Bewusstlose Person: Ansprechen, Atmung prüfen, AED holen
Reagiert eine Person nicht, zählt jede Minute: laut ansprechen und an den Schultern berühren, Atemwege freimachen, Atmung prüfen. Atmet sie nicht normal, sofort die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112), einen AED holen lassen und mit der Wiederbelebung beginnen, wie die Leitstelle es anleitet. Atmet sie normal, in die stabile Seitenlage bringen. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
- Sofort; Wiederbelebung bis Hilfe eintrifft
Einfach erklärt
Manchmal fällt ein Mensch plötzlich um und reagiert nicht mehr. Dann kann es sein, dass sein Herz aufgehört hat, richtig zu pumpen. Das Herz ist wie eine Pumpe, die Blut mit Sauerstoff durch den ganzen Körper schickt – auch ins Gehirn. Ohne diesen Sauerstoff wird das Gehirn schon nach wenigen Minuten geschädigt. Darum zählt hier jede Minute.
Du gehst so vor: laut ansprechen und an den Schultern berühren, den Kopf vorsichtig nach hinten neigen und das Kinn anheben, dann kurz schauen, hören und fühlen, ob die Person normal atmet. Atmet sie nicht normal, wählst du sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112), lässt einen AED holen und drückst auf die Mitte des Brustkorbs – genau so, wie es dir die Leitstelle am Telefon sagt.
Das klingt nach viel, aber du bist nicht allein: Die Leitstelle führt dich durch alles, und ein AED spricht mit dir. Das Wichtigste ist, überhaupt anzufangen. Richtig sicher wirst du nur in einem Erste-Hilfe-Kurs, in dem du an einer Übungspuppe trainierst – dieser Text ersetzt ihn nicht.
Wie es funktioniert
Bei einem Herzstillstand hört das Herz auf, wirksam zu pumpen. Manchmal zittert es dabei nur noch unkoordiniert, statt sich kräftig zusammenzuziehen. Das Blut steht still, und Gehirn und Organe bekommen keinen Sauerstoff mehr. Die Person bricht zusammen, reagiert nicht und atmet nicht mehr normal.
Die Herzdruckmassage übernimmt einen Teil der Arbeit des Herzens. Wenn du auf die Mitte des Brustkorbs drückst, wird Blut aus dem Herzen und den großen Gefäßen herausgepresst; lässt du los, strömt neues nach. So entsteht ein Notkreislauf, der das Gehirn mit etwas Sauerstoff versorgt, bis der Rettungsdienst da ist. Er ersetzt das Herz nicht, aber er gewinnt wertvolle Zeit.
Der AED kann noch etwas, das deine Hände nicht können. Er misst über Klebeelektroden den Herzrhythmus und erkennt bestimmte Rhythmusstörungen, die sich durch einen Stromstoß beenden lassen. Nur dann fordert er zu einem Schock auf – das Gerät entscheidet das selbst, nicht du. Herzdruckmassage und AED wirken am besten zusammen, und je früher, desto besser.
Worauf es ankommt
Der schwierigste Moment ist oft das Erkennen. Viele Menschen glauben, eine Person atme noch, weil sie vereinzelt schnappende oder röchelnde Geräusche macht. Diese Schnappatmung kann in den ersten Minuten eines Herzstillstands auftreten – sie ist keine normale Atmung. Normale Atmung ist ruhig und regelmäßig, der Brustkorb hebt und senkt sich. Im Zweifel handelst du so, als würde die Person nicht atmen, und sagst das der Leitstelle.
Nimm dir für die Atemkontrolle nicht zu viel Zeit – höchstens etwa zehn Sekunden. Lange nach einem Puls zu suchen, kostet nur wertvolle Zeit. Bevor du die Atmung prüfst, neigst du den Kopf vorsichtig nach hinten und hebst das Kinn an. Das ist wichtig, weil bei Bewusstlosen die Zunge nach hinten fallen und den Atemweg verlegen kann.
Dann kommt der Notruf, mit Lautsprecher, und jemand holt den AED. Bist du allein, rufst du zuerst an. Die Leitstelle sagt dir, was du tun sollst, und bleibt in der Leitung. Wer im Kurs Beatmung gelernt hat und dazu bereit ist, kombiniert sie so mit der Herzdruckmassage, wie es dort geübt wurde. Wer das nicht kann oder nicht möchte, folgt einfach den Anweisungen der Leitstelle.
