Absperrungen für Wasser, Strom und Gas kennen
Bei einem Rohrbruch, einem Wasserschaden in der Nähe von Elektrik oder nach einem Unwetter zählt jede Minute. Wer vorher weiß, wo Hauptwasserhahn und Sicherungskasten sind und wie sie bedient werden, verhindert Folgeschäden. Für Gas gilt eine andere Regel: Bei Gasgeruch nichts bedienen, das Gebäude verlassen und von draußen den Gasnotdienst oder den Notruf anrufen.
- Einmalig etwa 30–60 Minuten zum Suchen und Beschriften

Einfach erklärt
Wasser, Strom und Gas kommen über Leitungen in dein Zuhause – wie über unsichtbare Straßen. Jede dieser Straßen hat eine Stelle, an der man sie für die ganze Wohnung sperren kann: beim Wasser den Hauptwasserhahn, beim Strom den Sicherungskasten mit seinen kleinen Schaltern. Wenn ein Rohr platzt, kannst du mit dem Hauptwasserhahn verhindern, dass die Wohnung unter Wasser steht. Das klappt aber nur, wenn du schon vorher weißt, wo er ist.
Beim Gas gilt eine ganz andere Regel. Gas, das aus einer Leitung kommt, kann sich mit einem winzigen Funken entzünden – sogar mit dem Funken in einem Lichtschalter. Wenn es nach Gas riecht, fasst du darum nichts an: keine Schalter, keine Klingel, kein Handy im Haus. Du gehst mit allen hinaus und rufst von draußen den Gasnotdienst oder die Notrufnummer (112 in der EU).
Und noch etwas Wichtiges: Wenn Wasser in der Nähe von Steckdosen oder vom Sicherungskasten steht, gehst du nicht hinein. Wasser leitet Strom. Reparieren an Gas- oder Stromleitungen ist immer Arbeit für Fachleute – deine Aufgabe ist nur, die Absperrungen zu kennen und richtig zu handeln.
Wie es funktioniert
Die Wasserleitung kommt meist an einer Stelle ins Gebäude, oft im Keller oder in einem Hausanschlussraum. Direkt dort sitzen in der Regel der Wasserzähler und ein Absperrventil davor oder dahinter. Dreht man dieses Ventil zu, fließt kein frisches Wasser mehr nach – ein geplatztes Rohr läuft dann nur noch leer, statt immer weiter Wasser nachzuliefern. In Wohnungen gibt es oft zusätzliche Ventile, zum Beispiel unter dem Waschbecken, am Spülkasten oder an einem Steigstrang im Bad.
Der Strom wird im Sicherungskasten (auch Verteiler oder Unterverteilung genannt) auf einzelne Stromkreise aufgeteilt: Küche, Bad, Zimmer. Jeder Stromkreis hat einen eigenen Schutzschalter. Viele Anlagen haben zusätzlich einen Fehlerstrom-Schutzschalter, der bei bestimmten Fehlern sehr schnell abschaltet, und manchmal einen Hauptschalter für die ganze Wohnung. Diese Schalter sind dafür gebaut, von Bewohnern bedient zu werden – das Öffnen der Abdeckung oder Arbeiten an Kabeln dagegen nicht.
Beim Gas gibt es ebenfalls eine Hauptabsperreinrichtung, meist dort, wo die Leitung ins Haus kommt, und oft weitere Absperrhähne vor einzelnen Geräten. Wer sie bedienen soll und wann, legen Versorger und Behörden fest; das unterscheidet sich je nach Land. Für dich als Bewohner ist entscheidend: Bei Gasgeruch bedienst du nichts, sondern bringst dich in Sicherheit.
Worauf es ankommt
Das Wichtigste passiert vorher, in einem ruhigen Moment. Nimm eine Taschenlampe und suche den Hauptwasserhahn, den Sicherungskasten und – falls du Gas im Haus hast – frag Vermieter, Hausverwaltung oder Versorger, wo die Gasabsperrung liegt. Beschrifte, was du gefunden hast, gut sichtbar. Ein Zettel „Hauptwasserhahn – zudrehen im Uhrzeigersinn“ kann im Ernstfall viel Zeit sparen.
Die meisten Drehventile schließen im Uhrzeigersinn. Bei Ventilen mit Hebel bedeutet ein Hebel quer zum Rohr meist „zu“ und ein Hebel in Rohrrichtung „auf“. Prüfe das an deinem eigenen Ventil, indem du es einmal bewusst zu- und wieder aufdrehst. Geht es schwer oder tropft es danach: nicht mit Gewalt oder einem Verlängerungsrohr weiterdrehen, sondern Vermieter oder Fachbetrieb Bescheid geben. Ein abgebrochenes Ventil ist schlimmer als ein schwergängiges.
Prüfe auch, ob die Stromkreise im Sicherungskasten beschriftet sind. Wenn nicht, kannst du gemeinsam mit einer zweiten Person herausfinden, welcher Schalter welchen Raum versorgt: Schalter aus, schauen, welches Licht ausgeht, wieder ein, aufschreiben. Halte den Zugang zu allen Absperrungen frei – Kisten und Regale davor kosten im Notfall wertvolle Minuten.
