Wasser bei Naturkatastrophen und Ausfall der Versorgung
Hochwasser, Stürme, Erdbeben oder lange Stromausfälle können die Trinkwasserversorgung unterbrechen oder verunreinigen. Entscheidend sind ein vorbereiteter Vorrat, das Befolgen behördlicher Hinweise wie Abkochgebote und die Vorsicht gegenüber Hochwasser, das fast immer verunreinigt ist.
- Vorrat anlegen: einmalig etwa eine Stunde, danach regelmäßige Kontrolle

Einfach erklärt
Normalerweise kommt sauberes Wasser einfach aus dem Hahn. Damit das klappt, braucht es Pumpen, Strom und heile Leitungen. Bei einem Hochwasser, einem schweren Sturm, einem Erdbeben oder einem langen Stromausfall kann davon etwas kaputtgehen. Dann kommt vielleicht kein Wasser mehr – oder Wasser, das krank machen kann.
Deshalb ist ein kleiner Wasservorrat zu Hause so etwas wie ein Ersatzreifen im Auto: Meistens braucht man ihn nicht, aber wenn doch, ist man sehr froh darüber. Behörden geben an, wie viel Wasser pro Person und Tag sinnvoll ist.
Ganz wichtig: Hochwasser ist kein Trinkwasser, auch wenn es nur durch den Keller fließt. Darin sind fast immer Abwasser, Benzin und andere Schadstoffe. Und wenn Behörden sagen, dass man das Leitungswasser abkochen oder gar nicht benutzen soll, dann hält man sich daran.
Wie es funktioniert: warum die Versorgung ausfällt
Die Trinkwasserversorgung ist eine Kette: Wasser wird gewonnen, aufbereitet, in Behälter gepumpt und über Leitungen verteilt. Bei Katastrophen fallen oft mehrere Glieder gleichzeitig aus. Ohne Strom stehen Pumpen und Druckerhöhungsanlagen still, gerade in höheren Stockwerken kommt dann kein Wasser mehr an. Gebrochene Leitungen können Schmutz und Abwasser ins Netz ziehen, und Hochwasser kann Abwasser in Brunnen und Anlagen spülen.
Wasserversorger und Behörden reagieren darauf mit zwei Arten von Hinweisen. Ein Abkochgebot wird ausgesprochen, wenn eine Verunreinigung mit Krankheitserregern nicht ausgeschlossen werden kann – Abkochen schützt dann. Ein Nutzungsverbot wird erlassen, wenn eine chemische Belastung im Spiel ist. Dann hilft Abkochen nicht, und man braucht Wasser aus einer anderen Quelle.
Ein eigener Vorrat überbrückt die Zeit, bis Behörden Wasser an Ausgabestellen bereitstellen oder die Versorgung wieder sicher ist. In großen Schadenslagen kann Hilfe nicht sofort überall gleichzeitig ankommen – das ist der Grund, warum Behörden wie das BBK in Deutschland einen Vorrat empfehlen.
Worauf es ankommt: der Vorrat
Richte die Menge nach der Empfehlung deiner eigenen Behörde, denn sie unterscheidet sich zwischen Ländern. Das BBK nennt für die Notfallvorsorge rund zwei Liter pro Person und Tag zum Trinken und Kochen und empfiehlt einen Vorrat für mehrere Tage. Plane zusätzlich Reserve ein: für Kinder, Kranke, Haustiere, heißes Wetter und ein Minimum an Hygiene.
Am einfachsten ist gekauftes, verschlossenes Trinkwasser in Flaschen, weil es lange haltbar ist und nur ein Haltbarkeitsdatum beachtet werden muss. Selbst abgefülltes Leitungswasser braucht saubere, lebensmittelechte Behälter und muss regelmäßig erneuert werden. Lagere den Vorrat kühl, dunkel und getrennt von Chemikalien, Farben oder Kraftstoffen.
Wenn ein Ereignis angekündigt ist – zum Beispiel ein Sturm oder Hochwasser –, kannst du zusätzlich saubere Behälter mit Leitungswasser füllen, solange es noch als sicher gilt. Eine gefüllte Badewanne oder Eimer liefern Brauchwasser für die Toilettenspülung und grobe Reinigung. Dieses Wasser ist kein Trinkwasser.
Sicherheit: darauf musst du achten
Hochwasser enthält in der Regel Abwasser, Kraftstoffe und Chemikalien. Trinke es nicht, nutze es nicht zum Zähneputzen oder Kochen und vermeide Kontakt so gut es geht. Auch Abkochen macht Hochwasser nicht sicher, weil es gegen Chemikalien nicht hilft.
Ein Abkochgebot gilt nicht nur für das Trinkglas. Es betrifft auch Zähneputzen, Eiswürfel, das Waschen von Obst und Gemüse, das roh gegessen wird, und die Zubereitung von Babynahrung. Folge immer den genauen Angaben deines Wasserversorgers – auch beim Spülen der Leitungen, nachdem ein Gebot aufgehoben wurde.
