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Skitourengruppe steht auf einem sicheren flachen Rücken und schaut auf steile Schneehänge

Ich bin im Winter unterwegs und es herrscht Lawinengefahr

Frischer Schnee, strahlende Sonne, ein unverspurter Hang – und im Lagebericht steht eine erhöhte Gefahrenstufe. Die wichtigste Lawinenrettung ist die Entscheidung, gar nicht erst hineinzufahren.

Zuerst

  1. Den aktuellen Lawinenlagebericht der Region lesen: Gefahrenstufe, Lawinenprobleme, betroffene Höhen und Hänge.
  2. Ohne Lawinenausbildung und Notfallausrüstung auf gesicherten Pisten, geräumten Winterwegen und markierten Routen bleiben.
  3. Alarmzeichen ernst nehmen: frische Lawinen, Wumm-Geräusche, Risse in der Schneedecke – dann umkehren.
  4. Geht eine Lawine ab und jemand ist verschüttet: sofort Notruf 112 und die Stelle beobachten, an der die Person zuletzt gesehen wurde.

Notruf wählen bei

  • Jemand wurde von einer Lawine erfasst oder fehlt
  • Ihr sitzt im lawinengefährdeten Gelände fest und kommt nicht sicher zurück
  • Verletzung oder Unterkühlung
  • Einbruch der Dunkelheit im steilen, verschneiten Gelände

Was gerade passiert

Lawinen gehen meist dort ab, wo Menschen sie auslösen: an steilen Hängen abseits gesicherter Pisten und Wege, oft kurz nach Neuschnee oder Wind. Für Menschen ohne Ausbildung sind die Warnzeichen schwer zu lesen – ein Hang kann vollkommen harmlos aussehen und trotzdem gefährlich sein.

Die Lawinenwarndienste der Alpenländer veröffentlichen im Winter täglich einen Lawinenlagebericht mit einer europaweit einheitlichen Gefahrenstufe von 1 (gering) bis 5 (sehr groß) sowie den wichtigsten Lawinenproblemen und den besonders betroffenen Höhenlagen und Hangrichtungen. Auch bei mittleren Stufen wie 2 („mäßig“) und 3 („erheblich“) können an steilen Hängen Lawinen durch Personen ausgelöst werden – bei Stufe 3 schon durch geringe Zusatzbelastung.

Ausrüstung wie Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel ist im Ernstfall lebenswichtig, verhindert aber keine Lawine. Sie hilft nur, wenn alle in der Gruppe ausgebildet sind und die Kameradenrettung regelmäßig üben. Wer das nicht hat, gehört nicht ins lawinengefährdete Gelände – auch nicht „nur kurz“ neben die Piste.

Diese Seite ersetzt keinen Lawinenkurs und erklärt keine Rettungstechnik. Sie hilft bei den Entscheidungen davor: Bericht lesen, Gelände wählen, Alarmzeichen erkennen, umkehren – und im schlimmsten Fall sofort den Notruf auslösen.

Schritt für Schritt

Ich bin im Winter unterwegs und es herrscht Lawinengefahr – Phase 1 von 4Am Vorabend und am Morgen: informieren. Den aktuellen Lawinenlagebericht der Region lesen: Gefahrenstufe, Lawinenprobleme, betroffene Höhenlagen und Hangrichtungen. Wetter prüfen: Neuschnee, starker Wind und rasche Erwärmung erhöhen die Gefahr. Die Tour an die Lage anpassen – oder eine Alternative wählen: Piste, geräumter Winterweg, Talrunde. Tourenplan mit Route und Rückkehrzeit hinterlassen.
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Am Vorabend und am Morgen: informieren

Den aktuellen Lawinenlagebericht der Region lesen: Gefahrenstufe, Lawinenprobleme, betroffene Höhenlagen und Hangrichtungen. Wetter prüfen: Neuschnee, starker Wind und rasche Erwärmung erhöhen die Gefahr. Die Tour an die Lage anpassen – oder eine Alternative wählen: Piste, geräumter Winterweg, Talrunde. Tourenplan mit Route und Rückkehrzeit hinterlassen.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Am Vorabend und am Morgen: informieren

