Route planen und Tourenplan hinterlassen
Gute Planung verhindert die meisten Orientierungsnotfälle: Route, Zeitbedarf, Wetter, Ausweichmöglichkeiten und eine Umkehrzeit festlegen – und einer vertrauten Person sagen, wohin man geht und wann man zurück ist. Dann wird rechtzeitig Alarm geschlagen, falls etwas passiert.
- 30–60 Minuten vor der Tour

Einfach erklärt
Die meisten Probleme beim Wandern lassen sich schon zu Hause vermeiden – am Küchentisch, mit Karte und Wetterbericht. Dort hast du Zeit, kannst in Ruhe nachdenken und alles nachschauen. Draußen, wenn du müde bist und es zu regnen beginnt, fallen gute Entscheidungen viel schwerer.
Zur Planung gehört: Welchen Weg nimmst du? Wie lange wirst du ungefähr brauchen? Wann geht die Sonne unter? Wie wird das Wetter? Und eine „Umkehrzeit“: eine Uhrzeit, zu der du umdrehst, wenn du dein Ziel bis dahin nicht erreicht hast – auch wenn es nur noch ein kleines Stück scheint.
Das Wichtigste zur Sicherheit: Sag einer Person, der du vertraust, wohin du gehst und wann du zurück bist. Wenn du dich nicht meldest, weiß sie, dass etwas nicht stimmt, und kann Hilfe holen. Und melde dich nach der Tour zuverlässig zurück.
Wie es funktioniert
Planung verlegt Entscheidungen vom Gelände an den Schreibtisch. Zu Hause kannst du in Ruhe überlegen, welche Stellen schwierig sind, wo du abkürzen oder aussteigen könntest und was du tust, wenn das Wetter umschlägt. Unterwegs musst du dann nur noch prüfen, ob die Lage zum Plan passt – das ist viel leichter, als alles spontan zu entscheiden.
Der zweite Teil ist der hinterlegte Plan. Er sorgt dafür, dass jemand bemerkt, wenn du nicht zurückkommst, und Rettungskräften sagen kann, wo sie suchen sollen. Gerade wer allein unterwegs ist, hat oft keine andere Möglichkeit, Hilfe zu bekommen, wenn er selbst nicht mehr telefonieren kann – etwa nach einem Sturz oder ohne Netz.
Worauf es ankommt
Schau dir die Route auf der Karte genau an: Länge, Höhenmeter, steile Abschnitte, Bachquerungen, Abzweigungen, Wasserstellen, Hütten. Notiere Schlüsselstellen – Punkte, an denen du dich entscheiden musst oder an denen es schwierig wird – und mögliche Ausstiege, über die du die Tour abkürzen kannst.
Für den Zeitbedarf gibt es keine Formel, die für alle passt. Strecke, Höhenmeter, Untergrund, Gepäck, Pausen und vor allem die langsamste Person in der Gruppe bestimmen das Tempo. Faustregeln aus Büchern oder die Zeitangaben auf Wegweisern sind ein Anhalt; mit der Zeit lernst du, wie dein eigenes Tempo dazu passt. Plane immer eine großzügige Reserve ein.
Prüfe die Zeit des Sonnenuntergangs. Im Wald oder in tiefen Tälern wird es oft früher dunkel, als die Uhrzeit vermuten lässt. Und schau dir kurz vor dem Start noch einmal Wetterbericht und lokale Warnungen an. Sind Gewitter oder Sturm angesagt, passe die Tour an oder verschiebe sie. In vielen Gebirgen bilden sich Gewitter im Sommer häufig erst im Laufe des Nachmittags.
Die Umkehrzeit
Die Umkehrzeit ist eine Uhrzeit, zu der du einen bestimmten Punkt erreicht haben musst. Bist du bis dahin nicht dort, kehrst du um – egal wie nah das Ziel scheint. Das klingt streng, ist aber eine der wirksamsten Sicherheitsregeln überhaupt.
Der Grund: Unterwegs ist es sehr schwer, ein Ziel aufzugeben, das man schon fast sieht. „Nur noch kurz“ ist einer der häufigsten Gedanken vor einer Notlage. Wer die Entscheidung schon zu Hause getroffen hat, muss sie draußen nicht mehr gegen Müdigkeit, Ehrgeiz und Gruppendruck neu verhandeln.
Rechne die Umkehrzeit vom Sonnenuntergang rückwärts: Wie lange brauchst du für den Rückweg, plus Reserve? Bedenke, dass man auf dem Rückweg oft müder ist und bergab nicht immer schneller geht.
Der Tourenplan: was hinein gehört
Ein guter Tourenplan enthält: geplante Route mit Start- und Zielpunkt, mögliche Alternativen, Namen der Teilnehmenden, wichtige Ausrüstung (zum Beispiel ob ihr Biwaksack oder Stirnlampe dabeihabt), Fahrzeug und Kennzeichen sowie Parkplatz, die geplante Rückkehrzeit – und ganz klar, ab wann die Kontaktperson die lokale Notrufnummer (112 in der EU) wählen soll.
Schreib den Plan auf, als Nachricht oder Zettel. Ein geschriebener Plan ist zuverlässiger als ein kurzes „Wir gehen heute in die Berge“, denn die Kontaktperson kann ihn direkt an Rettungskräfte weitergeben. Änderst du unterwegs die Route, melde das, sobald du Empfang hast.
