Schlauchzelt aus Folie (Tube Tent)
Ein Schlauchzelt ist ein Kunststoffschlauch, durch den eine Leine gezogen und zwischen zwei Bäumen gespannt wird. Das Körpergewicht hält den Boden unten, sodass ein einfaches Dreieckzelt mit offenen Enden entsteht. Es ist billig und leicht, aber kondensanfällig und windempfindlich – eine Notlösung.
- Etwa 5–10 Minuten

Einfach erklärt
Ein Schlauchzelt ist im Grunde ein langer Plastikschlauch, ein bisschen wie eine riesige, an beiden Enden offene Tüte. Du ziehst eine Schnur hindurch und spannst sie zwischen zwei Bäumen. Dann legst du dich hinein. Dein Gewicht drückt den unteren Teil auf den Boden, und oben bildet sich ein Dach in Form eines Dreiecks – wie ein Zelt aus einem Stück.
Es ist billig, sehr leicht und passt in jede Rucksacktasche. Darum steckt es oft in Notfallsets. Es hält Regen und Wind ab, aber es wärmt nicht. Deshalb brauchst du darunter eine Matte oder etwas anderes, das dich vom kalten Boden trennt.
Plastik lässt keine Feuchtigkeit hinaus. Wenn du atmest, wird es innen nass, so wie eine Brotdose, in die man warmes Essen packt. Lass deshalb beide Enden offen. Und: Nie Feuer oder Kocher in der Nähe, und die Folie darf nicht auf deinem Gesicht liegen.
Wie es funktioniert
Die gespannte Leine bildet den First, also die oberste Kante. Der Schlauch hängt darüber und fällt auf beiden Seiten schräg nach unten, wo sich die Folie zu einem Boden schließt. Erst das Gewicht von dir und deiner Ausrüstung macht daraus ein stabiles Dreieck: Ohne Last würde der Boden mit der Leine nach oben gezogen.
Kunststofffolie ist wasserdicht, aber auch dampfdicht. Ein Mensch gibt beim Atmen und über die Haut die ganze Nacht Feuchtigkeit ab. In einem Zelt aus atmungsaktivem Stoff oder mit zweiter Schicht kann ein Teil davon entweichen; an der Folie schlägt sie sich dagegen als Wassertropfen nieder. Die offenen Enden sind deshalb keine Schwäche, sondern die Lüftung.
Die Folie isoliert nicht. Sie verhindert, dass Regen dich durchnässt und Wind deine warme Luftschicht wegbläst, aber sie hält keine Wärme fest. Vom Boden aus verlierst du weiter Wärme, wenn nichts dazwischenliegt.
Worauf es ankommt
Der Platz muss eben sein und darf keine Senke sein, in die bei Regen Wasser läuft – sonst sammelt es sich im Boden des Schlauchs. Schau nach oben nach toten Ästen. Lege den Schlauch quer zum Wind oder mit einem Ende in den Wind, damit er nicht wie ein Segel aufgebläht wird.
Die Leine spannst du straff etwa auf Hüft- bis Brusthöhe. Ist sie zu niedrig, liegt die Folie auf deinem Gesicht, und alles wird nass. Ist sie zu hoch, wird der Boden zu schmal. Ein Spannknoten, den du nachziehen kannst, ist hilfreich, weil Folie und Leine nachgeben.
Beschwere die Ecken mit Matte, Rucksack und Ausrüstung, damit der Boden flach liegt und der Wind nicht unter die Folie greift. Lass beide Enden zumindest teilweise offen. Ohne Schlauch geht es ähnlich mit einer langen flachen Folie: über die Leine legen und beide Ränder nach innen unter die Matte einschlagen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Folie gehört nie über Kopf und Gesicht und darf dort auch nicht durchhängen – Erstickungsgefahr. Deshalb ist die richtige Höhe der Leine nicht nur eine Frage des Komforts. Kinder sollten nie unbeaufsichtigt mit Plastikfolie spielen oder darin schlafen.
Unter und neben der Folie wird kein Feuer gemacht und kein Kocher betrieben. Kunststoff schmilzt und brennt leicht, und in einem engen Raum kann sich Kohlenmonoxid sammeln. Gekocht wird – wo erlaubt – im Freien mit Abstand. Prüfe außerdem die örtlichen Regeln für offenes Feuer.
Ein Schlauchzelt schützt vor Regen, aber nicht vor Kälte. Wenn du in einer kalten Nacht darin liegst, brauchst du trockene Kleidung und Isolierung unter dir. Bei Zeichen von Unterkühlung – starkes Zittern, Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit – hol Hilfe über die örtliche Notrufnummer (112 in der EU).
