Hase, Kaninchen, Eichhörnchen: Sprungspuren lesen
Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen bewegen sich in Sprüngen. Dabei landen die großen Hinterpfoten vor den Vorderpfoten – die Gruppe aus vier Abdrücken zeigt mit den beiden großen Abdrücken in Laufrichtung. Beim Hasen stehen die Vorderpfoten hintereinander (Y-Form), beim Eichhörnchen nebeneinander (Rechteck). Fraßzeichen wie benagte Zapfen ergänzen das Bild. Junge Hasen nie anfassen, tote Hasen nie berühren.
- 5–15 Minuten pro Spur

Einfach erklärt
Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen laufen nicht Schritt für Schritt, sie hüpfen. Dabei landen sie zuerst mit den kleinen Vorderpfoten und schwingen dann die großen Hinterbeine daran vorbei nach vorn. Im Schnee siehst du deshalb immer Gruppen aus vier Abdrücken, dann eine Lücke, dann wieder vier.
Das Verrückte ist: Die großen Abdrücke liegen vorn. Viele Leute denken, das Tier ist in die andere Richtung gelaufen – aber es ist immer dorthin gehüpft, wohin die großen Abdrücke zeigen. Beim Hasen stehen die kleinen Abdrücke hintereinander, das sieht aus wie ein Y. Beim Eichhörnchen stehen sie nebeneinander, das sieht aus wie ein kleines Rechteck.
Wenn du im Frühling einen kleinen Hasen allein im Gras findest, lass ihn liegen – die Mutter kommt nachts zum Säugen. Und tote Hasen fasst du nie an, weil sie eine Krankheit übertragen können, die auch Menschen krank macht.
Wie es funktioniert
Springende Tiere haben lange, kräftige Hinterbeine und kürzere Vorderbeine. Beim Sprung stoßen sie sich hinten ab, fliegen kurz, landen vorn und ziehen die Hinterbeine weit nach vorn, an den Vorderpfoten vorbei. Dort setzen sie auf und stoßen sich für den nächsten Sprung ab. Das Ergebnis ist eine Vierergruppe, in der die Hinterpfoten vorn liegen.
Wie die Vorderpfoten aufsetzen, verrät die Tiergruppe. Hasen und Kaninchen setzen sie nacheinander auf, eine hinter der anderen, oft leicht versetzt. Mit den zwei Hinterpfoten nebeneinander davor entsteht eine Y-Form. Eichhörnchen sind Baumkletterer; sie landen mit beiden Vorderpfoten gleichzeitig nebeneinander, wie beim Sprung von Ast zu Ast. Mit den Hinterpfoten davor entsteht ein Rechteck.
Je schneller das Tier läuft, desto weiter werden die Sprünge. Ein flüchtender Hase kann sehr weite Sätze machen; ein Hase, der gemütlich Futter sucht, hoppelt dagegen kurze Strecken. Die Abstände zwischen den Gruppen erzählen also, ob das Tier ruhig oder in Eile war.
Worauf es ankommt
Bestimme zuerst die Laufrichtung, dann die Art. Such die beiden großen, länglichen Abdrücke: Sie liegen vorn, und dorthin ist das Tier gelaufen. Dann schau auf die kleinen Abdrücke dahinter: hintereinander wie beim Y, oder nebeneinander wie beim Rechteck? Damit hast du Hase oder Kaninchen von Eichhörnchen schon getrennt.
Den Feldhasen vom Kaninchen unterscheidest du an Größe und Ort. Die Hinterpfoten-Abdrücke des Hasen sind etwa 5 bis 6 Zentimeter lang, im Schnee mit der ganzen Sohle deutlich länger (Richtwerte). Kaninchen sind kleiner, machen kürzere Sprünge und leben in Kolonien mit vielen Bauen, oft in sandigem Boden, an Böschungen oder in Parks. Hasen leben ohne Bau auf Feldern und an Waldrändern und ruhen in einer flachen Mulde, der Sasse.
Eichhörnchenspuren führen von Baum zu Baum und enden am Stamm. Zusammen mit Fraßzeichen wird das Bild eindeutig: Fichtenzapfen, die bis auf eine ausgefranste Spindel abgenagt sind, mit einem Schuppenhaufen am Stammfuß, und glatt in zwei Hälften gespaltene Haselnüsse. Mäuse dagegen nagen kleine, runde Löcher in Nüsse.
Sicherheit: darauf musst du achten
Feldhasen können die Hasenpest übertragen, die Tularämie. Sie macht auch Menschen krank, zum Beispiel wenn man kranke oder tote Tiere anfasst. Darum fasst du tote Hasen und Kaninchen nie an und hältst Hunde fern. Findest du mehrere tote Tiere, meldest du das dem Jagdausübungsberechtigten oder dem Veterinäramt.
