Verschlucken: Atemwege frei bekommen (Erwachsene und Kinder über 1 Jahr)
Hat sich jemand verschluckt und kann noch husten, sprechen und atmen: zum kräftigen Husten auffordern. Wird der Husten schwach oder kann die Person nicht mehr sprechen, husten oder atmen: bis zu 5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter, dann bis zu 5 Oberbauchkompressionen (Heimlich-Handgriff), abwechselnd wiederholen und Notruf wählen (in der EU 112). Wird die Person bewusstlos: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle. Bei Säuglingen unter 1 Jahr geht man anders vor – das wird im Kurs geübt. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
- Sofort; Sekunden bis Minuten
Einfach erklärt
Manchmal rutscht beim Essen ein Bissen in den falschen Hals. Meistens hustet man ihn wieder heraus. Kann die Person noch husten, sprechen und atmen, sagst du ihr: „Husten, kräftig husten!“ – und bleibst bei ihr.
Kann sie nicht mehr richtig husten, nicht sprechen oder nicht atmen, ist es ein Notfall. Dann lässt du den Notruf wählen (in der EU 112) und schlägst bis zu fünfmal kräftig mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter, während sich die Person nach vorn beugt. Hilft das nicht, kommt der Heimlich-Handgriff: bis zu fünfmal ruckartig den Oberbauch nach innen und oben drücken. Dann wieder abwechseln.
Wird die Person bewusstlos, beginnst du mit der Wiederbelebung, so wie die Leitstelle es dir sagt. Bei Babys unter einem Jahr geht man anders vor – das lernt man im Kurs. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
Wie es funktioniert
Luftröhre und Speiseröhre liegen im Hals direkt nebeneinander. Beim Schlucken verschließt normalerweise ein kleiner Deckel die Luftröhre. Lacht oder spricht man mit vollem Mund, kann ein Bissen trotzdem in die Atemwege geraten und sie teilweise oder ganz verschließen.
Husten ist die stärkste natürliche Abwehr. Erst wenn sie versagt, helfen Rückenschläge und Oberbauchkompressionen: Sie erzeugen einen kurzen Druckstoß aus der Lunge, der den Fremdkörper herausdrücken kann.
Worauf es ankommt
Solange jemand kräftig hustet, nicht auf den Rücken klopfen – das könnte den Fremdkörper tiefer rutschen lassen. Erst wenn der Husten schwach wird oder die Person nicht mehr sprechen oder atmen kann, beginnst du mit den Rückenschlägen.
Für die Rückenschläge die Person mit einer Hand an der Brust stützen und nach vorn beugen, mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter schlagen. Für die Oberbauchkompression hinter die Person stellen, eine Faust zwischen Nabel und Brustbeinende setzen und ruckartig nach innen und oben ziehen. Nach jedem Schlag und jeder Kompression prüfen, ob der Fremdkörper draußen ist.
Sicherheit und Grenzen
Oberbauchkompressionen können innere Verletzungen verursachen. Deshalb muss jede Person, bei der sie angewendet wurden, danach ärztlich untersucht werden – auch wenn es ihr wieder gut geht. Nicht blind mit den Fingern im Mund suchen; nur entfernen, was du deutlich siehst und leicht greifen kannst.
Bei Säuglingen unter einem Jahr werden keine Oberbauchkompressionen angewendet. Für Schwangere und sehr beleibte Menschen gibt es abgewandelte Griffe. In all diesen Fällen: Notruf und Anweisungen der Leitstelle folgen.
Vorbeugen und üben
In Ruhe essen, gut kauen, nicht mit vollem Mund lachen oder herumlaufen. Kleinkindern Nüsse, ganze Weintrauben und kleine Spielzeugteile nicht geben oder Trauben klein schneiden.
Rückenschläge und Oberbauchkompressionen sollte man einmal unter Anleitung geübt haben – im Kurs an Übungspuppen oder mit Trainingswesten. Wer kleine Kinder betreut, besucht am besten einen Kurs für Erste Hilfe am Kind.
Schritt für Schritt
- 1
Fragen: „Hast du dich verschluckt?“
Kann die Person antworten, husten und atmen, ist der Atemweg nur teilweise verlegt. Sie zum kräftigen Weiterhusten auffordern und bei ihr bleiben.
- 2
Notruf, wenn der Husten versagt
Wird der Husten schwach oder kann die Person nicht mehr sprechen, husten oder atmen: Notruf wählen oder wählen lassen und sofort weitermachen.
- 3
Bis zu 5 Rückenschläge
Neben die Person stellen, sie mit einer Hand an der Brust stützen und den Oberkörper nach vorn beugen. Mit dem Handballen der anderen Hand bis zu 5-mal kräftig zwischen die Schulterblätter schlagen. Nach jedem Schlag prüfen, ob der Fremdkörper herausgekommen ist.
- 4
Bis zu 5 Oberbauchkompressionen
Hilft das nicht: hinter die Person stellen, beide Arme um ihren Oberbauch legen, eine Faust zwischen Bauchnabel und unterem Ende des Brustbeins ansetzen, mit der anderen Hand umfassen und kräftig ruckartig nach innen und oben ziehen. Bis zu 5-mal, nach jeder Kompression prüfen.
