Spuren vermessen: Trittsiegel, Spurbreite, Schritt und Gruppen
Messwerte machen Fährten vergleichbar und Bestimmungen überprüfbar. Gemessen werden Länge und Breite des Trittsiegels, die Spurbreite, der Abstand zwischen Abdrücken bzw. Gruppen und bei springenden Tieren die Gruppenlänge. Weil Feldführer Begriffe wie „Schritt“ unterschiedlich definieren, notiert man immer, welche Definition man verwendet.
- 10–20 Minuten pro Fährte

Einfach erklärt
Wenn du eine Tierspur findest, kannst du raten, von wem sie ist – oder du kannst messen. Messen ist wie bei einem Detektiv, der nicht nur sagt „das war ein großer Schuh“, sondern „Größe 43“. Mit einem Maßband misst du, wie lang und breit ein einzelner Abdruck ist, wie breit die ganze Spur ist und wie weit die Abdrücke auseinanderliegen.
Ein einzelner Messwert sagt aber noch wenig. Ein Tier, das rennt, macht größere Sprünge als eines, das langsam geht. Darum misst du mehrere Abdrücke hintereinander und schreibst auf, was der kleinste und der größte Wert war. Diese Spanne kannst du dann mit einem Bestimmungsbuch vergleichen.
Ein wichtiger Tipp: Verschiedene Bücher meinen mit demselben Wort manchmal verschiedene Dinge. Schreib dir deshalb auf, nach welchem Buch du misst. Und achte beim Messen auf deine Umgebung – nicht am Straßenrand oder auf Eis.
Wie es funktioniert
Größe und Abstände von Abdrücken hängen von drei Dingen ab: wie groß das Tier ist, welche Gangart es benutzt (gehen, traben, springen, galoppieren) und wie schnell es ist. Ein größeres Tier hat größere Füße und längere Beine; ein schnelleres Tier setzt die Füße weiter auseinander. Weil sich diese Einflüsse überlagern, braucht man mehrere Messgrößen, um ein Tier einzugrenzen.
Besonders nützlich ist die Spurbreite: der Abstand quer zur Laufrichtung vom äußeren Rand der linken zum äußeren Rand der rechten Abdrücke. Sie hängt vor allem davon ab, wie breit das Tier gebaut ist, und bleibt bei wechselnder Geschwindigkeit stabiler als die Schrittlänge. Darum ist sie oft der verlässlichste Wert, gerade in Schnee, wo einzelne Abdrücke unscharf sind.
Bei Tieren, die springen oder galoppieren, landen oft mehrere Füße dicht beieinander und bilden eine Gruppe. Dann misst man die Länge einer solchen Gruppe und den Abstand von einer Gruppe zur nächsten. Bei gehenden oder trabenden Tieren misst man den Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Abdrücken.
Worauf es ankommt: Definitionen festlegen
Das klingt kleinlich, ist aber entscheidend: Feldführer definieren Begriffe unterschiedlich. Manche messen die Länge eines Abdrucks mit Krallen, andere ohne. Manche verstehen unter „Schritt“ den Abstand zum nächsten Abdruck, andere den Abstand zum nächsten Abdruck desselben Fußes – das ist dann ungefähr doppelt so viel. Wer Messwerte aus einem Buch mit der Messmethode eines anderen Buches vergleicht, kommt zu falschen Ergebnissen.
Entscheide dich deshalb vor dem Messen für einen Feldführer und schreib die Definitionen in dein Notizbuch. Elbroch beschreibt in „Mammal Tracks & Sign“ ein einheitliches Vorgehen und Messspannen für nordamerikanische Arten; für europäische Arten gibt es eigene Feldführer, teils mit abweichenden Definitionen. Wichtig ist nicht, welche Methode du nimmst, sondern dass du immer dieselbe nimmst.
Miss den Abdruck immer an seiner größten Länge und Breite und am klarsten Abdruck der Fährte. Vorder- und Hinterfüße sind bei vielen Tieren unterschiedlich groß; wenn du sie unterscheiden kannst, miss sie getrennt.
So übst du es
Such dir eine Fährte mit mehreren aufeinanderfolgenden Abdrücken, zum Beispiel im Schnee, im feuchten Sand oder auf einem Feldweg nach Regen. Markiere bei Bedarf Abdrücke mit kleinen Stöckchen, damit du dich nicht verzählst. Miss dann mindestens fünf Werte in Folge: Abdrucklänge und -breite, Spurbreite und Abstände.
Schreib nicht nur einen Durchschnitt auf, sondern den kleinsten und den größten Wert, dazu Untergrund, Gangart, Datum und Wetter. Mach außerdem Fotos: eines senkrecht von oben mit dem Maßband in der Bildebene, und ein Übersichtsbild, auf dem mehrere Abdrücke der Fährte zu sehen sind. So kannst du später nachprüfen, was du gemessen hast.
Ein guter Einstieg ist es, bekannte Tiere zu messen: den eigenen Hund, die Nachbarskatze in einem Spurenbeet oder die eigenen Schuhe bei langsamem und schnellem Gehen. So siehst du, wie stark sich Abstände mit der Geschwindigkeit verändern, die Spurbreite aber weniger.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Messen lohnt sich, wenn du eine Spur mit einem Feldführer bestimmen willst, wenn du ein Spurentagebuch führst oder an einem Monitoring- oder Citizen-Science-Projekt teilnimmst. Messwerte machen deine Beobachtungen für andere nachvollziehbar und über Jahre vergleichbar.
