Reiseversicherung prüfen: Was ist wirklich abgedeckt?
Eine Behandlung oder ein Rücktransport im Ausland kann sehr teuer werden. Vor der Reise lohnt ein gezielter Blick in die Bedingungen: Gilt der Schutz im Zielland, für die geplanten Aktivitäten und für bestehende Erkrankungen? Ist Rücktransport enthalten? Wie lautet die Notfallnummer der Versicherung?
- 30–60 Minuten vor der Reise

Einfach erklärt
Eine Versicherung ist wie ein Regenschirm, den du dir vorher kaufst. Wenn es regnet – also wenn du im Ausland krank wirst oder einen Unfall hast –, hilft sie dir, die Kosten zu tragen. Ein Krankenhaus oder ein Rückflug mit medizinischer Begleitung kann im Ausland sehr teuer werden.
Aber jeder Schirm hat Löcher. In den Versicherungsbedingungen steht, was nicht abgedeckt ist: vielleicht bestimmte Länder, bestimmte Sportarten wie Tauchen oder Bergsteigen oder Krankheiten, die du schon vorher hattest. Darum liest du vor der Reise genau nach, wo die Löcher sind – dann kannst du sie schließen oder weißt wenigstens Bescheid.
Das Wichtigste: Im Notfall rufst du zuerst die örtliche Notrufnummer (in der EU 112). Die Versicherung informierst du danach, so schnell es geht. Ihre Notfallnummer gehört auf deine Notfallkarte.
Wie es funktioniert
Versicherungsschutz hängt an Bedingungen und Ausschlüssen. Bedingungen beschreiben, unter welchen Umständen die Versicherung zahlt; Ausschlüsse beschreiben, wann sie nicht zahlt. Wer diese Lücken vor der Reise kennt, kann sie schließen – etwa mit einem Zusatzschutz – oder das Risiko bewusst tragen, statt im Notfall überrascht zu werden.
Viele Menschen gehen davon aus, dass ihre normale Krankenversicherung im Ausland alles bezahlt. Das stimmt oft nicht oder nur teilweise. Welche Abkommen zwischen Ländern bestehen und welche Leistungen gesetzliche Versicherungen im Ausland erbringen, ist unterschiedlich. Manchmal sind auch über Kreditkarten oder bestehende Policen schon Leistungen abgedeckt, aber mit eigenen Bedingungen. Frag im Zweifel bei deinem Versicherer nach.
Besonders teuer kann ein medizinischer Rücktransport werden, also wenn du krank oder verletzt nach Hause gebracht werden musst, manchmal mit medizinischem Personal an Bord. Ebenso Such- und Rettungskosten, zum Beispiel bei einem Bergunfall. Das CDC Yellow Book behandelt Reiseversicherung, Reisekrankenversicherung und Versicherung für Rücktransporte als Teil der reisemedizinischen Vorbereitung.
Worauf es ankommt
Geh die Bedingungen mit ein paar klaren Fragen durch. Erstens: Gilt der Schutz für dein Reiseziel, für die ganze Reisedauer und für alle Mitreisenden? Zweitens: Sind deine geplanten Aktivitäten eingeschlossen? Bergsteigen, Tauchen oder Motorradfahren sind in manchen Bedingungen ausgeschlossen oder nur gegen Aufpreis versichert.
Drittens: Wie werden Vorerkrankungen und Schwangerschaft behandelt? Gib Vorerkrankungen ehrlich an, wenn danach gefragt wird – sonst kann der Schutz im Ernstfall fehlen. Viertens: Sind medizinischer Rücktransport und Such- und Rettungskosten enthalten? Fünftens: Wie lautet die 24-Stunden-Notfallnummer, und was musst du im Schadensfall tun?
Die Bedingungen sind oft schwer verständlich. Wenn du eine Formulierung nicht verstehst, frag schriftlich beim Versicherer nach und heb die Antwort auf. Für Rechtsfragen rund um Versicherungen ist eine Beratungsstelle oder ein Fachanwalt zuständig – diese Seite gibt keine Rechtsberatung und empfiehlt keine Produkte oder Tarife.