Sicherheit: darauf musst du achten
Gasgeruch ist ein Notfall. Gas aus dem Netz riecht nur deshalb, weil ihm ein Geruchsstoff beigemischt wird, damit man ein Leck bemerkt. Riechst du es: keine Schalter betätigen (auch nicht ausschalten), keine Klingel, kein Telefon oder Handy im Gebäude, keine Flamme. Türen offen lassen, alle warnen, hinausgehen und von draußen den Gasnotdienst oder die örtliche Notrufnummer (112 in der EU) anrufen. Such nicht selbst nach dem Leck.
Ist Gas einmal abgestellt worden, drehst du es nicht selbst wieder auf. Dabei können Geräte ohne Flamme Gas ausströmen lassen; das Wiederinbetriebnehmen gehört zum Versorger oder zu einem Fachbetrieb. Genauso gilt für Strom: Den Sicherungskasten bedienst du nur, wenn du trocken stehst und ihn gefahrlos erreichst. Steht Wasser in der Nähe von Steckdosen, Geräten oder dem Kasten, betrittst du den Raum nicht, sondern rufst Versorger oder Feuerwehr.
Löst ein Schutzschalter immer wieder aus, ist das ein Zeichen für einen Fehler. Nicht ständig neu einschalten, sondern Geräte in diesem Stromkreis ausstecken und eine Elektrofachkraft rufen. Jede Arbeit hinter Abdeckungen, an Kabeln, Steckdosen oder Gasleitungen ist für Laien tabu – wie diese Grenze rechtlich genau verläuft, ist von Land zu Land verschieden, also lokale Regeln prüfen.
Typische Situationen
Rohrbruch: Wasser spritzt aus einer Leitung oder läuft aus der Decke. Erst prüfen, ob Wasser in die Nähe von Elektrik gelangt – wenn ja, nicht hineingehen. Sonst zuerst das nächste Absperrventil, und wenn das nicht reicht, den Hauptwasserhahn schließen. Danach Vermieter oder Installateur anrufen und Fotos für die Versicherung machen.
Frost: Bei strengem Frost können Leitungen in ungeheizten Räumen einfrieren, weil Wasser sich beim Gefrieren ausdehnt. Wer längere Zeit weg ist oder ein Gartenwasserrohr hat, kann den passenden Strang absperren und entleeren lassen. Ein geplatztes Rohr zeigt sich oft erst beim Auftauen – dann ist es gut, den Hahn sofort zu finden.
Hochwasserwarnung oder Sturm: Behörden geben manchmal Hinweise, ob und wann man Strom oder andere Versorgung abschalten soll, bevor Wasser ins Haus kommt. Folge diesen Durchsagen. Ist das Wasser schon da, gilt wieder: nicht in überflutete Räume mit Elektrik gehen. In Mietshäusern liegen Hauptabsperrungen oft in Räumen, zu denen nur der Hausmeister einen Schlüssel hat – kläre vorher, wen du im Notfall erreichst.
So übst du es
Mach einen kleinen Rundgang mit allen im Haushalt: Hier ist der Hauptwasserhahn, so wird er gedreht. Hier ist der Sicherungskasten, dieser Schalter gehört zur Küche. Und hier liegt – falls vorhanden – die Gasabsperrung, die wir nicht anfassen; bei Gasgeruch gehen wir hinaus. Ältere Kinder können das gut verstehen und sind oft stolz, wenn sie es erklären können.
Schreib die Telefonnummern von Gasnotdienst, Wasserversorger, Netzbetreiber und Vermieter in euren Notfallplan und hänge eine Kopie in die Nähe des Sicherungskastens. Lege eine Taschenlampe griffbereit dazu, denn Keller sind oft dunkel, und bei Stromausfall erst recht.
Wiederhole den Rundgang etwa einmal im Jahr oder wenn jemand neu einzieht. Prüfe dabei, ob die Beschriftungen noch lesbar sind und der Zugang frei ist. So wird das Wissen zu einer Gewohnheit, die im Ernstfall ohne langes Nachdenken abrufbar ist.
Schritt für Schritt
Hauptwasserhahn finden
Er liegt meist dort, wo die Wasserleitung ins Haus kommt – oft im Keller oder Hausanschlussraum beim Wasserzähler. In Wohnungen gibt es häufig zusätzlich Absperrventile im Bad, in der Küche oder an einem Steigstrang.
- 1
Hauptwasserhahn finden
Er liegt meist dort, wo die Wasserleitung ins Haus kommt – oft im Keller oder Hausanschlussraum beim Wasserzähler. In Wohnungen gibt es häufig zusätzlich Absperrventile im Bad, in der Küche oder an einem Steigstrang.
- 2
Sicherungskasten und Hauptschalter finden
Ermittle, wo der Sicherungskasten (Verteiler) deiner Wohnung ist und ob es einen Hauptschalter gibt. Prüfe, ob die einzelnen Stromkreise beschriftet sind.
