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Wandergruppe ruht auf einer Lichtung, eine Person sitzt ruhig mit ausgestrecktem Bein, eine andere telefoniert

Jemand wurde von einer Schlange (Kreuzotter) gebissen

Ein Biss, ein Schreck – meist ist eine Kreuzotter nicht lebensgefährlich, aber immer ein Fall für den Notruf. Ruhe, Ruhigstellen und keine alten Hausmittel.

Zuerst

  1. Ruhig bleiben und die gebissene Person beruhigen. Weg von der Schlange – nicht versuchen, sie zu fangen oder zu töten.
  2. Notruf 112 wählen (in Österreich Rettung 144). Sag, dass es ein Schlangenbiss ist, wo er ist und wie es der Person geht.
  3. Die Person hinsetzen oder hinlegen und möglichst wenig bewegen lassen. Ringe, Uhr und enge Schuhe am gebissenen Arm oder Bein sofort abnehmen, bevor es anschwillt.
  4. Den gebissenen Arm oder das Bein ruhig halten, wie bei einem Bruch. Nicht aufschneiden, nicht aussaugen, nicht abbinden, kein Eis, kein Alkohol.

Notruf wählen bei

  • Bei jedem Biss einer Giftschlange oder einer unbekannten Schlange
  • Schwellung breitet sich aus oder die Haut verfärbt sich
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Schwindel
  • Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Ausschlag am ganzen Körper
  • Die gebissene Person ist ein Kind, älter oder krank
  • Bewusstlosigkeit

Was gerade passiert

In Österreich und Deutschland ist die Kreuzotter die häufigste Giftschlange. Sie lebt in Mooren, Heiden, an Waldrändern, auf Lichtungen und auf Bergwiesen bis ins Hochgebirge. In Teilen Südösterreichs kommt auch die Hornotter vor, im Süden Deutschlands sehr selten die Aspisviper. Alle sind scheu und beißen meist nur, wenn man auf sie tritt oder nach ihnen greift.

Ein Biss tut weh, die Stelle schwillt an und kann sich bläulich verfärben. Oft gelangt nur wenig oder gar kein Gift in die Wunde. Manchmal breiten sich Schwellung und Verfärbung aber über den ganzen Arm oder das Bein aus, und es kommen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Schwindel oder Kreislaufprobleme dazu. Selten kommt es auch zu einer allergischen Reaktion. Todesfälle sind in Europa sehr selten.

Kinder, ältere und kranke Menschen sind stärker gefährdet, weil sie im Verhältnis zur Giftmenge leichter sind oder weniger Reserven haben. Darum gehört jeder Schlangenbiss in ärztliche Behandlung – auch wenn er zuerst harmlos wirkt. Beschwerden können sich erst nach Stunden entwickeln. Im Krankenhaus wird beobachtet und bei Bedarf ein Gegengift gegeben.

Viele alte Ratschläge sind gefährlich: Einschneiden, Aussaugen, Abbinden, Ausbrennen oder Eis schaden mehr, als sie nützen. Laienhilfe heißt: Ruhe bewahren, Notruf, Ringe abnehmen, die Gliedmaße ruhig halten und die Person beobachten.

Schritt für Schritt

  1. Phase 1

    Die ersten Minuten

    • Von der Schlange weggehen, mindestens ein paar Meter. Nicht fangen, nicht töten – das führt oft zu weiteren Bissen.
    • Die gebissene Person hinsetzen oder hinlegen und beruhigen: „Die meisten Bisse verlaufen gut. Hilfe ist unterwegs.“
    • Notruf 112 (in Österreich Rettung 144): „Schlangenbiss“, Ort, Uhrzeit, Alter der Person, Beschwerden.
    • Ringe, Armbänder, Uhr und enge Schuhe an der gebissenen Gliedmaße sofort abnehmen.
  2. Phase 2

