Zum Inhalt springen
Im NotfallÖsterreichNotrufnummern →
SurviveBetter
Technik

Notfallplanung mit Menschen mit Behinderungen

Menschen mit Behinderungen sind Expertinnen und Experten für ihre eigenen Bedürfnisse. Ein Notfallplan entsteht deshalb gemeinsam mit ihnen: Wie erreichen Warnungen die Person, welche Hilfsmittel und Assistenz braucht sie, wie kommt sie aus dem Gebäude, und wer gehört zum persönlichen Unterstützungsnetz?

Schwierigkeit
Grundkenntnisse
Aufwand
Ein ausführliches Gespräch; regelmäßige Überprüfung
Risikostufe
Sicherheitsrelevant
KI-Feldstudie zum Thema „Notfallplanung mit Menschen mit Behinderungen“
Stimmungsbild, keine Anleitung. Maßgeblich sind Text und Schritte.
Fehler melden

Einfach erklärt

Menschen mit Behinderungen wissen selbst am besten, was sie brauchen. Darum macht man den Notfallplan mit ihnen gemeinsam. Jemand, der im Rollstuhl sitzt, braucht vielleicht Hilfe auf der Treppe. Jemand, der nicht hört, bemerkt eine Sirene nicht. Jemand, der nicht sieht, kann eine Textwarnung auf dem Handy nicht lesen, wenn das Handy sie nicht vorliest.

Ein guter Plan sagt also: Wie erreicht mich eine Warnung? Welche Hilfsmittel brauche ich? Wie komme ich aus dem Haus? Und wer sind die Menschen, die mir helfen? Es ist wie ein Netz mit mehreren Knoten: Wenn ein Knoten reißt, hält das Netz trotzdem.

Das Wichtigste: Bei einer Warnung früh losgehen, weil man mit Unterstützung mehr Zeit braucht. In Gefahr den Notruf wählen (112 in der EU) und gleich sagen, welche Hilfe man braucht.

Wie es funktioniert

„Nichts über uns ohne uns“ ist ein Grundsatz der Behindertenbewegung, und er passt genau auf die Notfallplanung. Die Person selbst weiß, was ihr hilft, was sie selbst kann und wo sie Unterstützung braucht. Ein Plan, der über ihren Kopf hinweg gemacht wird, geht oft an der Wirklichkeit vorbei – und verletzt außerdem ihre Selbstbestimmung.

Ein guter Plan beschreibt Bedürfnisse statt Diagnosen. Für Helfende ist „Ich brauche Hilfe auf Treppen und kann nicht lange stehen“ viel nützlicher als ein medizinischer Fachbegriff. Außerdem berücksichtigt der Plan, dass in einer Notlage gerade die gewohnte Unterstützung ausfallen kann: Assistenz kommt nicht durch, Fahrdienste fahren nicht, der Strom für Hilfsmittel fehlt, und der Aufzug steht still.

Worauf es ankommt

Das persönliche Unterstützungsnetz ist das Herzstück. Empfehlenswert sind mindestens drei Personen an verschiedenen Orten – zu Hause, bei der Arbeit, in der Nachbarschaft –, die den Plan kennen, wissen, wie sie in die Wohnung kommen, und im Notfall nachsehen. Mehrere Personen sind wichtig, weil in einer Krise jede einzelne selbst betroffen oder nicht erreichbar sein kann.

Warnungen müssen ankommen. Sirenen hört nicht jede Person, Textwarnungen liest nicht jede. Hilfreich sind Warn-Apps mit Vibration oder Lichtsignal, Rauchmelder mit Blitzlicht oder Vibrationskissen und die feste Absprache, dass jemand Bescheid gibt. Frag bei deiner Gemeinde nach, welche barrierefreien Warnwege es gibt – barrierefreie Warnung ist in vielen Ländern noch im Aufbau.

Eine kurze Informationskarte für Rettungskräfte spart im Ernstfall Zeit: Wie kommuniziert man mit mir? Welche Hilfsmittel sind unverzichtbar? Welche Medikamente nehme ich, wen soll man anrufen? Sie gehört ins Portemonnaie und ins Notfallgepäck. Dazu kommen Ersatz für Hilfsmittel, soweit möglich: Ersatzbrille, Ladegeräte, Ersatzbatterien, wenn der Hersteller das vorsieht, und manchmal ein manueller Ersatz für ein elektrisches Hilfsmittel. Für Assistenztiere werden Futter, Wasser und Dokumente eingeplant.

Sicherheit: darauf musst du achten

Wer beim Verlassen des Gebäudes Unterstützung braucht, sollte bei Evakuierungswarnungen früh aufbrechen und nicht abwarten, ob es ernst wird. In Gefahr wählst du den Notruf (112 in der EU) und sagst gleich, welche Unterstützung nötig ist, zum Beispiel: „Ich sitze im Rollstuhl im dritten Stock.“ So können die Einsatzkräfte das richtige Material und genug Personal schicken.