    • Den aktuellen Lawinenlagebericht der Region lesen: Gefahrenstufe, Lawinenprobleme, betroffene Höhenlagen und Hangrichtungen.
    • Wetter prüfen: Neuschnee, starker Wind und rasche Erwärmung erhöhen die Gefahr.
    • Die Tour an die Lage anpassen – oder eine Alternative wählen: Piste, geräumter Winterweg, Talrunde.
    • Tourenplan mit Route und Rückkehrzeit hinterlassen.
  2. Phase 2

    Unterwegs: Gelände und Alarmzeichen

    • Ohne Ausbildung und Notfallausrüstung auf gesicherten Pisten und markierten Winterwegen bleiben. Sperrungen und Warnschilder gelten immer.
    • Mit Ausbildung: LVS-Check am Start, Abstände einhalten, steile Hänge einzeln begehen, an sicheren Punkten sammeln.
    • Auf Alarmzeichen achten: frische Lawinen, „Wumm“-Geräusche, Risse, die sich in der Schneedecke ausbreiten.
    • Bei Alarmzeichen oder Unsicherheit umkehren – auf der eigenen Spur zurück, weg von steilen Hängen.
  3. Phase 3

    Wenn eine Lawine abgeht

    • Sofort Notruf 112 – möglichst durch eine Person, während die anderen handeln. Ort, Zahl der Vermissten und Zeit durchgeben.
    • Sich merken oder markieren, wo die Person zuletzt gesehen wurde.
    • Ausgebildete Gruppen beginnen sofort mit der eingeübten Kameradenrettung; wer nicht ausgebildet ist, folgt den Anweisungen der Leitstelle und holt Helfer.
    • Auf die eigene Sicherheit achten: keine weiteren Personen in gefährdete Hänge darüber.
  4. Phase 4

    Nach dem Tag

    • Unten Leitstelle und Kontaktperson informieren, falls Alarm ausgelöst wurde oder ihr verspätet seid.
    • Besprechen: Was haben wir gesehen, wo waren wir unsicher, was machen wir nächstes Mal anders?
    • Einen Lawinenkurs bei einem Alpenverein, einer Bergschule oder einem vergleichbaren Anbieter planen, bevor ihr ins freie Gelände geht.
    • Belastende Erlebnisse ernst nehmen und darüber sprechen.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Die wichtige Zahl: 30 Grad

    Schneebrettlawinen lösen sich meist an Hängen ab etwa 30 Grad Steilheit. Viele offizielle Online-Karten können Hangneigungen farbig anzeigen. Schau dir so schon zu Hause an, wo deine Route steiler als 30 Grad wird und wo steile Hänge über dem Weg liegen.

  2. Im Frühjahr: früh los, früh zurück

    Im Frühling weicht die Sonne den Schnee im Lauf des Tages auf, und die Gefahr von Nassschneelawinen steigt. Wer früh startet, ist auf gefrorenem, tragfähigem Schnee unterwegs. Bevor die Hänge in der Sonne weich werden, solltest du sie verlassen haben.

  3. Triebschnee erkennen

    Wind verfrachtet Schnee auf die windabgewandte Seite von Graten und Kuppen. Hinweise darauf sind Wechten, Schneefahnen am Grat, geriffelte Schneeoberfläche und kissenartige Schneeansammlungen. Solche Stellen sind besonders gefährlich – meide sie, vor allem nach Neuschnee mit Wind.

  4. Dreimal prüfen: zu Hause, unterwegs, am Hang

    Erfahrene Tourengeher entscheiden nicht einmal, sondern dreimal: bei der Planung zu Hause, unterwegs anhand von Wetter und Schnee und noch einmal direkt vor jedem steilen Hang. Passt etwas nicht zum Lagebericht, gilt die vorsichtigere Einschätzung. Ein „Nein“ an einem dieser Punkte heißt umkehren.

  5. Lagebericht am Morgen nochmal lesen

    Viele Lawinenwarndienste veröffentlichen den Bericht am Vorabend und aktualisieren ihn bei Bedarf am Morgen. Lies ihn deshalb kurz vor dem Start noch einmal. Über Nacht kann sich durch Wind, Neuschnee oder Regen viel geändert haben.

Worauf du achten musst

  • Schönes Wetter nach Neuschnee

    Der erste sonnige Tag nach Schneefall lockt viele Menschen in unverspurte Hänge – genau dann ist die Schneedecke oft noch nicht gefestigt.

