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Gewitterwolken über einer Bergwiese, Wanderer steigen ins Tal ab

Ein Gewitter zieht auf und ich bin draußen

Quellwolken türmen sich auf, der Wind frischt auf, in der Ferne grollt es – draußen gibt es keinen wirklich sicheren Ort, aber viel, was du jetzt richtig machen kannst.

Zuerst

  1. Ist Donner hörbar, ist man in Reichweite von Blitzen: Aktivität abbrechen und Schutz suchen.
  2. Sichere Orte sind feste Gebäude und geschlossene Fahrzeuge mit Metalldach – keine Zelte, Unterstände oder einzelnen Bäume.
  3. Gipfel, Grate, freie Flächen und Wasser sofort verlassen; als Gruppe Abstand zueinander halten.
  4. Erst wieder hinausgehen, wenn das Gewitter sicher abgezogen ist.

Notruf wählen bei

  • Jemand wurde vom Blitz getroffen – Betroffene sind nicht elektrisch geladen und dürfen sofort berührt werden
  • Bewusstlosigkeit oder fehlende normale Atmung
  • Verletzung durch Sturz oder herabfallende Äste
  • Anzeichen von Unterkühlung nach Nässe und Kälte

Was gerade passiert

Gewitter bauen sich im Sommer oft innerhalb weniger Stunden auf, im Gebirge typischerweise am Nachmittag. Vorzeichen sind rasch in die Höhe wachsende Quellwolken mit dunkler Basis, auffrischender, böiger Wind und erstes fernes Grollen. Wer erst beim ersten nahen Blitz reagiert, hat meist schon wertvolle Zeit verloren.

Blitze können ein gutes Stück vor der eigentlichen Gewitterfront einschlagen, oft schon bevor es regnet. Deshalb gilt: Ist Donner hörbar, bist du in Reichweite. Gefährlich ist nicht nur der direkte Einschlag: Der Strom breitet sich über Boden, Wasser und nassen Fels aus und kann auch Menschen in der Nähe treffen, und er kann von einem getroffenen Baum oder Mast auf Personen daneben überspringen.

Dazu kommen Folgegefahren: Starkregen lässt Rinnen und Bäche in kurzer Zeit anschwellen, Hagel und Sturmböen brechen Äste ab, nasser Fels wird rutschig, und nach dem Unwetter kühlen durchnässte Menschen schnell aus – besonders in der Höhe.

Typische Fehleinschätzungen sind „Das zieht vorbei“, Schutz unter einem einzelnen Baum, Abwarten im Zelt oder unter einem offenen Unterstand und zu frühes Weitergehen. Was wirklich zählt: den Wetterbericht vor der Tour ernst nehmen, früh umkehren, exponierte Stellen rechtzeitig verlassen und in festen Gebäuden oder geschlossenen Fahrzeugen mit Metalldach abwarten.

Schritt für Schritt

  1. Phase 1

    Bei den ersten Anzeichen

    • Wetterlage und Warn-App prüfen; auf Wolkenentwicklung und Wind achten.
    • Den Plan anpassen: umkehren oder die nächste Hütte, das nächste feste Gebäude oder das Auto ansteuern.
    • Gipfel, Grate, Klettersteige mit Drahtseilen und freie Flächen frühzeitig verlassen.
    • Aus dem Wasser gehen – beim Baden ebenso wie im Boot.
  2. Phase 2

    Wenn du Donner hörst

    • Sofort in ein festes Gebäude oder ein geschlossenes Fahrzeug mit Metalldach gehen und die Fenster schließen.
    • Ist das nicht erreichbar: exponierte Stellen verlassen und tiefer gelegene Bereiche aufsuchen – aber keine Rinnen oder Bachbetten.
    • Abstand halten zu einzeln stehenden Bäumen, Masten, Metallzäunen, Drahtseilen und Stromleitungen.
    • Als Gruppe auseinandergehen, aber in Ruf- und Sichtweite bleiben, damit ihr einander helfen könnt.
    • Regenkleidung und eine warme Schicht anziehen, bevor du durchnässt bist.
  3. Phase 3

    Während des Gewitters

    • Im Gebäude von Fenstern fernbleiben und den Kontakt mit Wasserleitungen und kabelgebundenen Geräten meiden.
    • Im Fahrzeug sitzen bleiben, Fenster geschlossen halten.
    • Draußen: Es gibt keine Haltung, die dich sicher macht. Nicht flach auf den Boden legen; wenn möglich weiter von exponierten Stellen weg.
    • Auf die Gruppe achten: Sind alle da? Friert jemand? Steigt Wasser in der Nähe?
  4. Phase 4

    Danach

    • Erst etwa 30 Minuten nach dem letzten Donner wieder ins Freie gehen.
    • Nasse Kleidung wechseln, essen und trinken, auf Anzeichen von Unterkühlung achten.
    • Den Weg auf neue Gefahren prüfen: angeschwollene Bäche, Steinschlag, abgebrochene Äste, rutschiger Fels.
    • Wurde jemand vom Blitz getroffen: Notruf (in der EU 112) wählen – Betroffene sind nicht elektrisch geladen und dürfen sofort berührt werden. Atmung prüfen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.

