Hitzeerschöpfung und Hitzschlag erkennen und kühlen
Bei Hitze und Anstrengung kann der Körper überhitzen. Hitzeerschöpfung zeigt sich mit Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und starkem Schwitzen; Verwirrtheit, auffälliges Verhalten, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit deuten auf einen lebensbedrohlichen Hitzschlag hin. Dann sofort Notruf wählen (in der EU 112) und mit allen verfügbaren Mitteln kühlen. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
- Sofort; Kühlen bis Hilfe übernimmt
Einfach erklärt
Dein Körper hat eine eingebaute Klimaanlage: den Schweiß. Wenn Schweiß auf der Haut verdunstet, nimmt er Wärme mit – so wie nasse Haut im Wind kühl wird. Bei großer Hitze, schwüler Luft, viel Anstrengung oder wenn man zu wenig getrunken hat, schafft diese Klimaanlage es aber nicht mehr. Dann wird es im Körper zu heiß.
Zuerst kommt meist die Hitzeerschöpfung: Man fühlt sich schwach, schwindelig, hat Kopfschmerzen, ist übel und schwitzt stark. Dann heißt es: sofort aufhören, in den Schatten, hinlegen, Kleidung lockern, kühlen und – wenn man ganz wach ist – in kleinen Schlucken trinken. Viel gefährlicher ist der Hitzschlag. Wird jemand in der Hitze verwirrt, verhält sich seltsam, bekommt einen Krampfanfall oder wird bewusstlos, ist das ein lebensbedrohlicher Notfall.
Dann sofort die lokale Notrufnummer wählen (in der EU 112) und gleichzeitig mit allem kühlen, was da ist: Wasser auf die Haut, Luft zufächeln, nasse Tücher. Je schneller gekühlt wird, desto besser. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
Wie es funktioniert
Der Körper kühlt sich vor allem durch Schwitzen. Entscheidend ist dabei nicht der Schweiß selbst, sondern dass er verdunstet – erst dabei wird Wärme von der Haut abgegeben. Ist die Luft sehr feucht, verdunstet Schweiß schlecht und läuft nur herunter. Deshalb ist schwüle Hitze besonders belastend, und deshalb hilft Luftzufächeln: Es beschleunigt die Verdunstung.
Bei der Hitzeerschöpfung ist vor allem der Kreislauf überlastet. Der Körper schickt viel Blut in die Haut, um Wärme loszuwerden, und verliert gleichzeitig Flüssigkeit über den Schweiß. Für Gehirn und Muskeln bleibt weniger übrig – daher Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit. Rechtzeitig erkannt und behandelt, bessert sich das meist rasch.
Beim Hitzschlag ist die Körpertemperatur so hoch, dass Gehirn und Organe Schaden nehmen. Darum zeigt er sich vor allem im Kopf: Verwirrtheit, seltsames Verhalten, Taumeln, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit. Die Haut kann heiß und trocken sein, aber auch noch schweißnass – nasse Haut schließt einen Hitzschlag also nicht aus. Weil die Schäden mit jeder Minute zunehmen, hat Kühlen Vorrang vor dem Warten auf den Transport.
Worauf es ankommt
Die wichtigste Frage lautet: Ist die Person wach, klar und orientiert? Weiß sie, wo sie ist, antwortet sie sinnvoll, verhält sie sich wie sonst? Wenn ja, handelt es sich eher um eine Hitzeerschöpfung, und du kannst mit Schatten, Ruhe, Kühlen und Trinken viel erreichen. Bessert sich der Zustand nicht rasch oder wird er schlechter, wählst du den Notruf.
Bei Verwirrtheit, Verhaltensänderung, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit wählst du sofort den Notruf und kühlst ununterbrochen, bis der Rettungsdienst übernimmt. Befeuchte die Haut mit kühlem Wasser und fächle Luft zu. Nasse Tücher oder in Tuch gewickelte Kühlpacks legst du an Hals, Achseln und Leisten – dort fließt viel Blut dicht unter der Haut, sodass die Kühlung gut im Körper ankommt. Die Leitstelle kann dir weitere Anweisungen geben.