Der AED: keine Angst vor dem Gerät
Viele Menschen trauen sich nicht an einen Defibrillator heran, weil sie ihn für ein Gerät für Ärzte halten. Öffentliche AEDs sind aber genau für Laien gebaut. Nach dem Einschalten sagen sie Schritt für Schritt an, was zu tun ist, und zeigen meist Bilder dazu, zum Beispiel, wo die Klebeelektroden hingehören.
Während das Gerät den Herzrhythmus analysiert und während ein Schock abgegeben wird, darf niemand die Person berühren. Das Gerät sagt das an, und du sorgst dafür, dass alle zurücktreten. Die Herzdruckmassage unterbrichst du nur, wenn der AED es verlangt, und nimmst sie danach wieder auf, wie das Gerät es ansagt.
Beendet wird die Wiederbelebung erst, wenn der Rettungsdienst übernimmt, die Person eindeutig wieder normal atmet oder du körperlich nicht mehr kannst. Sind mehrere Helfer da, wechselt ihr euch regelmäßig ab, denn das Drücken ist sehr anstrengend. Atmet die Person wieder normal, reagiert aber nicht, kommt sie in die stabile Seitenlage – und du kontrollierst weiter die Atmung.
Sicherheit und Grenzen
Bevor du zur Person gehst, prüfst du, ob das gefahrlos möglich ist – Verkehr, Strom, Gas oder Feuer gehen vor. Bei Kindern und Säuglingen unterscheidet sich das Vorgehen in Details. Hier gilt erst recht: Notruf wählen und genau den Anweisungen der Leitstelle folgen. Kurse für Erste Hilfe am Kind üben diese Unterschiede.
Dieser Text nennt bewusst keine Zahlen für Drucktiefe, Tempo oder das Verhältnis von Drücken und Beatmen. Diese Details lernst du im Kurs an der Übungspuppe, und am Telefon gibt sie dir die Leitstelle vor. Leitlinien werden regelmäßig überarbeitet; maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung, wie sie in Kursen vermittelt wird.
Eine Wiederbelebung ist körperlich und seelisch eine große Belastung, egal wie sie ausgeht. Viele Helfer sind danach noch lange aufgewühlt. Das ist eine normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Erlebnis. Sprich mit Menschen, denen du vertraust, mit Kursleitern oder mit Fachleuten – du musst das nicht allein tragen.
So übst du es
Wiederbelebung ist eine Handfertigkeit wie Radfahren: Man versteht sie erst richtig, wenn man sie selbst gemacht hat. In einem Erste-Hilfe-Kurs drückst du auf einer Übungspuppe, bekommst Rückmeldung von der Kursleitung und übst mit einem Trainingsgerät, das wie ein AED spricht, aber keinen Strom abgibt.
Frische dein Wissen regelmäßig auf – Handgriffe verblassen schneller, als man denkt. Merke dir außerdem, wo in deinem Alltag ein AED hängt: an der Arbeit, im Sportverein, am Bahnhof. Wenn du unsicher bist, wo der nächste ist, frag im Notfall die Leitstelle.
Der wichtigste Gedanke für den Ernstfall: Ohne Hilfe hat eine Person mit Herzstillstand kaum eine Chance. Aus Angst vor Fehlern gar nicht anzufangen, ist der größte Fehler. Jeder, der den Notruf wählt und nach Anleitung hilft, gibt ihr eine Chance.
Schritt für Schritt
- 1
Sicherheit prüfen
Prüfen, ob du gefahrlos zur Person gelangen kannst.
- 2
Ansprechen und berühren
Laut ansprechen („Hallo, hören Sie mich?“) und sanft an den Schultern berühren oder rütteln. Reagiert die Person nicht, laut um Hilfe rufen, damit andere aufmerksam werden.
- 3
Atemwege freimachen
Person auf den Rücken drehen, Kopf vorsichtig nach hinten neigen und das Kinn anheben.
- 4
Atmung prüfen
Höchstens etwa zehn Sekunden sehen, hören und fühlen, ob die Person normal atmet: Hebt und senkt sich der Brustkorb? Hörst oder spürst du Atem?
- 5
Notruf und AED
Atmet die Person nicht normal: sofort die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112), Lautsprecher einschalten und jemanden losschicken, einen AED zu holen. Bist du allein, zuerst den Notruf wählen.
- 6
Wiederbelebung nach Anleitung
Mit der Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs beginnen und dabei genau den Anweisungen der Leitstelle folgen. Wer im Kurs gelernt hat, Beatmung durchzuführen, und dazu bereit ist, kombiniert sie wie gelernt mit der Herzdruckmassage.
- 7
AED anschließen
Sobald der AED da ist: einschalten und den Sprach- und Bildanweisungen folgen. Die Herzdruckmassage nur unterbrechen, wenn das Gerät es verlangt.
