Hochwasser: vorher, währenddessen, danach
Hochwasser und Sturzfluten gehören zu den tödlichsten Naturgefahren – oft, weil Menschen zu Fuß oder mit dem Auto durch Wasser fahren. Die wichtigste Regel: Nie durch Hochwasser gehen oder fahren. Warnungen ernst nehmen, höher gelegene Orte aufsuchen, den Anweisungen der Behörden folgen und erst zurückkehren, wenn sie es erlauben.
- Vorsorge einige Stunden; im Ereignis sofortiges Handeln

Einfach erklärt
Wasser sieht harmlos aus, ist aber unglaublich stark. Stell dir vor, jemand schiebt die ganze Zeit kräftig gegen deine Beine – genau das macht fließendes Wasser. Schon wenn es dir nur bis zu den Knien geht, kann es dich umwerfen. Und ein Auto kann im Wasser anfangen zu schwimmen wie ein Spielzeugboot in der Badewanne.
Dazu kommt: Hochwasser ist meistens braun und trüb. Du siehst nicht, was darunter ist – ein Loch in der Straße, ein offener Gullydeckel oder spitze Trümmer. Darum gibt es eine ganz einfache Regel: Geh nie durch Hochwasser und fahr nie hindurch. Kehr um und such dir einen höheren Ort.
Bei Hochwasser helfen die Erwachsenen, die Feuerwehr und die Behörden zusammen. Wenn sie sagen „Bitte das Haus verlassen“, dann geht man sofort. Und wenn du irgendwo festsitzt, geh nach oben und ruf den Notruf (112 in der EU).
Wie es funktioniert
Hochwasser entsteht, wenn mehr Wasser ankommt, als Flüsse, Bäche und Kanäle abführen können. Das kann nach tagelangem Regen passieren, wenn ein großer Fluss langsam über die Ufer tritt, oder nach einem einzigen heftigen Gewitter. Im zweiten Fall spricht man von einer Sturzflut: Der Regen fällt so schnell, dass der Boden ihn nicht aufnehmen kann, und das Wasser schießt über Straßen, Hänge und kleine Bäche talwärts. Sturzfluten können innerhalb von Minuten entstehen – auch dort, wo gar kein Fluss in der Nähe ist.
Die Kraft des Wassers wird fast immer unterschätzt. Fließendes Wasser drückt nicht nur gegen dich, es spült auch den Boden unter deinen Füßen weg. Ein Auto ist im Wasser leichter, als man denkt, weil es Luft enthält und dadurch Auftrieb bekommt. Wenn die Räder den Halt verlieren, treibt es mit der Strömung. Deshalb geschieht ein großer Teil der Todesfälle bei Hochwasser in Fahrzeugen.
Unter trübem Wasser ist außerdem nicht zu erkennen, ob die Straße noch da ist. Strömung kann Asphalt unterspülen und Kanaldeckel anheben. Wer hindurchgeht, tritt womöglich ins Leere. Genau deshalb gibt es keine sichere Faustregel für „noch flach genug“ – die richtige Entscheidung ist immer: nicht hindurch.
Worauf es ankommt
Das Wichtigste passiert vor dem Hochwasser. Frag bei deiner Gemeinde nach, ob deine Wohnung in einem Hochwasser- oder Starkregen-Gefahrenbereich liegt. Viele Regionen haben Gefahrenkarten, die zeigen, welche Gebiete zuerst überflutet werden. Lagere Dokumente, Medikamente und Vorräte nicht im Keller, und halte einen Notfallrucksack bereit.
Wenn eine Warnung kommt, ist Zeit das Wertvollste. Jetzt ist der Moment, Menschen und Tiere nach oben zu bringen, Geräte zu laden und den Weg zu einem höher gelegenen Ort zu prüfen. Warte nicht darauf, dass du das Wasser steigen siehst – bei Sturzfluten ist es dann oft zu spät. Wenn die Behörden zur Evakuierung auffordern, geh sofort.
Während des Hochwassers gilt: nach oben, nicht hindurch. Geh in obere Stockwerke oder auf höheres Gelände, halte Abstand zu Ufern, Brücken und Bachläufen und meide Keller, Tiefgaragen und Unterführungen. Wenn du eingeschlossen bist, geh ins höchste Stockwerk – aber nicht in einen geschlossenen Dachboden ohne Ausgang –, wähle den Notruf und mach dich bemerkbar.
