Eine Schale oder einen Becher mit Glut ausbrennen
Statt mühsam zu schnitzen, lässt du glühende Kohlen eine Mulde in einen Holzklotz brennen: Glut auflegen, sanft anblasen, die verkohlte Schicht abschaben, wiederholen. So entsteht mit Messer, Feuer und Geduld eine Schale oder ein Becher. Ein feuchter Rand aus Lehm schützt die Stellen, die stehen bleiben sollen. Feuer nur, wo es erlaubt ist, und immer mit Löschwasser daneben.
- Kleiner Becher etwa 2–4 Stunden, größere Schale einen halben bis ganzen Tag

Einfach erklärt
Eine Schale zu schnitzen ist schwer und dauert lange. Es gibt einen Trick, bei dem das Feuer die Arbeit für dich macht: Du legst eine glühende Kohle auf ein Stück Holz und pustest sanft. Die Kohle frisst sich langsam ins Holz und hinterlässt eine kleine schwarze Mulde.
Die schwarze Schicht ist weich wie Kreide. Du kratzt sie mit dem Messerrücken weg, legst die nächste Kohle hinein und pustest wieder. So wird die Mulde Schritt für Schritt größer und tiefer. Damit der Rand nicht mitverbrennt, schmierst du feuchten Lehm darauf.
Das dauert ein paar Stunden – perfekt für einen langen Abend am Lagerfeuer. Glut ist aber sehr heiß, auch wenn sie grau aussieht. Du fasst sie nie mit den Fingern an, pustest von der Seite und hast immer Wasser zum Löschen neben dir.
Wie es funktioniert
Eine glühende Holzkohle ist ein kleiner Ofen. Wenn du darauf bläst, bekommt sie mehr Sauerstoff, wird heller und heißer. Diese Hitze wandert in das Holz direkt darunter. Dort zersetzt sich das Holz und wird selbst zu Kohle – die Mulde beginnt zu wachsen.
Die neue Kohleschicht hat aber einen Nachteil: Sie isoliert. Je dicker sie wird, desto weniger Hitze kommt beim frischen Holz an. Darum ist das Abschaben so wichtig. Nach jedem Durchgang kratzt du die schwarze Schicht weg, bis wieder helles, festes Holz zu sehen ist. Dann kann die nächste Kohle direkt angreifen.
Feuchtigkeit bremst das Brennen stark, denn das Wasser muss erst verdampfen. Genau das nutzt du am Rand: Ein dünner Ring aus feuchtem Lehm oder Schlamm hält die Glut dort zurück, wo die Wand stehen bleiben soll. So kannst du die Form der Mulde lenken.
Worauf es ankommt
Der Holzklotz muss trocken, gesund und ohne Risse sein, sonst reißt die Schale beim Brennen oder Trocknen. Nimm sicher erkanntes Laubholz wie Linde, Birke, Erle oder Ahorn. Der Klotz sollte etwa doppelt so breit sein wie die Mulde, damit genug Wand übrig bleibt. Eine flach gesägte Unterseite verhindert, dass er umkippt, während du arbeitest.
Gute Glut ist das Wichtigste. Ein Feuer aus Hartholz wie Buche oder Eiche liefert feste, lang glühende Kohlen in Walnussgröße. Nadelholzglut zerfällt schnell. Nimm die Kohlen mit zwei frischen, grünen Stöcken wie mit einer Zange oder mit einem Metalllöffel.
Blase ruhig und gleichmäßig, nicht kräftig. Zu starkes Pusten wirbelt Asche und Funken auf und bringt kaum mehr. Prüfe zwischendurch immer wieder mit den Fingern die Wandstärke – innen und außen gleichzeitig. Boden und Wand sollen mindestens eine gute Fingerbreite dick bleiben.
Sicherheit: darauf musst du achten
Glut ist mehrere hundert Grad heiß. Eine Kohle, die außen schon grau ist, kann innen noch voll glühen. Fass sie deshalb nie mit den Fingern an. Wenn du dich doch verbrennst, kühlst du die Stelle sofort mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser, mindestens 20 Minuten lang. Bei großen Verbrennungen, im Gesicht oder bei Kindern rufst du 112, in Österreich auch 144.