Junghasen liegen tagsüber allein und reglos in einer Mulde. Sie sind nicht verlassen: Die Mutter kommt meist nur ein- bis zweimal am Tag, vor allem in der Dämmerung, zum Säugen, damit sie keine Feinde anlockt. Ein Junghase wird nicht angefasst und nicht mitgenommen. Geh sofort weiter und nimm deinen Hund an die Leine.
Auch der Kot von Hasen, Kaninchen und Nagern wird nicht angefasst. Nach dem Spurenlesen wäschst du dir die Hände. Achte im Winter auf dich selbst: Ein Spurenspaziergang im Schnee macht Spaß, aber nasse Kleidung und kalte Hände kühlen schnell aus.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Sprungspuren sind ideal für Anfänger und Kinder: Sie sind häufig, auffällig und haben ein klares Muster. Nach einer Neuschneenacht findest du sie auf Feldern, Wiesen, in Parks und Gärten. Wer einmal die Laufrichtung richtig bestimmt hat, versteht auch andere Spurbilder besser.
Schwierig wird es in Laub, Gras oder sehr tiefem, lockerem Schnee, wo sich keine klaren Gruppen abzeichnen. Junge Hasen und erwachsene Kaninchen sind kaum zu unterscheiden. Und Mäuse hüpfen ebenfalls in Vierergruppen, nur winzig – dort hilft der Größenvergleich mit einem Maßband.
Gut zu wissen
Hasen haben einen schlauen Trick: Bevor sie sich in ihre Sasse legen, laufen sie oft ein Stück auf der eigenen Spur zurück und machen dann einen weiten Sprung zur Seite. Für einen Verfolger, der der Nase nach geht, endet die Spur plötzlich. Für dich ist das ein spannendes Rätsel – du findest die Fortsetzung oft ein paar Meter seitlich.
Hasen und Kaninchen beißen Zweige mit ihren scharfen Schneidezähnen glatt und schräg ab, wie mit einem Messer geschnitten. Rehe dagegen hinterlassen ausgefranste Kanten, weil ihnen oben die Schneidezähne fehlen. So kannst du auch ohne Abdruck erkennen, wer an einem Busch genascht hat.
Schritt für Schritt
Sprunggruppe erkennen
Vier Abdrücke liegen dicht zusammen, dann folgt eine Lücke und wieder vier Abdrücke. Zwei davon sind groß und länglich – die Hinterpfoten –, zwei kleiner und rundlicher – die Vorderpfoten.
- 1
Sprunggruppe erkennen
Vier Abdrücke liegen dicht zusammen, dann folgt eine Lücke und wieder vier Abdrücke. Zwei davon sind groß und länglich – die Hinterpfoten –, zwei kleiner und rundlicher – die Vorderpfoten.
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Laufrichtung bestimmen
Die beiden großen Hinterpfoten-Abdrücke liegen vorn in der Gruppe. Das Tier ist also in die Richtung gelaufen, in die die großen Abdrücke zeigen – nicht umgekehrt.
- 3
Feldhase: Y-Form und weite Sprünge
Die zwei Vorderpfoten stehen hintereinander, die zwei langen Hinterpfoten nebeneinander davor – zusammen wie ein Y. Die Hinterpfoten-Abdrücke sind etwa 5 bis 6 Zentimeter lang, im Schnee mit ganzer Sohle deutlich länger (Richtwerte). Auf der Flucht werden die Sprünge sehr weit. Hasen leben auf Feldern und an Waldrändern und ruhen tagsüber in einer flachen Mulde, der Sasse.
- 4
Kaninchen: kleiner und nahe am Bau
Das Kaninchen hinterlässt dasselbe Muster, aber kleiner und mit kürzeren Sprüngen. Seine Spuren häufen sich rund um Baue mit vielen Eingängen, oft in sandigem Boden, an Böschungen oder in Parks, mit Kotplätzen in der Nähe.
- 5
Eichhörnchen: Rechteck von Baum zu Baum
Beim Eichhörnchen stehen die kleinen Vorderpfoten nebeneinander, die Hinterpfoten ebenfalls nebeneinander davor – die Gruppe bildet ein Rechteck. Die Zehen sind lang und fingerartig. Die Spur führt von Baum zu Baum und endet am Stamm.
- 6
Fraßzeichen dazunehmen
Abgenagte Fichtenzapfen mit ausgefranster Spindel und Schuppenhaufen am Stammfuß sowie glatt in zwei Hälften gespaltene Haselnüsse stammen oft vom Eichhörnchen. Hasen und Kaninchen beißen Zweige glatt und schräg ab und nagen im Winter Rinde. Kot nur ansehen, nicht anfassen.
- 7
Rücksicht und Hygiene
Junghasen in der Wiese liegen lassen und weitergehen. Tote Hasen nie anfassen und Hunde fernhalten. Im Frühjahr Hunde an die Leine nehmen, wenn Jungtiere im Feld liegen. Nach dem Spurenlesen Hände waschen.
