UV-Entkeimung und Solare Wasserdesinfektion (SODIS)
UV-Strahlung schädigt das Erbgut von Mikroorganismen. Batteriebetriebene UV-C-Geräte behandeln klares Wasser in kurzer Zeit nach Herstellerangabe; bei SODIS liegen klare PET-Flaschen stundenlang in der Sonne. Beide Verfahren funktionieren nur in klarem Wasser, entfernen keine Chemikalien und hinterlassen keinen Restschutz.
- UV-C-Gerät: kurz, laut Hersteller; SODIS: 6 Stunden volle Sonne, bei starker Bewölkung zwei Tage

Einfach erklärt
Die Sonne kann dir einen Sonnenbrand verpassen. Ihr unsichtbares UV-Licht kann auch winzige Krankheitserreger schädigen – es zerstört ihren „Bauplan“, sodass sie sich nicht mehr vermehren können. Das nutzt man auf zwei Arten: mit einem kleinen batteriebetriebenen UV-Stab, den man ins Wasser hält, oder mit der Sonne selbst.
Bei der Sonnenmethode, sie heißt SODIS, füllst du klares Wasser in eine durchsichtige Plastikflasche und legst sie für sechs Stunden in die volle Sonne, bei starker Bewölkung zwei Tage lang. Aber: Das Licht muss durch das Wasser hindurchkommen. In trübem Wasser verstecken sich Keime im Schatten der Schmutzteilchen. Ein Test: Stell die volle Flasche auf eine Zeitungsüberschrift. Kannst du sie von oben nicht lesen, ist das Wasser zu trüb.
Wichtig: UV-Licht lässt keinen Schutz im Wasser zurück. Trink das Wasser also bald und gieße es nicht in einen schmutzigen Behälter. Und gegen Gift oder Salz im Wasser hilft UV überhaupt nicht.
Wie es funktioniert
Ultraviolettes Licht hat mehr Energie als sichtbares Licht. Trifft es auf Mikroorganismen, schädigt es deren Erbgut, also DNA oder RNA. Die Erreger sind dann zwar nicht unbedingt sofort zerstört, können sich aber nicht mehr vermehren und keine Krankheit mehr auslösen.
UV-C-Geräte arbeiten mit einer Lampe oder LEDs, die sehr energiereiches UV-C-Licht abgeben. Dieses Licht kommt in der Natur auf der Erdoberfläche praktisch nicht an, weil die Atmosphäre es abfängt. Die Geräte liefern so in kurzer Zeit eine hohe Dosis. SODIS dagegen nutzt das schwächere UV-A-Licht der Sonne und zusätzlich eine gewisse Erwärmung des Wassers über viele Stunden.
Beide Verfahren haben dieselbe Achillesferse: Licht muss die Erreger erreichen. Trübstoffe schlucken und streuen das Licht und werfen kleine Schatten, in denen Keime überleben können. Darum funktionieren UV und SODIS nur mit klarem oder gut vorgeklärtem Wasser.
SODIS richtig anwenden
SODIS wurde von der Schweizer Forschungsanstalt Eawag für Haushalte in sonnenreichen Regionen entwickelt. Das Handbuch nennt klare, unbeschädigte PET-Flaschen mit höchstens 2 Litern. Gefärbte, stark zerkratzte oder größere Flaschen lassen zu wenig Licht durch oder sind zu dick, als dass die Sonne das Wasser überall gleich gut erreicht. Etiketten werden entfernt.
Prüfe vorher die Klarheit mit dem Zeitungstest: Flasche gefüllt auf eine Überschrift stellen und von oben hindurchschauen. Ist die Schrift nicht lesbar, ist das Wasser zu trüb und muss erst absetzen oder vorgefiltert werden. Dann legst du die verschlossenen Flaschen liegend auf eine reflektierende Fläche wie Wellblech oder eine Rettungsdecke – liegend, damit die Wasserschicht dünn ist.
Die Bestrahlungszeit beträgt 6 Stunden volle Sonne. Bei starker Bewölkung braucht es zwei aufeinanderfolgende Tage. Bei Dauerregen funktioniert SODIS nicht. Danach trinkst du direkt aus der Flasche oder füllst in ein sauberes Gefäß um, ohne das Wasser mit Rohwasser zu mischen.
UV-C-Geräte
Tragbare UV-C-Geräte gibt es als Stäbe, die man ins Wasser taucht, oder als Flaschendeckel mit eingebauten LEDs. Laut Herstellern und der US-Gesundheitsbehörde CDC wirken sie in klarem Wasser gegen Bakterien, Viren und Protozoen. Wassermenge, Dauer und Anwendung legt der Hersteller fest – daran musst du dich genau halten.