Beim Pusten fliegen Asche und kleine Funken hoch. Blase von der Seite und halte dein Gesicht nie direkt über die Kohle. Eine Brille schützt die Augen. Atme keinen Rauch ein – wer schwindelig wird, macht eine Pause an der frischen Luft.
Am Ende muss alles aus sein. Die letzte Glut kommt zurück in die Feuerstelle, der Klotz wird gründlich mit Wasser übergossen. Holz kann innen weiterglimmen, ohne dass du es siehst. Lösche danach auch das Lagerfeuer vollständig und prüfe mit der Hand über der Asche, dass keine Wärme mehr kommt.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Das Ausbrennen lohnt sich im Standlager, wenn sowieso ein Feuer über viele Stunden brennt. Es ist ideal, wenn du kein Löffelmesser hast oder dir das Aushöhlen mit dem Messer zu anstrengend ist. Für Gruppen ist es ein ruhiges Gemeinschaftsprojekt, bei dem jeder einmal pusten darf – unter Aufsicht.
Nicht sinnvoll ist es, wenn Feuer verboten ist, starker Wind Funken verträgt oder du nur eine Nacht bleibst. Und eine Holzschale ist kein Kochtopf: Über der Flamme fängt sie selbst Feuer. Zum Erwärmen von Wasser kannst du stattdessen heiße Steine hineinlegen – das erklärt der Eintrag zum Kochen ohne Topf.
Gut zu wissen
Für alles, woraus du isst oder trinkst, kommt nur Holz infrage, das du sicher kennst. Eibe und Goldregen sind giftig, und lackiertes, imprägniertes oder unbekanntes Holz gehört ebenfalls nicht an Lebensmittel. Welche Hölzer sich eignen, steht im Eintrag „Welches Holz wofür?“.
Die fertige Schale trocknet am besten langsam im Schatten. Am Feuer oder in praller Sonne trocknet die Oberfläche zu schnell und reißt. Ein wenig Speiseöl schützt das Holz etwas vor Flecken. Nach dem Benutzen spülst du sie mit klarem Wasser und lässt sie offen trocknen.
Die verkohlte Innenfläche ist nach dem Abschaben und Glätten sauber. Wer mag, schnitzt danach außen noch einen Griff oder eine schöne Form – dann entsteht ein Becher im Stil der nordischen Kuksa.
Schritt für Schritt
Platz und Holzklotz vorbereiten
Nur an einer erlaubten Feuerstelle arbeiten, Löschwasser bereitstellen. Einen trockenen, rissfreien Klotz aus sicher erkanntem Laubholz wählen, zum Beispiel Linde, Birke, Erle oder Ahorn, etwa doppelt so breit wie die Mulde. Die Unterseite flach sägen, damit er nicht kippt.
- 1
Platz und Holzklotz vorbereiten
Nur an einer erlaubten Feuerstelle arbeiten, Löschwasser bereitstellen. Einen trockenen, rissfreien Klotz aus sicher erkanntem Laubholz wählen, zum Beispiel Linde, Birke, Erle oder Ahorn, etwa doppelt so breit wie die Mulde. Die Unterseite flach sägen, damit er nicht kippt.
- 2
Startmulde schnitzen und Rand schützen
In die Mitte der Oberseite mit dem Messer eine flache Mulde von etwa 2–3 cm Breite schnitzen – vom Körper weg. Darin bleibt die erste Glut liegen. Den Rand, der stehen bleiben soll, mit feuchtem Lehm oder Schlamm bestreichen.
Klotz fest abstützen, nie über dem Bein schnitzen.
- 3
Glut auflegen
Mit zwei frischen Stöcken als Zange oder einem Metalllöffel eine etwa walnussgroße, kräftig glühende Kohle aus dem Feuer nehmen und in die Startmulde legen.
- 4
Sanft anblasen
Von der Seite gleichmäßig und ruhig auf die Kohle blasen, bis sie hell glüht und das Holz darunter mitglimmt. Die Kohle ab und zu mit dem Stock verschieben, damit die Mulde gleichmäßig wächst. Ist sie klein geworden, eine neue nachlegen.
