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Wandergruppe auf kaltem Bergrücken, jemand bekommt eine zusätzliche Jacke

Jemand in der Gruppe kühlt aus

Jemand bleibt zurück, zittert und sagt „geht schon“ – Auskühlung beginnt leise, und früh zu handeln verhindert meist, dass daraus ein Notfall wird.

Zuerst

  1. Weitere Auskühlung stoppen: aus Wind und Nässe bringen, in ein Gebäude oder Fahrzeug, wenn erreichbar.
  2. Von unten isolieren (Matte, Rucksack, Kleidung), nasse Kleidung im Windschutz durch trockene ersetzen, einpacken und Kopf bedecken.
  3. Bei Verwirrtheit, Benommenheit, nachlassendem Zittern trotz Kälte oder Verletzung: sofort lokale Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
  4. Die Person schonend behandeln, nicht allein lassen und Bewusstsein und Atmung beobachten.

Notruf wählen bei

  • Verwirrtheit, Benommenheit, verwaschene Sprache
  • Zittern hört auf, obwohl die Person noch kalt ist
  • Bewusstlosigkeit oder fehlende normale Atmung
  • Die Person kann nicht selbst in die Wärme gelangen oder ist verletzt

Was gerade passiert

Auskühlung beginnt leise. Jemand bleibt zurück, redet weniger, zieht die Schultern hoch und sagt „geht schon“. Oft steckt keine klirrende Kälte dahinter, sondern eine Kombination aus Nässe, Wind, Erschöpfung und zu wenig Essen – auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt.

Zunächst zittert der Körper stark, die Finger werden ungeschickt, Reißverschlüsse und Schnürsenkel gelingen nicht mehr. Wird die Auskühlung nicht gestoppt, kommen Stolpern, undeutliche Sprache, Verwirrtheit und Teilnahmslosigkeit hinzu. Ein besonders ernstes Zeichen: Das Zittern lässt nach, obwohl die Person weiterhin kalt ist.

Gefährlich ist, dass Betroffene ihren Zustand selbst kaum einschätzen können – Verwirrtheit gehört dazu. Die Verantwortung liegt bei der Gruppe: Wer genau hinsieht und früh handelt, verhindert in den meisten Fällen, dass aus Frieren ein Notfall wird. Stark unterkühlte Menschen sind zudem empfindlich: Grobes Bewegen kann ihren Kreislauf gefährden.

Was zählt: weitere Wärmeverluste stoppen – Wind, Nässe, kalter Boden –, isolieren und einpacken, bei Alarmzeichen sofort den Notruf wählen, die Person schonend behandeln und nicht allein lassen. Das aktive Wiedererwärmen schwer unterkühlter Menschen gehört in die Hände des Rettungsdienstes.

Schritt für Schritt

  1. Phase 1

    Sofort, sobald du es bemerkst

    • Die ganze Gruppe hält an – niemand geht allein voraus oder zurück.
    • Aus Wind und Nässe: Windschatten hinter Fels, im Wald, in einem Gebäude oder Fahrzeug, wenn erreichbar.
    • Von unten isolieren: Matte, Rucksack oder Kleidung unter die Person legen.
    • Mütze, Handschuhe und eine trockene Schicht anziehen.
    • Einschätzen: Zittert die Person und ist wach und klar – oder ist sie verwirrt, benommen, ungeschickt?
  2. Phase 2

    Wenn die Person zittert, aber wach und klar ist

    • Nasse Kleidung im Windschutz zügig und schichtweise gegen trockene tauschen.
    • Etwas essen lassen; warme, süße Getränke nur, wenn die Person sicher schlucken kann.
    • Wird es nicht schnell besser: Tour abbrechen und gemeinsam auf dem kürzesten sicheren Weg in die Wärme.
    • Die Person weiter beobachten, auch wenn sie sagt, es gehe ihr gut.
  3. Phase 3

    Bei Alarmzeichen

    • Bei Verwirrtheit, Benommenheit, undeutlicher Sprache, nachlassendem Zittern trotz Kälte oder Verletzung: sofort die lokale Notrufnummer (in der EU 112) wählen.
    • Die Person nicht mehr selbst gehen lassen, möglichst liegend und sehr schonend lagern.
    • Einpacken: Isolierung unten, alle verfügbaren Schichten, Rettungsdecke oder Biwaksack außen, Kopf und Nacken bedecken.
    • Wärmepads, wenn vorhanden, auf den Rumpf legen, niemals direkt auf die Haut. Nicht reiben, nicht massieren, keinen Alkohol geben.
    • Reagiert die Person nicht: Atmung prüfen und den Anweisungen der Leitstelle folgen; stabile Seitenlage nur, wenn du darin geschult bist.
  4. Phase 4

    Bis Hilfe kommt – und danach

    • Bei der Person bleiben, sie ansprechen und Bewusstsein und Atmung beobachten.
    • Auf die übrige Gruppe achten: Auch Helfende kühlen beim Warten aus.
    • Den Standort für die Rettung auffindbar machen: Koordinaten durchgeben, Licht, Pfeife, auffällige Kleidung.
    • Nach der Tour bei Alarmzeichen ärztlich abklären lassen und gemeinsam besprechen, was beim nächsten Mal früher passieren sollte.