Typischerweise füllst du die vorgegebene Menge in ein Gefäß mit passender Öffnung, tauchst die Lampe ein und bewegst sie während des Zyklus, damit das ganze Wasser bestrahlt wird. Das Gerät zeigt an, wenn der Zyklus abgeschlossen ist. Bricht er ab, etwa weil die Batterie leer ist, gilt das Wasser als unbehandelt.
Die Achillesferse ist die Energie: Ohne geladene Batterien funktioniert das Gerät nicht, und Kälte schwächt viele Batterien. Ersatzbatterien oder ein zweites Verfahren als Reserve sind deshalb sinnvoll. Schau nicht in die leuchtende UV-C-Lampe – UV-C-Licht kann Augen und Haut schädigen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Das Wasser kann klar wirken und trotzdem nicht ausreichend behandelt sein, wenn feine Trübung das Licht abschattet. Im Zweifel klärst du vor oder wählst ein anderes Verfahren, etwa Abkochen. Halte bei SODIS die Bedingungen genau ein: Die Wirkung auf Bakterien ist am besten belegt, Viren und Parasiten reagieren je nach Art unterschiedlich empfindlich.
UV und SODIS hinterlassen keinen Restschutz. Bewahre das behandelte Wasser im selben sauberen Gefäß auf und trink es bald. Wird es mit schmutzigen Händen, Gefäßen oder Rohwasser in Berührung gebracht, ist es wieder belastet.
Gegen Chemikalien, Schwermetalle und Salz wirkt UV-Licht nicht. Wasser aus belasteten Quellen, Hochwasser mit Kraftstoffverdacht oder Meerwasser wird dadurch nicht trinkbar.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
SODIS ist ideal, wenn es sonnig ist, das Wasser klar ist und Zeit keine Rolle spielt – etwa an einem festen Lagerplatz oder zu Hause in einer sonnigen Region, wenn Brennstoff knapp ist. Es kostet fast nichts, braucht keine Chemikalien und verändert den Geschmack nicht. Mit mehreren Flaschen im Wechsel lässt sich ein kleiner Tagesbedarf decken.
UV-C-Geräte passen zu Touren mit klarem Wasser aus Quellen und Bächen, wenn es schnell gehen soll und keine Wartezeit möglich ist. Sie sind leicht, aber auf Batterien und ein intaktes Gerät angewiesen.
Ungeeignet sind beide bei trübem Wasser, bei großen Mengen und bei jedem Verdacht auf chemische Belastung. SODIS scheidet außerdem bei Regen, Dauerbewölkung, im Schatten und mit Glas- oder gefärbten Flaschen aus. Dann sind Abkochen oder chemische Desinfektion die besseren Optionen.
Schritt für Schritt
Klarheit sicherstellen
Lass trübes Wasser absetzen und filtere es vor. Für SODIS: Stelle die gefüllte Flasche auf eine Zeitungsüberschrift und blicke von oben hindurch; ist die Schrift nicht lesbar, ist das Wasser zu trüb.
- 1
Klarheit sicherstellen
Lass trübes Wasser absetzen und filtere es vor. Für SODIS: Stelle die gefüllte Flasche auf eine Zeitungsüberschrift und blicke von oben hindurch; ist die Schrift nicht lesbar, ist das Wasser zu trüb.
- 2
UV-C-Gerät anwenden
Fülle die vom Hersteller vorgegebene Wassermenge in ein Gefäß mit passender Öffnung, tauche die Lampe ein und bewege sie für die angegebene Dauer, bis das Gerät den Abschluss anzeigt.
Bricht der Zyklus ab (z. B. leere Batterie), gilt das Wasser als unbehandelt.
- 3
SODIS: Flaschen füllen
Fülle klare, unbeschädigte PET-Flaschen mit höchstens 2 Litern, verschließe sie und entferne Etiketten.
- 4
SODIS: in die Sonne legen
Lege die Flaschen liegend auf eine reflektierende Fläche (z. B. Wellblech oder Rettungsdecke) in volle Sonne – 6 Stunden bei Sonnenschein, zwei aufeinanderfolgende Tage bei starker Bewölkung. Bei Dauerregen funktioniert SODIS nicht.
- 5
Aus der Flasche trinken
Trinke das Wasser direkt aus der Flasche oder fülle es in ein sauberes Gefäß; nicht mit Rohwasser mischen.
Häufige Fehler
- Trübes Wasser bestrahlen
- Zerkratzte, gefärbte oder zu große Flaschen für SODIS verwenden
- SODIS bei Regen oder im Schatten
- Den UV-Zyklus bei schwacher Batterie für abgeschlossen halten
- Behandeltes Wasser in einen ungereinigten Behälter umfüllen
Kurzüberblick
Material
UV-C-Entkeimungsgerät
Für die Gerätevariante
Wirkt nur in klarem Wasser; Batteriestand prüfen.