Sicherheit: darauf musst du achten
Keller und Tiefgaragen sind bei steigendem Wasser Fallen. Sie können sehr schnell volllaufen, und gegen den Druck des Wassers lässt sich eine Tür oft nicht mehr öffnen. Kein Gegenstand im Keller ist es wert, dafür hinunterzugehen. Dasselbe gilt für Unterführungen, in denen sich das Wasser sammelt.
Wasser und Strom sind eine gefährliche Mischung. Fass keine elektrischen Geräte oder Schalter an, wenn du nass bist oder im Wasser stehst. Schalte den Strom nur ab, wenn das gefahrlos geht; sonst informiere Netzbetreiber oder Feuerwehr. Hochwasser ist außerdem oft mit Abwasser, Kraftstoff oder Chemikalien belastet – meide Hautkontakt, wasch dir gründlich die Hände und wirf Lebensmittel weg, die mit dem Wasser in Berührung gekommen sind.
Eine unterschätzte Gefahr kommt beim Aufräumen: Pumpen, Trockner und Generatoren mit Verbrennungsmotor erzeugen Kohlenmonoxid. Dieses Gas riecht nach nichts und kann in geschlossenen Räumen tödlich sein. Betreibe solche Geräte deshalb nur im Freien. Und geh erst zurück ins Haus, wenn die Behörden es erlauben – achte dabei auf Gasgeruch, Schäden am Gebäude, Stromleitungen und Hinweise zum Trinkwasser.
Gut zu wissen
Der US-Wetterdienst hat für die wichtigste Regel einen Merksatz geprägt: „Turn Around, Don't Drown“ – „Kehr um, ertrink nicht“. Er erinnert daran, dass Umkehren keine Schwäche ist, sondern die klügste Entscheidung. Viele Menschen geraten in Gefahr, weil sie eine Straße gut kennen und glauben, sie wüssten, wie tief das Wasser dort ist.
Ein häufiger Denkfehler lautet: „Es ist doch bisher immer gut gegangen.“ Starkregen kann aber auch Orte treffen, an denen es lange kein Hochwasser gab. Auch weit weg von Flüssen können Senken, Hanglagen und Kellerwohnungen betroffen sein. Wer die Warnkanäle seiner Region kennt – Radio, Warn-Apps, Sirenen, Durchsagen –, gewinnt die Minuten, auf die es ankommt.
Nach dem Hochwasser hilft es, Schäden zu fotografieren, bevor du etwas wegwirfst; das erleichtert die Klärung mit der Versicherung. Trag beim Aufräumen Handschuhe, feste Schuhe und Schutzkleidung. Und nimm Hilfe an: Aufräumen nach einer Flut ist harte Arbeit, die man nicht allein schaffen muss.
Schritt für Schritt
Vorher: Risiko kennen
Informiere dich bei Gemeinde oder Behörden, ob deine Wohnung in einem Hochwasser- oder Starkregen-Gefahrenbereich liegt, und welche Warnkanäle es gibt.
- 1
Vorher: Risiko kennen
Informiere dich bei Gemeinde oder Behörden, ob deine Wohnung in einem Hochwasser- oder Starkregen-Gefahrenbereich liegt, und welche Warnkanäle es gibt.
- 2
Vorher: vorbereiten
Wichtige Dokumente, Wertsachen und Vorräte nicht im Keller lagern. Notfallrucksack bereithalten, Versicherungsschutz prüfen, Evakuierungsweg und höher gelegenen Ort kennen.
- 3
Bei Warnung: handeln
Verfolge Radio und Warnmeldungen. Bringe Menschen, Tiere und, wenn noch Zeit ist, Wertvolles nach oben. Folge Aufforderungen zur Evakuierung sofort.
- 4
Währenddessen: nach oben, nicht hindurch
Suche höher gelegene Orte oder obere Stockwerke auf. Geh oder fahr nicht durch Wasser; kehre um, wenn eine Straße überflutet ist. Halte Abstand zu Ufern, Brücken und Bachläufen.
Nicht in Keller, Tiefgaragen oder Unterführungen.
- 5
Eingeschlossen
Wenn du im Gebäude eingeschlossen bist: in das höchste Stockwerk gehen, aber nicht in einen geschlossenen Dachboden ohne Ausgang. Den Notruf wählen (in der EU 112) und dich bemerkbar machen.
- 6
Danach: erst zurück, wenn erlaubt
Kehre erst zurück, wenn die Behörden es erlauben. Achte auf Schäden an Gebäuden, Gasgeruch und Stromleitungen. Trinkwasserwarnungen beachten.
