Citizen Science: Sichtungen und Spuren sinnvoll melden
Naturschutzverbände, Forschungseinrichtungen und Behörden sammeln Beobachtungen von Laien – von Vogelzählungen über Wildkameraprojekte bis zu Meldungen überfahrener Tiere. Nützlich sind Meldungen, die einem festen Protokoll folgen, Belege enthalten, Unsicherheit offen angeben und sensible Arten schützen. Gute Meldungen entstehen ohne Störung der Tiere.
- Wenige Minuten pro Meldung; Projekte nach Wahl

Einfach erklärt
Forscher können nicht überall gleichzeitig sein. Darum bitten Naturschutzverbände, Universitäten und Behörden ganz normale Menschen um Hilfe: Sie sollen aufschreiben, welche Tiere sie wo gesehen haben. Das nennt man Citizen Science, auf Deutsch auch Bürgerwissenschaft. Viele kleine Beobachtungen ergeben zusammen ein großes Bild – wie viele Puzzleteile ein ganzes Puzzle.
Damit die Forscher mit deinen Beobachtungen etwas anfangen können, müssen sie zuverlässig sein. Schreib genau auf, wann und wo du etwas gesehen hast, mach wenn möglich ein Foto und sag ehrlich, wenn du dir nicht ganz sicher bist. Auch „Ich habe heute nichts gesehen“ kann bei manchen Zählungen wichtig sein.
Und denk an die Tiere: Für ein Foto gehst du nie zu nah heran und störst keine Nester. Den genauen Ort von seltenen Tieren, zum Beispiel einem Nest, stellst du nicht öffentlich ins Internet.
Wie es funktioniert
Wo kommt eine Art vor? Wird sie häufiger oder seltener? Wann kommen Zugvögel zurück? Solche Fragen lassen sich nur beantworten, wenn sehr viele Beobachtungen aus vielen Orten und über viele Jahre zusammenkommen – viel mehr, als Fachleute allein erfassen könnten. Hier kommen Freiwillige ins Spiel.
Damit Daten aus vielen Händen auswertbar sind, müssen sie vergleichbar sein. Darum haben gute Projekte ein festes Protokoll: Sie legen fest, wie lange gezählt wird, auf welcher Strecke, was genau notiert wird und wie die Sicherheit einer Bestimmung angegeben wird. Wer sich an das Protokoll hält, liefert Daten, die man mit denen anderer zusammenrechnen kann.
Ein Punkt überrascht viele: Bei festen Zählungen ist auch „nichts gefunden“ eine wertvolle Angabe. Wenn jemand jedes Jahr dieselbe Strecke abläuft und eine Art plötzlich nicht mehr sieht, ist genau das die wichtige Nachricht. Wer nur Besonderheiten meldet, verzerrt das Bild.
Worauf es ankommt: gute Meldungen
Eine gute Meldung enthält vier Dinge: Was hast du beobachtet? Wann genau (Datum und Uhrzeit)? Wo genau? Und wie sicher bist du dir? Ort und Zeit erfasst ein Smartphone oft automatisch; prüfe aber, ob die Angaben stimmen, besonders wenn du die Meldung erst später eingibst.
Belege machen deine Meldung überprüfbar: ein Foto mit einem Größenvergleich, eine Tonaufnahme bei Vogelrufen, Messwerte bei Spuren. Fachleute, die Meldungen prüfen, können damit Fehler erkennen und unsichere Bestimmungen bestätigen oder korrigieren.
Ehrlichkeit ist dabei wichtiger als Vollständigkeit. Melde nur, was du sicher bestimmen kannst, oder markiere es ausdrücklich als „unsicher“ oder nur auf einer gröberen Ebene, etwa „Marderart“ statt einer bestimmten Art. Wenn Prüfer nachfragen oder eine Bestimmung ändern, ist das kein Vorwurf, sondern Teil der Qualitätssicherung.
Sicherheit und Rücksicht
Kein Belegfoto ist es wert, ein Tier zu stören. Geh nicht zu Nestern, Bauen oder Horsten, um eine Meldung zu machen, und halte Abstand. Ein Fernglas oder ein Teleobjektiv ersetzt Nähe.
Die genauen Fundorte seltener oder störungsempfindlicher Arten – etwa Brutplätze, Baue oder Horste – gehören nicht öffentlich mit Koordinaten ins Netz. Sie könnten Menschen anlocken, die die Tiere stören oder ihnen schaden. Viele Portale verschleiern solche Daten automatisch; prüfe die Einstellungen.
Achte auch auf Menschen: Entferne vor dem Hochladen Fotos und Wildkamerabilder, auf denen Personen oder Autokennzeichen zu erkennen sind, oder mache sie unkenntlich. Und bei Totfunden an Straßen fotografierst du nur, wenn das ohne Gefahr durch den Verkehr möglich ist; die Tiere nimmst du nicht mit.
Typische Projekte
Es gibt viele Formen von Citizen Science. Bei Zählaktionen zählen Menschen zu einem bestimmten Termin eine Stunde lang alle Vögel im Garten. Bei Spurentransekten läuft man nach Schneefall eine feste Strecke ab und notiert alle Spuren, die sie kreuzen. Bei Wildkameraprojekten werden Kamerabilder gemeinsam ausgewertet. Und Totfundmeldungen an Straßen zeigen, wo Tiere besonders oft überfahren werden – wertvolle Hinweise für Querungshilfen.