Kocher, Grills und Generatoren erzeugen Kohlenmonoxid. Dieses Gas ist unsichtbar und geruchlos und kann in geschlossenen Räumen tödlich sein. Betreibe sie deshalb nur im Freien – niemals in Wohnräumen, Garagen, Kellern oder Zelten. Bei Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit in der Nähe solcher Geräte sofort an die frische Luft gehen und die örtliche Notrufnummer (112 in der EU) anrufen.
Typische Situationen
Langer Stromausfall: Pumpen und Warmwasserbereiter können ausfallen, und ohne Strom lässt sich vielleicht nicht mehr abkochen. Dann werden der Vorrat und eine sichere Kochmöglichkeit im Freien wichtiger. Ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio hilft dir, Behördenhinweise zu empfangen, wenn Internet und Handynetz gestört sind.
Erdbeben oder Leitungsschäden: Wenn Leitungen gebrochen sind, kann Schmutz ins Netz gelangen, auch wenn noch Wasser aus dem Hahn kommt. Nutze Leitungswasser bis zur Freigabe nur so, wie die Behörden es angeben.
Hochwasser: Hier sind gleich mehrere Gefahren zusammen – verunreinigtes Leitungswasser, überflutete Brunnen und das Hochwasser selbst. Eigene Brunnen, die überflutet wurden, solltest du erst wieder nutzen, wenn sie geprüft wurden oder die Behörden es erlauben. Wenn kein sicheres Wasser verfügbar ist und keine Chemikalien zu befürchten sind, kannst du trübes Wasser klären und dann abkochen oder nach Anleitung chemisch desinfizieren.
So bereitest du dich vor
Lege den Vorrat in ruhigen Zeiten an, nicht erst, wenn die Krise beginnt – dann sind Geschäfte oft leer gekauft. Schreibe das Datum auf die Behälter und plane einen festen Termin im Jahr, an dem du den Vorrat prüfst und erneuerst. Abgelaufenes Flaschenwasser kannst du zum Kochen oder Blumengießen verbrauchen und ersetzen.
Teile den Vorrat gedanklich nach Zweck ein: sicheres Wasser zuerst für Trinken und Essenszubereitung, Brauchwasser für Toilette und grobe Reinigung. Besprich mit allen im Haushalt, wo der Vorrat steht und was Abkochgebot und Nutzungsverbot bedeuten. So kann im Ernstfall jeder ruhig und richtig handeln.
Schritt für Schritt
Vorrat anlegen
Lege einen Trinkwasservorrat nach den Richtwerten deiner Behörde an. Das BBK nennt für die Notfallvorsorge rund zwei Liter pro Person und Tag und empfiehlt einen Vorrat für mehrere Tage; Reserve für Hygiene, Kinder, Kranke und Haustiere einplanen.
- 1
Vorrat anlegen
Lege einen Trinkwasservorrat nach den Richtwerten deiner Behörde an. Das BBK nennt für die Notfallvorsorge rund zwei Liter pro Person und Tag und empfiehlt einen Vorrat für mehrere Tage; Reserve für Hygiene, Kinder, Kranke und Haustiere einplanen.
- 2
Warnungen verfolgen
Halte ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio und Warn-Apps bereit. Achte auf Abkochgebote, Nutzungsverbote und Ausgabestellen für Trinkwasser.
- 3
Vor dem Ereignis füllen
Wenn ein Ereignis angekündigt ist (Sturm, Hochwasser), saubere, lebensmittelechte Behälter mit Leitungswasser füllen, solange es noch als sicher gilt. Badewanne oder Eimer können zusätzlich Brauchwasser für die Toilettenspülung liefern – nicht als Trinkwasser.
- 4
Vorrat nach Zweck einteilen
Sicheres Wasser zuerst für Trinken und Essenszubereitung verwenden; für Toilettenspülung und grobe Reinigung Brauchwasser nutzen.
- 5
Wenn nötig aufbereiten
Wenn kein sicheres Wasser verfügbar ist und keine Chemikalien zu befürchten sind, trübes Wasser zuerst klären und dann abkochen oder nach Anleitung chemisch desinfizieren.
- 6
Nach Wiederherstellung
Folge den Anweisungen des Versorgers, wie Leitungen nach Aufhebung eines Abkochgebots gespült werden sollen. Eigene Brunnen nach Überflutung erst nach Prüfung bzw. nach Behördenanleitung wieder nutzen.
Häufige Fehler
- Erst bei Eintritt der Krise an einen Vorrat denken
- Hochwasser abkochen und trinken
- Ein Abkochgebot beim Zähneputzen oder für Eiswürfel ignorieren
- Brauchwasser aus Badewanne oder Eimern als Trinkwasser verwenden
- Kocher oder Generator in Innenräumen betreiben
- Einen überfluteten Brunnen ohne Prüfung weiter nutzen
Kurzüberblick
Material
Lebensmittelechter Wasserkanister
Lebensmittelecht, verschließbar
Nur Behälter verwenden, die nie Chemikalien oder Kraftstoff enthalten haben.
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter)
Gekauftes Wasser als Vorrat
Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.
Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
Zum Abkochen, wenn Energie verfügbar ist
Heiß – Verbrühungsgefahr.
