Notbiwak mit Rettungsdecke, Biwaksack oder Müllsack
Eine Rettungsdecke, ein Biwaksack oder ein großer Müllsack kann bei einer ungeplanten Nacht oder beim Warten auf Hilfe kurzfristig vor Wind und Nässe schützen. Entscheidend sind dabei ein geschützter Platz und eine Isolierung vom Boden. Ein Notbiwak ersetzt keine richtige Ausrüstung.
- Wenige Minuten; Bodenisolierung sammeln länger

Einfach erklärt
Manchmal läuft eine Wanderung anders als geplant: Man hat sich verlaufen, jemand ist verletzt, oder das Wetter schlägt um. Dann muss man vielleicht eine Nacht draußen bleiben, ohne Zelt. Dafür gibt es kleine Notlösungen, die in jeden Rucksack passen: eine glänzende Rettungsdecke, einen Biwaksack oder einen großen, stabilen Müllsack.
Diese Hüllen funktionieren wie ein Regenmantel für den ganzen Körper: Sie halten Wind und Regen ab. Warm machen sie aber kaum, und gegen den kalten Boden helfen sie fast gar nicht. Darum setzt du dich zusätzlich auf deinen Rucksack, eine Isomatte oder einen dicken Haufen trockenes Laub.
Die wichtigste Regel: Zieh nie einen Plastiksack oder eine Folie über den Kopf – du könntest ersticken. Das Gesicht bleibt immer frei. Und wenn es jemandem schlechter geht, wählt ihr früh den Notruf.
Wie es funktioniert
Die dünne Hülle hält Wind und Regen vom Körper fern. Damit bremst sie zwei der vier Wege, auf denen der Körper Wärme verliert: die Konvektion durch Wind und die Verdunstung von Nässe. Eine metallisch glänzende Rettungsdecke wirft zusätzlich einen Teil der Wärmestrahlung zurück.
Gegen den dritten wichtigen Weg, die Leitung in den Boden, hilft die Hülle praktisch nicht. Sie ist viel zu dünn, um Luft einzuschließen. Deshalb gehört unter jedes Notbiwak eine Isolierschicht: Isomatte, Rucksack, Seil oder eine dicke Lage trockener Vegetation.
Weil Folien und Kunststoffsäcke keine Feuchtigkeit durchlassen, sammelt sich innen Kondenswasser aus Atem und Haut. Für eine Nacht ist das meist hinnehmbar. Über mehrere Tage durchfeuchtet es aber Kleidung und Isolierung – auch deshalb ist ein Notbiwak nur eine kurzfristige Lösung.
Worauf es ankommt
Früh entscheiden ist der wichtigste Schritt. Wenn absehbar ist, dass du dein Ziel nicht sicher erreichst, halte an, solange es noch hell ist, du noch Kraft hast und deine Kleidung noch trocken ist. Wer erst stoppt, wenn alles nass und die Kraft verbraucht ist, gewinnt mit einer Folie nur noch wenig. Verständige wenn möglich Hilfe.
Such dir einen Platz im Windschatten hinter Felsen, Gelände oder dichtem Bewuchs, aber nicht in Senken, Rinnen oder unter toten Ästen. Zieh alle trockene Reservekleidung, Mütze und Handschuhe an, bevor du in die Hülle steigst. Nasse Schichten tauschst du, wo möglich, gegen trockene.
Sitzt du zusammengekauert auf dem Rucksack, berührt nur wenig Körperfläche den Boden. In den Biwaksack oder Müllsack steigst du bis zu den Schultern; eine Rettungsdecke wickelst du eng um dich, damit sie nicht im Wind flattert und reißt. In der Gruppe rückt ihr eng zusammen.
Ausrüstung und Material
Eine Rettungsdecke ist sehr leicht und klein, reißt aber schnell weiter, sobald sie ein Loch hat. Unter einer winddichten Jacke eng am Körper getragen, ist sie vor Wind geschützt und hält länger. Rettungsdecken leiten Strom – benutze sie nicht in der Nähe von Stromleitungen.
Ein Biwaksack ist robuster und umschließt den ganzen Körper; das Gesicht bleibt in der Öffnung frei. Ein großer, stabiler Müllsack ist die günstigste Lösung: Er schützt Beine und Rumpf gegen Regen. Für das Gesicht schneidest du eine Öffnung – du kriechst nie mit dem Kopf voran hinein.