Bei Brand und Stromausfall sind Aufzüge nicht nutzbar. Fluchtwege und Hilfe auf Treppen klärst du deshalb vorher, nicht erst im Notfall – gemeinsam mit Hausverwaltung, Nachbarn, Arbeitgeber oder Schule. Die örtliche Feuerwehr berät oft zu besonderen Situationen wie Wohnungen in oberen Stockwerken. Rettungstechniken aus Fenstern oder über Leitern sind Sache der Fachleute, nicht der Nachbarschaft.

So übst du es

Probiere den Weg aus der Wohnung mit den eigenen Hilfsmitteln aus – auch ohne Aufzug und auch im Dunkeln. Dabei zeigt sich, wo es hakt: eine schwere Brandschutztür, eine Stufe ohne Geländer, ein Flur, der mit Fahrrädern zugestellt ist. Manches lässt sich mit der Hausverwaltung leicht ändern.

Bei kognitiven Beeinträchtigungen helfen einfache Sprache, Bildkarten mit den nächsten Schritten und regelmäßiges Üben. Was oft geübt wurde, bleibt auch unter Stress abrufbar. Überprüft den Plan regelmäßig gemeinsam, denn Hilfsmittel, Wohnsituation und Unterstützungspersonen ändern sich.

Gut zu wissen

Ready.gov empfiehlt Menschen mit Behinderungen ausdrücklich, ein persönliches Unterstützungsnetz aufzubauen, Hilfsmittel und Kommunikationsbedürfnisse in den Plan aufzunehmen und Informationen für Rettungskräfte bereitzuhalten. Auch das BBK weist auf besondere Vorsorge für Menschen mit Unterstützungsbedarf hin.

Ob es in deiner Region Register, besondere Hilfsangebote oder barrierefreie Notunterkünfte gibt, ist sehr unterschiedlich. Frag bei Gemeinde, Behindertenverbänden oder Beratungsstellen nach. Medizinische und rechtliche Fragen klärst du mit den zuständigen Fachleuten.

Schritt für Schritt

Notfallplanung mit Menschen mit Behinderungen

Schritt 1 von 6

Bedürfnisse beschreiben

Gemeinsam festhalten: Was brauche ich täglich (Hilfsmittel, Medikamente, Assistenz, Ernährung)? Was fällt bei Stromausfall weg? Wie kommuniziere ich am besten?

Notfallplanung mit Menschen mit Behinderungen – Schritt 1 von 6Bedürfnisse beschreiben. Gemeinsam festhalten: Was brauche ich täglich (Hilfsmittel, Medikamente, Assistenz, Ernährung)? Was fällt bei Stromausfall weg? Wie kommuniziere ich am besten?
Schritt 1 von 6

Schritt 1 von 6

Bedürfnisse beschreiben

Gemeinsam festhalten: Was brauche ich täglich (Hilfsmittel, Medikamente, Assistenz, Ernährung)? Was fällt bei Stromausfall weg? Wie kommuniziere ich am besten?

  1. 1

    Bedürfnisse beschreiben

    Gemeinsam festhalten: Was brauche ich täglich (Hilfsmittel, Medikamente, Assistenz, Ernährung)? Was fällt bei Stromausfall weg? Wie kommuniziere ich am besten?

  2. 2

    Persönliches Unterstützungsnetz

    Mindestens drei Personen an verschiedenen Orten (zu Hause, Arbeit, Nachbarschaft), die den Plan kennen, Zugang zur Wohnung klären und im Notfall nachsehen.

  3. 3

    Warnwege anpassen

    Warn-Apps mit Vibration oder Lichtsignal, Rauchmelder mit Blitzlicht oder Vibrationskissen, Absprache, dass jemand Bescheid gibt. Rückfragen bei der Gemeinde, welche barrierefreien Warnwege es gibt.

  4. 4

    Informationskarte

    Eine kurze Karte für Rettungskräfte: wie man mit mir kommuniziert, welche Hilfsmittel unverzichtbar sind, wichtige Kontakte und Medikamente. Im Portemonnaie und im Notfallgepäck.

  5. 5

    Flucht- und Evakuierungsweg üben

    Weg aus der Wohnung mit Hilfsmitteln ausprobieren, auch ohne Aufzug und im Dunkeln. Bei Bedarf Hausverwaltung, Arbeitgeber oder Schule einbeziehen.

  6. 6

    Ersatz für Hilfsmittel

    Ersatzbrille, Ladegeräte, wenn möglich manueller Ersatz für elektrische Hilfsmittel. Für Assistenztiere Futter, Wasser und Dokumente einplanen.

