Mit dem Plattenkompass eine Richtung nehmen und halten
Mit Karte und Plattenkompass lässt sich die Richtung zu einem Ziel bestimmen (Marschzahl) und im Gelände einhalten – auch bei Nebel oder im Wald. Wichtig sind eine ruhige Handhabung, Abstand zu Metall und die Missweisung, deren Wert man auf der eigenen Karte nachliest.
- Wenige Minuten pro Peilung; Übung in bekanntem Gelände empfohlen

Einfach erklärt
In einem Kompass steckt eine kleine Magnetnadel. Die Erde selbst ist wie ein riesiger, schwacher Magnet, und die Nadel dreht sich so, dass ihr rotes Ende ungefähr nach Norden zeigt. Weil die Nadel immer so zeigt, egal wie du dich drehst, kannst du sie wie einen festen Anker benutzen.
Eine „Peilung“ oder „Marschzahl“ ist eine Richtung als Zahl, gemessen im Kreis von 0 bis 360 Grad. Norden ist 0, Osten 90, Süden 180, Westen 270. Auf der Karte misst du, in welcher Richtung dein Ziel liegt, stellst diese Zahl am Kompass ein – und draußen zeigt dir der Pfeil auf der Kompassplatte dann den Weg, auch im Nebel.
Das Wichtigste zur Sicherheit: Der Kompass zeigt nur die Richtung, nicht ob man dort gefahrlos gehen kann. Steht ein Felsen, ein Fluss oder ein steiler Hang im Weg, gehst du außen herum. Und halte den Kompass weg von Handy, Metall und Magneten – die lenken die Nadel ab.
Wie es funktioniert
Ein Plattenkompass hat drei Teile, die zusammenarbeiten: eine durchsichtige Grundplatte mit Lineal und Richtungspfeil, eine drehbare, mit Flüssigkeit gefüllte Kapsel mit Gradring und parallelen Nordlinien, und darin die Magnetnadel. Die Flüssigkeit beruhigt die Nadel, damit sie nicht ewig hin- und herzittert.
Auf der Karte benutzt du den Kompass als Winkelmesser. Du legst die Kante der Platte von deinem Standort zum Ziel und drehst die Kapsel, bis ihre Nordlinien parallel zu den Nord-Süd-Linien der Karte liegen. Die Nadel spielt dabei keine Rolle. Am Gradring kannst du jetzt die Richtung als Zahl ablesen.
Draußen drehst du dich mit dem Kompass vor dem Bauch, bis das rote Nadelende genau im Nordpfeil der Kapsel liegt. In diesem Moment zeigt der Richtungspfeil auf der Platte genau in die Richtung, die du auf der Karte gemessen hast. Weil die Nadel zum magnetischen Norden zeigt und die Karte nach einem etwas anderen Norden ausgerichtet ist, kann eine Korrektur nötig sein – die Missweisung, deren Wert auf deiner Karte steht.
Worauf es ankommt
Halte den Kompass waagerecht, sonst schleift die Nadel und bleibt hängen. Halte ihn ruhig vor dem Körper und drehe dich mit dem ganzen Körper, nicht nur mit dem Handgelenk. Achte darauf, dass die Nadel mit dem roten Ende im Nordpfeil liegt – ein sehr häufiger Fehler ist, sie mit dem weißen Südende einzunorden. Dann gehst du genau in die Gegenrichtung.
Halte Abstand zu allem, was magnetisch ist oder Strom führt: Handy, Taschenlampe, Messer, Magnetverschlüsse an Jacken oder Kartentaschen, Autos, Zäune, Stromleitungen. Schon kleine Gegenstände dicht am Kompass können die Nadel spürbar ablenken.
Schau beim Gehen nicht ständig auf die Nadel. Such dir in Pfeilrichtung einen markanten Punkt – einen auffälligen Baum, einen Felsen – geh hin und such von dort den nächsten. So läufst du gerader und kannst auf den Boden vor dir achten.
Kleine Fehler, große Wirkung
Ein Winkelfehler wächst mit jedem Schritt. Ein Grad Abweichung bringt dich nach einem Kilometer schon rund 17 Meter neben dein Ziel; bei fünf Grad sind es fast 90 Meter. Im Wald oder Nebel kann das reichen, um an einer Hütte vorbeizulaufen, ohne sie zu sehen.