Trinken dürfen nur wache Personen, die sicher schlucken können – in kleinen Schlucken Wasser oder ein Elektrolytgetränk. Wer verwirrt ist, erbricht oder nicht klar bei Bewusstsein ist, bekommt nichts zu trinken, weil er sich verschlucken könnte. Eine bewusstlose Person, die normal atmet, kommt in die stabile Seitenlage; du kühlst weiter und kontrollierst die Atmung.
Sicherheit: darauf musst du achten
Der häufigste Fehler ist, Verwirrtheit als „nur erschöpft“ abzutun. Gerade weil ein Hitzschlag das Denken beeinträchtigt, merkt die betroffene Person es oft selbst nicht und sagt vielleicht sogar, es gehe ihr gut. Verlass dich auf das, was du siehst, und ruf im Zweifel lieber einmal zu viel an.
Lass niemals Kinder, ältere Menschen oder Tiere im geparkten Auto zurück, auch nicht kurz. Ein Fahrzeuginnenraum heizt sich in der Sonne sehr schnell auf, auch bei Temperaturen, die draußen noch angenehm wirken. Ein leicht geöffnetes Fenster ändert daran wenig.
Medikamente gehören nicht zur Laienhilfe bei Hitze – die Behandlung ist Kühlen. Das Eintauchen in kühles Wasser bis zum Hals gilt bei anstrengungsbedingter Überhitzung als sehr wirksam, aber nur unter Aufsicht und so, dass der Kopf sicher über Wasser bleibt; darüber entscheiden die Leitstelle oder geschultes Personal. Und nach einer Besserung geht man nicht gleich wieder in die Hitze zurück.
Wer besonders gefährdet ist
Die WHO weist darauf hin, dass besonders ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten, durch Hitze gefährdet sind. Ältere Menschen spüren Durst oft weniger und schwitzen schwächer. Kleine Kinder können sich nicht selbst aus der Hitze bringen und sagen nicht immer, was ihnen fehlt.
Aber auch junge, fitte Menschen können einen Hitzschlag bekommen – etwa beim Sport, bei körperlicher Arbeit, beim Wandern in heißen Regionen oder auf Festivals. Hier treffen Anstrengung, Hitze und oft zu wenig Trinken zusammen. Wer sich viel bewegt, erzeugt selbst sehr viel Wärme.
Auch Wohnungen können zur Hitzefalle werden, vor allem Dachwohnungen bei einer längeren Hitzewelle. Sieh dann regelmäßig nach älteren oder kranken Nachbarn und Angehörigen. Ein kurzer Anruf oder Besuch kann viel verhindern.
Vorbeugen
Vorbeugen ist einfacher als Behandeln. Verlege Anstrengung in die kühleren Tageszeiten, also den frühen Morgen oder den Abend. Mach regelmäßig Pausen im Schatten und trink über den Tag verteilt, nicht erst, wenn der Durst groß ist. Leichte, helle und luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung helfen ebenfalls.
Der Körper gewöhnt sich über einige Tage etwas an Hitze. Wer gerade aus einem kühleren Klima kommt, sollte sich deshalb in den ersten Tagen besonders schonen. In der Gruppe lohnt es sich, aufeinander zu achten: Wer auffällig langsam wird, verwirrt wirkt oder plötzlich nicht mehr schwitzt, obwohl es heiß ist, braucht eine Pause und Aufmerksamkeit.
Kühlen ist einfach und mit Wasser fast überall möglich – aber nur, wenn man rechtzeitig erkennt, dass es nötig ist. Ein Erste-Hilfe-Kurs hilft dir, die Zeichen sicher zu deuten. Im Zweifel gilt immer: Notruf wählen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
Schritt für Schritt
- 1
Anstrengung beenden
Aktivität sofort beenden und die Person in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen.
- 2
Zustand einschätzen
Ist die Person wach, klar und orientiert? Bei Verwirrtheit, Verhaltensänderung, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit sofort Notruf wählen (in der EU 112).
- 3
Hinlegen, Kleidung lockern
Hinlegen lassen, überflüssige und enge Kleidung lockern oder ablegen.
- 4
Kühlen
Haut mit kühlem Wasser befeuchten und Luft zufächeln; nasse Tücher oder Kühlpacks (in Tuch gewickelt) an Hals, Achseln und Leisten legen. Beim Verdacht auf Hitzschlag ununterbrochen kühlen, bis der Rettungsdienst übernimmt – die Leitstelle kann weitere Anweisungen geben.