Genauso wichtig wie das Losmelden ist das Zurückmelden. Wer vergisst, sich nach der Tour zu melden, kann einen Fehlalarm auslösen und Rettungskräfte unnötig in Bewegung setzen.
Wann es sinnvoll ist – und wo es aufhört
Planung lohnt sich für jede Unternehmung draußen: die kleine Familienwanderung, die Radtour, die Skitour, den Spaziergang allein im Wald. Sie kostet nichts außer etwas Zeit und verhindert viele Notlagen schon im Vorfeld.
Planung ersetzt aber keine Ausbildung. Für alpines Gelände, Gletscher oder lawinengefährdete Hänge braucht es Wissen und Erfahrung, die man nicht am Küchentisch lernt. Und die Kontaktperson muss zuverlässig sein – sie muss wissen, was sie tun soll, und erreichbar bleiben.
Schritt für Schritt
Route und Alternativen festlegen
Wähle die Route auf der Karte, notiere Schlüsselstellen, Abzweigungen, Wasserstellen und mögliche Abkürzungen oder Ausstiege.
- 1
Route und Alternativen festlegen
Wähle die Route auf der Karte, notiere Schlüsselstellen, Abzweigungen, Wasserstellen und mögliche Abkürzungen oder Ausstiege.
- 2
Zeitbedarf abschätzen
Berücksichtige Strecke, Höhenmeter, Gelände, Kondition der langsamsten Person und Pausen. Plane Reserven ein und prüfe die Zeit des Sonnenuntergangs.
- 3
Umkehrzeit festlegen
Lege fest, bis wann ein bestimmter Punkt erreicht sein muss, sonst wird umgekehrt.
- 4
Plan hinterlassen
Teile einer vertrauten Person mit: Route, Start- und Zielpunkt, Teilnehmende, Ausrüstung, Fahrzeug und Kennzeichen, geplante Rückkehr und ab wann sie Alarm schlagen soll.
- 5
Am Plan festhalten oder Änderungen melden
Weiche unterwegs nur ab, wenn nötig, und melde Änderungen, sobald du Empfang hast.
- 6
Zurückmelden
Melde dich nach der Rückkehr sofort bei der Kontaktperson.
Häufige Fehler
- Niemandem Bescheid geben
- Umkehrzeit ignorieren („nur noch kurz“)
- Zeitbedarf unterschätzen
- Unterwegs spontan die Route wechseln, ohne es mitzuteilen
- Vergessen, sich zurückzumelden
Kurzüberblick
Material
Topografische Karte
Erscheinungsjahr prüfen – Wege und Bebauung können sich geändert haben.
Vor Nässe schützen (Kartenhülle oder Beutel).
Mobiltelefon
Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.
Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.
Geeignet für
- Jede Wanderung, Rad- oder Skitour
- Alleinunternehmungen
- Gruppen mit Kindern
Ungeeignet für
- Ersatz für Ausbildung in alpinem oder lawinengefährdetem Gelände
Voraussetzungen
- Karte oder Karten-App
- Aktuelle Wetter- und ggf. Lageinformationen
- Eine erreichbare Kontaktperson
Sicherheit
- Lege eine Umkehrzeit fest und halte sie ein, auch wenn das Ziel nah scheint. Dunkelheit und Erschöpfung erhöhen das Risiko stark.
- Wetterbericht und lokale Warnungen kurz vor dem Start prüfen; bei Gewitter- oder Sturmwarnungen die Tour anpassen oder verschieben.
So funktioniert es
Planung verlagert Entscheidungen vom Gelände an den Schreibtisch, wo man ruhig und mit allen Informationen entscheiden kann. Ein hinterlegter Plan sorgt dafür, dass jemand bemerkt, wenn man nicht zurückkommt, und Rettungskräften sagen kann, wo sie suchen sollen.
Vorteile
- Verhindert viele Notlagen bereits im Vorfeld
- Beschleunigt die Suche im Ernstfall
- Kostet nichts
Nachteile
- Erfordert Disziplin beim Einhalten
- Kontaktperson muss zuverlässig sein
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Behörden und Organisationen der Notfallvorsorge empfehlen Pläne, die Familie oder Vertraute kennen. Lehrwerke zum Bergsteigen betonen zusätzlich Umkehrzeiten und das Abschätzen des Zeitbedarfs.
Gerade Alleinunterwegs ist ein hinterlegter Plan oft die einzige Möglichkeit, dass jemand eine Notlage bemerkt, wenn man selbst keinen Notruf absetzen kann.
Varianten
- Schriftlicher Tourenplan
- Ein kurzer schriftlicher Plan (Nachricht oder Zettel) ist zuverlässiger als eine mündliche Absprache, weil er an Rettungskräfte weitergegeben werden kann.
Häufige Fehler
- Niemandem Bescheid geben
- Umkehrzeit ignorieren („nur noch kurz“)
- Zeitbedarf unterschätzen
- Unterwegs spontan die Route wechseln, ohne es mitzuteilen
- Vergessen, sich zurückzumelden
Grenzen und Risiken
- Keine Formel für den Zeitbedarf – Gelände und Gruppe sind zu unterschiedlich
- Ersetzt keine Ausbildung für anspruchsvolles Gelände
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Mobiltelefon
- Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Tourenplanung und Umkehrzeit
U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Make a Plan (Ready.gov)
Vorab abgesprochene Notfall- und Kommunikationspläne
European Commission: 112 – the European emergency number
Europaweite Notrufnummer 112