Wasser aus Schnee und Eis
Schnee und Eis lassen sich schmelzen, kosten dafür aber viel Brennstoff und Zeit. Gefrieren tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig ab – Schmelzwasser muss wie jedes andere Naturwasser aufbereitet werden.
- Hoher Brennstoff- und Zeitaufwand; Eis ergibt mehr Wasser pro Topffüllung als Schnee

Einfach erklärt
Im Winter liegt Wasser überall herum – nur leider gefroren. Du kannst Schnee und Eis in einem Topf schmelzen. Das klingt einfach, braucht aber viel Hitze und Zeit. Ein Topf voll Schnee ergibt nur wenig Wasser, weil Schnee zum großen Teil aus Luft besteht, wie ein Wattebausch. Eis ist viel dichter und gibt mehr Wasser.
Ein Trick: Gib zuerst ein bisschen Wasser in den Topf und dann nach und nach Schnee dazu. Sonst kann der trockene Schnee am heißen Topfboden anbrennen, und das Wasser schmeckt verbrannt.
Zwei wichtige Regeln: Kälte tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig. Auch Schmelzwasser musst du sicher machen, am besten gleich abkochen. Und benutze einen Kocher nie im Zelt oder in einer Schneehöhle. Dabei kann ein unsichtbares Gas entstehen, Kohlenmonoxid, das man weder riecht noch sieht und das tödlich sein kann.
Wie es funktioniert
Um Eis zu schmelzen, braucht man überraschend viel Energie: Allein das Schmelzen von Eis bei null Grad kostet etwa so viel Wärme, wie nötig wäre, um dasselbe Wasser danach von null auf rund 80 Grad zu erwärmen. Darum dauert es so lange, bis aus Schnee Wasser wird, und darum verbraucht es so viel Brennstoff.
Frischer Pulverschnee besteht zum größten Teil aus Luft. Ein randvoller Topf schrumpft beim Schmelzen auf eine kleine Pfütze. Älterer, gesetzter Schnee und Firn sind dichter, Eis am dichtesten. Wenn du klares Eis sicher erreichen kannst, bekommst du pro Topffüllung deutlich mehr Wasser.
Schnee leitet Wärme schlecht. Liegt trockener Schnee direkt auf dem heißen Topfboden, kann der Boden überhitzen, während der Schnee darüber noch kalt ist. Das Wasser schmeckt dann angebrannt, und dünne Töpfe können Schaden nehmen. Ein kleiner Rest Wasser im Topf verteilt die Wärme und verhindert das.
Worauf es ankommt
Wähle sauberen, unverfärbten Schnee abseits von Wegen, Lagerplätzen, Toilettenstellen und Tierspuren. Gelber, rötlicher, grauer oder rußiger Schnee bleibt liegen. In der Nähe von Straßen, Siedlungen und Industrie kann Schnee Luftschadstoffe und Streusalz enthalten.
Beginne mit etwas Wasser im Topf und füge Schnee in kleinen Portionen hinzu. Rühre um, drücke den Schnee ins Wasser und lege einen Deckel auf – das spart spürbar Brennstoff. Stelle den Kocher im Freien windgeschützt auf, denn Wind trägt viel Wärme fort.
Halte das gewonnene Wasser flüssig. Bewahre Flaschen nah am Körper oder gut isoliert auf, nachts zum Beispiel im Schlafsack. Wasser gefriert von oben her: Wenn du die Flasche mit dem Deckel nach unten lagerst, bleibt die Öffnung länger eisfrei.
Sicherheit: darauf musst du achten
Betreibe Kocher niemals im Zelt, in einer Schneehöhle, einem Iglu oder einer anderen geschlossenen Unterkunft. Bei der Verbrennung kann Kohlenmonoxid entstehen. Dieses Gas ist farb- und geruchlos; eine Vergiftung macht müde und verwirrt und kann ohne deutliche Vorwarnung tödlich sein. Kopfschmerzen, Übelkeit oder Benommenheit beim Kochen sind ein Alarmzeichen: sofort an die frische Luft, bei Beschwerden den Notruf wählen (112 in der EU).
Gefrorene Seen und Flüsse sind eine verlockende Eisquelle, aber nur dann, wenn die Tragfähigkeit sicher ist. Im Zweifel nimm Schnee vom Ufer statt Eis vom See.
