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Technik

Stabile Seitenlage

Eine Person, die nicht reagiert, aber normal atmet, wird in die stabile Seitenlage gebracht: So bleiben die Atemwege frei, und Erbrochenes oder Blut kann aus dem Mund abfließen. Danach Notruf wählen (in der EU 112) und die Atmung fortlaufend kontrollieren. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.

Schwierigkeit
Grundkenntnisse
Aufwand
Unter einer Minute; vorher im Kurs üben
Risikostufe
Notfallkritisch
Fehler melden

Einfach erklärt

Stell dir vor, jemand ist bewusstlos, atmet aber ruhig und normal. Liegt er auf dem Rücken, kann seine Zunge nach hinten in den Hals rutschen – so wie ein Stöpsel in einer Flasche. Und wenn er erbricht, kann das Erbrochene in die Luftröhre laufen, weil er nicht mehr husten oder schlucken kann. Beides ist gefährlich.

Die stabile Seitenlage hilft dagegen. Die Person liegt auf der Seite, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt und der Mund zeigt zum Boden. So bleibt der Weg für die Luft frei, und Flüssigkeit kann aus dem Mund herauslaufen, statt in die Lunge zu fließen. Ein angewinkeltes Bein und ein Arm wirken wie Stützen, damit die Person nicht umkippt.

Wichtig: Die Seitenlage ist nur für Menschen, die normal atmen. Danach Notruf wählen (in der EU 112), die Person zudecken, bei ihr bleiben und immer wieder die Atmung prüfen. Die Handgriffe lernst du am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs – dieser Text ersetzt ihn nicht.

Wie es funktioniert

Wer bewusstlos ist, verliert die Spannung in seinen Muskeln. Das betrifft auch die Zunge und die Muskeln im Rachen. In Rückenlage kann die Zunge dadurch nach hinten sinken und den Atemweg verlegen. Außerdem können bei Bewusstlosigkeit Schutzreflexe wie Husten und Schlucken fehlen, die sonst verhindern, dass etwas in die Luftröhre gerät.

In der Seitenlage arbeitet die Schwerkraft für die Person. Weil der Kopf leicht nach hinten geneigt ist, bleibt der Rachen offen. Weil der Mund der tiefste Punkt ist, laufen Speichel, Blut oder Erbrochenes nach außen ab. Du musst dafür nicht dauerhaft den Kopf halten – die Lage hält die Atemwege von allein frei.

Die angewinkelten Gliedmaßen haben eine klare Aufgabe. Das obere Bein, in Hüfte und Knie etwa rechtwinklig gebeugt, stützt den Körper nach vorn ab. Die Hand unter der Wange hält den Kopf in der richtigen Neigung. Zusammen verhindern sie, dass die Person auf den Bauch oder zurück auf den Rücken rollt.

Wann es sinnvoll ist – und wann nicht

Die stabile Seitenlage ist für eine ganz bestimmte Lage gedacht: Die Person reagiert nicht, atmet aber normal. Darum steht vor der Seitenlage immer die Atemkontrolle. Wer jemanden auf die Seite legt, ohne vorher die Atmung geprüft zu haben, übersieht womöglich einen Herzstillstand.

Atmet die Person nicht normal – oder nur schnappend –, ist die Seitenlage falsch. Dann braucht sie sofort Wiederbelebung, wie im Eintrag zur bewusstlosen Person beschrieben, und die Leitstelle leitet dich an. Wer dagegen wach ist und sprechen kann, sucht sich meist selbst eine bequeme Lage; ihn musst du nicht in die Seitenlage bringen.

Nach Stürzen oder Verkehrsunfällen kann eine Verletzung von Kopf, Hals oder Wirbelsäule vorliegen. Dann bewegst du die Person so wenig wie möglich und fragst die Leitstelle. Freie Atemwege haben aber immer Vorrang – wenn die Atemwege anders nicht frei bleiben, geht die Atmung vor.

Worauf es ankommt

Vor dem Drehen nimmst du Brille und sperrige Dinge aus den Taschen, damit nichts drückt. Beim Drehen bleibt die Hand der Person an ihrer Wange – so liegt der Kopf am Ende richtig auf der Hand. Du rollst die Person zu dir herüber, nicht von dir weg; so hast du sie unter Kontrolle.