Eine Stirnlampe und auffällige Farben helfen, für Rettungskräfte sichtbar zu sein. Ein Handy ist ein wichtiges Hilfsmittel; Akkus verlieren in der Kälte schneller an Leistung, deshalb hilft es, das Telefon nah am Körper warmzuhalten.
Sicherheit: darauf musst du achten
Niemals einen Kunststoffsack oder eine Folie über den Kopf ziehen. Es besteht Erstickungsgefahr, besonders wenn man müde ist oder einschläft. Das Gesicht bleibt immer unbedeckt.
Ein Notbiwak verwandelt eine gefährliche Lage nicht in eine sichere. Beobachtet euch gegenseitig auf starkes Zittern, Verwirrtheit und Schläfrigkeit. Wenn sich der Zustand von jemandem verschlechtert oder Warnzeichen einer Unterkühlung auftreten, wählt früh die örtliche Notrufnummer (112 in der EU) – lieber zu früh als zu spät.
Auch im Notbiwak gilt: kein Kocher und keine offene Flamme unter der Folie. Kunststoff brennt und schmilzt, und unter einer Hülle kann sich Kohlenmonoxid sammeln.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Ein Notbiwak ist die Reserve für den Fall, dass etwas schiefgeht: eine ungeplante Nacht, das Warten auf Rettung oder eine kurze Pause bei Wind und Regen. Es wiegt so wenig, dass es bei jeder Tour in den Rucksack gehören sollte.
Für geplante Übernachtungen ist es kein Ersatz. Dafür gehören Zelt oder Tarp, Schlafsack und Isomatte ins Gepäck. Auch für mehrere Nächte oder für strenge Kälte ohne zusätzliche Isolation reicht ein Notbiwak nicht aus.
Übe den Gebrauch einmal zu Hause oder im Garten: Wie öffnet man die Rettungsdecke, ohne dass sie wegfliegt? Wie sitzt man im Müllsack auf dem Rucksack? Im Ernstfall, mit kalten Fingern und im Wind, bist du dann viel schneller.
Schritt für Schritt
Früh entscheiden
Wenn absehbar ist, dass das Ziel nicht sicher erreicht wird, früh anhalten, solange noch Tageslicht, Kraft und trockene Kleidung vorhanden sind. Wenn möglich Hilfe verständigen.
- 1
Früh entscheiden
Wenn absehbar ist, dass das Ziel nicht sicher erreicht wird, früh anhalten, solange noch Tageslicht, Kraft und trockene Kleidung vorhanden sind. Wenn möglich Hilfe verständigen.
- 2
Geschützten Platz suchen
Windschatten hinter Felsen, Gelände oder dichtem Bewuchs nutzen, aber Senken, Rinnen und Gefahren von oben meiden.
- 3
Vom Boden isolieren
Auf Isomatte, Rucksack, Seil oder einer dicken Schicht trockener Vegetation sitzen oder liegen – nie direkt auf dem Boden. Sitzen in Hockhaltung auf dem Rucksack verringert die Kontaktfläche.
- 4
Alle Kleidung anziehen
Trockene Reservekleidung, Mütze und Handschuhe anziehen, bevor die Hülle geschlossen wird. Nasse Schichten möglichst gegen trockene tauschen.
- 5
Hülle anlegen
In Biwaksack oder Müllsack bis zu den Schultern hineinsteigen oder die Rettungsdecke eng um den Körper wickeln. Das Gesicht bleibt immer frei.
Nie den Kopf in einen Kunststoffsack stecken.
- 6
Zusammenrücken und sichtbar bleiben
In der Gruppe eng zusammenrücken. Stirnlampe und auffällige Farben nutzen, um für Rettungskräfte sichtbar zu sein.
- 7
Zustand beobachten
Sich gegenseitig auf Zittern, Verwirrtheit und Schläfrigkeit beobachten und bei Verschlechterung den Notruf wählen.
Häufige Fehler
- Die Rettungsdecke für eine vollwertige Unterkunft halten
- Ohne Bodenisolierung auf kaltem Boden liegen
- Zu spät anhalten, wenn Kleidung schon nass und Kraft verbraucht ist
- Die Folie über den Kopf ziehen
- Die Rettungsdecke im Wind lose flattern lassen, bis sie reißt
Kurzüberblick
Material
Rettungsdecke
Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.