Schnee in größeren Mengen zu essen, kühlt den Körper aus und kostet Energie, die du in der Kälte dringend brauchst. Außerdem ist er nicht aufbereitet. Achte beim Hantieren mit heißen Töpfen und Kochern mit dicken Handschuhen auf sicheren Stand: Verbrühungen sind im Winter besonders schlimm, weil nasse Kleidung schnell auskühlt.
Brennstoff planen
Im Winter ist oft nicht das Wasser knapp, sondern der Brennstoff. Wer auf Schmelzwasser angewiesen ist, sollte deutlich mehr Brennstoff einplanen als für eine Sommertour und den Verbrauch unterwegs im Blick behalten. Ein Windschutz und ein Deckel machen einen großen Unterschied.
Praktisch ist, Schmelzen und Desinfizieren zu verbinden: Wenn das Wasser ohnehin auf dem Kocher steht, bringst du es einfach bis zum sprudelnden Kochen. So sparst du einen zweiten Arbeitsgang. Alternativ kannst du das Schmelzwasser mit einem anderen geeigneten Verfahren aufbereiten, etwa mit Chlordioxid nach Herstellerangabe – bei sehr kaltem Wasser verlängern sich dabei aber oft die Einwirkzeiten.
Bei Sonnenschein kann Schnee auf einer dunklen Folie oder in einem dunklen Beutel langsam schmelzen. Das spart Brennstoff, dauert aber lange und ersetzt keine Desinfektion. Hohlfaserfilter sind im Winter heikel: Gefriert Wasser in ihren Fasern, können sie beschädigt werden, ohne dass man es sieht.
Gut zu wissen
Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Frischer Schnee ist sauber, Kälte tötet Keime.“ Viele Krankheitserreger überstehen das Gefrieren jedoch, und manche widerstandsfähigen Dauerformen, etwa Zysten einzelliger Parasiten, bleiben lange ansteckend. Schnee und Eis können außerdem Ruß, Luftschadstoffe oder Ausscheidungen von Tieren enthalten.
Schmelzwasser ist deshalb Rohwasser – genau wie Wasser aus einem Bach. Chemische Verunreinigungen entfernt weder das Schmelzen noch das Abkochen. Gletscherbäche führen oft feines Gesteinsmehl, das das Wasser milchig färbt; das ist meist nicht giftig, kann aber Filter schnell verstopfen.
Auch im Winter verliert der Körper viel Wasser über die trockene, kalte Atemluft und durch Schwitzen unter warmer Kleidung. Warme Getränke aus Schmelzwasser helfen doppelt: Sie liefern Flüssigkeit und etwas Wärme.
Schritt für Schritt
Schnee oder Eis auswählen
Nimm sauberen, unverfärbten Schnee abseits von Wegen, Lagerplätzen und Tierspuren oder klares Eis. Bevorzuge Eis, wenn es sicher erreichbar ist.
Achtung: Eis auf Gewässern nur betreten, wenn seine Tragfähigkeit sicher ist.
- 1
Schnee oder Eis auswählen
Nimm sauberen, unverfärbten Schnee abseits von Wegen, Lagerplätzen und Tierspuren oder klares Eis. Bevorzuge Eis, wenn es sicher erreichbar ist.
Eis auf Gewässern nur betreten, wenn seine Tragfähigkeit sicher ist.
- 2
Mit Wasser anfangen
Gib, wenn möglich, etwas Wasser in den Topf, bevor du Schnee hinzufügst, und stelle den Kocher im Freien windgeschützt auf.
- 3
Nach und nach nachfüllen
Füge Schnee in kleinen Portionen hinzu und rühre um, statt den Topf auf einmal zu füllen.
- 4
Desinfizieren
Bringe das Schmelzwasser zum sprudelnden Kochen (siehe Abkochen) oder desinfiziere es mit einem anderen geeigneten Verfahren.
- 5
Vor erneutem Gefrieren schützen
Bewahre Wasser nahe am Körper oder isoliert auf; Flaschen mit dem Deckel nach unten lagern, da Wasser von oben gefriert.
Häufige Fehler
- Schnee essen statt schmelzen
- Topf mit trockenem Schnee füllen und anbrennen lassen
- Brennstoffbedarf unterschätzen
- Schmelzwasser unbehandelt trinken
- Kocher im Zelt benutzen
Kurzüberblick
Material
Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
Heiß – Verbrühungsgefahr.
Kocher
Nur im Freien oder gut belüftet betreiben
Niemals in Zelt, Unterkunft oder geschlossenen Räumen betreiben – Kohlenmonoxid- und Brandgefahr.