Chlortabletten (NaDCC) zur Trinkwasserdesinfektion
Dosierung und Einwirkzeit laut Hersteller einhalten.
Geeignet für
- Notfallvorsorge im Haushalt
- Hochwasser, Sturm, Erdbeben, Stromausfall
- Abkochgebote und Störungen der Wasserversorgung
Ungeeignet für
- Ersatz für die Anweisungen von Wasserversorger und Behörden
- Aufbereitung von Hochwasser oder chemisch belastetem Wasser
Voraussetzungen
- Zugang zu Warnmeldungen (Radio, Warn-App, Behördenseiten)
Sicherheit
- Behördliche Hinweise zum Leitungswasser haben Vorrang. Ein Abkochgebot gilt auch für Zähneputzen, Eiswürfel und das Waschen von Lebensmitteln, die roh gegessen werden.
So funktioniert es
Bei Katastrophen fallen oft mehrere Barrieren zugleich aus: Pumpen stehen ohne Strom still, Leitungen brechen, und Hochwasser spült Abwasser in Brunnen und Netze. Ein eigener Vorrat überbrückt die ersten Tage, bis Behörden Wasser bereitstellen oder die Versorgung wieder sicher ist. Aufbereitung im Haushalt schützt gegen Erreger, aber nicht gegen Chemikalien.
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Behörden wie das BBK in Deutschland empfehlen, für Notlagen einen Trinkwasservorrat im Haushalt zu halten, weil Hilfe in großen Schadenslagen nicht sofort überall ankommt. Die konkrete Empfehlung zu Menge und Dauer unterscheidet sich zwischen Ländern; maßgeblich ist die Empfehlung der eigenen Region.
Abkochgebote werden ausgesprochen, wenn eine mikrobiologische Verunreinigung des Leitungsnetzes nicht ausgeschlossen werden kann. Liegt dagegen eine chemische Verunreinigung vor, wird ein Nutzungsverbot erlassen – dann hilft Abkochen nicht. Die US-Behörden EPA und CDC beschreiben für den Notfall das Abkochen sowie die Desinfektion mit unparfümierter Haushaltsbleiche, wenn kein Abkochen möglich ist.
Varianten
- Langer Stromausfall
- Ohne Strom können Pumpen, Druckerhöhungsanlagen und Warmwasserbereiter ausfallen. Der Vorrat und eine sichere Kochmöglichkeit im Freien werden dann wichtiger.
- Erdbeben und Leitungsschäden
- Gebrochene Leitungen können Schmutz und Abwasser ins Netz ziehen. Bis zur Freigabe Leitungswasser nur nach Behördenanleitung verwenden.
Häufige Fehler
- Erst bei Eintritt der Krise an einen Vorrat denken
- Hochwasser abkochen und trinken
- Ein Abkochgebot beim Zähneputzen oder für Eiswürfel ignorieren
- Brauchwasser aus Badewanne oder Eimern als Trinkwasser verwenden
- Kocher oder Generator in Innenräumen betreiben
- Einen überfluteten Brunnen ohne Prüfung weiter nutzen
Grenzen und Risiken
- Regionale Behördenempfehlungen haben Vorrang
- Keine Anleitung zur Aufbereitung chemisch belasteten Wassers
- Keine Anleitung zur Sanierung von Brunnen
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Lebensmittelechter Wasserkanister
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.), Doppelwandige Isolierflasche (Niemals direkt erhitzen.), PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) (Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.), Luftdichte, lebensmittelechte Vorratsdose (Nur sauber und vollständig trocken befüllen; keine Behälter verwenden, die vorher Chemikalien enthielten.), Faltkanister oder Wassersack (Vor spitzen Gegenständen schützen.), Lebensmittelechter Wasserbeutel (Nur für Trinkwasser verwenden, nie für Chemikalien oder Brennstoff.), Gärglas oder Gärtopf (Nur lebensmittelechte Gefäße aus Glas, glasiertem Steinzeug für Lebensmittel oder lebensmittelechtem Kunststoff verwenden – keine Metallgefäße für saure Lebensmittel.), Wiederverschließbare Lebensmittelbeutel (Nur Beutel verwenden, die für Lebensmittel bestimmt sind; nicht für kochendes Wasser nutzen, wenn der Hersteller es nicht ausdrücklich erlaubt.)
- Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.)
- Chlortabletten (NaDCC) zur Trinkwasserdesinfektion
- Chlordioxid-Tabletten oder -Tropfen (Nur zugelassene Trinkwasserprodukte; Herstellerangaben befolgen.), Unparfümierte Haushaltsbleiche (Natriumhypochlorit) (Nur unparfümiert, ohne Zusätze, mit bekannter Konzentration.), Iodtabletten zur Wasserdesinfektion (Nicht bei Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankung oder Iodallergie ohne ärztlichen Rat.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
Trinkwasservorrat im Haushalt und Planungswert pro Person und Tag
Centers for Disease Control and Prevention: Making Water Safe in an Emergency
Abkochen und Desinfektion im Notfall; Umgang mit Hochwasser
United States Environmental Protection Agency: Emergency Disinfection of Drinking Water
Abkochen und Desinfektion mit Haushaltsbleiche im Notfall