Gesicht nicht über die Glut halten.
- 5
Kohle abschaben
Nach zwei bis drei Kohlen die Glut zurück ins Feuer legen und die schwarze, weiche Kohleschicht mit dem Messerrücken, einem Löffel oder einem Stein herauskratzen, bis wieder helles, festes Holz zu sehen ist. Kohle isoliert – ohne Abschaben geht es kaum weiter.
- 6
Wiederholen und Wandstärke prüfen
Glut auflegen, blasen, schaben – immer wieder. Den Lehmrand feucht halten. Regelmäßig mit den Fingern von innen und außen die Wandstärke fühlen: Boden und Wand sollen mindestens eine gute Fingerbreite dick bleiben, sonst reißt das Gefäß.
- 7
Löschen und säubern
Letzte Glut zurück ins Feuer, den Klotz mit Wasser ablöschen und prüfen, dass nichts mehr glimmt. Dann alle Kohle herauskratzen, den Lehm abwaschen und die Mulde mit Sand oder einem Sandstein glatt reiben.
- 8
Fertigstellen und richtig benutzen
Außenseite mit Messer oder Säge in Form bringen, das Gefäß ausspülen und langsam im Schatten trocknen lassen, nicht am Feuer – sonst reißt es. Wer mag, reibt es mit etwas Speiseöl ein. Es eignet sich für Essen und warme Getränke, aber nicht zum Kochen über der Flamme.
Häufige Fehler
- Kohle nicht abschaben – die Mulde wächst kaum noch
- Zu fest blasen, sodass Funken und Asche ins Gesicht fliegen
- Wand zu dünn brennen
- Gefäß am Feuer trocknen, sodass es reißt
- Klotz nach der Arbeit nicht ablöschen
Kurzüberblick
Material
Holzklotz aus trockenem, ungiftigem Laubholz
Etwa doppelt so breit wie die gewünschte Mulde, mit flacher Unterseite
Kein Holz von Eibe oder Goldregen und kein lackiertes, behandeltes oder unbekanntes Holz für Essgeschirr verwenden.
Trockenes Brennholz
Hartholz für gute, lang haltende Glut
Nur dort sammeln, wo es erlaubt ist.
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Löschwasser (Eimer, Kanister oder Topf)
Mehrere Liter vor dem Zünden bereitstellen.
Stabile Äste / Stangen
Zwei frische Stöcke als Glutzange oder ein Löffel aus Metall
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Lehmhaltige Erde (Unterboden)
Feuchter Lehm oder Schlamm als Randschutz
Nur Unterboden ohne Wurzeln und Humus verwenden.
Gruben nach dem Graben sichern oder wieder verfüllen – Sturzgefahr.
Sauberer Sand
Zum Glätten am Ende
Improvisierte Sandschichten entkeimen nicht zuverlässig.
Geeignet für
- Standlager mit Feuer über mehrere Stunden
- Ess- und Trinkgefäße ohne Löffelmesser
- Gruppenprojekt mit Jugendlichen unter Aufsicht
Ungeeignet für
- Zeiten mit Feuerverbot oder hoher Waldbrandgefahr
- Starker Wind, der Funken verträgt
- Gefäße zum Kochen direkt über dem Feuer – Holz brennt
- Holz von Eibe, Goldregen oder unbekannter Art
Voraussetzungen
- Eine erlaubte, sichere Feuerstelle mit guter Glut
- Sicherer Umgang mit dem Messer
- Zeit und Geduld – das Ausbrennen dauert Stunden
Sicherheit
- Beim Anblasen fliegen Asche und Funken. Von der Seite blasen, Gesicht nicht direkt über die Glut halten, Augen schützen und keinen Rauch einatmen. Wer schwindelig wird, macht eine Pause.
- Ein Holzklotz kann innen weiterglimmen, auch wenn außen nichts mehr raucht. Am Ende alle Glut zurück in die Feuerstelle geben, den Klotz mit Wasser gründlich ablöschen und die Feuerstelle vollständig löschen.
- Für Gefäße, aus denen du isst oder trinkst, nur sicher erkanntes, ungiftiges Holz verwenden – nie Eibe oder Goldregen, nie lackiertes, imprägniertes oder unbekanntes Holz.