PET-Flasche (klar, max. 2 Liter)
Für SODIS: klar, unbeschädigt, max. 2 Liter
Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.
Rettungsdecke
Reflektierende Unterlage für SODIS
Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.
Leitfähig – nicht in der Nähe von Stromleitungen verwenden.
Baumwolltuch / T-Shirt
Zum Vorklären
Filtert nur grobe Partikel – keine Entkeimung.
Geeignet für
- Klares Wasser aus Bächen, Quellen oder Regen
- Situationen ohne Brennstoff
- SODIS: sonnenreiche Regionen mit Zeit für die Bestrahlung
Ungeeignet für
- Trübes Wasser
- Chemisch belastetes Wasser oder Meerwasser
- SODIS: Regen, Dauerbewölkung, große Wassermengen, Glas- oder gefärbte Flaschen
Voraussetzungen
- Klares oder gut vorgeklärtes Wasser
- Für Geräte: geladene Batterien
- Für SODIS: verlässlicher Sonnenschein und Zeit
Sicherheit
- UV und SODIS hinterlassen keinen Restschutz. Behandeltes Wasser im selben sauberen Gefäß aufbewahren und bald trinken.
- Keine Wirkung gegen Chemikalien, Schwermetalle oder Salz.
So funktioniert es
Ultraviolettes Licht schädigt DNA und RNA von Mikroorganismen, sodass sie sich nicht mehr vermehren können. UV-C-Lampen liefern eine hohe Dosis in kurzer Zeit. SODIS nutzt das UV-A-Licht der Sonne und eine gewisse Erwärmung des Wassers über viele Stunden. Trübstoffe absorbieren und streuen das Licht und schwächen beide Verfahren.
Vorteile
- Kein Geschmack, keine Chemikalien
- SODIS: kein Brennstoff, kaum Kosten
- UV-C: sehr schnell bei klarem Wasser
Nachteile
- Nur für klares Wasser
- Kein Restschutz
- UV-C: batterie- und geräteabhängig
- SODIS: langsam, wetterabhängig, kleine Mengen
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
SODIS wurde von der Eawag für Haushalte in sonnenreichen Regionen entwickelt. Das Handbuch nennt klare PET-Flaschen bis 2 Liter, 6 Stunden volle Sonne bzw. zwei aufeinanderfolgende Tage bei starker Bewölkung und einen einfachen Zeitungstest zur Trübung. Die Wirkung auf Bakterien ist am besten belegt; Viren und Protozoenzysten reagieren je nach Art unterschiedlich empfindlich, weshalb die Bedingungen genau eingehalten werden müssen.
UV-C-Geräte liefern eine definierte Dosis in kurzer Zeit. Ihre Wirkung hängt von Klarheit, korrekter Anwendung und Batteriestand ab; die Geräte zeigen meist an, ob ein Zyklus vollständig war. Für beide Verfahren gilt: Sie verändern das Wasser chemisch nicht und hinterlassen keinen Schutz gegen erneute Verunreinigung.
Varianten
- UV-C-Gerät
- Batteriebetriebene Stäbe oder Flaschendeckel mit UV-C-LEDs oder -Lampen. Wirksamkeit, Wassermenge und Dauer gemäß Herstellerangabe; wirkt laut Herstellern und CDC gegen Bakterien, Viren und Protozoen in klarem Wasser.
- SODIS
- Solare Wasserdesinfektion in PET-Flaschen nach dem Handbuch der Eawag. Kostenlos und ohne Energiequelle, aber langsam, wetterabhängig und auf kleine Mengen beschränkt.
Häufige Fehler
- Trübes Wasser bestrahlen
- Zerkratzte, gefärbte oder zu große Flaschen für SODIS verwenden
- SODIS bei Regen oder im Schatten
- Den UV-Zyklus bei schwacher Batterie für abgeschlossen halten
- Behandeltes Wasser in einen ungereinigten Behälter umfüllen
Grenzen und Risiken
- Nicht für trübes Wasser
- Keine Entfernung von Chemikalien, Salz oder Trübung
- Kein Restschutz
Quellen
Eawag – Swiss Federal Institute of Aquatic Science and Technology (2016): SODIS manual – Guidance on solar water disinfection
SODIS-Anleitung: Flaschen, Expositionszeit, Bewölkung, Trübungstest
Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel – Water Disinfection
UV-Entkeimung mit tragbaren Geräten und SODIS; Bedeutung klaren Wassers
World Health Organization (2022): Guidelines for drinking-water quality, fourth edition incorporating the first and second addenda
UV-Desinfektion und fehlender Restschutz