- 5
Trinken, wenn wach
Wache Personen in kleinen Schlucken Wasser oder ein Elektrolytgetränk trinken lassen.
- 6
Beobachten
Bessert sich eine Hitzeerschöpfung nicht rasch oder verschlechtert sich der Zustand, Notruf wählen. Bewusstlose Person mit normaler Atmung: stabile Seitenlage, weiter kühlen, Atmung kontrollieren.
Häufige Fehler
- Verwirrtheit als „nur erschöpft“ abtun
- Annehmen, dass ein Hitzschlag immer trockene Haut bedeutet
- Kühlen erst beginnen, wenn der Rettungsdienst da ist
- Bewusstseinsgestörten Personen Getränke einflößen
- Nach Besserung sofort wieder in die Hitze gehen
Kurzüberblick
Material
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter)
Wasser zum Trinken und zum Befeuchten der Haut
Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.
Baumwolltuch / T-Shirt
Nasse Tücher auf die Haut
Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.
Geeignet für
- Hitzewellen, Sport und körperliche Arbeit bei Wärme
- Wandern in heißen Regionen, Festivals, aufgeheizte Fahrzeuge oder Wohnungen
Ungeeignet für
- Abwarten bei Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung – das ist ein Notfall
- Selbstbehandlung mit Medikamenten
Voraussetzungen
- Schatten oder ein kühler Raum erreichbar
- Wasser verfügbar
Sicherheit
- Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
- Nur wache Personen, die sicher schlucken können, trinken lassen. Bei Verwirrtheit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörung nichts zu trinken geben.
So funktioniert es
Der Körper kühlt sich vor allem durch Schwitzen und Verdunstung. Bei hoher Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit, Anstrengung oder Flüssigkeitsmangel reicht das nicht mehr aus. Bei der Hitzeerschöpfung ist der Kreislauf überlastet; beim Hitzschlag ist die Körpertemperatur so hoch, dass Gehirn und Organe Schaden nehmen. Je schneller gekühlt wird, desto besser – Kühlen hat deshalb Vorrang vor dem Warten auf den Transport.
Vorteile
- Kühlen ist einfach und mit Wasser fast überall möglich
- Frühes Erkennen verhindert schwere Verläufe
Nachteile
- Hitzschlag wird oft zu spät erkannt
- Im Gelände sind Schatten und Wasser manchmal knapp
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die WHO weist darauf hin, dass besonders ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten, durch Hitze gefährdet sind. Die Leitlinien der Wilderness Medical Society zur Hitzeerkrankung und die ERC-Leitlinien zur Ersten Hilfe betonen beim Hitzschlag das schnelle, wirksame Kühlen vor Ort.
Vorbeugen ist einfacher als Behandeln: Anstrengung in die kühleren Tageszeiten verlegen, regelmäßig trinken, Pausen im Schatten machen und auf Mitmenschen achten, die verwirrt wirken oder auffällig langsam werden.
Varianten
- Kühlen im Wasser bei Anstrengungs-Hitzschlag
- Die ERC-Leitlinien zur Ersten Hilfe nennen das Eintauchen des Körpers bis zum Hals in kühles Wasser als wirksamste Kühlmethode bei anstrengungsbedingter Überhitzung. Nur unter Aufsicht und so, dass der Kopf sicher über Wasser bleibt; die Leitstelle oder geschultes Personal entscheidet.
Häufige Fehler
- Verwirrtheit als „nur erschöpft“ abtun
- Annehmen, dass ein Hitzschlag immer trockene Haut bedeutet
- Kühlen erst beginnen, wenn der Rettungsdienst da ist
- Bewusstseinsgestörten Personen Getränke einflößen
- Nach Besserung sofort wieder in die Hitze gehen
Grenzen und Risiken
- Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs
- Keine Medikamentenempfehlungen
- Keine Temperaturgrenzwerte – Einschätzung nach Zeichen
- Kühlen im Wasser nur unter Aufsicht
Quellen
European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid
Kühlen bei Hitzschlag, Eintauchen in kühles Wasser bei anstrengungsbedingter Überhitzung
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Heat Illness: 2019 Update
Erkennen und Erstbehandlung von Hitzeerkrankungen, schnelles Kühlen
World Health Organization: Heat and health (fact sheet)
Gefährdete Gruppen und Warnzeichen bei Hitze