Die Animation ist eine schematische Zeichnung der Schritte oben und wird wie alle Inhalte noch fachlich geprüft.

Häufige Fehler

  • Für statt mit der Person planen
  • Nur eine einzige Unterstützungsperson haben
  • Davon ausgehen, dass Aufzug oder Assistenz im Notfall verfügbar sind
  • Warnungen nur über einen Kanal
  • Hilfsmittel nicht im Evakuierungsgepäck berücksichtigen

Kurzüberblick

Material

  • Dokumentenmappe (wasserdicht)

    Kommunikations- und Gesundheitsinformationen

    Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.

  • Medikamentenvorrat(optional)

    Vorratshaltung verschreibungspflichtiger Medikamente mit Arzt oder Apotheke absprechen; Lagerhinweise und Verfallsdaten beachten.

  • Ersatzbatterien

    Für Hilfsmittel, sofern vom Hersteller vorgesehen

    Kühl und trocken lagern, Haltbarkeitsdatum beachten; Knopfzellen außer Reichweite von Kindern.

  • Signalpfeife(optional)

    Um auf sich aufmerksam zu machen

    Griffbereit tragen, nicht tief im Rucksack.

    Nicht direkt neben dem Ohr anderer Personen pfeifen.

Geeignet für

  • Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör-, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen
  • Familien, Wohngemeinschaften und Assistenzteams
  • Arbeitgeber und Schulen im Austausch mit den Betroffenen

Ungeeignet für

  • Pläne, die ohne Beteiligung der Person gemacht werden
  • Ersatz für professionelle Assistenz oder medizinische Versorgung

Voraussetzungen

  • Die Person bestimmt mit, was in den Plan kommt
  • Wissen über Hilfsmittel, Assistenz und Kommunikationswege

Sicherheit

  • Bei Brand und Stromausfall sind Aufzüge nicht nutzbar. Fluchtwege und Hilfe auf Treppen vorher klären, nicht erst im Notfall.
  • Warnungen erreichen nicht alle auf dieselbe Weise: Sirenen hört nicht jede Person, Textwarnungen liest nicht jede. Mehrere Kanäle und eine Kontaktperson einplanen.

So funktioniert es

Nichts über uns ohne uns: Die Person selbst weiß am besten, was sie braucht und was ihr hilft. Ein guter Plan beschreibt Bedürfnisse statt Diagnosen, verteilt Aufgaben auf ein Netz von mehreren Personen und berücksichtigt, dass in Notlagen gewohnte Unterstützung wie Assistenz, Fahrdienste, Strom oder Aufzüge ausfallen kann.

Vorteile

  • Erhält Selbstbestimmung und Würde
  • Macht Hilfe im Notfall schneller und passender
  • Nützt auch Helfenden

Nachteile

  • Erfordert Zeit und Abstimmung mit mehreren Personen
  • Hilfsmittelersatz kann teuer sein

Hintergrundwissen

Fachlicher Hintergrund

Ready.gov empfiehlt Menschen mit Behinderungen, ein persönliches Unterstützungsnetz aufzubauen, Hilfsmittel und Kommunikationsbedürfnisse in den Plan aufzunehmen und Informationen für Rettungskräfte bereitzuhalten. Das BBK weist auf die besondere Vorsorge für Menschen mit Unterstützungsbedarf hin.

Barrierefreie Warnung ist in vielen Ländern noch im Aufbau. Wer nicht auf öffentliche Systeme vertrauen kann, ist auf ein verlässliches persönliches Netz angewiesen.

Varianten

Kognitive Beeinträchtigungen
Einfache Sprache, Bildkarten mit den nächsten Schritten und regelmäßiges Üben helfen, im Stress handlungsfähig zu bleiben.

Häufige Fehler

  • Für statt mit der Person planen
  • Nur eine einzige Unterstützungsperson haben
  • Davon ausgehen, dass Aufzug oder Assistenz im Notfall verfügbar sind
  • Warnungen nur über einen Kanal
  • Hilfsmittel nicht im Evakuierungsgepäck berücksichtigen

Grenzen und Risiken

  • Keine medizinischen oder rechtlichen Auskünfte
  • Angebote und Register unterscheiden sich je nach Region – bei der Gemeinde nachfragen

Materialalternativen

Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.

Dokumentenmappe (wasserdicht)
Tarp / Plane, Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)

Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.

Quellen

  1. [1]

    Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): People with Disabilities

    Unterstützungsnetz, Hilfsmittel, Kommunikation und Informationen für Rettungskräfte

  2. [2]

    Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen

    Vorsorge für Menschen mit Unterstützungsbedarf

Rev. 1 · Aktualisiert 2026-10-10