    Bis die Rettung da ist

    • Den gebissenen Arm oder das Bein ruhig halten, etwa wie bei einem Bruch – mit Jacke, Dreieckstuch oder einer locker angelegten Schiene.
    • Die Person möglichst nicht gehen lassen. Muss sie gehen, dann langsam und mit Pausen.
    • Die Bissstelle locker mit einem sauberen Verband abdecken. Keinen festen Druckverband anlegen.
    • Den Rand der Schwellung mit Kugelschreiber und Uhrzeit auf der Haut markieren – so sieht der Rettungsdienst, wie schnell sie wächst.
    • Die Person beobachten: Atmung, Hautfarbe, Ansprechbarkeit. Bei Übelkeit, Schwindel oder Atemnot sofort erneut den Notruf informieren.
    • Keine Schmerzmittel, keinen Alkohol und kein Essen aus eigenem Antrieb geben; Wasser in kleinen Schlucken ist in Ordnung, wenn die Person wach ist.
  3. Phase 3

    Wenn es schlimmer wird

    • Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Ausschlag am ganzen Körper: Das kann eine allergische Reaktion sein. Hat die Person einen eigenen Adrenalin-Pen, hilf ihr, ihn zu benutzen.
    • Schwindel, Blässe, Schwäche: flach hinlegen, Beine anheben.
    • Bewusstlos mit normaler Atmung: stabile Seitenlage. Keine normale Atmung: Wiederbelebung beginnen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
  4. Phase 4

    Danach

    • Auch bei leichtem Verlauf bleibt man meist einige Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus.
    • Den Tetanusschutz überprüfen lassen.
    • Ein Biss ist ein Schreck. Albträume oder Angst vor dem nächsten Ausflug sind normal und vergehen meist. Darüber reden hilft – besonders Kindern.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Die Schlange musst du nicht bestimmen

    Im Krankenhaus wird nach den Beschwerden behandelt, nicht nach dem Aussehen der Schlange. Merk dir nur grob Farbe und Größe, wenn du sie gesehen hast. Übrigens: Kreuzottern sind nicht immer gemustert – es gibt auch ganz schwarze.

  2. Im Frühling und am Morgen besonders aufpassen

    Schlangen sind wechselwarm. An kühlen Morgen und im Frühling liegen sie zum Aufwärmen auf sonnigen Steinen und Wegen und sind noch träge – sie fliehen dann langsamer. Genau dann tritt man am ehesten versehentlich auf eine.

  3. Auch bei leichtem Verlauf sofort melden

    Gegengift ist nicht in jedem Krankenhaus vorrätig. Wer früh anruft, gibt dem Rettungsdienst Zeit, das passende Krankenhaus auszuwählen. Darum: Notruf auch dann, wenn es zunächst kaum schmerzt.

  4. Holz und Steine zu dir hin umdrehen

    Beim Holzsammeln oder Lagerbau verstecken sich Schlangen gern unter Holz und Steinen. Heb sie an der dir abgewandten Seite an und kipp sie zu dir. So bleibt der Gegenstand zwischen dir und dem, was darunter liegt.

Worauf du achten musst

  • Gefährliche Hausmittel

    Einschneiden, Aussaugen (auch mit Saugpumpen), Abbinden, Ausbrennen, Eis oder Alkohol helfen nicht und können Gewebe zerstören, Infektionen verursachen oder die Durchblutung abschnüren.

  • „Es ist ja nichts passiert“

    Wenig Schmerz am Anfang heißt nicht, dass kein Gift wirkt. Beschwerden können Stunden später kommen. Darum immer ärztlich abklären lassen.

  • Allergische Reaktion

    Selten reagiert der Körper allergisch auf das Gift – mit Atemnot, Schwellung im Gesicht, Ausschlag und Kreislaufproblemen. Das ist ein akuter Notfall.

  • Zweiter Biss

    Wer die Schlange fangen, töten oder fotografieren will, wird oft ein zweites Mal gebissen – auch Helfende. Auch eine tot wirkende Schlange kann noch zubeißen.

Häufige Fehler

  • Die Wunde aufschneiden oder aussaugen.
  • Den Arm oder das Bein abbinden.
  • Eis direkt auf die Bissstelle legen.
  • Die gebissene Person schnell zum Auto laufen lassen.
  • Ringe dranlassen, bis es zu spät ist.
  • Keine ärztliche Hilfe holen, weil es „nur wenig“ weh tut.

