwer, und ein umkippender Kanister kann Füße verletzen.
Typische Situationen
Zu Hause kann Regenwasser bei einem Ausfall der Wasserversorgung den Vorrat ergänzen – besonders für Hygiene und Toilettenspülung, damit das gelagerte Trinkwasser länger reicht. Wer ein geeignetes Dach hat, kann ein Fallrohr kurzfristig in einen sauberen Behälter umleiten.
Unterwegs, etwa in regenreichen Regionen oder in den Tropen, ist eine Plane oft die bequemste Wasserquelle: Sie liefert Wasser direkt am Lagerplatz, ohne Weg zum Ufer und ohne Absturzrisiko. Eine Zeltplane über dem Lager kann gleichzeitig Regenschutz und Wassersammler sein.
Eine Variante ist der Stammablauf: Ein um einen Baumstamm gewickeltes Tuch leitet ablaufendes Regenwasser in einen Behälter. Dieses Wasser enthält viel organisches Material, ist oft gefärbt und muss erst geklärt und dann desinfiziert werden. In Trockengebieten mit seltenem Regen ist Regensammeln dagegen nur eine Ergänzung, auf die man sich nicht verlassen kann.
Schritt für Schritt
Fläche aufspannen
Spanne Plane oder Folie so auf, dass sie zu einer Ecke oder Mitte hin abfällt. Ein kleiner Stein oder eine Schnur an der tiefsten Stelle lenkt das Wasser gezielt.
- 1
Fläche aufspannen
Spanne Plane oder Folie so auf, dass sie zu einer Ecke oder Mitte hin abfällt. Ein kleiner Stein oder eine Schnur an der tiefsten Stelle lenkt das Wasser gezielt.
- 2
Behälter platzieren
Stelle einen sauberen, lebensmittelechten Behälter unter den Ablauf; ein Tuch am Einlauf hält Blätter und Insekten zurück.
- 3
Erstes Wasser verwerfen
Lass die ersten Minuten des Regens ablaufen, ohne sie aufzufangen, oder spüle die Fläche vorher mit sauberem Wasser ab.
- 4
Aufbereiten und abdecken
Decke den Behälter ab und desinfiziere das Wasser vor dem Trinken, zum Beispiel durch Abkochen oder Chlorung.
Häufige Fehler
- Regenwasser für keimfrei halten
- Das erste, schmutzigste Wasser mitsammeln
- Offene Behälter stehen lassen – Mücken, Tiere und Schmutz gelangen hinein
- Ungeeignete Dachflächen oder Rinnen verwenden
Kurzüberblick
Material
Tarp / Plane
Oder saubere Kunststofffolie
Kunststofffolie / großer Müllsack
Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).
Nicht für Trinkwasser verwenden, wenn nicht lebensmittelecht.
Lebensmittelechter Wasserkanister
Lebensmittelechter Auffangbehälter
Nur Behälter verwenden, die nie Chemikalien oder Kraftstoff enthalten haben.
Paracord
Zum Aufspannen
Kein Kletter- oder Sicherungsseil.
Baumwolltuch / T-Shirt
Als Grobfilter am Einlauf
Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.
Geeignet für
- Regenreiche Regionen und Tropen
- Ergänzung des Vorrats bei Ausfall der Wasserversorgung
- Orte ohne Oberflächenwasser
Ungeeignet für
- Trockengebiete mit seltenem Niederschlag
- Dächer mit Teerpappe, behandeltem Holz, Bleiblech oder unbekannten Beschichtungen
- Städtische oder industrielle Gebiete mit starker Luftverschmutzung ohne weitere Aufbereitung
Voraussetzungen
- Saubere, lebensmittelechte Behälter
- Möglichkeit zur anschließenden Desinfektion
Sicherheit
- Aufgefangenes Regenwasser vor dem Trinken desinfizieren: Vogelkot, Staub und Rückstände der Auffangfläche gelangen ins Wasser.
So funktioniert es
Eine große, geneigte Fläche leitet Niederschlag zu einem tiefsten Punkt und von dort in einen Behälter. Die Menge hängt von Flächengröße und Regenmenge ab. Die ersten Minuten eines Regens spülen den Schmutz von der Fläche und sind am stärksten belastet.
Vorteile
- Oft vergleichsweise wenig Schwebstoffe
- Kein Gelände- oder Unfallrisiko am Gewässer
- Mit vorhandenem Material schnell umsetzbar
Nachteile
- Abhängig vom Wetter
- Verunreinigung durch Auffangfläche und Behälter
- Große Flächen nötig für nennenswerte Mengen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Regen selbst ist vergleichsweise sauber, nimmt aber beim Fallen Staub und Luftschadstoffe auf und auf der Auffangfläche Kot von Vögeln und Kleintieren. Die WHO behandelt Regenwassernutzung als eigene Quelle mit typischen Risiken, die vor allem aus Dach, Rinne und Speicher stammen.
Im Notfall ist eine saubere, neue Plane oder Folie die beste improvisierte Auffangfläche. Behälter, die vorher Chemikalien oder Kraftstoff enthielten, sind ungeeignet – auch nach dem Ausspülen.
Varianten
- Dachfläche
- Bei geeigneten Dächern (z. B. unbeschichtetes Metall, glasierte Ziegel) liefert eine Fallrohrumleitung große Mengen. Rinnen vorher reinigen.
- Stammablauf
- Ein um einen Stamm gewickeltes Tuch leitet ablaufendes Wasser in einen Behälter; das Wasser enthält viel organisches Material und muss geklärt und desinfiziert werden.
Häufige Fehler
- Regenwasser für keimfrei halten
- Das erste, schmutzigste Wasser mitsammeln
- Offene Behälter stehen lassen – Mücken, Tiere und Schmutz gelangen hinein
- Ungeeignete Dachflächen oder Rinnen verwenden
Grenzen und Risiken
- Liefert nur bei Niederschlag
- Ersetzt keine Desinfektion
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Tarp / Plane
- Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Kunststofffolie / großer Müllsack
- Tarp / Plane, Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Lebensmittelechter Wasserkanister
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.), Doppelwandige Isolierflasche (Niemals direkt erhitzen.), PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) (Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.), Luftdichte, lebensmittelechte Vorratsdose (Nur sauber und vollständig trocken befüllen; keine Behälter verwenden, die vorher Chemikalien enthielten.), Faltkanister oder Wassersack (Vor spitzen Gegenständen schützen.), Lebensmittelechter Wasserbeutel (Nur für Trinkwasser verwenden, nie für Chemikalien oder Brennstoff.), Gärglas oder Gärtopf (Nur lebensmittelechte Gefäße aus Glas, glasiertem Steinzeug für Lebensmittel oder lebensmittelechtem Kunststoff verwenden – keine Metallgefäße für saure Lebensmittel.), Wiederverschließbare Lebensmittelbeutel (Nur Beutel verwenden, die für Lebensmittel bestimmt sind; nicht für kochendes Wasser nutzen, wenn der Hersteller es nicht ausdrücklich erlaubt.)
- Paracord
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
World Health Organization (2022): Guidelines for drinking-water quality, fourth edition incorporating the first and second addenda
Regenwassernutzung und typische Verunreinigungsquellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Auffangen von Niederschlag als Wasserquelle