Im Notfall
Bei einem medizinischen Notfall gilt die Reihenfolge: zuerst die örtliche Notrufnummer (in der EU 112), dann – sobald es geht – die Notfallnummer der Versicherung. Viele Versicherer haben einen Notfalldienst, der bei der Suche nach einer geeigneten Klinik, bei der Kostenübernahme und bei einem Rücktransport helfen kann. Manche Leistungen müssen vorher mit dem Versicherer abgesprochen werden.
Bewahre alle Belege, Arztberichte und Rechnungen auf. Notiere, mit wem du wann gesprochen hast. Das macht die spätere Abrechnung deutlich einfacher.
So übst du es
Nimm dir vor jeder größeren Reise 30 bis 60 Minuten Zeit. Leg die Unterlagen aller Versicherungen, die du hast, auf den Tisch, auch die deiner Kreditkarten. Schreib dir die Antworten auf die fünf Fragen in Stichworten auf.
Speichere die Policennummer und die 24-Stunden-Notfallnummer im Handy und schreib sie auf deine Notfallkarte. Leg eine Kopie der Police bei einer Vertrauensperson zu Hause ab. Dann kann jemand für dich handeln, wenn du selbst gerade nicht kannst.
Schritt für Schritt
Bestehenden Schutz klären
Prüfen, was Krankenversicherung, Kreditkarte oder bestehende Policen im Ausland abdecken.
- 1
Bestehenden Schutz klären
Prüfen, was Krankenversicherung, Kreditkarte oder bestehende Policen im Ausland abdecken.
- 2
Geltungsbereich
Gilt der Schutz für das Zielland, die Reisedauer und alle Reisenden?
- 3
Aktivitäten
Sind geplante Aktivitäten wie Bergsteigen, Tauchen oder Motorradfahren eingeschlossen oder ausgeschlossen?
- 4
Medizinisches
Vorerkrankungen, Schwangerschaft, Rücktransport und Such- und Rettungskosten prüfen.
- 5
Notfallnummer notieren
Policennummer und 24-Stunden-Notfallnummer der Versicherung auf Notfallkarte und Handy speichern.
- 6
Daheim hinterlegen
Kopie der Police bei einer Vertrauensperson zu Hause hinterlegen.
Häufige Fehler
- Annahme, die normale Krankenversicherung zahle alles
- Ausschlüsse nicht lesen
- Notfallnummer nicht dabei
- Vorerkrankungen nicht angeben
Kurzüberblick
Material
Kopien der Reisedokumente
Getrennt von den Originalen aufbewahren; digitale Kopien nur geschützt speichern.
Geeignet für
- Auslandsreisen
- Expeditionen, Bergtouren, Tauchen
- Reisen mit Vorerkrankungen
Ungeeignet für
- Rechtsberatung zu Versicherungsfragen
Voraussetzungen
- Versicherungsunterlagen
- Reiseplan mit Zielen und Aktivitäten
Sicherheit
- Im medizinischen Notfall zuerst die lokale Notrufnummer (in der EU 112) anrufen; die Versicherung so bald wie möglich danach informieren.
So funktioniert es
Versicherungsschutz hängt an Bedingungen und Ausschlüssen. Wer die Lücken vor der Reise kennt, kann sie schließen oder das Risiko bewusst tragen – statt im Notfall überrascht zu werden.
Vorteile
- Vermeidet böse Überraschungen
- Schnellere Hilfe im Notfall
Nachteile
- Bedingungen sind oft schwer verständlich
- Zusatzschutz kostet Geld
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das CDC Yellow Book behandelt Reiseversicherung, Reisekrankenversicherung und Versicherung für medizinische Rücktransporte als Teil der reisemedizinischen Vorbereitung.
Welche Abkommen zwischen Ländern bestehen und welche Leistungen gesetzliche Versicherungen im Ausland erbringen, unterscheidet sich je nach Land – beim eigenen Versicherer nachfragen.
Häufige Fehler
- Annahme, die normale Krankenversicherung zahle alles
- Ausschlüsse nicht lesen
- Notfallnummer nicht dabei
- Vorerkrankungen nicht angeben
Grenzen und Risiken
- Keine Produkt- oder Tarifempfehlungen
- Keine Rechtsberatung
Quellen
Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel
Reiseversicherung, Reisekrankenversicherung und Versicherung für medizinische Rücktransporte