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Ein Schlauchzelt ist eine gute Reserve für Notfallset und Tagesrucksack: für eine Regenpause oder eine einzelne ungeplante Nacht, wenn zwei Bäume in passendem Abstand stehen. Es wiegt wenig und kostet wenig.
Für mehrere Nächte, starken Wind oder Gelände ohne Ankerpunkte ist es ungeeignet. Dünne Folie reißt leicht, flattert laut im Wind und ist nach einem Einsatz oft kaum wiederverwendbar. Wer regelmäßig draußen übernachtet, ist mit Tarp, Biwaksack oder Zelt besser bedient.
So übst du es
Bau das Schlauchzelt einmal im Garten oder Park auf, bevor du dich im Ernstfall darauf verlässt. Dabei merkst du, wie lang die Schnur sein muss, welcher Knoten sich gut nachspannen lässt und wie viel Platz wirklich darin ist.
Lege dich zur Probe hinein und achte darauf, wo die Folie dem Gesicht nahe kommt. Stelle die Leinenhöhe so ein, dass genug Abstand bleibt. Pack das Zelt danach zusammen mit genug Schnur in eine kleine Tasche, damit im Notfall alles beisammen ist.
Schritt für Schritt
Platz wählen
Ebener Platz quer zum Wind oder mit einem Ende in den Wind, keine Senke, keine toten Äste.
- 1
Platz wählen
Ebener Platz quer zum Wind oder mit einem Ende in den Wind, keine Senke, keine toten Äste.
- 2
Leine einziehen
Die Leine durch den Schlauch ziehen und an beiden Bäumen etwa auf Hüft- bis Brusthöhe straff befestigen.
- 3
Boden beschweren
Matte und Ausrüstung in die Ecken legen, damit der Boden flach liegt und der Wind nicht unter die Folie greift.
- 4
Enden offen lassen
Beide Enden zumindest teilweise offen lassen, damit Feuchtigkeit entweichen kann.
Häufige Fehler
- Enden ganz verschlossen – nasses Inneres
- In einer Senke aufgebaut – Wasser läuft hinein
- Leine zu tief – Folie liegt auf dem Gesicht
Kurzüberblick
Material
Kunststofffolie / großer Müllsack
Als Schlauch gefertigt oder improvisiert aus einer langen Folie
Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).
Nicht für Trinkwasser verwenden, wenn nicht lebensmittelecht.
Paracord
Kein Kletter- oder Sicherungsseil.
Isomatte
Geeignet für
- Notfallset, Rucksackreserve
- Kurze Regenpausen und eine einzelne Notnacht
Ungeeignet für
- Starker Wind
- Mehrere Nächte
- Gelände ohne Ankerpunkte
Voraussetzungen
- Zwei Ankerpunkte
- Ein Spannknoten
So funktioniert es
Die Leine bildet den First, die Folie hängt als Dach darüber und schließt sich unten zum Boden. Personen und Ausrüstung beschweren den Boden. Weil Folie keinen Wasserdampf durchlässt, bildet sich innen Kondenswasser – die offenen Enden dienen als Lüftung.
Vorteile
- Sehr günstig und leicht
- Einfach aufzubauen
- Eingebauter Boden
Nachteile
- Starkes Kondenswasser
- Reißt leicht
- Flattert im Wind
- Kaum wiederverwendbar
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Schlauchzelte aus dünner Folie werden seit Jahrzehnten in Notfallsets angeboten. Sie gehören in dieselbe Klasse wie Rettungsdecken und Müllsäcke: Sie halten Regen und Wind ab, isolieren aber nicht.
Wie bei jedem Notbehelf hängt der Nutzen stark von Bodenisolierung, trockener Kleidung und Windschatten ab.
Varianten
- Mit flacher Folie
- Eine lange Folie über die Leine legen und beide Ränder nach innen unter die Matte einschlagen – wirkt ähnlich wie ein Schlauch.
Häufige Fehler
- Enden ganz verschlossen – nasses Inneres
- In einer Senke aufgebaut – Wasser läuft hinein
- Leine zu tief – Folie liegt auf dem Gesicht
Grenzen und Risiken
- Keine Angaben zu Folienstärken
- Nur für kurze Notfälle gedacht
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Kunststofffolie / großer Müllsack
- Tarp / Plane, Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Paracord
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.)
- Isomatte
- Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Grundsätze improvisierter Unterkünfte, Standortwahl und Schutzbauten
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Wind, Nässe und Bodenkontakt als Faktoren der Unterkühlung; Notruf bei Unterkühlungszeichen