Regenbekleidung: wasserdicht, atmungsaktiv, imprägniert
Regenjacken halten Wasser von außen ab und sollen Wasserdampf von innen durchlassen. Keine Membran schafft das bei starker Anstrengung vollständig – Belüftungsöffnungen und Tempo helfen. Eine intakte Außenimprägnierung (DWR) ist wichtig, sonst saugt sich der Oberstoff voll und die Atmungsaktivität bricht ein.
- Lesezeit 10 Minuten, Pflege nach Bedarf

Einfach erklärt
Eine Regenjacke soll zwei Dinge gleichzeitig tun, die eigentlich nicht zusammenpassen: Regen draußen halten und deinen Schweiß hinauslassen. Viele Jacken haben dafür eine besondere Schicht, eine Membran. Manche Membranen haben winzige Löcher – zu klein für Regentropfen, aber groß genug für Wasserdampf. Andere lassen den Dampf auf anderem Weg langsam hindurchwandern.
Das klappt aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn du schnell bergauf gehst und viel schwitzt, kommt mehr Dampf heraus, als die Jacke durchlassen kann. Dann wirst du auch innen feucht – das heißt nicht, dass die Jacke kaputt ist. Hilfreich sind dann: langsamer gehen und Reißverschlüsse öffnen.
Außen hat eine gute Jacke eine Imprägnierung, die Wasser abperlen lässt – so wie Regen an den Federn einer Ente. Ist sie abgenutzt, saugt sich der Stoff voll, und die Jacke „atmet“ kaum noch. Wichtig für die Sicherheit: Nässe und Wind zusammen kühlen dich schnell aus – zieh rechtzeitig trockene Schichten an.
Wie es funktioniert
Eine Regenjacke besteht meist aus mehreren Lagen: einem Oberstoff außen, einer wasserdichten Schicht – einer Membran oder einer Beschichtung – und oft einem Futter oder einer Schutzschicht innen. Die wasserdichte Schicht hält flüssiges Wasser auf, lässt aber Wasserdampf hindurch. Damit das funktioniert, muss es innen wärmer und feuchter sein als außen. Der Dampf wandert dann vom „vollen“ Bereich zum „leeren“, ungefähr so, wie sich ein Duft in einem Raum verteilt.
Je kleiner dieser Unterschied ist, desto weniger Dampf entweicht. An einem kalten, trockenen Tag funktioniert eine atmungsaktive Jacke deshalb gut. An einem warmen, schwülen Regentag, wenn außen fast so viel Feuchtigkeit in der Luft ist wie innen, kommt nur wenig Dampf hinaus.
Auf dem Oberstoff sitzt eine wasserabweisende Ausrüstung, oft DWR genannt (vom englischen „durable water repellent“). Sie lässt Regen abperlen. Nutzt sie sich ab, saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll. Dann bildet sich außen ein Wasserfilm, der den Dampf zusätzlich bremst. Die Jacke ist dann zwar meist noch dicht, fühlt sich aber innen kalt und klamm an.
Warum du trotzdem nass werden kannst
Kein Material bleibt bei starker Anstrengung innen völlig trocken. Wenn du schwer arbeitest oder schnell bergauf gehst, produzierst du mehr Schweiß, als jede Membran abgeben kann. Bei Kälte kann sich der Dampf außerdem an der Innenseite der Jacke niederschlagen, ähnlich wie Kondenswasser am Fenster. Viele halten das für ein Leck, obwohl die Jacke dicht ist.
Echte Undichtigkeiten gibt es natürlich auch: an Nähten, deren Abdichtung sich gelöst hat, an Ärmelbündchen, an denen Wasser hineinläuft, oder an einer Kapuze, die nicht gut schließt. Wasser kann auch von unten durch die Kleidung hochziehen, wenn die Jacke zu kurz ist oder die Hose nass wird.
Gut zu wissen: Ein Poncho oder ein Schirm lässt viel Luft zirkulieren und ist auf Wegen bei warmem Regen oft angenehmer als eine geschlossene Jacke. Bei Wind sind beide aber ungeeignet.
Worauf es ankommt
Beim Kauf zählen die Details mehr als Laborwerte: eine Kapuze mit Schirm, die sich verstellen lässt und mit dem Kopf mitdreht (und bei Bedarf über einen Helm passt); Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen oder an den Seiten; abgeklebte Nähte; eine Länge, die über die Hüfte reicht; Bündchen, die sich schließen lassen. Überlege dir, wofür du die Jacke brauchst: kurze Schauer im Alltag, lange Regentage in den Bergen oder Wind an der Küste stellen unterschiedliche Anforderungen.
Unterwegs entscheidest du selbst viel über das Ergebnis. Passe das Tempo an, öffne Reißverschlüsse, bevor du nass geschwitzt bist, und trage unter der Jacke nicht mehr als nötig. Zu dicke Schichten darunter führen fast immer zu Schweiß. Bei Pausen ziehst du dann eine warme Schicht unter oder über die Jacke.
Die Regenjacke ist im Schichtprinzip die äußerste Schutzschicht. Sie arbeitet mit Basisschicht und Mittelschicht zusammen. Eine Regenhose ergänzt sie bei langem Regen und Wind.