  • Spuren sind kein Beweis

    Dass schon jemand einen Hang befahren hat, heißt nicht, dass er sicher ist. Manche Lawinen werden erst von der zweiten, dritten oder zehnten Person ausgelöst.

  • Gefahr von oben

    Auch auf flachem Gelände kann eine Lawine aus darüberliegenden steilen Hängen herabkommen. Winterwege unter steilen Flanken werden deshalb manchmal gesperrt.

  • Gruppendruck

    Ein Ziel, das man unbedingt erreichen will, Zeitdruck oder eine dominante Person führen oft zu riskanten Entscheidungen. Jede Person darf „Nein“ sagen, und die Gruppe richtet sich nach der vorsichtigsten Stimme.

  • Gesperrte Pisten

    Sperrungen haben Gründe: Lawinensprengungen, Pistenmaschinen mit Seilwinde oder akute Lawinengefahr. Gesperrte Bereiche nie befahren.

Häufige Fehler

  • Ohne Ausbildung und Ausrüstung „nur kurz“ neben die Piste fahren.
  • Den Lawinenlagebericht nicht lesen oder nur auf die Gefahrenstufe schauen.
  • Vorhandene Spuren als Zeichen von Sicherheit deuten.
  • Alarmzeichen ignorieren, weil das Ziel so nah ist.
  • Bei einem Abgang zuerst diskutieren statt sofort den Notruf auszulösen.

Vorher vorbereiten

  • Einen Lawinenkurs besuchen und die Kameradenrettung jede Saison üben.
  • Wer ins freie Gelände geht: LVS, Sonde und Schaufel für jede Person – und können.
  • Die Lawinenwarn-App oder Seite der Region kennen und täglich nutzen.
  • Erste Touren im freien Gelände mit einer staatlich geprüften Bergführerin oder einem Bergführer machen.
  • Umkehrpunkte und Alternativen schon bei der Planung festlegen.

Besondere Rücksicht

Familien und Kinder
Mit Kindern im Winter nur auf gesicherten Pisten, geräumten Wegen und markierten Winterrouten. Kinder neigen dazu, in Tiefschnee neben der Piste zu fahren – vorher klare Grenzen besprechen.
Schneeschuhgehende und Wandernde
Auch Schneeschuhrouten können durch Lawinengelände führen. Nur ausgewiesene Routen nutzen und den Lagebericht genauso ernst nehmen wie beim Skitourengehen.

Quellen

  • European Avalanche Danger Scale · European Avalanche Warning Services (EAWS)
  • Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition · The Mountaineers Books, 2017
  • International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website) · ICAR – International Commission for Alpine Rescue
  • 112 – the European emergency number · European Commission

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Alle Regeln dieser Situation (6)
  1. [nicht aktiv] Wenn Ausbildung und Ausrüstung = Keine Lawinenausbildung

    Ohne Ausbildung lawinengefährdetes Gelände meiden – auch bei niedriger Gefahrenstufe. Sperrungen und Warnschilder gelten immer.

  2. [nicht aktiv] Wenn Unterwegs als = Skitour oder Freeride

    Abseits der Piste nur mit Ausbildung, geprüftem LVS, Sonde, Schaufel und Partnern – steile Hänge einzeln befahren und an sicheren Punkten sammeln.

  3. [nicht aktiv] Wenn Unterwegs als = Skigebiet, Piste

    Auf geöffneten, gesicherten Pisten bleiben. Gesperrte Abfahrten und Bereiche nie befahren.

  4. [nicht aktiv] Wenn Unterwegs als = Winterwanderung / Schneeschuhe

    Auch Winterwanderwege können unter steilen Hängen verlaufen. Nur geräumte oder als Winterweg markierte Routen nutzen und Sperrungen beachten.

  5. [nicht aktiv] Wenn Beobachtung = Frische Lawinen, Wumm-Geräusche, Risse

    Alarmzeichen bedeuten: umkehren, auf der eigenen Spur zurück, Abstand zu steilen Hängen. Ein Verzicht ist eine gute Entscheidung.

  6. [nicht aktiv] Wenn Beobachtung = Lawine abgegangen, jemand fehlt

    Sofort 112 – möglichst ruft eine Person an, während die anderen mit der eingeübten Kameradenrettung beginnen, wenn sie dafür ausgebildet und ausgerüstet sind. Auf Nachlawinen achten.