- 7
Aufräumen mit Schutz
Bei Aufräumarbeiten Handschuhe, feste Schuhe und Schutzkleidung tragen. Schäden für die Versicherung fotografieren, bevor du entsorgst.
Häufige Fehler
- Mit dem Auto durch überflutete Straßen fahren
- Zu Fuß durch fließendes Wasser gehen
- In den Keller gehen, um Sachen zu retten
- Warnungen ignorieren, weil „es bisher immer gut ging“
- Zu früh in das Gebäude zurückkehren
- Generator im Haus zum Trocknen betreiben
Kurzüberblick
Material
Batterie- oder Kurbelradio
Für Warnungen bei Stromausfall
Batterien regelmäßig prüfen und Ersatz bereithalten.
Dokumentenmappe (wasserdicht)
Wasserdicht, griffbereit
Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.
Stirnlampe / Taschenlampe
Feste, geschlossene Schuhe
Für Aufräumarbeiten
Geeignet für
- Haushalte an Flüssen, Bächen, in Senken oder mit Kellerwohnungen
- Starkregen auch fernab von Gewässern
Ungeeignet für
- Technische Hochwasserschutzmaßnahmen am Gebäude – dafür Fachleute und Behörden
- Tsunami-Verhalten – hier gelten eigene Regeln der Küstenbehörden
Voraussetzungen
- Wissen, ob die Wohnung in einem Hochwasser- oder Starkregen-Risikogebiet liegt
- Kenntnis der Warnkanäle und Evakuierungswege der Region
Sicherheit
- Hochwasser kann mit Abwasser, Kraftstoff und Chemikalien belastet sein. Kontakt meiden, Schutzkleidung tragen, Hände waschen und Lebensmittel, die mit dem Wasser in Kontakt kamen, entsorgen.
So funktioniert es
Wasser entwickelt große Kräfte: Fließendes Wasser drückt gegen Beine und Fahrzeuge, trägt Autos auf und unterspült Straßen. Unter trübem Wasser sind Löcher, offene Schächte und Trümmer unsichtbar. Sturzfluten nach Starkregen entstehen sehr schnell, auch dort, wo kein Fluss ist. Deshalb zählt vor allem eines: rechtzeitig weg vom Wasser und nach oben, statt hindurch.
Vorteile
- Klare, einfache Grundregeln
- Vorsorge senkt Schäden und Risiken erheblich
Nachteile
- Warnzeiten können bei Sturzfluten sehr kurz sein
- Evakuierungswege können selbst überflutet sein
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Der US-Wetterdienst NWS führt die Kampagne „Turn Around Don't Drown“, weil ein großer Teil der Hochwasser-Todesfälle in Fahrzeugen geschieht. FEMA (Ready.gov) rät ebenfalls, nie durch Hochwasser zu gehen, zu schwimmen oder zu fahren, höher gelegene Orte aufzusuchen und den Anweisungen der Behörden zu folgen. Das BBK gibt im Ratgeber für Notfallvorsorge Hinweise zu Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser.
Warnsysteme, Gefahrenkarten und Evakuierungsregeln sind regional organisiert. Die Gemeinde oder die zuständige Behörde weiß, welche Bereiche gefährdet sind und welche Wege genutzt werden sollen.
Varianten
- Sturzflut nach Starkregen
- Sturzfluten können innerhalb von Minuten entstehen, auch in Städten und an kleinen Bächen. Bei Starkregenwarnungen Täler, Bachläufe und Unterführungen meiden und nicht abwarten, bis Wasser sichtbar steigt.
Häufige Fehler
- Mit dem Auto durch überflutete Straßen fahren
- Zu Fuß durch fließendes Wasser gehen
- In den Keller gehen, um Sachen zu retten
- Warnungen ignorieren, weil „es bisher immer gut ging“
- Zu früh in das Gebäude zurückkehren
- Generator im Haus zum Trocknen betreiben
Grenzen und Risiken
- Keine Angaben zu Wassertiefen oder Strömungsgeschwindigkeiten
- Keine technischen Hochwasserschutzmaßnahmen
- Keine Hinweise zu Tsunamis
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Dokumentenmappe (wasserdicht)
- Tarp / Plane, Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
NOAA National Weather Service (USA): Turn Around Don't Drown
Nie durch Hochwasser fahren oder gehen
Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Floods
Verhalten vor, während und nach Hochwasser
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser
European Commission: 112 – the European emergency number
Europäische Notrufnummer 112