So funktioniert es
Eine glühende Kohle gibt ihre Hitze an das Holz darunter ab, bis dieses selbst zu glimmen beginnt und verkohlt. Holzkohle ist weich und lässt sich leicht abschaben, das gesunde Holz darunter nicht. Durch Glut auflegen, anblasen und Kohle abkratzen wächst die Mulde Schicht für Schicht. Wo der Rand feucht ist, kann die Glut kaum brennen – so bestimmst du die Form.
Vorteile
- Braucht kein Löffelmesser
- Hohlräume entstehen fast ohne Kraftaufwand
- Ergebnis ist ein dauerhaftes, nützliches Gefäß
Nachteile
- Dauert Stunden und braucht ständig Glut
- Nur wo Feuer erlaubt ist
- Gefäß ist nicht feuerfest
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das Aushöhlen von Holz mit Glut ist eine alte Technik, die in vielen Kulturen für Schalen, Löffel und sogar Einbäume genutzt wurde. Bushcraft-Lehrbücher wie die von Mears und Kochanski beschreiben das Brennen mit Glut als Ergänzung zum Schnitzen.
Das Ausbrennen ist leise und gemütlich und eignet sich gut für lange Abende am Feuer. Wichtig ist, dass du gute Hartholzglut hast und die Feuerstelle danach vollständig löschst.
Varianten
- Mit Blasrohr
- Ein Stück Schilfrohr oder ein dünnes Metallrohr lenkt die Luft genau auf die Kohle und hält das Gesicht weiter weg. Das Rohr nie in die Glut drücken und nie daran saugen.
- Löffelmulde
- Mit einer sehr kleinen Kohle lässt sich auch die Laffe eines vorgeschnitzten Löffels ausbrennen, wenn kein Löffelmesser da ist.
Häufige Fehler
- Kohle nicht abschaben – die Mulde wächst kaum noch
- Zu fest blasen, sodass Funken und Asche ins Gesicht fliegen
- Wand zu dünn brennen
- Gefäß am Feuer trocknen, sodass es reißt
- Klotz nach der Arbeit nicht ablöschen
Grenzen und Risiken
- Keine Angaben zu Holzfeuchte oder Brenndauer pro Zentimeter
- Keine Behandlung von Verbrennungen über die Grundmaßnahmen hinaus
- Nur mit Holz, das genutzt werden darf
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Trockenes Brennholz
- Zunder (Wasserdicht verpackt mitführen.), Zunderstoff (verkohlte Baumwolle) (Trocken in einer Dose lagern.), Feinste Stahlwolle (Getrennt von Batterien lagern – Brandgefahr.), Kienspan (harzreiches Holz) (Nur totes Holz sammeln, wo erlaubt.), Kocherbrennstoff (Kartusche, Benzin, Spiritus) (Brennstoffe getrennt von Lebensmitteln und in Originalbehältern bzw. dafür vorgesehenen Flaschen lagern.), Watte mit Vaseline (Nur reine Baumwolle verwenden.), Speiseöl oder Speisefett (Talg, Schmalz) (Brennendes Fett nie mit Wasser löschen – Deckel auflegen und ersticken.), Baumharz (Fichte, Kiefer) (Harz ist brennbar und klebt heiß auf der Haut – nur langsam auf kleiner Hitze schmelzen.), Birkenrinde (von totem, abgefallenem Holz) (Nie von lebenden Bäumen schälen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Ray Mears – Hodder & Stoughton (2002): Bushcraft
Aushöhlen von Holz mit Glut als Bushcraft-Technik
Mors L. Kochanski – Lone Pine Publishing: Bushcraft: Outdoor Skills and Wilderness Survival
Herstellung von Holzgefäßen im Lager
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (Dietrich Frohne, Hans Jürgen Pfänder): Giftpflanzen – Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen
Giftigkeit von Eibe und Goldregen
European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid
Verbrennungen sofort mit kühlem Wasser kühlen
Leave No Trace Center for Outdoor Ethics: The Seven Principles of Leave No Trace (Principle 5: Minimize Campfire Impacts)
Feuer klein halten, vollständig löschen