Am Ende kontrollierst du zwei Dinge: Ist der Kopf leicht nach hinten geneigt, und zeigt der Mund nach unten? Ein häufiger Fehler ist, dass der Kopf nach vorn auf die Brust sinkt. Dann knickt der Atemweg ab wie ein Gartenschlauch, und die Lage verliert ihren Sinn.

Danach deckst du die Person zu, am besten auch von unten gegen die Bodenkälte, denn wer still auf kaltem Boden liegt, kühlt schnell aus. Ist der Notruf noch nicht gewählt, holst du das jetzt nach. Und dann bleibst du da und prüfst regelmäßig, ob sie weiter normal atmet.

Sicherheit: darauf musst du achten

Die Atmung eines bewusstlosen Menschen kann sich jederzeit verschlechtern. Deshalb ist die Seitenlage kein Moment zum Weggehen, sondern zum Beobachten. In der Seitenlage ist die Atmung schwerer zu sehen als in Rückenlage – schau genau hin und hör hin.

Hört die Person auf, normal zu atmen, drehst du sie sofort zurück auf den Rücken, informierst die Leitstelle und beginnst mit der Wiederbelebung. Dauert es lange, bis Hilfe kommt, empfehlen manche Kurse, die Person nach einiger Zeit auf die andere Seite zu drehen, um den unteren Arm zu entlasten. Lass dir das im Kurs zeigen und frag die Leitstelle.

Bei schweren oder verletzten Menschen ist das Drehen schwierig. Hol dir dann Hilfe von anderen Anwesenden. Wenn Einmalhandschuhe da sind, zieh sie an, vor allem wenn Blut oder Erbrochenes im Spiel ist.

So übst du es

Die stabile Seitenlage gehört zu fast jedem Erste-Hilfe-Grundkurs, und sie ist leicht zu lernen. Am besten übst du sie mehrmals an verschiedenen Übungspartnern – ein großer, schwerer Mensch fühlt sich ganz anders an als ein kleiner, leichter. So merkst du, wie viel Kraft du brauchst und wo du anfassen musst.

In anderen Ländern und Kursen heißt die Lage etwas anders und wird teils leicht abweichend ausgeführt. Lass dich davon nicht verunsichern: Entscheidend sind immer freie Atemwege, ein nach unten zeigender Mund und die fortlaufende Kontrolle der Atmung.

Nach dem Kurs kannst du die Bewegungsfolge mit einem Familienmitglied in Ruhe nachspielen. Das ersetzt den Kurs nicht, hilft aber, sie im Gedächtnis zu behalten. Im Ernstfall gilt: Eine nicht ganz perfekte Seitenlage mit freien Atemwegen ist besser als gar keine.

Schritt für Schritt

Stabile Seitenlage

Schritt 1 von 8

Neben die Person knien

Neben der auf dem Rücken liegenden Person knien. Brille und sperrige Gegenstände aus den Taschen entfernen. Beine liegen gestreckt.

  1. 1

    Neben die Person knien

    Neben der auf dem Rücken liegenden Person knien. Brille und sperrige Gegenstände aus den Taschen entfernen. Beine liegen gestreckt.

  2. 2

    Nahen Arm abwinkeln

    Den Arm auf deiner Seite im rechten Winkel zum Körper legen, Ellbogen gebeugt, Handfläche nach oben.

  3. 3

    Fernen Arm an die Wange

    Den anderen Arm über die Brust führen und den Handrücken an die dir zugewandte Wange legen. Die Hand dort festhalten.

  4. 4

    Fernes Bein aufstellen

    Mit der freien Hand das Bein auf der anderen Seite oberhalb des Knies fassen und anwinkeln, sodass der Fuß auf dem Boden bleibt.

  5. 5

    Zu dir herüberrollen

    Am aufgestellten Bein ziehen und die Person zu dir auf die Seite rollen, während die Hand an der Wange bleibt.

  6. 6

    Lage stabilisieren

    Das obere Bein so ausrichten, dass Hüfte und Knie etwa rechtwinklig gebeugt sind.