- 5
Abwechseln
Ist der Fremdkörper noch nicht draußen, weiter abwechselnd 5 Rückenschläge und 5 Oberbauchkompressionen, bis er sich löst, die Person wieder atmet oder bewusstlos wird.
- 6
Bewusstlos: Wiederbelebung
Wird die Person bewusstlos, sie vorsichtig auf den Boden legen, sicherstellen, dass der Notruf gewählt ist, und mit der Herzdruckmassage beginnen – genau nach Anweisung der Leitstelle. Einen AED holen lassen.
- 7
Danach ärztlich abklären
Wurden Oberbauchkompressionen angewendet oder bleiben Husten, Schmerzen oder Atembeschwerden, muss die Person ärztlich untersucht werden.
Häufige Fehler
- Auf den Rücken klopfen, solange die Person noch kräftig hustet
- Blind mit den Fingern im Mund suchen
- Den Notruf erst wählen, wenn die Person bewusstlos ist
- Bei Säuglingen Oberbauchkompressionen anwenden
- Nach erfolgreichen Oberbauchkompressionen auf den Arztbesuch verzichten
Kurzüberblick
Geeignet für
- Verschlucken beim Essen, an Spielzeugteilen oder anderen kleinen Gegenständen
- Erwachsene und Kinder über 1 Jahr
Ungeeignet für
- Säuglinge unter 1 Jahr – dort keine Oberbauchkompressionen; Notruf wählen und der Leitstelle folgen
- Atemnot ohne Verschlucken (z. B. Asthma, allergische Reaktion) – dann Notruf
Voraussetzungen
- Die Person ist erwachsen oder ein Kind über 1 Jahr
- Idealerweise ein Erste-Hilfe-Kurs mit praktischer Übung
Sicherheit
- Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
- Nach Oberbauchkompressionen muss die Person immer ärztlich untersucht werden, auch wenn es ihr wieder gut geht – innere Verletzungen sind möglich. Das gilt auch, wenn danach Husten, Schmerzen oder Atembeschwerden bleiben.
- Nicht blind mit den Fingern im Mund suchen – das kann den Fremdkörper tiefer schieben. Nur entfernen, was deutlich sichtbar und leicht zu greifen ist.
So funktioniert es
Ein Fremdkörper, der in den Atemwegen steckt, kann sie teilweise oder ganz verschließen. Solange die Person kräftig husten kann, ist Husten das wirksamste Mittel, und Schläge könnten mehr schaden als nützen. Wird der Husten schwach oder hört die Atmung auf, erzeugen kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter und – wenn das nicht reicht – ruckartige Kompressionen des Oberbauchs einen Druckstoß in der Lunge, der den Fremdkörper herauslösen kann. Wird die Person bewusstlos, hilft die Herzdruckmassage nicht nur dem Kreislauf, sondern kann ebenfalls den Fremdkörper lösen.
Vorteile
- Kann in Sekunden Leben retten
- Braucht kein Material
Nachteile
- Oberbauchkompressionen können innere Verletzungen verursachen
- Ohne praktische Übung unter Stress schwer richtig auszuführen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die ERC-Leitlinien zur Basisreanimation beschreiben für Erwachsene und Kinder über 1 Jahr mit Atemwegsverlegung durch einen Fremdkörper genau diese Abfolge: zum Husten auffordern, bei unwirksamem Husten bis zu 5 Rückenschläge, dann bis zu 5 Oberbauchkompressionen, im Wechsel; bei Bewusstlosigkeit Wiederbelebung. Sie raten von blindem Auswischen des Mundes ab und empfehlen nach Oberbauchkompressionen eine ärztliche Untersuchung.
Der Oberbauch-Handgriff ist nach dem US-Arzt Henry Heimlich benannt, der ihn in den 1970er-Jahren bekannt machte. Verschlucken passiert oft beim hastigen Essen, beim Lachen oder Sprechen mit vollem Mund und bei Kleinkindern mit Nüssen, Trauben oder Spielzeugteilen.
Varianten
- Schwangere und sehr beleibte Personen
- Bei Schwangeren und Menschen, deren Bauch du nicht umfassen kannst, werden in Kursen abgewandelte Handgriffe gezeigt. Notruf wählen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
- Säuglinge unter 1 Jahr
- Säuglinge haben andere Körperproportionen und empfindliche Organe; deshalb gilt für sie ein eigenes Vorgehen ohne Oberbauchkompressionen. Wer kleine Kinder betreut, sollte einen Kurs für Erste Hilfe am Kind besuchen. Im Notfall sofort Notruf wählen – die Leitstelle leitet an.
Häufige Fehler
- Auf den Rücken klopfen, solange die Person noch kräftig hustet
- Blind mit den Fingern im Mund suchen
- Den Notruf erst wählen, wenn die Person bewusstlos ist
- Bei Säuglingen Oberbauchkompressionen anwenden
- Nach erfolgreichen Oberbauchkompressionen auf den Arztbesuch verzichten
Grenzen und Risiken
- Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs mit praktischer Übung
- Kein Vorgehen für Säuglinge unter 1 Jahr
- Keine Angaben zur Wiederbelebung im Detail – dafür Leitstelle und Kurs
Quellen
European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: Basic Life Support
Atemwegsverlegung durch Fremdkörper: Husten, 5 Rückenschläge, 5 Oberbauchkompressionen, Wiederbelebung bei Bewusstlosigkeit
International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre (2020): International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020
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