Waschen und imprägnieren
Viele Menschen waschen ihre Regenjacke nie, aus Angst, die Membran zu beschädigen. Das Gegenteil ist oft richtig: Schmutz, Sonnencreme und Hautfett schwächen die Imprägnierung und können die Atmungsaktivität verschlechtern. Wasche die Jacke deshalb, wenn sie verschmutzt ist, genau nach Herstelleranleitung und mit einem geeigneten Waschmittel.
Weichspüler ist tabu: Er kann sich auf Stoff und Membran ablagern und die Imprägnierung schwächen. Manche Hersteller nennen außerdem Wärme, etwa im Trockner, als Möglichkeit, die Imprägnierung wieder zu aktivieren – aber nur, wenn das Pflegeetikett es erlaubt.
Perlt Wasser nach dem Waschen nicht mehr ab, sondern zieht in den Oberstoff ein, wird es Zeit für eine neue Imprägnierung. Dafür gibt es Mittel zum Einwaschen oder Aufsprühen. Verwende sie nach Herstellerangaben und Sprays nur im Freien oder gut belüftet. Die Pflegehinweise des Herstellers haben immer Vorrang.
Sicherheit: darauf musst du achten
Nässe von außen oder Schweiß von innen lassen Kleidung schlechter isolieren. Kommen Wind und Kälte dazu, steigt das Risiko einer Unterkühlung – auch im Sommer in den Bergen. Achte auf Frieren, starkes Zittern, ungeschickte Hände oder Verwirrtheit. Zieh rechtzeitig trockene Schichten an, such Schutz vor Wind und Regen und hole bei ernsten Zeichen Hilfe über die örtliche Notrufnummer (112 in der EU).
Im Regen sieht man schlechter und wird schlechter gesehen. Helle oder auffällige Farben helfen, auf Straßen oder im Gelände bemerkt zu werden. Eine Kapuze schränkt außerdem das Hören und das seitliche Sehen ein – schau dich beim Überqueren von Straßen bewusst um.
Schritt für Schritt
Bedarf klären
Kurze Schauer im Alltag, lange Regentage in den Bergen oder Wind am Meer stellen unterschiedliche Anforderungen.
- 1
Bedarf klären
Kurze Schauer im Alltag, lange Regentage in den Bergen oder Wind am Meer stellen unterschiedliche Anforderungen.
- 2
Merkmale prüfen
Kapuze mit Schirm, verstellbar und helmtauglich wenn nötig; Unterarm- oder Seitenreißverschlüsse zur Belüftung; abgeklebte Nähte; Länge über die Hüfte.
- 3
Tempo und Belüftung
Tempo anpassen, Reißverschlüsse öffnen, unter der Jacke wenig tragen, damit man nicht durchschwitzt.
- 4
Waschen und imprägnieren
Nach Herstelleranleitung mit geeignetem Waschmittel waschen; Schmutz und Hautfett schwächen die Imprägnierung. Wenn Wasser nicht mehr abperlt, neu imprägnieren.
Häufige Fehler
- Jacke nie waschen, aus Angst die Membran zu beschädigen
- Zu dicke Schichten darunter
- Weichspüler verwenden
- Atmungsaktivität bei Anstrengung überschätzen
Kurzüberblick
Material
Regen- und Windjacke
Regenponcho
Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.
Geeignet für
- Kauf einer Regenjacke
- Nachlassende Wirkung einer vorhandenen Jacke
- Planung für nasse Touren
Ungeeignet für
- Produktvergleiche nach Laborwerten
Voraussetzungen
- Schichtenprinzip der Bekleidung
Sicherheit
- Nässe von außen oder Schweiß von innen lassen Kleidung schlechter isolieren. Bei Wind und Kälte steigt das Unterkühlungsrisiko – rechtzeitig trockene Schichten anziehen und Schutz suchen.
So funktioniert es
Wasserdichte, atmungsaktive Materialien lassen Wasserdampf nach außen diffundieren, wenn es innen wärmer und feuchter ist als außen. Je kleiner dieser Unterschied – etwa bei warmem, feuchtem Wetter – desto weniger Dampf entweicht. Saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll, entsteht ein Film, der die Diffusion zusätzlich bremst.
Vorteile
- Realistische Erwartungen an Material
- Längere Lebensdauer durch Pflege
Nachteile
- Kein Material bleibt bei Anstrengung innen trocken
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Bergsteigerhandbücher erklären wasserdicht-atmungsaktive Materialien, ihre Grenzen und die Bedeutung von Belüftung. Das Schichtenprinzip ordnet die Regenjacke als äußerste Schutzschicht ein.
Nasse Kleidung ist ein bekannter Faktor für Unterkühlung – deshalb zählt nicht nur der Schutz von außen, sondern auch das Vermeiden von Schweiß.
Varianten
- Poncho und Schirm
- Ein Poncho oder Schirm lässt viel Luft zirkulieren und ist auf Wegen bei warmem Regen oft angenehmer; bei Wind ungeeignet.
Häufige Fehler
- Jacke nie waschen, aus Angst die Membran zu beschädigen
- Zu dicke Schichten darunter
- Weichspüler verwenden
- Atmungsaktivität bei Anstrengung überschätzen
Grenzen und Risiken
- Keine Laborwerte oder Produktvergleiche
- Pflegehinweise des Herstellers haben Vorrang
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Regen- und Windjacke
- Baumwolltuch / T-Shirt (Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.)
- Regenponcho
- Tarp / Plane, Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Wasserdichte, atmungsaktive Bekleidung und Schichtenprinzip
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Nässe als Faktor der Auskühlung