Deshalb kombinieren erfahrene Navigatoren die Peilung immer mit anderen Hinweisen: Wie weit bin ich schon gegangen? Welche Geländemerkmale müssten jetzt kommen – ein Bach, ein Hangfuß, eine Lichtung? Bleiben diese Merkmale aus, halten sie an und prüfen neu, statt einfach weiterzugehen.
Eine nützliche Technik ist das bewusste Vorhalten: Liegt dein Ziel an einem langen Bach oder Weg, zielst du absichtlich etwas daneben. Wenn du dann auf den Bach triffst, weißt du genau, in welche Richtung du abbiegen musst.
Sicherheit: darauf musst du achten
Eine Peilung ist eine gerade Linie – das Gelände ist es nicht. Folge ihr nie stur über Abbrüche, durch Gewässer, über Lawinenhänge oder in Schluchten. Geh außen herum und nimm danach die Richtung wieder auf. Wenn es keinen sicheren Weg gibt, ist Umkehren die richtige Entscheidung.
Ein Kompass braucht einen bekannten Startpunkt. Wenn du gar nicht weißt, wo du bist, kann er dir zwar eine Richtung zeigen, aber nicht sagen, ob diese Richtung zu deinem Ziel führt. In so einer Lage hilft zuerst die STOP-Regel: anhalten, nachdenken, beobachten, planen.
In der Nähe der magnetischen Pole und an Orten mit stark eisenhaltigem Gestein wird der Kompass unzuverlässig. Für die meisten Wandergebiete ist das kein Thema, aber gut zu wissen, wenn die Nadel sich seltsam verhält.
So übst du es
Üb zuerst auf einer Wiese oder in einem Park, den du kennst. Stell eine Zahl ein, zum Beispiel 90 Grad, und geh 50 Schritte in diese Richtung. Dann stell 210 ein und geh wieder 50 Schritte, dann 330 und noch einmal 50 Schritte. Wenn du alles richtig gemacht hast, stehst du ungefähr wieder am Anfang – ein Dreieck.
Danach übst du mit Karte: Wähle auf der Karte einen Punkt, den du sehen kannst, miss die Richtung und prüfe, ob der Richtungspfeil draußen wirklich darauf zeigt. Probier auch die Rückpeilung: Um zurückzugehen, drehst du dich, bis das rote Nadelende im Südteil der Kapsel liegt, ohne die Einstellung zu ändern.
Ein Kompass ist leicht, robust und braucht keinen Akku. Ein einfaches Modell mit drehbarer Kapsel und Lineal reicht für fast alle Wanderungen völlig aus.
Schritt für Schritt
Kompass an Start und Ziel anlegen
Lege die Kante der Grundplatte auf der Karte so an, dass sie Standort und Ziel verbindet und der Richtungspfeil zum Ziel zeigt.
- 1
Kompass an Start und Ziel anlegen
Lege die Kante der Grundplatte auf der Karte so an, dass sie Standort und Ziel verbindet und der Richtungspfeil zum Ziel zeigt.
- 2
Kapsel nach Kartennord drehen
Drehe die Kapsel, bis ihre Nordlinien parallel zu den Nord-Süd-Linien der Karte liegen und der Nordpfeil der Kapsel zum oberen Kartenrand (Norden) zeigt. Die Nadel ist dabei egal.
- 3
Missweisung berücksichtigen
Lies die Missweisung auf deiner Karte nach. Ist sie für deine Genauigkeit relevant, korrigiere den eingestellten Wert in die dort angegebene Richtung – oder nutze die Einstellschraube, falls dein Kompass eine hat.
Wert und Richtung der Korrektur auf der Karte prüfen; sie ändern sich mit Ort und Jahr.
- 4
Sich mit dem Kompass drehen
Halte den Kompass waagerecht vor dem Körper, Richtungspfeil nach vorne. Drehe dich, bis das rote (Nord-)Ende der Nadel genau im Nordpfeil der Kapsel liegt.
- 5
Zielpunkt anvisieren und gehen
Suche in Pfeilrichtung einen markanten Punkt (Baum, Felsen), gehe dorthin und visiere von dort den nächsten an. So musst du nicht ständig auf den Kompass schauen.
- 6
Strecke und Fortschritt kontrollieren
Schätze die zurückgelegte Strecke (Zeit oder Schrittzählen) und gleiche erwartete Geländemerkmale ab. Bleiben sie aus, anhalten und neu bestimmen.