Worauf du achten musst

  • Der Blitz kommt vor dem Regen

    Blitze schlagen oft schon ein, bevor es regnet, und auch nach dem Durchzug noch. Blauer Himmel über dir bedeutet nicht, dass du außer Reichweite bist.

  • Strom im Boden

    Nach einem Einschlag fließt Strom über den Boden, nassen Fels und Wasser weiter. Deshalb verringert Abstand innerhalb der Gruppe das Risiko, dass mehrere Personen betroffen sind.

  • Drahtseile und Metallzäune

    Seilversicherungen an Klettersteigen und lange Zäune können Strom über weite Strecken leiten. Frühzeitig vom Klettersteig absteigen.

  • Sturzfluten in Rinnen

    Starkregen kann Rinnen, Schluchten und Bäche sehr schnell anschwellen lassen, auch durch Regen weiter oben. Dort keinen Schutz suchen.

  • Falsche Sicherheit

    Zelte, offene Unterstände, Höhleneingänge und Felsüberhänge schützen nicht vor Blitzen. Sie halten nur den Regen ab.

  • Auskühlung nach dem Gewitter

    Gewitter bringen oft einen deutlichen Temperatursturz. Wer durchnässt im Wind steht, kann auch im Sommer auskühlen.

Häufige Fehler

  • Zu lange warten, weil das Gewitter noch weit weg scheint.
  • Unter einem einzelnen Baum oder am Waldrand Schutz suchen.
  • Im Zelt oder unter einem offenen Unterstand abwarten.
  • Den Gipfel trotz aufziehender Gewitter noch „schnell mitnehmen“.
  • Als Gruppe eng zusammenrücken.
  • Zu früh weitergehen, sobald der Regen nachlässt.

Vorher vorbereiten

  • Wetterbericht und Gewitterneigung vor jeder Tour prüfen und eine offizielle Warn-App installieren.
  • Früh starten und eine Umkehrzeit festlegen, die vor der typischen Gewitterzeit liegt.
  • Wissen, wo entlang der Route feste Gebäude, Hütten oder das Auto erreichbar sind.
  • Regenschutz und eine warme Schicht immer mitnehmen.
  • Einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen.

Besondere Rücksicht

Kinder
Gewitter machen vielen Kindern Angst. Erkläre ruhig, was ihr tut und warum, und halte sie in deiner unmittelbaren Nähe – auch wenn die Gruppe sonst Abstand hält.
Hunde
Viele Hunde geraten bei Donner in Panik und laufen davon. Halte deinen Hund an der kurzen Leine.

Quellen

  • Lightning Safety · NOAA National Weather Service (USA)
  • Thunderstorms & Lightning · Ready.gov – U.S. Federal Emergency Management Agency (FEMA)
  • Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition · The Mountaineers Books, 2017

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Grundlagen für diese Situation

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Alle Regeln dieser Situation (7)
  1. [nicht aktiv] Wenn Schutz erreichbar = Nichts davon

    Draußen gibt es keinen sicheren Ort. Exponierte Stellen verlassen, tiefer gelegene Bereiche aufsuchen – aber keine Rinnen mit fließendem Wasser – und als Gruppe Abstand halten. Das senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht.

  2. [nicht aktiv] Wenn Schutz erreichbar = Festes Gebäude

    Ins Gebäude gehen und drinnen bleiben, bis das Gewitter abgezogen ist. Abstand zu Fenstern halten.

  3. [nicht aktiv] Wenn Schutz erreichbar = Auto mit Metalldach

    Ins Fahrzeug setzen und Fenster schließen. Cabrios und Fahrzeuge mit Kunststoffkarosserie bieten diesen Schutz nicht.

  4. [nicht aktiv] Wenn Gelände = Gebirge

    Gipfel und Grate sofort verlassen. Beim nächsten Mal die Umkehrzeit so planen, dass exponierte Stellen vor der typischen Gewitterzeit verlassen sind.

  5. [nicht aktiv] Wenn Gelände = Wald

    Auch im Wald gibt es keinen sicheren Platz. Einzeln stehende oder herausragende Bäume meiden und auf herabfallende Äste achten.

  6. [nicht aktiv] Wenn Gelände = Offenes Gelände, Feld

    Auf freier Fläche zügig zu einem Gebäude oder Fahrzeug. Abstand zu Metallzäunen, Masten und Stromleitungen halten.

  7. [nicht aktiv] Wenn Gelände = Am oder auf dem Wasser

    Wasser sofort verlassen – beim Baden ebenso wie im Boot – und Schutz an Land suchen.