Bei einzelnen, verwischten Abdrücken oder bei angetauten Schneespuren bringt Messen dagegen wenig – die Werte wären verfälscht. Und auch gute Messungen sind nur eine Hilfe, kein Beweis: Die Spannen verschiedener Arten überschneiden sich oft. Erst das Gesamtbild aus Abdruck, Fährte, Lebensraum und weiteren Zeichen führt zu einer belastbaren Bestimmung.
Sicherheit: darauf musst du achten
Beim Messen schaut man lange nach unten und vergisst leicht die Umgebung. Arbeite deshalb nicht an Straßenrändern, auf Uferkanten oder auf Eis. In der Dämmerung bleibst du besser auf Wegen, weil du Hindernisse schlechter siehst und andere dich schlechter sehen.
Wenn eine Fährte in unwegsames Gelände führt, lass sie lieber dort enden, wo es für dich sicher ist. Eine unvollständige Messreihe ist besser als ein verstauchter Knöchel oder nasse Füße bei Kälte.
Schritt für Schritt
Definition festlegen
Vorher klären, nach welchem Feldführer gemessen wird: Wird die Länge mit oder ohne Krallen gemessen? Gilt „Schritt“ als Abstand zum nächsten Abdruck oder zum nächsten Abdruck desselben Fußes? Im Notizbuch vermerken.
- 1
Definition festlegen
Vorher klären, nach welchem Feldführer gemessen wird: Wird die Länge mit oder ohne Krallen gemessen? Gilt „Schritt“ als Abstand zum nächsten Abdruck oder zum nächsten Abdruck desselben Fußes? Im Notizbuch vermerken.
- 2
Trittsiegel messen
Am klarsten Abdruck die größte Länge und Breite messen; Vorder- und Hinterfuß getrennt, wenn unterscheidbar.
- 3
Spurbreite
Quer zur Laufrichtung vom äußeren Rand der linken zum äußeren Rand der rechten Abdrücke messen.
- 4
Abstände
Bei Gehern Abstände zwischen aufeinanderfolgenden Abdrücken, bei Springern Abstand zwischen Gruppen und die Gruppenlänge messen. Mindestens fünf Werte in Folge aufnehmen.
- 5
Spanne notieren
Kleinsten und größten Wert sowie Untergrund und Gangart notieren; Foto mit Maßband als Größenbezug.
Häufige Fehler
- Nur einen Abdruck messen
- Definitionen verschiedener Bücher mischen
- Geschmolzene Schneespuren messen
- Untergrund und Gangart nicht notieren
Kurzüberblick
Material
Maßband oder Zollstock
Notizbuch und Bleistift
Stabile Äste / Stangen
Als Markierstäbe
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Mobiltelefon
Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.
Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.
Geeignet für
- Bestimmung mit Feldführer
- Spurentagebuch
- Monitoring und Citizen Science
Ungeeignet für
- Einzelne, verwischte Abdrücke
Voraussetzungen
- Eine Fährte mit mehreren aufeinanderfolgenden Abdrücken
Sicherheit
- Beim Messen auf die Umgebung achten: Straßenränder, Ufer und Eis meiden; in der Dämmerung nicht abseits von Wegen arbeiten.
So funktioniert es
Größe und Abstand der Abdrücke hängen von Körpergröße, Gangart und Geschwindigkeit ab. Ein einzelner Messwert sagt wenig; eine Reihe von Messungen ergibt eine Spanne, die mit den Angaben im Feldführer verglichen werden kann. Die Spurbreite bleibt bei wechselnder Geschwindigkeit stabiler als die Schrittlänge und ist deshalb besonders aussagekräftig.
Vorteile
- Nachvollziehbare Bestimmungen
- Vergleichbar über Zeit und Orte
Nachteile
- Zeitaufwendig
- Messwerte überschneiden sich zwischen Arten
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Elbroch beschreibt in „Mammal Tracks & Sign“ ein einheitliches Vorgehen beim Messen von Abdrücken und Fährten und gibt Messspannen für nordamerikanische Arten an. Für europäische Arten gibt es eigene Feldführer mit teils abweichenden Definitionen.
Messungen sind eine Hilfe, kein Beweis – das Gesamtbild aus Abdruck, Fährte, Lebensraum und Zeichen entscheidet.
Varianten
- Fotodokumentation
- Senkrecht von oben fotografieren, Maßband in der Bildebene, zusätzlich ein Übersichtsbild der Fährte mit mehreren Abdrücken.
Häufige Fehler
- Nur einen Abdruck messen
- Definitionen verschiedener Bücher mischen
- Geschmolzene Schneespuren messen
- Untergrund und Gangart nicht notieren
Grenzen und Risiken
- Keine Messtabellen für einzelne Arten
- Definitionen unterscheiden sich zwischen Feldführern
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Mobiltelefon
- Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Mark Elbroch – Stackpole Books (2003): Mammal Tracks & Sign: A Guide to North American Species
Messen von Abdrücken, Spurbreite, Abständen und Gruppen