Worauf du achten musst

  • Frühe Zeichen werden übersehen

    Stolpern, Nuscheln, Fummeln mit den Fingern und schlechte Laune sind oft die ersten Hinweise. Frag nicht nur „Alles gut?“, sondern beobachte, was die Person tut.

  • Plusgrade, Wind und Nässe

    Nasse Kleidung verliert viel von ihrer Isolierung, und Wind verstärkt den Wärmeverlust. Unterkühlung ist deshalb auch bei Temperaturen über null möglich.

  • Wenn das Zittern aufhört

    Hört jemand auf zu zittern, obwohl er weiterhin kalt ist, ist das kein Zeichen der Besserung, sondern ein Alarmzeichen. Sofort Notruf.

  • Schonend bewegen

    Bei schwer unterkühlten Menschen kann grobes Bewegen den Herzrhythmus stören. Behutsam lagern und nicht unnötig umhertragen.

  • Verbrennungen durch Wärmequellen

    Ausgekühlte Haut spürt Hitze schlecht. Wärmepads und Wärmflaschen nie direkt auf die Haut legen.

  • Die Helfenden

    Wer seine Jacke abgibt und lange im Wind steht, wird der nächste Fall. Die ganze Gruppe muss warm bleiben.

Häufige Fehler

  • Eine verwirrte Person weiterlaufen lassen, „damit ihr warm wird“.
  • Nur von oben zudecken und die Person auf dem kalten Boden liegen lassen.
  • Nasse Kleidung anlassen, obwohl trockene vorhanden ist.
  • Arme und Beine reiben oder Alkohol zum Aufwärmen geben.
  • Den Notruf hinauszögern, bis die Person nicht mehr reagiert.
  • Die Person allein zurücklassen, um Hilfe zu holen, obwohl ein Anruf möglich wäre.

Vorher vorbereiten

  • Sitzmatte, Rettungsdecke oder Biwaksack, Mütze, Handschuhe und eine trockene Ersatzschicht wasserdicht verpackt mitnehmen.
  • Eine Thermoskanne mit warmem Getränk und ausreichend Essen einpacken.
  • Wetter, Wind und Temperatur in der Höhe vor der Tour prüfen.
  • In der Gruppe vereinbaren: Wer friert, sagt es sofort – und Umkehren ist jederzeit in Ordnung.
  • Einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, idealerweise mit Outdoor-Schwerpunkt.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene und sagen es oft nicht. Kontrolliere regelmäßig Hände, Gesicht und Stimmung und mach früher Pause.
Ältere und vorerkrankte Menschen
Ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten können Kälte schlechter wahrnehmen und ausgleichen. Bei ihnen besonders früh handeln.
Hunde
Kleine und kurzhaarige Hunde kühlen schnell aus, besonders nach dem Schwimmen. Abtrocknen und vor Wind schützen.

Quellen

  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid · European Resuscitation Council – Resuscitation (journal), 2021
  • International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020 · International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre, 2020

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Grundlagen für diese Situation

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Alle Regeln dieser Situation (5)
  1. [nicht aktiv] Wenn Zeichen = Reagiert nicht

    Sofort Notruf wählen und den Anweisungen der Leitstelle folgen. Atmung prüfen; sehr schonend bewegen und vor weiterer Kälte schützen.

  2. [nicht aktiv] Wenn Zeichen = Verwirrt, ungeschickt, benommen

    Alarmzeichen: Notruf wählen. Die Person nicht mehr selbst laufen lassen, isolieren, einpacken und bei ihr bleiben.

  3. [nicht aktiv] Wenn Zeichen = Zittert, ist wach und klar

    Früh handeln: Pause im Windschutz, trockene Schichten anziehen, essen. Wird es nicht besser, Tour abbrechen.

  4. [nicht aktiv] Wenn Schutz erreichbar = Nur Gelände

    Windgeschützten Platz suchen, Bodenisolierung zuerst, Rettungsdecke außen um alle Schichten. Position für Retter auffindbar machen.

  5. [nicht aktiv] Wenn Ausrüstung = Kaum etwas

    Mit dem isolieren, was da ist: Rucksäcke, Kleidung der Gruppe, Plastiktüten gegen Wind und Nässe.