Tote Hasen können Tularämie übertragen.
Häufige Fehler
- Die Spur rückwärts lesen
- Hasen- und Eichhörnchenmuster verwechseln
- Junghasen für verlassen halten und mitnehmen
- Tote Hasen aufheben
- Mäuse-Fraßspuren an Nüssen dem Eichhörnchen zuschreiben (Mäuse nagen kleine runde Löcher)
Kurzüberblick
Material
Maßband oder Zollstock
Mobiltelefon
Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.
Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.
Notizbuch und Bleistift
Geeignet für
- Felder, Wiesen, Waldränder und Parks
- Winterspaziergänge mit Kindern
- Gärten mit Bäumen
Ungeeignet für
- Sichere Unterscheidung von Feldhase und Kaninchen bei jungen Tieren
- Laubstreu ohne Abdrücke
Voraussetzungen
- Spuren in Schnee, Sand oder Schlamm
- Grundwissen zu Gangarten
Sicherheit
- Tot aufgefundene Hasen und Kaninchen nie anfassen. Feldhasen können die Hasenpest (Tularämie) übertragen, die auch Menschen krank macht. Hunde fernhalten; bei mehreren toten Tieren den Fund dem Jagdausübungsberechtigten oder dem Veterinäramt melden.
- Junghasen liegen tagsüber allein und reglos in einer flachen Mulde – die Mutter kommt nur zum Säugen. Nicht anfassen, nicht mitnehmen, sofort weitergehen und Hunde an die Leine nehmen.
- Losung (Kot) nie anfassen und nicht daran riechen. Kot von Füchsen, Hunden und anderen Wildtieren kann Eier des Fuchsbandwurms und andere Krankheitserreger enthalten. Nur fotografieren, mit einem Stöckchen höchstens zeigen, danach Hände gründlich mit Seife waschen.
So funktioniert es
Springende Tiere stoßen sich mit den kräftigen Hinterbeinen ab, landen zuerst mit den Vorderpfoten und schwingen die Hinterbeine dann an den Vorderpfoten vorbei nach vorn. Deshalb liegen die großen Hinterpfoten-Abdrücke vorn in der Gruppe – das verwirrt Anfänger, die die Spur oft rückwärts lesen. Hasen und Kaninchen setzen die Vorderpfoten nacheinander auf, Eichhörnchen als Baumkletterer nebeneinander. So verrät schon die Anordnung der vier Abdrücke, wer unterwegs war.
Vorteile
- Einfaches, auffälliges Muster
- Ideal für Kinder und Anfänger
- Häufige Tiere
Nachteile
- Hase und Kaninchen schwer zu trennen
- Im Laub kaum Abdrücke
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Bang und Dahlström sowie Olsen beschreiben die Sprunggruppen von Feldhase, Kaninchen und Eichhörnchen, die Sasse und das Ausweichen des Hasen vor dem Hinlegen sowie typische Fraßzeichen an Zapfen und Nüssen. Die CDC beschreiben die Tularämie und warnen davor, kranke oder tote Hasen und Kaninchen ohne Schutz anzufassen.
Der Feldhase ist in vielen Regionen seltener geworden; Ruhe in Feldern und angeleinte Hunde in der Setzzeit helfen ihm.
Varianten
- Der Haken vor der Sasse
- Bevor ein Hase sich hinlegt, läuft er oft ein Stück auf seiner eigenen Spur zurück und springt dann weit zur Seite. Die Spur scheint plötzlich zu enden – ein schönes Rätsel für Kinder.
- Mäuse und Bilche
- Auch Mäuse hüpfen oft in Vierergruppen, aber winzig, und ziehen im Schnee manchmal eine Schwanzspur. Ihre Spuren enden an kleinen Löchern im Schnee.
Häufige Fehler
- Die Spur rückwärts lesen
- Hasen- und Eichhörnchenmuster verwechseln
- Junghasen für verlassen halten und mitnehmen
- Tote Hasen aufheben
- Mäuse-Fraßspuren an Nüssen dem Eichhörnchen zuschreiben (Mäuse nagen kleine runde Löcher)
Grenzen und Risiken
- Größen sind Richtwerte
- Keine medizinische Beratung
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Mobiltelefon
- Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Preben Bang, Preben Dahlström – Oxford University Press (2001): Animal Tracks and Signs
Sprunggruppen von Hase, Kaninchen und Eichhörnchen, Fraßzeichen an Zapfen und Nüssen
Lars-Henrik Olsen – Princeton University Press (2013): Tracks and Signs of the Animals and Birds of Britain and Europe
Spuren von Hasenartigen und Eichhörnchen in Europa
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Tularemia – Prevention
Tularämie: kranke oder tote Hasen und Kaninchen nicht ungeschützt anfassen