Vorher vorbereiten

  • In Schlangengebieten feste, knöchelhohe Schuhe und lange Hosen tragen.
  • Auf Wegen bleiben, fest auftreten – Schlangen spüren die Erschütterung und weichen aus.
  • Nicht in Felsspalten, unter Steine oder in dichtes Gras greifen; beim Sitzen erst schauen.
  • Schlangen nie anfassen oder ärgern, auch nicht mit Stöcken; Kinder darüber aufklären.
  • Erste-Hilfe-Set mit Dreieckstuch und elastischer Binde mitnehmen.
  • Die Notrufnummern kennen: 112 überall in Europa, in Österreich Rettung 144 und Alpinnotruf 140.

Besondere Rücksicht

Kinder
Ein Kind nach einem Biss tragen, nicht laufen lassen, und auf den Schoß nehmen. Ruhig erklären, was passiert. Bei Kindern immer den Notruf wählen, auch wenn es zunächst harmlos aussieht.
Hunde
Auch Hunde werden gebissen, oft an Nase oder Pfote. Den Hund ruhig halten, tragen, wenn möglich, und sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt.

Quellen

  • Epidemiology of snakebites in Europe: a systematic review of the literature · Toxicon 59(1): 86–99 (J.-P. Chippaux), 2012
  • International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020 · International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre, 2020
  • European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid · European Resuscitation Council – Resuscitation (journal), 2021
  • Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) · Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
  • 112 – the European emergency number · European Commission
  • Notrufnummern (oesterreich.gv.at) · Bundesministerium für Finanzen – Amtshelfer oesterreich.gv.at

Deine Lage

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Alle Regeln dieser Situation (8)
  1. [nicht aktiv] Wenn Wer wurde gebissen? = Kind, älterer oder kranker Mensch

    Kinder, ältere und kranke Menschen reagieren auf das Gift oft stärker. Beim Notruf das Alter und Vorerkrankungen nennen. Ein Kind auf den Schoß nehmen, trösten und ruhig halten.

  2. [nicht aktiv] Wenn Wie geht es der Person? = Nur Schmerz und Schwellung an der Bissstelle

    Auch wenn es harmlos aussieht: Jeder Schlangenbiss gehört ins Krankenhaus. Beschwerden können sich erst nach Stunden zeigen. Die Bissstelle locker abdecken und den Rand der Schwellung mit Uhrzeit auf der Haut markieren.

  3. [nicht aktiv] Wenn Wie geht es der Person? = Übelkeit, Schwindel, Atemnot, blass oder schwach

    Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Atemnot oder Kreislaufprobleme sind Alarmzeichen – das kann auch eine allergische Reaktion sein. Sofort erneut 112 / 144 informieren, die Person hinlegen und ständig beobachten.

  4. [nicht aktiv] Wenn Wie geht es der Person? = Nicht ansprechbar

    Ansprechen, Atmung prüfen. Atmet die Person normal: stabile Seitenlage und weiter beobachten. Atmet sie nicht normal: Wiederbelebung beginnen und die Anweisungen der Leitstelle befolgen.

  5. [nicht aktiv] Wenn Handynetz = Kein Netz

    Ohne Netz: 112 trotzdem versuchen. In der Gruppe holen zwei Personen Hilfe, die gebissene Person bleibt ruhig liegen. Allein: langsam und mit Pausen zum nächsten Weg oder Ort gehen, statt stundenlang zu warten.

  6. [nicht aktiv] Wenn Handynetz = Netz vorhanden

    Nach dem Notruf erreichbar bleiben. Ein Foto der Schlange aus sicherer Entfernung kann helfen, ist aber nicht nötig – nie dafür näher herangehen.

  7. [nicht aktiv] Wenn Wer ist dabei? = Ich bin selbst gebissen und allein

    Allein: zuerst Notruf, dann hinsetzen und ruhig atmen. Angst lässt das Herz rasen – das ist normal und geht vorbei. Die Kreuzotter-Vergiftung verläuft bei Erwachsenen nur selten lebensbedrohlich.

  8. [nicht aktiv] Wenn Wer ist dabei? = Mehrere Personen

    Eine Person bleibt bei der gebissenen Person und redet ruhig mit ihr, eine telefoniert, eine geht zum nächsten Weg, um die Rettung einzuweisen.