- 3
Wissen, wo die Gasabsperrung ist
Falls Gas im Haus ist: Lass dir vom Vermieter, Versorger oder Fachbetrieb zeigen, wo die Hauptabsperreinrichtung liegt. Ob und wann Bewohner sie bedienen sollen, legen Versorger und Behörden fest – im Zweifel nichts anfassen, sondern Gasnotdienst anrufen.
Bei Gasgeruch keine Schalter oder Ventile bedienen – raus und von draußen anrufen.
- 4
Beschriften und freihalten
Markiere Hauptwasserhahn und Sicherungskasten gut sichtbar und halte den Zugang frei von Kisten und Regalen. Lege eine Taschenlampe in die Nähe.
- 5
Wasserhahn einmal bewusst bedienen
Drehe den Hauptwasserhahn bei ruhiger Lage einmal zu und wieder auf, damit du die Richtung kennst und weißt, ob er leichtgängig ist. Ist er fest oder undicht: nicht forcieren, Fachbetrieb oder Vermieter informieren.
- 6
Alle im Haushalt einweisen
Zeige allen Erwachsenen und älteren Kindern die Stellen und erkläre die Gas-Regel. Notiere die Nummern von Gasnotdienst, Wasserversorger und Vermieter im Notfallplan.
Häufige Fehler
- Erst im Notfall nach dem Hauptwasserhahn suchen
- Den Sicherungskasten mit nassen Händen oder im Wasser stehend bedienen
- Bei Gasgeruch Licht einschalten oder im Gebäude telefonieren
- Abgestelltes Gas selbst wieder aufdrehen
- Zugang zu Absperrungen zustellen
Kurzüberblick
Material
Stirnlampe / Taschenlampe
Keller und Schächte sind oft dunkel
Beschriftungsanhänger und wasserfester Stift
Absperrungen sichtbar beschriften
Geeignet für
- Alle Haushalte als Grundwissen
- Neu bezogene Wohnungen und Häuser
- Vorbereitung auf Frost, Hochwasser und Sturm
Ungeeignet für
- Arbeiten an Gasleitungen oder Gasgeräten – nur durch Fachbetrieb oder Versorger
- Arbeiten an der Elektroinstallation – nur durch Elektrofachkraft
Voraussetzungen
- Zugang zu Keller, Hausanschlussraum oder Wohnungsverteiler
- In Mietwohnungen: Absprache mit Vermieter oder Hausverwaltung, wo die Absperrungen liegen
Sicherheit
- Alte Absperrventile können festsitzen oder beim Bedienen undicht werden. Nicht mit Gewalt oder Verlängerungen drehen; defekte Ventile vom Fachbetrieb tauschen lassen.
So funktioniert es
Jede Versorgungsleitung hat eine Stelle, an der sie für das ganze Gebäude oder die Wohnung unterbrochen werden kann. Wer diese Stellen vor dem Notfall kennt, beschriftet und frei zugänglich hält, kann bei Wasser- und Elektroschäden schnell handeln. Bei Gas ist das Wissen um den Absperrhahn vor allem für Einsatzkräfte und Fachleute wichtig – die eigene Aufgabe ist es, sich in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu rufen.
Vorteile
- Verhindert Folgeschäden bei Rohrbruch
- Kostet nur etwas Zeit
- Gibt Sicherheit im Ernstfall
Nachteile
- Absperrungen sind nicht immer zugänglich
- Alte Ventile können beim Testen undicht werden
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA rät in ihrem Leitfaden „Are You Ready?“, die Lage der Absperrungen für Versorgungsleitungen zu kennen. Für Gas betont sie, dass es nach dem Abstellen nur von Fachleuten wieder in Betrieb genommen werden soll; bei Gasgeruch sollen Bewohner das Gebäude verlassen.
Wie Absperrungen gebaut sind und wer sie bedienen darf, unterscheidet sich je nach Land, Versorger und Gebäude. Dieser Eintrag gibt deshalb nur die Grundregeln wieder – die Hinweise deines Versorgers gehen vor.
Varianten
- Mietwohnung und Mehrfamilienhaus
- Hauptabsperrungen liegen oft in gemeinsamen Räumen und sind teils nur für Hausmeister zugänglich. Kläre vorab, wer im Notfall erreichbar ist, und finde die Absperrungen innerhalb deiner Wohnung.
Häufige Fehler
- Erst im Notfall nach dem Hauptwasserhahn suchen
- Den Sicherungskasten mit nassen Händen oder im Wasser stehend bedienen
- Bei Gasgeruch Licht einschalten oder im Gebäude telefonieren
- Abgestelltes Gas selbst wieder aufdrehen
- Zugang zu Absperrungen zustellen
Grenzen und Risiken
- Keine Anleitung für Arbeiten an Gas- oder Elektroinstallationen
- Regeln zur Bedienung der Gasabsperrung unterscheiden sich je nach Land und Versorger – lokale Vorgaben prüfen
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA): Are You Ready? An In-Depth Guide to Citizen Preparedness
Lage der Absperrungen kennen; Gas nach dem Abstellen nur durch Fachleute wieder aufdrehen; bei Gasgeruch Gebäude verlassen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Deutschland: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen
Allgemeine Vorsorge im Haushalt