In vielen Ländern gibt es regionale Melde- und Kartierungsprojekte für Säugetiere, Vögel, Amphibien und andere Gruppen. Such dir ein Projekt mit einer klaren Fragestellung und einer verständlichen Anleitung. Diese Wissensbasis empfiehlt bewusst keine einzelnen Portale; frag bei Naturschutzverbänden, Museen oder Behörden in deiner Region nach.
Gut zu wissen
Die European Citizen Science Association hat 2015 zehn Prinzipien für gute Citizen Science formuliert. Dazu gehören, dass Freiwillige echt beteiligt werden, dass die Projekte einen wissenschaftlichen Nutzen haben, dass Daten möglichst offen zugänglich sind und dass rechtliche und ethische Fragen beachtet werden.
Mitmachen lohnt sich auch für dich selbst: Du lernst, genauer hinzusehen, Arten besser zu erkennen und ehrlich mit Unsicherheit umzugehen. Für Schulklassen und Vereine ist ein gemeinsames Projekt ein schönes Erlebnis, bei dem man echte Forschung unterstützt.
Schritt für Schritt
Projekt wählen
Ein Projekt mit klarer Fragestellung und Anleitung wählen, z. B. regionale Zählaktionen, Spurentransekte im Schnee, Wildkameraprojekte oder Totfundmeldungen.
- 1
Projekt wählen
Ein Projekt mit klarer Fragestellung und Anleitung wählen, z. B. regionale Zählaktionen, Spurentransekte im Schnee, Wildkameraprojekte oder Totfundmeldungen.
- 2
Protokoll befolgen
Route, Dauer und Zählweise genau einhalten. Abweichungen notieren.
- 3
Belege sichern
Foto mit Größenvergleich, Tonaufnahme bei Rufen, Messwerte bei Spuren. Datum, Uhrzeit und Ort automatisch oder sorgfältig von Hand erfassen.
- 4
Unsicherheit angeben
Nur melden, was man sicher bestimmen kann, oder ausdrücklich als „unsicher“ bzw. auf Gattungsebene markieren. Prüfungen durch Fachleute annehmen.
- 5
Arten und Menschen schützen
Keine Störung für ein Foto, sensible Fundorte verschleiern, Datenschutz bei Bildern beachten.
Häufige Fehler
- Unsichere Bestimmungen als sicher melden
- Für ein Belegfoto zu nah herangehen
- Genaue Horststandorte veröffentlichen
- Nur Besonderes melden, häufige Arten weglassen
Kurzüberblick
Material
Mobiltelefon
Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.
Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.
Notizbuch und Bleistift
Fernglas
Nie direkt in die Sonne blicken.
Maßband oder Zollstock
Geeignet für
- Regelmäßige Spaziergänge
- Garten- und Stadtbeobachtungen
- Schulklassen und Vereine
Ungeeignet für
- Aufsuchen von Nestern, Bauen oder Horsten für eine Meldung
Voraussetzungen
- Ein Projekt oder Meldeportal mit klaren Regeln
Sicherheit
- Fundorte seltener oder gestörter Arten (z. B. Brutplätze, Baue, Horste) nicht öffentlich mit genauen Koordinaten teilen. Viele Portale verschleiern solche Daten – Einstellungen prüfen.
- Fotos und Wildkamerabilder mit Personen oder Kennzeichen vor dem Hochladen entfernen oder unkenntlich machen.
So funktioniert es
Viele Beobachtungen zusammen zeigen, wo Arten vorkommen und wie sich Bestände verändern – mehr, als Fachleute allein erfassen könnten. Damit die Daten auswertbar sind, müssen sie vergleichbar sein: gleiche Methode, klare Angaben zu Ort, Zeit, Aufwand und Sicherheit der Bestimmung. Auch „nichts gefunden“ ist bei festen Zählungen eine wertvolle Information.
Vorteile
- Trägt zu Forschung und Naturschutz bei
- Schult Bestimmung und Beobachtung
- Gemeinschaftserlebnis
Nachteile
- Erfordert Disziplin beim Protokoll
- Fehlmeldungen sind möglich
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die European Citizen Science Association hat 2015 zehn Prinzipien für gute Citizen Science formuliert, darunter echte Beteiligung, wissenschaftlichen Nutzen, offene Daten und die Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Fragen.
In vielen Ländern gibt es regionale Melde- und Kartierungsprojekte für Säugetiere, Vögel und Amphibien.
Varianten
- Totfunde
- Totfunde an Straßen sind wertvolle Daten über Arten und Unfallschwerpunkte. Nur fotografieren, wenn das ohne Gefahr durch Verkehr möglich ist; Tiere nicht mitnehmen.
Häufige Fehler
- Unsichere Bestimmungen als sicher melden
- Für ein Belegfoto zu nah herangehen
- Genaue Horststandorte veröffentlichen
- Nur Besonderes melden, häufige Arten weglassen
Grenzen und Risiken
- Keine Empfehlung einzelner Portale
- Keine Artbestimmung
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Mobiltelefon
- Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
European Citizen Science Association (ECSA) (2015): Ten Principles of Citizen Science
Grundsätze guter Citizen Science: Beteiligung, Datenqualität, Ethik und Recht