Feuerzeug, Streichhölzer oder Feuerstahl
Lokale Feuerverbote beachten.
Trockenes Brennholz
Nur dort sammeln, wo es erlaubt ist.
Einwandige Edelstahlflasche
Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.
Doppelwandige (vakuumisolierte) Flaschen niemals erhitzen – Explosionsgefahr.
Geeignet für
- Winter- und Hochgebirgstouren ohne flüssiges Wasser
- Polar- und Gletscherregionen
Ungeeignet für
- Situationen mit knappem Brennstoff ohne Alternative
- Schnee in Siedlungs-, Straßen- oder Industrienähe ohne Prüfung auf Verschmutzung
- Verfärbter Schnee
Voraussetzungen
- Brennstoff und Kocher oder Feuer
- Sichere Kocherbedienung
Sicherheit
- Schmelzwasser aus Schnee oder Eis vor dem Trinken desinfizieren; Gefrieren macht Wasser nicht keimfrei.
- Schnee nicht in größeren Mengen essen: Er kühlt den Körper aus und ersetzt kein aufbereitetes Wasser.
So funktioniert es
Schmelzen benötigt viel Energie, und Schnee enthält viel Luft: Ein voller Topf Schnee ergibt nur einen Bruchteil an Wasser. Eis ist dichter und liefert pro Volumen mehr. Ein kleiner Rest Wasser im Topf verhindert, dass der Topfboden überhitzt und das Wasser angebrannt schmeckt.
Vorteile
- Im Winter oft unbegrenzt verfügbar
- Meist geringe Trübung
Nachteile
- Sehr hoher Brennstoff- und Zeitbedarf
- Gefahr durch Kocherbetrieb in Unterkünften
- Keine Keimfreiheit
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Viele Krankheitserreger überstehen Gefrieren; einige Dauerformen wie Protozoenzysten bleiben lange infektiös. Schnee kann zudem Luftschadstoffe, Ruß oder Ausscheidungen von Tieren enthalten. Schmelzwasser ist deshalb Rohwasser.
In Wintersituationen ist Brennstoff oft die eigentliche Engstelle: Wer Wasser schmelzen muss, plant den Brennstoff danach. Das Abkochen lässt sich mit dem Schmelzen verbinden, weil das Wasser ohnehin erhitzt wird.
Varianten
- Schmelzen in der Sonne
- Bei Sonne kann Schnee auf einer dunklen Folie oder in einem dunklen Beutel langsam schmelzen. Das spart Brennstoff, ersetzt aber keine Desinfektion.
Häufige Fehler
- Schnee essen statt schmelzen
- Topf mit trockenem Schnee füllen und anbrennen lassen
- Brennstoffbedarf unterschätzen
- Schmelzwasser unbehandelt trinken
- Kocher im Zelt benutzen
Grenzen und Risiken
- Ohne Brennstoff oder Sonne kaum praktikabel
- Entfernt keine Chemikalien
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.)
- Feuerzeug, Streichhölzer oder Feuerstahl
- Feuerstahl (Vor dem Ernstfall üben.), Schlagstahl und harter Stein (Kohlenstoffstahl, kein Edelstahl.), Feuerbohr-Set (Bogen, Spindel, Brett, Druckstück) (Nur trockenes Holz verwenden.), Brennglas / Lupe (Nie in der Sonne liegen lassen – Brandgefahr.), Feuerkolben (Dichtung pflegen.)
- Trockenes Brennholz
- Zunder (Wasserdicht verpackt mitführen.), Zunderstoff (verkohlte Baumwolle) (Trocken in einer Dose lagern.), Feinste Stahlwolle (Getrennt von Batterien lagern – Brandgefahr.), Kienspan (harzreiches Holz) (Nur totes Holz sammeln, wo erlaubt.), Kocherbrennstoff (Kartusche, Benzin, Spiritus) (Brennstoffe getrennt von Lebensmitteln und in Originalbehältern bzw. dafür vorgesehenen Flaschen lagern.), Watte mit Vaseline (Nur reine Baumwolle verwenden.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Schnee und Eis als Wasserquelle; Hinweise zum Schmelzen
Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel – Water Disinfection
Aufbereitung von Wasser aus natürlichen Quellen
World Health Organization, Regional Office for Europe (2010): WHO guidelines for indoor air quality: selected pollutants (carbon monoxide chapter)
Gesundheitsgefahr durch Kohlenmonoxid