- 8
Atmet normal: Seitenlage
Atmet die Person normal, aber reagiert nicht, in die stabile Seitenlage bringen, Notruf wählen und die Atmung fortlaufend kontrollieren. Hört sie auf, normal zu atmen, sofort zurück auf den Rücken und Wiederbelebung beginnen.
Häufige Fehler
- Schnappatmung für normale Atmung halten
- Zu lange nach einem Puls oder nach Atmung suchen
- Den Notruf verschieben
- Aus Angst vor Fehlern gar nicht anfangen
- Den AED nicht holen lassen, weil man denkt, er sei nur für Fachleute
Kurzüberblick
Material
AED (automatisierter externer Defibrillator)
Wenn verfügbar, so schnell wie möglich holen lassen
Gerät einschalten und den Sprachanweisungen folgen; während der Analyse und Schockabgabe niemand berührt die Person.
Einmalhandschuhe
Latexallergien beachten – latexfreie Handschuhe (z. B. Nitril) bevorzugen.
Geeignet für
- Eine Person, die zusammengebrochen ist oder nicht reagiert
- Erwachsene; bei Kindern und Säuglingen unterscheiden sich Details – Leitstelle folgen
Ungeeignet für
- Ersatz für den Notruf – der Notruf kommt immer zuerst oder parallel
- Gefährliche Umgebung, die du nicht sichern kannst
Voraussetzungen
- Gefahrenstelle ist sicher
- Ein Erste-Hilfe-Kurs mit praktischer Übung der Wiederbelebung wird dringend empfohlen
Sicherheit
- Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
- Beim AED den Sprachanweisungen folgen. Während das Gerät analysiert oder einen Schock abgibt, darf niemand die Person berühren.
- Mit der Wiederbelebung erst aufhören, wenn der Rettungsdienst übernimmt, die Person eindeutig wieder normal atmet oder du körperlich nicht mehr kannst. Wenn mehrere Helfer da sind, regelmäßig abwechseln.
So funktioniert es
Bei einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Herzdruckmassage hält einen Notkreislauf aufrecht, und ein AED kann bestimmte Herzrhythmusstörungen beenden. Beides wirkt nur, wenn es früh beginnt – deshalb erkennen, alarmieren, drücken und defibrillieren. Die Leitstelle kann Laien am Telefon durch die Wiederbelebung führen, auch ohne Vorkenntnisse.
Vorteile
- Früher Beginn verbessert die Überlebenschancen deutlich
- AEDs sind für Laien gebaut und sprechen Anweisungen
- Leitstellen leiten am Telefon an
Nachteile
- Körperlich anstrengend
- Emotional sehr belastend – auch nachher Unterstützung suchen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die ERC-Leitlinien zur Basisreanimation beschreiben für Laien die Abfolge: Reaktion prüfen, Atemwege öffnen, Atmung prüfen, Notruf mit Lautsprecher, AED holen lassen, Herzdruckmassage. Sie betonen ausdrücklich, dass Schnappatmung ein Zeichen des Herzstillstands sein kann und dass Leitstellen Laien telefonisch anleiten sollen. Die Leitlinien werden regelmäßig überarbeitet; maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung.
Wer eine Wiederbelebung erlebt hat, ist oft lange danach noch aufgewühlt – unabhängig vom Ausgang. Das ist normal. Gespräche mit Vertrauten, Kursleitern oder Fachleuten können helfen.
Varianten
- Kinder und Säuglinge
- Bei Kindern und Säuglingen unterscheidet sich das Vorgehen in Details. Notruf wählen und den Anweisungen der Leitstelle folgen; die Unterschiede werden in Kursen für Erste Hilfe am Kind geübt.
Häufige Fehler
- Schnappatmung für normale Atmung halten
- Zu lange nach einem Puls oder nach Atmung suchen
- Den Notruf verschieben
- Aus Angst vor Fehlern gar nicht anfangen
- Den AED nicht holen lassen, weil man denkt, er sei nur für Fachleute
Grenzen und Risiken
- Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs mit praktischer Übung
- Bewusst ohne Angaben zu Drucktiefe, Frequenz oder Beatmungsverhältnis – diese werden im Kurs und von der Leitstelle vermittelt
- Leitlinien ändern sich; aktuelle Fassung prüfen
Quellen
European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: Basic Life Support
Ablauf der Basisreanimation für Laien, Schnappatmung, telefonische Anleitung, AED
International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre (2020): International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020
Erkennen des Herzstillstands und Laienreanimation