Leitfähig – nicht in der Nähe von Stromleitungen verwenden.
Kunststofffolie / großer Müllsack
Großer, stabiler Müllsack – nie über den Kopf ziehen
Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).
Nicht für Trinkwasser verwenden, wenn nicht lebensmittelecht.
Isomatte
Rucksack
Als Bodenisolierung
Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige
Als Bodenisolierung
Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.
Stirnlampe / Taschenlampe
Um gesehen zu werden und sich zu orientieren
Geeignet für
- Ungeplante Nacht nach Verirren, Verletzung oder Wetterumschwung
- Warten auf Rettung
- Kurze Pausen bei Wind und Regen
Ungeeignet für
- Geplante Übernachtungen anstelle von Zelt, Tarp oder Schlafsack
- Mehrere Nächte
- Strenge Kälte ohne zusätzliche Isolation
Voraussetzungen
- Rettungsdecke, Biwaksack oder Müllsack griffbereit mitgeführt
Sicherheit
- Rettungsdecken sind elektrisch leitfähig – nicht in der Nähe von Stromleitungen verwenden.
So funktioniert es
Die Hülle hält Wind und Regen ab und verringert so Wärmeverlust durch Konvektion und Verdunstung; eine metallisierte Rettungsdecke reflektiert zusätzlich einen Teil der Wärmestrahlung. Gegen Leitung in den Boden hilft die dünne Hülle praktisch nicht – deshalb ist eine Isolierschicht darunter unverzichtbar. Weil die Materialien nicht atmungsaktiv sind, sammelt sich innen Kondenswasser.
Vorteile
- Sehr leicht und klein
- Schnell einsatzbereit
- Deutlicher Gewinn an Wind- und Nässeschutz
Nachteile
- Keine Bodenisolierung
- Starke Kondensation
- Material reißt leicht
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Ein Notbiwak ist das, was man unterwegs immer dabeihaben sollte, aber nie planmäßig nutzen will. Rettungsdecke, Biwaksack oder Müllsack wiegen wenig und können eine ungeplante Nacht deutlich erträglicher machen. Sie verwandeln eine gefährliche Lage aber nicht in eine sichere: Sie halten Wind und Nässe ab, isolieren jedoch kaum.
Die größten Fehler sind fehlende Bodenisolierung und zu spätes Handeln. Wer erst anhält, wenn die Kleidung durchnässt und die Kraft verbraucht ist, gewinnt mit einer Folie wenig. Die Feuchtigkeit, die sich in nicht atmungsaktiven Hüllen sammelt, ist für eine Nacht meist hinnehmbar, macht sie aber für längere Zeiträume ungeeignet.
Für geplante Übernachtungen gehören Tarp oder Zelt, Schlafsack und Isomatte ins Gepäck. Das Notbiwak ist die Reserve für den Fall, dass etwas schiefgeht.
Varianten
- Biwaksack
- Ein Biwaksack ist robuster als eine Rettungsdecke und schließt den Körper vollständig ein; das Gesicht bleibt in der Öffnung frei.
- Rettungsdecke
- Leicht und klein, reißt aber an Löchern schnell weiter. Eng anliegend unter einer winddichten Jacke getragen, ist sie windgeschützt.
- Großer Müllsack
- Ein großer, stabiler Sack über Beine und Rumpf schützt gegen Regen. Für das Gesicht eine Öffnung schneiden; nie über den Kopf ziehen.
Häufige Fehler
- Die Rettungsdecke für eine vollwertige Unterkunft halten
- Ohne Bodenisolierung auf kaltem Boden liegen
- Zu spät anhalten, wenn Kleidung schon nass und Kraft verbraucht ist
- Die Folie über den Kopf ziehen
- Die Rettungsdecke im Wind lose flattern lassen, bis sie reißt
Grenzen und Risiken
- Nur für kurze Zeit gedacht
- Kein Ersatz für Schlafsack, Isomatte und Zelt oder Tarp
- Kein Schutz vor Bodenkälte ohne zusätzliche Isolierschicht
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Kunststofffolie / großer Müllsack
- Tarp / Plane, Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Isomatte
- Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Rucksack
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige
- Isomatte, Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Schutz vor Wind, Nässe und Bodenkälte als Maßnahmen gegen Unterkühlung in Notlagen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Improvisierte Notunterkünfte und Nutzung von Folien