  7. 7

    Kopf überstrecken, Mund nach unten

    Kopf leicht nach hinten neigen, damit die Atemwege frei bleiben; die Hand unter der Wange so ausrichten, dass der Mund zum Boden zeigt und Flüssigkeit abfließen kann.

  8. 8

    Zudecken, Notruf, überwachen

    Zudecken, Notruf wählen (falls noch nicht geschehen) und die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes regelmäßig prüfen.

Für diese Technik ist noch kein geprüftes Video verfügbar.

Häufige Fehler

  • Person in Seitenlage legen, ohne vorher die Atmung zu prüfen
  • Person allein lassen
  • Kopf nach vorn auf die Brust sinken lassen
  • Nicht zudecken – Auskühlung, besonders auf kaltem Boden

Kurzüberblick

Material

  • Wolldecke / Bettdecke(optional)

    Zum Zudecken und gegen Bodenkälte

    Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.

  • Rettungsdecke(optional)

    Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.

    Leitfähig – nicht in der Nähe von Stromleitungen verwenden.

Geeignet für

  • Bewusstlose Personen mit normaler Atmung
  • Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes

Ungeeignet für

  • Personen, die nicht normal atmen – dann Wiederbelebung
  • Personen, die wach sind und sich selbst eine bequeme Lage suchen können

Voraussetzungen

  • Person reagiert nicht, atmet aber normal
  • Atmung wurde geprüft

Sicherheit

  • Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
  • Bei Verdacht auf Verletzungen von Kopf, Hals oder Wirbelsäule (z. B. nach Sturz oder Verkehrsunfall) die Person möglichst wenig bewegen und die Leitstelle fragen. Freie Atemwege haben aber immer Vorrang.

So funktioniert es

Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln; in Rückenlage kann die Zunge die Atemwege verlegen, und Erbrochenes kann eingeatmet werden. In der Seitenlage mit leicht überstrecktem Kopf ist der Mund der tiefste Punkt – Flüssigkeit läuft ab, die Atemwege bleiben frei. Angewinkeltes Bein und Arm stabilisieren die Lage, damit die Person nicht auf den Bauch oder Rücken rollt.

Vorteile

  • Hält die Atemwege frei, ohne dass der Helfer dauernd den Kopf halten muss
  • Einfach zu lernen

Nachteile

  • Atmung ist schlechter zu beobachten als in Rückenlage
  • Bei schweren oder verletzten Personen schwierig

Hintergrundwissen

Fachlicher Hintergrund

Die ERC-Leitlinien empfehlen die Seitenlage für Erwachsene und Kinder mit verminderter Reaktion, die normal atmen, und beschreiben die hier dargestellte Abfolge. Die Lage heißt in verschiedenen Ländern und Kursen leicht unterschiedlich und wird teils etwas anders ausgeführt – entscheidend sind freie Atemwege und fortlaufende Kontrolle der Atmung.

In deutschsprachigen Kursen heißt sie „stabile Seitenlage“. Sie wird in nahezu jedem Erste-Hilfe-Grundkurs geübt – am besten mehrmals an verschiedenen Übungspartnern.

Varianten

Lange Wartezeit
Dauert es lange, bis Hilfe kommt, empfehlen Kurse teils, die Person nach einiger Zeit auf die andere Seite zu drehen, um Druck auf den unteren Arm zu verringern. Im Kurs zeigen lassen und die Leitstelle fragen.

Häufige Fehler

  • Person in Seitenlage legen, ohne vorher die Atmung zu prüfen
  • Person allein lassen
  • Kopf nach vorn auf die Brust sinken lassen
  • Nicht zudecken – Auskühlung, besonders auf kaltem Boden

Grenzen und Risiken

  • Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs
  • Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung Leitstelle fragen
  • Atmung muss weiter überwacht werden

Materialalternativen

Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.

Wolldecke / Bettdecke
Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)

Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.

Quellen

  1. [1]

    European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid

    Seitenlage bei verminderter Reaktion und normaler Atmung

  2. [2]

    European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: Basic Life Support

    Ablauf der Seitenlage und Überwachung der Atmung

Rev. 1 · Aktualisiert 2026-10-10