Häufige Fehler
- Richtungspfeil zeigt bei der Kartenarbeit vom Ziel weg
- Kapsel um 180° falsch eingestellt (Nadel mit Süd-Ende eingenordet)
- Kompass schräg oder neben Metall halten
- Missweisung ignorieren, obwohl sie auf der Karte erheblich ist
- Nur auf die Nadel schauen statt auf Zielpunkte
Kurzüberblick
Material
Plattenkompass
Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.
Topografische Karte
Erscheinungsjahr prüfen – Wege und Bebauung können sich geändert haben.
Vor Nässe schützen (Kartenhülle oder Beutel).
Geeignet für
- Navigation bei Nebel, im Wald oder weglosem Gelände
- Überprüfen einer Richtung, wenn Wege unklar sind
- Backup bei Ausfall von GPS
Ungeeignet für
- Gerade Linien durch gefährliches Gelände (Abbrüche, Gewässer, Lawinenhänge)
- Nähe zu Fahrzeugen, Stromleitungen oder starken Magneten
Voraussetzungen
- Grundlagen des Kartenlesens
- Bekannter Standort auf der Karte
Sicherheit
- Eine Peilung zeigt nur die Richtung, nicht ob der direkte Weg begehbar ist. Hindernisse umgehen und danach die Richtung neu aufnehmen; nie stur in steiles Gelände folgen.
- Metallgegenstände, Handys, Magnetverschlüsse und Stromleitungen können die Nadel deutlich ablenken. Kompass davon entfernt halten.
- Die Missweisung (Deklination) – der Winkel zwischen geografischem bzw. Gitter-Nord und magnetischem Nord – ist je nach Ort und Jahr verschieden. Den Wert auf deiner Karte bzw. in einer aktuellen Quelle prüfen, nicht aus dem Gedächtnis übernehmen.
So funktioniert es
Die Magnetnadel richtet sich nach dem Erdmagnetfeld aus. Auf der Karte misst man den Winkel zwischen Nordlinie und Zielrichtung; diesen Winkel stellt man an der drehbaren Kapsel ein. Im Gelände dreht man sich so, dass die Nadel in die Nordmarkierung der Kapsel zeigt – dann weist der Richtungspfeil zum Ziel. Weil magnetisch Nord und Karten-Nord nicht exakt übereinstimmen, wird gegebenenfalls die Missweisung berücksichtigt.
Vorteile
- Funktioniert ohne Strom
- Robust und leicht
- Zuverlässig bei schlechter Sicht
Nachteile
- Erfordert Übung und einen bekannten Startpunkt
- Störanfällig durch Metall und Elektronik
- Kleine Winkelfehler wachsen mit der Strecke
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Der Plattenkompass mit drehbarer, flüssigkeitsgefüllter Kapsel ist das Standardwerkzeug für Kartennavigation im Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf. Er verbindet Winkelmesser, Lineal und Magnetkompass in einem Gerät.
Die Missweisung ändert sich über Jahre, weil sich das Erdmagnetfeld verschiebt; Karten geben daher meist einen Wert mit Bezugsjahr an. Lehrwerke betonen, dass Peilungen mit Geländebeobachtung kombiniert werden müssen.
Varianten
- Rückpeilung
- Um denselben Weg zurückzugehen, folgst du der Gegenrichtung: Nadel mit dem roten Ende in den Südteil der Kapsel drehen, ohne die Einstellung zu ändern.
- Bewusst vorhalten
- Liegt das Ziel an einer langen Linie (Bach, Straße), zielt man bewusst etwas daneben. So weiß man beim Erreichen der Linie, in welche Richtung man abbiegen muss.
Häufige Fehler
- Richtungspfeil zeigt bei der Kartenarbeit vom Ziel weg
- Kapsel um 180° falsch eingestellt (Nadel mit Süd-Ende eingenordet)
- Kompass schräg oder neben Metall halten
- Missweisung ignorieren, obwohl sie auf der Karte erheblich ist
- Nur auf die Nadel schauen statt auf Zielpunkte
Grenzen und Risiken
- Keine Zahlenwerte zur Missweisung – sie sind orts- und zeitabhängig
- Genauigkeit begrenzt durch Handhabung und Gelände
- In der Nähe der Magnetpole unbrauchbar
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Arbeiten mit Kompass, Peilung und Missweisung
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Kompassnavigation im Gelände